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Ali – Die Heimkehr

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Will Smith daheim?; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved
WILL SMITH DAHEIM?; 2002 - 20TH CENTURY FOX & INITIAL ENTERTAINMENT GROUP - ALL RIGHTS RESERVED
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Schwerstarbeit im Ring; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved
SCHWERSTARBEIT IM RING; 2002 - 20TH CENTURY FOX & INITIAL ENTERTAINMENT GROUP - ALL RIGHTS RESERVED
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Alis Strategie – Defensive in den ersten Runden; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved
ALIS STRATEGIE – DEFENSIVE IN DEN ERSTEN RUNDEN; 2002 - 20TH CENTURY FOX & INITIAL ENTERTAINMENT GROUP - ALL RIGHTS RESERVED
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Am Ende doch der Sieger; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved
AM ENDE DOCH DER SIEGER; 2002 - 20TH CENTURY FOX & INITIAL ENTERTAINMENT GROUP - ALL RIGHTS RESERVED

Vor Ort Dreharbeiten in Afrika

Will Smith daheim?; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved

„Dies war das erste Mal, dass ich einen Fuß auf den Kontinent Afrika setzte“, erzählt Will Smith. „Als wir aus dem Flugzeug stiegen, war da dieser schwarze Typ, der den Bus fuhr und uns alle begrüßte: ,Willkommen daheim, Brüder. Und ich meinte: ,Du sagst es. Mach weiter mit dem: Willkommen daheim. Das war einer dieser großartigen Momente voller Wahrheit, Reinheit und Liebe.“

1974 fand der „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa im damaligen Zaire statt. 27 Jahre später ist die Demokratische Republik Kongo, wie sie nunmehr heißt, eines der politisch instabilsten Länder in ganz Afrika. Es stand von vornherein fest, dass man den Film dort nicht drehen konnte.

„Michael verliebte sich förmlich in die Architektur von Maputo“, erklärt Associate Producer Gusmano Cesaretti. „Es wurde in erster Linie von Portugiesen Mitte des letzten Jahrhunderts errichtet. Es gibt da Gebäude mit traumhaften Art-déco-artigen Rundungen und Bögen neben anderen mit geraden Linien im Blockstil der 60er Jahre. Alle waren gealtert und verwittert. Das sah ziemlich genauso aus wie das Kinshasa der 70er Jahre.“

Niemals zuvor war in Maputo ein 35-mm-Film gedreht worden, geschweige denn eine Produktion von diesen gewaltigen Ausmaßen und einem vergleichbar hohen Budget. Südafrika hätte sicher die einfachere Location dargestellt. Aber nach einer Reihe von Locationtrips hatte Michael Mann den Eindruck, dass Mosambik, obwohl kriegsgebeutelt, die stärkste und beeindruckendste Kulisse für den dritten Akt des Filmes bieten würde.

Cesaretti sagt: „Ein Großteil der Infrastruktur wurde von den Portugiesen zerstört, als sie das Land 1975 verließen. Unmittelbar danach brach der Bürgerkrieg aus, der 19 Jahre dauerte und noch mehr Schaden anrichtete.“ Das ist der Hauptgrund, warum sich die Produktion mit einer ganzen Reihe logistischer Probleme konfrontiert sah: Kameras mussten aus den USA eingeflogen werden; Wohnwagen wurden aus Großbritannien geschickt; Kabel und Scheinwerfer, eigentlich auf dem Weg nach England, mussten von Neuseeland nach Mosambik dirigiert werden. Aufgrund der knappen medizinischen Möglichkeiten und Einrichtungen in Maputo und wegen der großen Menge Statisten, die für die Stadionszenen gebraucht wurden, musste die Produktion ihre eigene Medizinmannschaft, Notfallflugzeuge und Ärzte, die rund um die Uhr zur Verfügung standen, anheuern.

