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80 Jahre Konflikt Griechenland – Türkei

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Waghalsiger Angriff: Griechenlands König Konstantin I. scheiterte beim Versuch, Angora zu erobern, an der Armee Kemal Paschas.
Waghalsiger Angriff: Griechenlands König Konstantin I. scheiterte beim Versuch, Angora zu erobern, an der Armee Kemal Paschas.
dpa
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Die 1973 fertiggestellte Bosporus-Brücke in Istanbul verbindet den europäischen und den asiatischen Teil der Türkei. Die Kontrolle der Meerenge hat strategisch überragende Bedeutung.
Die 1973 fertiggestellte Bosporus-Brücke in Istanbul verbindet den europäischen und den asiatischen Teil der Türkei. Die Kontrolle der Meerenge hat strategisch überragende Bedeutung.
dpa
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Mustafa Kemal Pascha, der den ehrenvollen Beinamen Kemal Atatürk (Vater der Türken) erhielt, gründete die moderne türkische Republik.
Mustafa Kemal Pascha, der den ehrenvollen Beinamen Kemal Atatürk (Vater der Türken) erhielt, gründete die moderne türkische Republik.
dpa
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Zyperns Staatspräsident Erzbischof Makarios legt nach seiner Wahl 1960 an den Gräbern der EOKA-Widerstandskämpfer in Nikosia Blumen nieder.
Zyperns Staatspräsident Erzbischof Makarios legt nach seiner Wahl 1960 an den Gräbern der EOKA-Widerstandskämpfer in Nikosia Blumen nieder.
dpa
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Steinerne Nationalflagge der Türkei in den Bergen an der Nordküste Zyperns. Die türkischen Zyprioten wollen den Anschluss an die Türkei.
Steinerne Nationalflagge der Türkei in den Bergen an der Nordküste Zyperns. Die türkischen Zyprioten wollen den Anschluss an die Türkei.
dpa
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Ein türkischer Soldat beobachtet während der Zypernkrise 1974 von einer Höhe aus den Nordteil der Insel.
Ein türkischer Soldat beobachtet während der Zypernkrise 1974 von einer Höhe aus den Nordteil der Insel.
dpa
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Der beantragte EU-Beitritt des griechischen Teils von Zypern stellt einen kritischen Punkt bei der Lösung des Zypernkonflikts dar.
Der beantragte EU-Beitritt des griechischen Teils von Zypern stellt einen kritischen Punkt bei der Lösung des Zypernkonflikts dar.
dpa
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Der griechisch-zyprische Präsident Glafkos Klerides (l.) traf am 16.1.2002 mit dem türkischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch (r.) in Nikosia zusammen.
Der griechisch-zyprische Präsident Glafkos Klerides (l.) traf am 16.1.2002 mit dem türkischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch (r.) in Nikosia zusammen.
dpa

Als die türkische Armee nach 14 Tagen erbitterter Gefechte am 9. September 1922 die Stadt Smyrna (Izmir) am Ägäischen Meer einnahm, waren die Würfel im Krieg zwischen Griechenland und der Türkei gefallen. Mustafa Kemal Pascha, der später als Kemal Atatürk in die Geschichte einging, hatte mit seinem 200.000 Mann starken Heer den Jahrhunderte alten griechischen Traum eines hellenischen Großreiches mit Ionien, dem einst zum antiken Griechenland gehörenden Gebiet in Kleinasien, zerschlagen. Dafür war nun der Weg zur Gründung eines unabhängigen türkischen Nationalstaates frei, der sich auf der Grundlage der Lausanner Verträge 1923 konstituierte. Bis heute ist das Verhältnis zwischen Türkei und Griechenland gespannt die umstrittene Zypern-Frage oder Grenzstreitigkeiten im Ionischen Meer machen die Region zu einer der wenigen verbliebenen “hot zones in Europa.

Griechen auf türkischem Boden

Waghalsiger Angriff: Griechenlands König Konstantin I. scheiterte beim Versuch, Angora zu erobern, an der Armee Kemal Paschas.

Waghalsiger Angriff: Griechenlands König Konstantin I. scheiterte beim Versuch, Angora zu erobern, an der Armee Kemal Paschas.

