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200 Jahre Frankenstein: Faszination Monster

Eines der berühmtesten Monster der Populärkultur wird dieser Tage 200 Jahre alt: Anfang 1818 veröffentlichte die britische Autorin Mary Shelley ihren Roman "Frankenstein". In ihm erweckt ein Wissenschaftler einen künstlich zusammengestückelten Menschen zum Leben. Das Motiv von Frankenstein und seinem Monster wird bis heute immer wieder in Film und Buch nacherzählt und übt eine ungebrochene Faszination aus. Wohl auch, weil der Stoff Fragen wie die nach den Grenzen wissenschaftlichen Strebens stellt - und damit aktueller ist denn je.

Frankenstein-Monster
Shelleys namenloses Wesen ist eine aus Leichenteilen zusammengestückelte menschenähnliche Kreatur.
In der Popkultur ist es unter dem Namen seines Schöpfers Frankenstein eingegangen. Im Roman heißt das Monster jedoch nur das "Wesen", der "Dämon" oder der "Teufel": eine aus Leichenteilen zusammengestückelte menschliche Kreatur, mit den Mitteln der Naturwissenschaft zum Leben erweckt. Sie ist das Werk eines genial-wahnsinnigen Forschergeistes, der daran tüftelt, Herr über Leben und Tod zu werden.

Entsprungen sind die Figuren des Grenzen überschreitenden Wissenschaftlers und seiner hässlichen Schöpfung der Feder von Mary Shelley. Die Achtzehnjährige reist 1816 mit einer Gruppe junger Engländer durch Europa. Es ist das Jahr ohne Sommer: Der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien hat Europa in eine Decke aus Aschewolken gehüllt und ungemütliche Kälte gebracht. In der Schweiz flüchten sich die Reisenden vor der notorisch schlechten Witterung unter das Dach des Poeten Lord Byron. Passend zur Wetterlage entsteht eine düstere Idee. Man verabredet einen Wettstreit im Schauergeschichtenschreiben.

Von zuckenden Leichnamen

Ihr Material findet Shelley in den philosophischen und naturwissenschaftlichen Themen ihrer Zeit. Anfang des 19. Jahrhunderts scheint die Menschheit kurz davor zu stehen, selbst zum Erschaffer von Leben zu werden. Denn der Arzt Luigi Galvani hat entdeckt, dass durch Stromstöße Muskelbewegungen erzeugt werden können - auch bei toten Lebewesen. In Glasgow wird daraufhin der Leichnam eines hingerichteten Verbrechers vor großem Publikum an eine Stromquelle angeschlossen. Dieser zuckt und windet sich.

Kann der Mensch bald wirklich den Tod besiegen? Wenn ja, darf er das? Und was ist eigentlich das Wesen des Lebens? Fragen wie diese beschäftigen damals die Öffentlichkeit. Sie inspirieren auch die junge Autorin. So entsteht die Geschichte eines künstlichen Menschen, dem von der Welt und sogar von seinem eigenen Schöpfer nur Abscheu und Hass entgegenschlagen - und der dadurch schließlich zum sich rächenden Mörder wird.

Wachsmodell von Frankensteins Monster
Die Hollywood-Verfilmung Boris Karloff prägt bis heute das Bild von Frankensteins Monster.
Ein menschliches Monster

Am 1. Januar 1818 wird Shelleys Schauergeschichte erstmals veröffentlicht. Zunächst wird der Roman verrissen. Doch die Idee von Frankenstein und seinem Monster zündet: Theater bringen Frankenstein-Geschichten, 1910 gibt es den ersten Stummfilm und 1931 kreiert Regisseur James Whale mit dem britischen Schauspieler Boris Karloff in der Hauptrolle das berühmte Bild des klobigen Riesen mit dem turmartigen Schädel.

Bis heute werden Kino, Fernsehen und Literatur nicht müde, das inzwischen 200 Jahre alte Monster in zahllosen Versionen hochleben lassen. Denn noch immer übt die Geschichte eine schier ungebrochene Faszination auf Zuschauer und Leser aus. Das liegt gewiss nicht nur daran, dass wir uns vor dem mordenden Wesen aufs Genüsslichste gruseln können und es in seiner Ambivalenz gleichzeitig so ungemein menschlich ist.

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DAL, 09.02.2018
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