„Ali boma ye!“

Koproduzent John D. Schofield und Herstellungsleiter Kevin W. De La Noy wurden wegen ihrer Erfahrungen bei Drehs in Afrika eingeflogen. Um Manns Vision zum Leben zu erwecken, stellten sie eine Crew zusammen, die sich aus vielen Nationalitäten und Sprachen zusammensetzte. Die Crewmitglieder sprachen Englisch, Französisch, Lingala, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Afrikaans und eine Reihe von Stammessprachen. Sie kamen aus den USA, Großbritannien, Italien, Australien, Südafrika, Mosambik, Ghana, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo sowie einer Anzahl weiterer afrikanischer Nationen. Mit dieser multiethnischen Ansammlung von Mitarbeitern war es ein Leichtes, dem internationalen Charakter der Geschichte gerecht zu werden.

Aber nicht nur die fehlende Infrastruktur erschwerte die Dreharbeiten. Zahlreiche Überschwemmungen hatten Mosambik heimgesucht, deren Folgen die Arbeit zusätzlich belasteten. Cesaretti erklärt: „Ein Jahr vor dem Dreh wurde Mosambik von einer Springflut nach der anderen überrascht, die Straßen und Brücken zerstörten, Landminen freispülten und Häuser wegwuschen. Am schlimmsten traf es den Norden des Landes, der zum Glück relativ weit von dem Ort entfernt ist, an dem wir die meisten Szenen drehen wollten.“

Das Hochwasser erschwerte es beispielsweise, Teile der NSele-Ansiedlung nachzubauen, wo Ali sein Lager 100 Kilometer nördlich von Kinshasa in der Marracuene-Gegend aufgeschlagen hatte. Eine Folge der Flukatastrophen war auch die Bedrohung durch Moskitos, die Malaria übertragen können. Um diesem Problem Herr zu werden, wurden die Innenaufnahmen der NSele-Szenen in zwei Locations gedreht: in Key Biscayne, Florida, und der Turnhalle einer Schule in Maputo, die dem NSele-Gebäude architektonisch genau entsprachen. Für die Außenaufnahmen errichtete die Produktion eine Kopie des Lagers in dem flutbedrohten Marracuene.

Einer der wichtigsten Drehorte für Außenaufnahmen war eine Gegend, die sich Mavalane A nennt und gleich in der Nähe des Flughafens liegt. Wenn man nach Maputo fliegt, kann man das Labyrinth aus Hütten und unbefestigten Straßen aus der Luft sehen. Aber erst am Boden erkennt man das wahre Ausmaß der unglaublichen Armut, die in dieser Gemeinde herrscht. Nur wenige Menschen in Malavane A besitzen Elektrizität oder Wände aus Beton. Die meisten leben unter Dächern, die sie aus Wellblech und Plastik gefertigt haben und die mit Drähten zusammengehalten werden.

Die meisten Einwohner von Malavane A haben in ihrem Leben noch nie einen Film gesehen, geschweige denn dem Dreh eines Films beigewohnt. Kein Wunder also, dass sich Hunderte von Einwohnern auf den engen Straßen einfanden, um Will Smith als Ali beim Joggen durch die Stadt zu beobachten. Einige hatten von Smith gehört - vor allem wegen seiner Musik -, aber kaum einer wusste, dass er auch ein Filmstar ist.

Während des dreitägigen Drehs in Malavane A gewann Smith aufgrund seines unkomplizierten Umgangs mit den Menschen zahlreiche neue Fans. Aber niemandem war so richtig klar, wie eng das Band zwischen ihm und den Einwohnern von Malavane A war, bis die letzte Aufnahme im Kasten war. „Da waren etwa 100 Kids, die als Statisten angeheuert waren, die mit mir durch die Straßen liefen und „Ali boma ye!“ schrien. Wir hatten das an den Tagen zuvor bereits in verschiedenden Variationen durchexerziert“, erinnert sich Smith. „Wir sind also mit der letzten Aufnahme fertig, Michael ruft: ,Das wars! und wir waren dabei, uns zu verabschieden, als die Kids immer erregter wurden, wie es Kids nun mal tun. Ich fing an zu tanzen, sie begannen zu tanzen, wie bei einem Spiel. Ich singe und sie stimmen Gesänge an. Und auf einmal heben mich die Kids hoch und tragen mich durch die Straßen.“