Nur zwei Wochen vor dem 9. September hatte dagegen die Lage der Türken, die unter Kemal Pascha (*1881, 1938) für einen von Griechen und europäischen Großmächten unabhängigen Staat kämpften, hoffnungslos ausgesehen. 220.000 griechische Soldaten und 380 Geschütze waren von Smyrna aus, das sich seit 1920 in der Hand der Hellenen befand, bis zu den westanatolischen Städten Eskisehir und Afyonkarahisar vorgerückt. Griechenlands König Konstantin I. hatte seiner Armee befohlen, Angora (Ankara) zu erobern, um der Welt zu demonstrieren, dass “dieser Kemal Pascha nichts weiter ist als ein Räuberhauptmann, der einem Kulturvolk nicht widerstehen kann.

Konstantin selbst hatte sich an die Spitze seiner Armee gesetzt, um Angora einzunehmen. Der König hatte allerdings Warnungen seines Generalstabs in den Wind geschlagen und sich zu weit mit seinen Truppen ins Landesinnere der Türkei vorgewagt. Hinter dem Sakarya-Fluss schwanden den griechischen Verbänden die Kräfte diese Chance witterte die rund 200 000 Mann starke Befreiungsarmee der Türken und startete am 26. August auf Befehl Kemal Paschas eine Gegenoffensive. Der kühne Plan ging auf: Der ganze rechte Flügel der nach Anatolien eingefallenen Armee war nach nur sechs Tagen geschlagen, etliche griechische Verbände flohen gen Küste nach Smyrna oder zum Hafen von Bursa, wo sie hofften, unter dem Schutz der verbündeten Briten auf deren Schiffen entkommen zu können.

Blutvergießen in Smyrna

Als Kemal Pascha und seine Truppen am 9. September in Smyrna eintrafen, fiel die Stadt kampflos. Dennoch kam es zu einem Blutvergießen: Gegen den ausdrücklichen Befehl Kemals, der Übergriffe auf die christliche Bevölkerung Smyrnas verboten hatte, setzte eine Welle des Terrors gegen griechische und armenische Bewohner der Hafenstadt ein. Ein großer Teil der Stadt, in denen Armenier, Griechen und Westeuropäer lebten, versank in Schutt und Asche, türkische Nationalisten richteten ein Massaker an. Nur die Türkenstadt wurde vom Terror verschont.

Eine Woche später verließen die letzten griechischen Soldaten Kleinasien. Die Militärs in Athen machten Konstantin für die Niederlage gegen die Türken verantwortlich. Am 27. September 1922 gab der König schließlich seine Abdankung zugunsten seines Sohnes, Georg II., bekannt. In der Türkei trat Kemal Pascha umgehend in Verhandlungen mit den Alliierten und verlangte die Rückgabe der bis dato in der internationalen Zone gelegenen Stadt Konstantinopel an die Türkei. Die Zone war bereits 1918 zum entmilitarisierten Gebiet erklärt worden.

Großmächte mit strategischem Interesse

Die 1973 fertiggestellte Bosporus-Brücke in Istanbul verbindet den europäischen und den asiatischen Teil der Türkei. Die Kontrolle der Meerenge hat strategisch überragende Bedeutung.

Die 1973 fertiggestellte Bosporus-Brücke in Istanbul verbindet den europäischen und den asiatischen Teil der Türkei. Die Kontrolle der Meerenge hat strategisch überragende Bedeutung.

Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges versuchten die Anrainer-Staaten Großbritannien, Frankreich und Sowjetrussland auf diplomatischem Wege größtmöglichen kolonialen Vorteil aus der Neuordnung Kleinasiens zu ziehen. Dies war ihnen bereits 1920 gelungen, als der am 10. August geschlossene Friedensvertrag von Sèvres die Kapitulation der Türken festschrieb. Damals musste das Osmanische Reich als Verlierer an der Seite der Mittelmächte auf alle Gebiete außerhalb Kleinasiens bis auf einen Rest europäischen Festlandes verzichten. Die Zerstückelung des alten Osmanischen Reiches durch die alliierte Finanz- und Militärkontrolle in britische, französische und italienische Interessensphären, und die Besetzung Tharkiens und der Hafenstadt Smyrna (Izmir) im Jahr 1919 durch Griechenland, das am Weltkrieg an der Seite der siegreichen Entente-Mächte teilgenommen hatte, besiegelte den Untergang des alten Osmanischen Reiches, das sich in seinen Glanzzeiten bis vor die Grenzen Österreichs erstreckte.

