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wissen.de Artikel

Anti Facebook

Ein eigenes Facebook-Profil? Nein, danke!

Es hat über 500 Millionen Nutzer weltweit und es ist das weltgrößte Online-Netzwerk: Facebook. An diesem sozialen Netzwerk kommt scheinbar niemand vorbei. Freunde – also die in meinem realen Lebensumfeld – fordern mich immer wieder auf, ein eigenes Profil anzulegen. Damit sei vieles einfacher. Bisher weigere ich mich standhaft und fahre nach wie vor die Anti-Facebook-Schiene. Warum? Weil ich glaube, dass man auch ohne Facebook leben – und dennoch seine Freunde behalten kann. Und das ist nur ein Grund, weswegen ich noch immer Facebook-frei lebe.

Für mich hat Facebook etwas von einem lebenden Organismus, der sich ins virtuelle Leben der Menschen einmischt. Warum? Zum Beispiel weil Facebook seinen Nutzern "Freunde" vorschlägt, die man kennen könnte. Ich suche mir meine Freunde aber gerne selbst aus, und mag auch nicht jemanden vor den Kopf stoßen, in dem ich seine Freundschaftsanfrage einfach ignoriere.

Außerdem werden erfahrene Facebook-Nutzer aufgefordert, anderen gemeinsame Bekannte vorzustellen. Auch dazu möchte ich nicht genötigt werden. 

Ein offenes Buch

Kein offenes Buch: Michael Fischer ist "Anti Facebook"

Und auch im realen Leben ist ihm eine gute Tarnung wichtig.

Wenn ich etwas über einen Menschen erfahren möchte, den ich nur vom Hörensagen kenne, gehe ich auf Facebook. Dort lese ich seine Selbstdarstellung, erfahre etwas über seinen Stil und seine Vorlieben oder Hobbys – und bekomme einen Einblick in seine "Freunde". Ich kann mir ein mehr oder weniger detailliertes Bild von ihm machen. Ein Bild, das mich abschreckt oder mich anzieht. Aber eben nur ein Bild, eine Selbstdarstellung, die mit der Realität nicht unbedingt viel zu tun haben muss – aber oft der erste oder manchmal einzige "reale" Zugang zu einer Person ist.

Was mir Angst macht und meine Anti Facebook-Haltung erklärt, ist das Schwarmhafte an Facebook. Wenn einem zum Beispiel etwas gefällt ("Gefällt mir"), nimmt diese Site, Selbstdarstellung, das Projekt oder was auch immer seinen Weg durch das soziale Netzwerk. Oder wenn ich zu irgendetwas meine Haltung offenbart habe, kann diese von vielen – von Usern, mit denen ich noch nie Kontakt hatte – in Bausch und Bogen verdammt werden. 

Wieso Ute Becker Facebook liebt

Poröser Datenschutz 

Wogegen ich ebenfalls etwas habe, ist der "spielerische" Umgang mit den Daten der Nutzer – Stiftungs Warentest bewertete diesen mit "mangelhaft". Und die Nachbesserungen seitens Facebook? Unzulänglich oder noch schlimmer: Sicherheitsbestimmungen werden im Nachhinein gelockert. Selbst Mitglieder bemängeln, dass man sich durch bis zu 50 Einstellungen klicken muss, um die kostbare Privatsphäre wasserdicht zu verschließen.

Zwei weitere Beispiele für den mehr als porösen Datenschutz: Im März waren vorübergehend nahezu alle E-Mail-Adressen der Nutzer öffentlich sichtbar. Außerdem wurde unlängst bekannt, dass Facebook nicht nur Statistiken anhand der Nutzerdaten, sondern eben auch konkrete Namen an Werbekunden weitergereicht hat. "Es war nicht beabsichtigt, die Privatsphäre unserer Nutzer zu verletzen!", entschuldigte sich Facebook-Chef Marc Zuckerberg öffentlich. Und es war nicht die erste Bitte um Entschuldigung.

Doch so löchrig das Sicherheitssystem, so dicht scheint das Beziehungsraster! Facebook durchsucht persönliche E-Mail-Kontos, um "schnell deine Freunde zu finden". Dieser Vorgang schließt Adressen, die mit Facebook nichts zu tun haben, oft mit ein. Wirklich wehren können sich unbeteiligte Dritte kaum, zumal sie ja auch in den meisten Fällen nicht einmal ahnen, dass in der virtuellen Welt mit dem eigenen Namen gerade Pingpong gespielt wird. Die Macher bekennen sich schuldig und bieten an, die Adressen der Nicht-Mitglieder zu löschen (anzuklicken unter ferner liefen in den Datenschutzrichtlinien). Und das funktioniert exakt so lange, bis wieder ein Netzwerk-Begeisterter sein E-Mail-Konto "durchwühlen" lässt.

Wieso Ute Becker Facebook liebt

Globale Datenbank des menschlichen Geschmacks 

In den Nutzungsbedingungen von Facebook ist verankert, dass die Daten von Drittanbietern genutzt werden dürfen – zum Beispiel für personalisierte Werbung: Daten wie Alter, Geschlecht, Freunde und Interessen werden Werbetreibenden zur Verfügung gestellt, sodass diese eine ganz individuell angepasste Werbung auf den Facebook-Seiten schalten können. Auf diese Weise öffnet sich Firmen die Tür direkt zum potenziellen Kunden. Inzwischen richten viele Unternehmen eigene Fan-Pages ein, wo sie dann neue "Freunde" anlocken.

