Die Entscheidung ist gefallen – entlassen in die Selbstständigkeit, müssen Jungunternehmer ihre ersten Entscheidungen treffen. Was benötigt der Jungunternehmer an Geschäftsausstattung überhaupt? Muss man ein eigenes Büro haben – oder reicht es, von zu Hause aus zu arbeiten? Was sind die Vorteile einer Bürogemeinschaft? Wie steht es mit dem eigenen Geschäftswagen? Zentral für alle weiteren Entscheidungen ist indes der geplante Kundenkontakt.
Anfangskapital

Unabhängig von der Frage der Kapitalhöhe sollte rechtzeitig mit der Hausbank über die notwendige Kreditlinie gesprochen werden. Ist der Freiberufler erst einmal in Schwierigkeiten, geben sich Banken recht zugeknöpft. Entscheidend für das spätere Überleben einer Geschäftsidee ist häufig genug die Liquidität die Zahlungsfähigkeit.
Leider ist es in Deutschland üblich, Rechnungen erst mit Verspätung zu bezahlen: Dieser Trend zur schlechten Zahlungsmoral hat sich im Umfeld der problematischen Wirtschaftslage der letzten Jahre deutlich verstärkt. Traurige Rekordhalter sind die so genannten “Öffentlichen Hände, also der Staat die Zahlung erfolgt im Durchschnitt erst nach mehr als 100 Tagen. Das kann einen Selbstständigen an den Rand des Ruins treiben.
Regelmäßig muss der Selbstständige seine künftigen Ausgaben planen und darauf achten, immer zahlungsfähig zu bleiben. Zwar gibt es bei Freiberuflern keine Insolvenz oder den Konkurs im klassischen Sinne (anders als bei Kapitalgesellschaften wie GmbHs), aber ein stockender Kapitalzufluss, der das Bankkonto eventuell hart an die Grenze zur Zahlungsunfähigkeit führt, beeinflusst die eigene Befindlichkeit und damit die Motivation und letztlich entsprechend auch die Arbeitsleistung doch erheblich.
Die Geschäftsräume
So unterschiedlich die verschiedenen Tätigkeiten der Freiberufler aussehen können, so vielfältig sind die daraus resultierenden Vorstellungen von den Arbeits- und Geschäftsräumen. So mag der Künstler in der Regel einen Probenraum oder ein Atelier benötigen; der Unternehmensberater etwa braucht ein eigenes repräsentatives Büro; der Journalist oder Grafiker wiederum ist frei in seiner Entscheidung, ob er für seine Tätigkeit zwingend ein eigenes Büro benötigt.
Allgemein gilt unter Selbstständigen die Regel: Sofern die Arbeit keinen repräsentativen Charakter hat, das heißt kein Kundenkontakt erwartet wird, sind Büroräume keine zwingende Startinvestition. Probeweise kann der Jungunternehmer auch erst einmal in einen Hinterhof ziehen das spart eine ganze Menge Geld.
Bei der Suche nach Büromöbeln lohnt es oft, bei Firmenauflösungen aktiv zu werden und preiswert einzukaufen. In Zeiten der Masseninsolvenzen entwickelten sich Zwangsauktionen von New Economy-Unternehmen gar teilweise zum Szene-Treffen: Auf der Versteigerung des einstigen Neue-Markt-Highflyers Kabel New Media traf sich die Hamburger Internet-Szene bei Spottpreisen für Designercouches und sinnierte, halb zynisch, halb amüsiert, über den Untergang der Dot.com-Branche. Wirklich clevere Jungunternehmer schlagen hier doppelt zu, indem sie nicht nur ein Schnäppchen bei Büromöbeln machen, sondern auch gleich Kontakte knüpfen.
Infrastruktur
Die Geschäftsausstattung fällt entsprechend den unterschiedlichen Berufsbildern natürlich sehr individuell aus. So benötigen Journalisten beispielsweise als Grundausstattung lediglich einen Schreibtisch, ein Telefon und einen Computer mit Interzugang; Mobiltelefon und Fax gelten inzwischen als fast ebenso selbstverständlich. Hinzu kommt eine Ablagefläche für ein Archiv und Recherchematerial. Ein Start mit spartanischer Ausstattung scheint also erst einmal möglich Prestigeobjekte wie der Flatscreen oder das IBM Thinkpad sind nun wirklich nicht obligatorisch. Viel wichtiger ist dagegen ein geeigneter Bürostuhl, denn die meiste Zeit sitzen Journalisten am Schreibtisch und recherchieren im Internet. Und genau deshalb ist auch auf eine schnelle Internetverbindung zu achten.
Ganz anders der Unternehmensberater, der regelmäßig Kunden in seinem Büro empfängt: Er muss wesentlich repräsentativer ausgestattet sein, benötigt zusätzlich vor allem Stühle und einen angenehmen, edel gehaltenen Sitzbereich für seine Gäste, denn deren Wohlbefinden ist sein Kapital. Ein abschließbarer Schrank ist natürlich auch ein Muss, da viele Kundendaten recht sensibel sind.
Am aufwändigsten gestaltet sich jedoch die Geschäftsausstattung oft bei Werbefotografen. Ein Fotograf benötigt meist nicht nur eine Kamera, sondern verschiedene Arbeitsgeräte. Ein schneller, mit entsprechender Software ausgestatteter Computer ist für die Bildbearbeitung unbedingt einzuplanen. Außerdem müssen die Räumlichkeiten geeignet sein, um im Studio hervorragende Fotos zu schießen. Dies erfordert von vornherein eine ideale Ausrichtung der Lichtquellen.
Arbeiten von zu Hause oder ein eigenes Büro?