Das überaus starkes Interesse der Alliierten an der Region hat strategische und ökonomische Ursachen: England und Frankreich strebten nach einer von Türken ungestörten Zufahrt zum Suezkanal, gleichzeitig war die Zufahrt am Bosporus, der die Öffnung zum Schwarzen Meer und damit Russland bildet, von hoher geopolitischer Bedeutung. Außerdem hatten Geologen im Südosten der Türkei bei Mosul in den armenischen Gebieten am Kaukasus reiche Erdölvorkommen entdeckt eine Rohstoff-Region mit unglaublichem Marktpotenzial, wie heute bekannt ist.

Kemal Atatürk: Staatsgründer und Nationalheld

Mustafa Kemal Pascha, der den ehrenvollen Beinamen Kemal Atatürk (Vater der Türken) erhielt, gründete die moderne türkische Republik.

Mustafa Kemal Pascha, der den ehrenvollen Beinamen Kemal Atatürk (Vater der Türken) erhielt, gründete die moderne türkische Republik.

Als nach dem Sieg von Smyrna die griechischen Erzfeinde vom türkischen Festland vertrieben waren und auch der Einfluss der Alliierten in Kleinasien geschwächt war, war Mustafa Kemal Pascha seinem Traum eines unabhängigen, modernen türkischen Staats näher gekommen.

In Angora (Ankara) musste zuvor jedoch die türkische Große Nationalversammlung von der Abschaffung des Sultanats zugunsten einer westlich orientierten Republik mit einer Trennung der Einheiten Staat und Religion überzeugt werden ein schwieriges Unterfangen. Obwohl der in Konstantinopel residierende Sultan Muhammad I. über keinen politischen Einfluss mehr verfügte, sah die Mehrheit der Volksvertreter einer Trennung von Sultanat (Staat) und Kalifat (Religion) zunächst als Verletzung der islamischen Gesetze an. Erst eine pathetische Rede Kemals über Souveränität, islamisches Sultanat und türkischen Nationalismus überzeugte die Nationalversammlung am 1. November 1922 von der Abschaffung der Monarchie.

Der Weg zur Errichtung einer türkischen Republik war somit frei. Nach über sechs Jahrhunderten autokratischer Herrschaft des Sultanats fanden im Oktober 1923 zum ersten Mal freie Wahlen in der Türkei statt. Es gewann die Volkspartei ihr Führer Mustafa Kemal Pascha wurde schließlich am 29. Oktober 1923 mit 42 Jahren zum ersten Präsidenten der türkischen Republik gewählt. Seit 1934 war er unter dem Namen Atatürk (Vater der Türken) bekannt.

Grenzfragen im Osten und Westen Kleinasiens geklärt

Ergebnis des Vertrags von Lausanne, der am 24. Juli 1923 geschlossen wird, ist die Aufnahme der Türkei als Vollmitglied im “Konzert der europäischen Mächte. Damit ist der Vertrag von Sévres in weiten Teilen revidiert. Die Alliierten erkennen die Unabhängigkeit und Souveränität der Türkei an. Die neue türkische Republik erstreckte sich nun bis über den Bosporus hinaus. Das alte Konstantinopel hieß fortan Istanbul und auch Ostthrakien gehörte laut den Friedensverträgen von Lausanne zur Türkei. U.a. endet mit dem Vertrag von Lausanne endete auch die mehr als 3000-jährige griechische Siedlungsgeschichte in Kleinasien.

Allerdings musste Mustafa Kemal den Alliierten das Zugeständnis machen, das türkische Territorium westlich des Bosporus entmilitarisiert zu halten. Im Nordosten Anatoliens war der Türkei bis dato der Armenierstaat ein Dorn im Auge gewesen, welcher nach dem Ersten Weltkrieg entstanden war. Durch geschicktes Taktieren mit Sowjetrussland erreichten türkische Diplomaten bei den Alliierten, dass die westliche Welt den Armenierstaat fallen ließ. Somit schienen die Grenzfragen im Osten und Westen aufs Erste geklärt zu sein wenngleich die Differenzen mit Griechenland auch in den folgenden Jahrzehnten anhielten.