„Es war komisch“, fährt er fort. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie mich trugen, weil ich berühmt bin. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass wir eine gemeinsame emotionale Wellenlänge gefunden hatten. Es war eine sehr spirituelle Erfahrung. Mit einem Mal verstand ich, wie sich Ali gefühlt haben muss, als er nach Afrika kam. Das war sehr inspirierend: Ich wollte dieser Bewunderung gerecht werden.“
Wenn das die Belohnung war, dann sollte die Bestrafung auf den Fuß folgen: An acht Tagen mussten die acht Runden eines der unmenschlichsten Kämpfe in Alis Karriere auf Zelluloid gebannt werden.

„Rumble in the Jungle“

Schwerstarbeit im Ring; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved

Ungefähr fünf Kilometer nordwestlich von Maputo befindet sich das Machava-Stadion, in dem die Szenen des legendären„Rumble in the Jungle“ gedreht werden sollten. Das Stadion mit seinen 64.000 Sitzen war während der portugiesischen Kolonialherrschaft gebaut worden. Vor dem Dreh war es vor allem bei großen Fußballspielen zum Einsatz gekommen. Es war allerdings bereits eine Weile her, dass das Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen war. Wie viele andere öffentliche Stätten in Maputo war es längst baufällig. Es gab keinen Strom, also musste die Produktion zwölf Generatoren aus Südafrika einfliegen. Bevor man mit dem Dreh beginnen konnte, mussten Ausbesserungen, Reparaturen und Straßenarbeiten im Wert von mehr als 100.000 Dollar vorgenommen werden. Gleichzeitig wurde ein 30 Meter langer und breiter Boxring mit einer Überdachung in 13 Metern Höhe errichtet. Die ganze Vorrichtung wog mehr als 40 Tonnen. Außerdem installierte man einen neuen Tunnel, der zur Arena führte, und stellte vier 35 Meter hohe Lichtmasten auf. Von jedem Turm hängte man 13-Meter-Plakate mit dem Antlitz von Diktator Mobuto, unverkennbar mit seinem obligatorischen Leopardenhut.

Mehr als 10.000 Statisten mussten für die Szene, in der Ali ins Stadion kommt, eingewiesen werden. Dazu hatte man Flugblätter in ganz Maputo verteilt, auf denen die Menschen eingeladen wurden, „beim Filmen zuzusehen“ und „bei einem Mal-Wettbewerb mitzumachen“, bei dem man T-Shirts, Fernseher und sogar Motorräder gewinnen konnte. 2.000 weitere Statisten wurden von der Produktion gezielt besetzt. Sie erhielten Kostüme und wurden auch bezahlt, damit sie die deutlich sichtbaren Plätze rund um den Ring besetzten.
Am Abend von Alis großem Auftritt strömten 30.000 Menschen ins Stadion.

„Ich hatte Will ausdrücklich angewiesen, sich vor seinem Auftritt gezielt von der Arena fernzuhalten, bis der Moment der Aufnahme gekommen war“, erzählt Michael Mann. „Als es schließlich soweit war, explodierten die 30.000 Anwesenden förmlich, weil das kombinierte Charisma von Will und Ali sie förmlich von den Sitzen riss. Diese unglaubliche Energie erlebt man im Film. Man sieht, welchen Eindruck diese Reaktion auf Wills Gesicht hinterlässt, und man spürt, wie authentisch seine Darstellung in diesem Augenblick ist.“

Nacht für Nacht, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, spielten zwei Boxer einen der berühmtesten Boxkämpfe in der Geschichte des Sports nach: den „Rumble in the Jungle“.
„Die dritte Runde des Kampfes wird die ,Mord-Runde genannt“, sagt Mann. „George Foreman hatte acht seiner elf letzten Gegner in Runde drei k.o. geschlagen. In dieser Runde wollte er auch Ali zu Boden schicken. Jede Runde eines Boxkampfes erzählt ihr eigenes Drama. Und das Drama von Runde eins und zwei war ganz eindeutig: Wird Ali Runde drei überstehen können? Beinahe hätte er es nicht geschafft. Foreman legte alles, was er zu bieten hatte, in diese eine Runde. Jedes Mal, wenn es Ali gelang, seinen Kopf rechtzeitig wegzudrehen, um aus einem tödlichen Treffer einen Fehlschlag zu machen, war das ein Gegentreffer mitten in die Psyche Foremans.“

