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Abgründe in New York

Tief unterhalb des geschäftigen Manhattans liegen Jahrhunderte alte Sklavenfriedhöfe. Bei Bauarbeiten wurde 1991 einer dieser vergessenen Orte wiederentdeckt. Die mehreren Hundert Skelette, die dort gefunden und nun wissenschaftlich untersucht worden sind, erzählen ein dunkles Kapitel in der Geschichte New Yorks. Eine DNA-Datenbank soll es den Nachfahren der Sklaven in der Zukunft ermöglichen, ihre afrikanischen Wurzeln genauer zu lokalisieren.

Sklavenauktion an der Wall Street

Als Thomas, wie ihn seine christlichen Entführer nennen, am 25. September 1852 um 11 Uhr morgens in Charleston im US-Staat Carolina als „erstklassiger Feldarbeiter“ den Besitzern von Baumwollplantagen zum Kauf angeboten wird, liegen unsägliche Qualen hinter ihm und noch viel schlimmere vor ihm. Der 33-jährige West-Afrikaner muss nach seiner Verschleppung aus seinem Heimatdorf acht Wochen im dreckigen Schiffsbauch eines Sklavenschiffes aushalten, Seite an Seite mit kranken und sterbenden Leidensgenossen, bis ihn nach der Ankunft in New York in der Gegend der heutigen Wall Street ein Sklavenhändler bei einer Auktion ersteigert. Für Tausende der schätzungsweise zwölf Millionen Afrikaner, die auf diese Weise zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in Amerika ankommen, ist Manhattan bereits Endstation: Sie werden von New Yorkern gekauft und überleben die Strapazen ihrer Schwerstarbeit oft nur wenige Jahre. Nach ihrem Tod dürfen sie aber nicht auf dem Stadtfriedhof der Trinity Church beerdigt werden, sondern finden ihre letzte Ruhestätte auf separaten afrikanischen Friedhöfen, selbst wenn sie zum Christentum konvertiert waren.

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Heidi Friedrich
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