Zypern: Umkämpfte “Insel der Aphrodite

Für ein neues gefährliches Aufflackern des griechisch-türkischen Interessengegensatzes sorgte der Streit um Zypern. Der kleine Inselstaat im Mittelmeer, gehört zu den ältesten Kulturstätten der Erde. Bis ins 16. Jahrhundert war die Insel eng mit der Kultur Griechenlands und Byzanz verbunden. Im Jahr 1573 eroberten schließlich die Osmanen das Eiland im Ostmittelmeer, kolonisierten vor allem den Nordteil der Insel und hielten Zypern bis 1878 unter ihrer Herrschaft. Danach übernahmen die Briten die Kontrolle über die strategisch günstig gelegene Insel und machten sie 1925 sogar zur Kronkolonie des Empire.

Der schon seit dem 19. Jahrhundert von der Mehrheit der Zyprioten unter Führung der orthodoxen Kirche geforderte Anschluss (Enosis) an Griechenland, der sich zunächst gegen das Osmanische Reich richtete, wendete sich später auch gegen die britische Kolonialmacht.

Erzbischof an der Spitze des Inselstaates

Zyperns Staatspräsident Erzbischof Makarios legt nach seiner Wahl 1960 an den Gräbern der EOKA-Widerstandskämpfer in Nikosia Blumen nieder.

Zyperns Staatspräsident Erzbischof Makarios legt nach seiner Wahl 1960 an den Gräbern der EOKA-Widerstandskämpfer in Nikosia Blumen nieder.

Mit dem Engagement für die Enosis begann Makarios, Erzbischof und erster Staatspräsident Zyperns, seine politische Karriere. Der 1913 als Michail Christodoulos Muskos geborene Bauernsohn trat nach der Grundschule in ein Kloster ein und studierte in den 1940er Jahren in den Vereinigten Staaten Theologie und Soziologie. Danach kehrte er nach Zypern zurück und wurde 1950 zum Erzbischof ernannt und zum Vertreter der griechischen Volksgruppe gewählt, die etwa 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen und sich 1950 in einem Referendum mit 95-prozentiger Mehrheit für die Enosis aussprachen.

Makarios hat ab 1955 die Organisation des passiven Widerstands gegen die Briten vorangetrieben. Verstärkt wurde sein Anliegen durch die Widerstandsbewegung EOKA (Ethniki Organosis Kiprion Agoniston), die sogar den bewaffneten Kampf gegen das Empire aufnahm. Großbritannien deportierte die Enosis-Symbolfigur schließlich 1956 auf die abgelegenen Seychellen. Zwar wurde Makarios ein Jahr später wieder freigelassen, er durfte jedoch nicht auf seine Heimatinsel zurückkehren und setzte den Befreiungskampf von Athen aus fort.

Drei Jahre später konnte endlich der Interessenskonflikt zwischen Briten, Griechen und Türken durch das Londoner Abkommen beigelegt werden, in dem Zypern die Unabhängigkeit zugesichert wurde. Aus Rücksicht auf die beiden Bevölkerungsgruppen Zyperns verzichtete man aber auf eine Angliederung an Griechenland. Makarios wurde noch im selben Jahr zum Präsidenten Zyperns gewählt.

Zypern-Konflikt: ein Dauerthema

Steinerne Nationalflagge der Türkei in den Bergen an der Nordküste Zyperns. Die türkischen Zyprioten wollen den Anschluss an die Türkei.

Steinerne Nationalflagge der Türkei in den Bergen an der Nordküste Zyperns. Die türkischen Zyprioten wollen den Anschluss an die Türkei.

Zwar war Zypern seit 1960 außenpolitisch souverän. Nach innen war der junge Staat aber ethnisch tief gespalten. Die Sitze im Parlament wurden entsprechend dem Anteil an der Bevölkerung zwischen türkischen und griechischen Zyprioten aufgeteilt. Der Versuch einer Verfassungsänderung durch Präsident Makarios 1963 zugunsten der griechischen Bevölkerungsmehrheit löste bürgerkriegsähnliche Zustände und Straßenschlachten in der damaligen Hauptstadt Nikosia aus und führte schließlich zur Teilung in den türkischen Norden und den griechischen Süden.