Die Strategie

Alis Strategie – Defensive in den ersten Runden; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved

Alis Strategie war klar: Foreman sollte sich mit seinen bulligen Schlägen selbst müde machen. Diesen Plan zog er mit kompromissloser Konsequenz durch - und musste deshalb nicht nur in besagter dritten Runde, sondern auch in den Runden davor und danach mehr Schläge einstecken und überstehen, als man es für möglich gehalten hätte.

„Foreman war der wuchtigste Boxer mit dem härtesten Schlag in der Geschichte“, bemerkt Smith. „Und Alis Plan war: ,Okay, ich lasse ihn auf mich einhämmern, bis er nicht mehr kann. Das war ein dummer Plan. Das war ein schrecklicher Plan. Das war ganz einfach schlimm. Aber: Er hat funktioniert.“

Und es tat weh - sowohl im damaligen Kampf als auch vor der Filmkamera 27 Jahre später. Nicht von ungefähr ist Charles Shufford, der als George Foreman ebenfalls einige heftige Schläge einzustecken hatte, ein professioneller Boxer, der auf internationalen Setzlisten als Schwergewichtler geführt wird. Wie auch bei den anderen Kampfszenen blieben echte Treffer nicht aus: Wenn das Adrenalin erst einmal durch den Körper der Schauspieler raste, dann kam es zu richtigen Sparringszenen.

Am Ende doch der Sieger; © 2002 - 20th Century Fox & Initial Entertainment Group - All Rights Reserved

Viele Fans wundern sich, warum Boxer so viel Zeit und Energie darauf verwenden, Körpertreffer zu landen. „Ich würde mal sagen, dass nur jeder zehnte Schlag auf den Körper sitzt. Aber wenn man dann so einen Volltreffer auf den Körper einsteckt, dann wünscht man sich inständig, der Gegner hätte auf die Nase geschlagen. Ein Volltreffer auf den Körper ist, als würde alles auf einmal ausgeschaltet. Am schlimmsten daran ist, dass man dem Gegner auf keinen Fall zeigen darf, wie schwer man getroffen wurde. Beim Dreh des Kampfes habe ich etwa sechs oder sieben einstecken müssen. Das nenne ich Schauspielerei!“
Aber Smith überlebte und Ali gewann - wie damals vor 27 Jahren.

Und dann, mitten während der sechsten Woche voller kalter und Insekten verseuchter Nächte und heißer, staubiger Tage in Mosambik, konnte man diese Phase der Dreharbeiten endlich abschließen. Ein paar Leute der Crew und Besetzung flogen sieben Stunden nach Accra in Ghana, wo Ali 1964 erstmals afrikanischen Boden betrat, um dieses Ereignis nachzustellen. Alle anderen flogen wieder nach Hause.
„Michael Mann ist ein Perfektionist“, sagt Smith abschließend. „Er ist besessen. Aber ich liebe diese Besessenheit. Und ich liebe die Herausforderung.“

„Ich habe zwei Jahre mit diesem Projekt zugebracht“, erklärt Mann. „Will verbrachte eineinhalb Jahre damit. Das ist irrsinnig viel für einen Schauspieler. Und wir taten all das, ohne dass es um eine persönliche Genugtuung ging - mal abgesehen von der Belohnung, dass man eine solche Chance vielleicht ein oder zweimal in einer Karriere hat, wenn man Glück hat. Es gab da ab und zu kurze Momente, meistens spät in der Nacht, da haben wir uns angesehen und beide gedacht: ,Mann, kannst du glauben, dass wir das wirklich gerade erleben?

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