Ist der Freiberufler nicht darauf angewiesen, in Geschäftsräumen Kunden zu empfangen, wird die Frage nach dem Für und Wider eines externen Büros vor allem von psychologischen Komponenten bestimmt allen voran von der Frage nach der Arbeitsdisziplin und ihren Voraussetzungen. Wer sicher ist, von zu Hause aus gut arbeiten zu können, benötigt folglich nicht zwangsläufig ein eigenes Büro.
Allerdings scheitern die meisten Freiberufler gerade an dieser trügerischen Freiheit: Der Fernseher, das Telefon oder der private Mailaccount werden zum größten Feind des Zeitmanagements, indem sie eine disziplinierte Arbeitsweise sabotieren. Viele Freiberufler wünschen sich daher separate Büroräume, um eine räumliche Trennung zwischen beruflichem und privatem Leben vollziehen zu können.
Natürlich wird die Entscheidung auch maßgeblich von der eigenen Mentalität bestimmt: Bin ich ein Einzelkämpfer oder brauche ich das Gefühl einer dynamischen Gruppe von Arbeitskollegen um mich herum, um mich entfalten und kreativ arbeiten zu können? Ein Gemeinschaftsbüro spart nämlich eine Menge Geld, da zum Beispiel die gemeinsam betriebene Küche günstiger ist als die im eigenen Büro. Auch sind größere Büroeinheiten naturgemäß günstiger anzumieten als die Minivariante unter 30qm.
Gerade für den Neustart kann es auch sicher hilfreich sein, erfahrene Kollegen in der Nähe zu wissen sei es psychologisch oder tatsächlich praktisch. Schließlich ergeben sich oft Möglichkeiten, voneinander zu lernen, gemeinsame Projekte zu konzipieren oder Kunden das eigene Netzwerk zu verkaufen man ist dann nicht mehr der Einzelkämpfer für den Kunden.
Hürden der Bürokratie
Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es als Jungunternehmer nicht die eine oder andere Hürde zu überwinden gäbe. Zwar sichert das Grundgesetz jedem Bundesbürger die Garantie der freien Berufsausübung, doch in der Praxis darf noch lange nicht jeder Selbstständige die Tätigkeit ausüben, die ihm gerade gefällt. Der Taxifahrer etwa benötigt eine lokale Lizenz, der Handwerker muss in die Handwerksrolle eingetragen und der Rechtsanwalt entsprechend in die Rechtsanwaltskammer aufgenommen sein, um bei Gericht zugelassen zu werden.
Für Selbstständige der Freien Berufe gibt es neben berufsständischen Besonderheiten keinerlei bürokratische Hürden zu überwinden. Alle anderen müssen ihr Gewerbe anmelden. Gewerbescheine gibt es bei der zuständigen Gemeinde. Ob eine zusätzliche Anmeldung beim Finanzamt notwendig ist, sollte in jedem Fall erfragt werden, um späteren Ärger zu vermeiden.
Ein Gewerbetreibender ist automatisch zahlungspflichtiges Zwangsmitglied in der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK). Das sollte man nutzen, denn die IHK bietet besonders für Einsteiger eine Menge Hilfen von den monatlichen Bekanntmachungen über Seminare bis hin zu Beratungsleistungen.
Akquise und Marketing: Das kleine Einmaleins für Selbstständige
Bei aller akribischen Vorbereitung mit Liebe zum Detail selbst das beste Geschäftskonzept mag wirkungslos bleiben, wenn der Freiberufler kein Gefühl für den Markt pointiert: seine Kunden - entwickelt. Dabei kommt dem eigenen Marketing eine Schlüsselrolle zu. Marketing heißt für Freiberufler, an das eigene Geschäft aus der Sicht des Kunden zu denken und das geht viel weiter als die Werbung im örtlichen Wochenblatt.
Die Grundfrage des Selbstständigen lautet: Warum sollte ein Kunde meine Leistung anfordern? Dafür muss es mehrere Argumente geben etwa: Ich biete eine überzeugende Leistung. Ich besitze darüber hinaus einen hervorragenden Service. Mein Arbeitsstil ist verlässlich. Mein Preis ist niedriger als der der Konkurrenz. Meine persönlichen und die Qualifikationen meiner Mitarbeiter sind überzeugend. Ich liefere immer schnell und bin bereit, auch Wochenendarbeit zu leisten. Diese und andere Gedanken sollte sich der Selbstständige in jedem Fall regelmäßig machen: Er muss die Motivlage seiner Kunden kennen lernen und sich entsprechend positionieren.
Der klassische Weg, das Marketing gezielt einzusetzen, läuft immer noch über die Werbung. Diese soll potenzielle Kunden auf die eigene Leistung aufmerksam machen. Ein Eintrag in die kostenpflichtigen Gelben Seiten mag für einen Handwerker notwendig sein, aber muss ein Werbetexter auch in dieses Verzeichnis? Er wird sicher eher darauf achten, in den einschlägigen Freelancer-Datenbanken im Internet vertreten zu sein.
Doch selbst über diese branchenbezogene Form verläuft die Kundenakquise meist schleppend, zu groß sind doch die Streuverluste. Für Selbstständige gibt es häufig deutlich effektivere Formen als den anonymen Eintrag, um neue Kunden zu finden. Ein größeres Mailing, eine persönliche Mail oder immer noch der einfache Anruf sind meist deutlich zielgerichtetere und kostengünstigere Methoden zur Kundengewinnung.
Existenziell wichtig ist nach wie vor der Telefonkontakt. Selbstständige dürfen auf keinen Fall Angst vor dem eigenen Telefon besitzen und sollten gegebenenfalls ihr Telefonverhalten schulen. Selbst im anonymen Internetzeitalter gilt: Ein guter Kundenkontakt ist für den Erfolg der meisten Selbstständigen von kaum zu überschätzender Bedeutung.









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