Und auch im griechischen Lager hatte Makarios Feinde: Gemäß dem Unabhängigkeitsvertrag von 1959 hatte der Erzbischof den Anschluss-Gedanken aufgegeben und sich somit die Feindschaft der Enosis-Bewegung zugezogen.

Türkische Invasion Zyperns

Ein türkischer Soldat beobachtet während der Zypernkrise 1974 von einer Höhe aus den Nordteil der Insel.

Ein türkischer Soldat beobachtet während der Zypernkrise 1974 von einer Höhe aus den Nordteil der Insel.

1974 weitete sich der zypriotische Bürgerkrieg zum erneuten militärischen Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei aus: Ein von Athen veranlasster Militärputsch rechter Zyprioten stürzte Präsident Makarios und löste eine türkische Invasion aus, die einen Anschluss der Insel an Griechenland verhindern sollte.

Der seit 1967 in Athen regierenden Militärjunta war Makarios ein Dorn im Auge. Makarios hatte nicht nur immer wieder die Vereinigung von Zypern und Griechenland für unrealisierbar erklärt, sondern sich darüber hinaus seit der Machtübernahme von Jeorjios Papadopulos im Jahr 1967 mehr und mehr zum Wortführer der griechischen demokratischen Opposition gemacht.

Nach dem Sturz Makarios setzten die Athen-treuen Putschisten den EOKA-Führer Nikos Sampson an die Macht, dessen Kabinettsstab sich vorwiegend aus militanten Enosis-Anhängern zusammensetzte. Selbstverständlich lieferte der abrupte Machtwechsel auf der Insel dem seit Jahrhunderten schwelenden Nationalitätenkonflikt neuen Zündstoff: Da die EOKA den türkischen Zyprioten traditionell feindlich gegenüberstand und auf den Anschluss an Griechenland hinarbeitete, befürchtete die türkische Minderheit massive Repressionen.

Deshalb landeten am 20. Juli 1974 türkische Truppen im Norden Zyperns, um unter Berufung des Zypernabkommens von 1960 den türkischen Bevölkerungsanteil zu schützen, dessen Rechte bereits unter Makarios eingeschränkt worden waren. Auf der Mittelmeerinsel brach erneut ein Krieg aus: Türkische Invasoren bekämpften griechische Truppen, die Athen zur Unterstützung des neuen Regimes geschickt hatte. Der Nordteil der Insel, knapp 40 Prozent der Gesamtfläche, fiel in die Hand der türkischen Verbände. Es folgten Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen der Bevölkerungsgruppen auf der Insel.

1975 erklärte sich der türkische Zypriot Rauf Denktas (*1924) zum Präsidenten eine neuen türkischen-zypriotischen Teilstaates im Norden, der allerdings nur von der Türkei offiziell anerkannt wird. Im Süden der Insel regierte seit 1974, nachdem die Militärjunta in Athen scheiterte und Griechenland erneut zur Demokratie zurückkehrte, der wieder eingesetzte Makarios (1977) sowie seine Nachfolger Spyros Kyprianou (*1932), Georgios Vassiliou (*1931) sowie der 1993 und 1998 gewählte Glafkos Klerides (*1919).

Wie sieht der griechisch-türkische Dialog heute aus?

Trotz des gespannten Verhältnisses beider Nationen in der Zypern-Frage und anderen Streitigkeiten, z.B. in Bezug auf die Ausdehnung der Hoheitsgewässer, der Nutzung der Luftkorridore, der Entmilitarisierung der griechischen Inseln gemäß des Lausanner Abkommens von 1923 und nicht zuletzt der ungeklärten Rechte zur Nutzung der Bodenschätze in der Ägäis, sind die Türkei und Griechenland schon seit Jahrzehnten Partner in der Sicherheitsorganisation der NATO. Zudem schickt sich die Türkei an, Mitglied der Europäischen Union zu werden, der Griechenland bereits seit 1981 angehört. Gleichzeitig soll der Südteil Zyperns innerhalb der nächsten beiden Jahre zur Europäischen Union dazustoßen.

Vertrauensbildende Maßnahmen verbessern Verhältnis

Immerhin haben sich die Türkei und Griechenland bereits an einen Tisch gesetzt, um bei den oben genannten Streitigkeiten auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Die Türkei und Griechenland befinde sich mitten in einem Prozess sog. “vertrauensbildenden Maßnahmen. Dabei kommt den bilateralen Beziehungen beider Staaten zu gute, dass sie beide institutionell in die Nato eingebettet sind. Im Falle kleinerer Streitigkeiten, z.B. zwischen Grenzpatrouillen beider Länder, verständigen sich mittlerweile die Außenminister zügig über einen “heißen Draht.

Im Oktober 2000 führten im Rahmen einer Nato-Übung griechische Marineeinheiten im Raum Izmir, dem ehemaligen Smyrna, eine Landeoperation durch diesem Ereignis wurde in der Türkei so viel Bedeutung beigemessen, dass türkische Sender extra ihr Programm unterbrachen, um die Übung live zu übertragen. Ebenfalls landeten seit über 30 Jahren zum ersten Mal griechische Kampfjets auf türkischem Boden.

EU-Beitritt Zyperns als Problem

Der beantragte EU-Beitritt des griechischen Teils von Zypern stellt einen kritischen Punkt bei der Lösung des Zypernkonflikts dar.

Der beantragte EU-Beitritt des griechischen Teils von Zypern stellt einen kritischen Punkt bei der Lösung des Zypernkonflikts dar.

Dennoch bleiben Zweifel, ob die Annäherung weiter voranschreiten kann. Bislang sind nämlich fundamentale Streitfragen noch nicht angesprochen worden. Zypern und seine Integration in die Europäische Union könnte sich dabei als Dilemma herausstellen: Natürlich zeichnet sich durch die Annäherung der Türkei an die EU eine Entspannung im bilateralen Verhältnis mit Griechenland ab. Ein Betritt Zyperns zur EU, genauer des südlichen, griechischen Teils der Insel, wird wohl zu einer großen Belastung des europäisch-türkischen und griechisch-türkischen Verhältnisses führen, weil die Türken befürchten, dass “ihre nationale Minderheit erneut benachteiligt wird.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass Griechenland im EU-Rat der Erklärung der Türkei zum EU-Beitrittskandidaten erst zustimmte, nachdem die übrigen EU-Partner abermals die Beitrittsperspektive Zyperns auch ohne Lösung des Volksgruppenkonflikts bekräftigt hatten.

Noch grundlegende Fragen im Zypern-Prozess offen

Der griechisch-zyprische Präsident Glafkos Klerides (l.) traf am 16.1.2002 mit dem türkischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch (r.) in Nikosia zusammen.

Der griechisch-zyprische Präsident Glafkos Klerides (l.) traf am 16.1.2002 mit dem türkischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch (r.) in Nikosia zusammen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hofft nun die internationale Gemeinschaft darauf, dass sich die Vereinigten Staaten um eine stärkere Vermittlung im Zypern-Einigungsprozess bemühen werden, damit das gesamte östliche Mittelmeer und der angrenzende Nahe Osten stabilisiert werden.

Seit Januar 2002 sitzen auch tatsächlich die Führer beider Volksgruppen Zyperns an einem Tisch, um eine Basis für künftige Verhandlungen zu schaffen. Noch sind die Positionen beider Seiten voneinander weit entfernt. Während die griechischen Zyprioten einen starken Bundesstaat anstreben, pocht die türkische Seite weitestgehend auf ihre Unabhängigkeit und will nur in einer lockeren Konföderation mit dem Rest der Insel verbunden sein.

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Sehr einseitig formulierter Bericht über die historischen Geschehennisse. In dem Artikel wird nicht klar erwähnt das den Konflikten eine aggresive Politik und und Invasionsbemühungen Griechenlands vorrausgingen. Im Zypern Teil werden die Massaker der EOKA und Enosis Anhänger an der türkischen Bevölkerung nicht erwähnt. Der Schutz der türkischen Bevölkerungsgruppe war ein Ziel der Garantiemacht.


Wie begann eigentlich der Zypern - Konflikt? Also wie ist er ausgebrochen? Das konnte ich aus irgendeinem Grund nicht herrausfinden und wie kam es zum Ende?


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