Und vor einigen Monaten war es so weit: Facebook zog erstmals mehr Menschen an als die Suchmaschine Google. Das ist auch Anbietern aller Art nicht entgangen. Und so hängen sich mehr und mehr Unternehmen ins Facebook-Fahrwasser. Liked Results, so die neue Funktion: Ein Nutzer möchte sich zum Beispiel ein neues Handy kaufen. Der erste Schritt führt schon lange nicht mehr ins Ladengeschäft, sondern ins Web. Die Suchmaschine hebt nun genau die Interneteinträge hervor, die Facebook-Mitglieder bereits mit einem Gefällt mir-Button geadelt haben. Facebook argumentiert: "Warum einen Algorithmus um Rat fragen, wenn meine Freunde meine Vorlieben doch viel besser kennen."

Und warum sollten Handyanbieter nicht durch dieses Hintertürchen schlüpfen? Wenn selbst Barack Obama via Facebook Wahlkampf betrieben hat....

An Facebook kommt offenbar in Zukunft niemand vorbei. Ich hoffe nur, ich bleibe so lange wie möglich standhaft und meiner Anti Facebook-Haltung treu.

Wieso Ute Becker Facebook liebt

von Michael Fischer, wissen.de
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26 Kommentare

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Wie schön zu wissen, dass es noch andere Exoten gibt. Die Analyse zu Facebook entspricht tatsächlich auch meiner Haltung. Wenn andere meinen, sie müssten dabei sein, ist das ok. Nur sollten diese sich wenigstens einen Rest von Sachlichkeit und Aufmerksamkeit bewahren, was eigentlich dahinter steckt. Die schwärmerischen Betrachtungen verstellen allerdings diese Blickwinkel bei fast jedem Mitglied.


Es ist beruhigend zu wissen, dass es noch mehr Menschen gibt die meine Art der Betrachtung teilen. Auch hege ich die Befürchtung, dass die meisten User sich überhaupt keine Gedanken zu den lauernden Gefahren machen und einfach dem Mainstream folgen.....Dorte Weber


eine Verpflichtung weniger. Es lebt sich auch gleich entspannter. Ich frage mich seit längerem, warum so viele auf diesem Portal 'rumlungern, obwohl es ihnen keinen Mehrwert zu bringen scheint.Mir ist facebook egal und auch wenn andere meinen ich soll mich doch mal gefälligst da anmelden, spiele ich gern den Web 2.0-Neandertaler. Und ich verspüre weder Drang noch Druck, diese Meinung zu ändern.


Für mich ist es immer wieder erschreckend, dass viele "ihr" Facebook scheinbar mit einem Tagebuch verwechseln. Und ist man nur noch " in " wenn man Facebook - Nutzer ist?Man wird belächelt und für - wohl schon zu alt dafür - abgestempelt. Gibt es ein Alter für ja, oder nein ?!


Datenspeicherung nein danke


. Jeder schreibt irgendeinen Mist wie gehe mit meinem Hund Gassi. Interessiert mich das. Nein Garantiert nicht.


Ich habe ja geglaubt, dass ich nicht alleine bin, mit meiner Anti-Facebook-Einstellung, aber sogar im Netz solche Menschen zu finden, hätte ich nicht gedacht! Weiter so, und ich denke, wer einmal dagegen ist, ist es immer. Was würden wir jetzt davon haben in Facebook einzusteigen? Das Facebook-Monopol hätte mal wieder gewonnen... - Nein, danke!


Endlich habe ich etwas gefunden, was meine Ansicht über Facebook bestätigt :) Dachte schon, ich wäre der einzige der Facebook nicht hat. Ich sehe es genauso wie in dem Artikel oben. Danke :)


Ich bin Schülerin einer neunten Klasse eines Gymnasiums und standhaft zu bleiben ist wahrlic schwer, grade als Teenager. Man ist quasi ausgeschlossen von einer weiteren,größeren und viel präsenteren Parallel Ebene der Realität. Manist aölleine mit seiner Meinung und wird nicht bloß als Exot behandelt, sondern ausgeschlossen aus einem gewissen Leben. Die Illusion von einer freien Welt bei der man einfach und all day long mit seinen Freunden in verbindung tritt floriert prächtig. Die Jugendlichen sind naiv und bestimmte Trends können leicht von diversen Kommerziellen gestreut werden.
Nach und nach werden sich die meisten in ihrem subjetiv erstellten fiktiven Ich verlieren unddie dauernde Präsens , die durch die Smartphones ja noch verstärkt wurde, wird maßgeblich zu psychischen Störungen beitragen.


Ich bin Schülerin einer neunten Klasse eines Gymnasiums und standhaft zu bleiben ist wahrlic schwer, grade als Teenager. Man ist quasi ausgeschlossen von einer weiteren,größeren und viel präsenteren Parallel Ebene der Realität. Manist aölleine mit seiner Meinung und wird nicht bloß als Exot behandelt, sondern ausgeschlossen aus einem gewissen Leben. Die Illusion von einer freien Welt bei der man einfach und all day long mit seinen Freunden in verbindung tritt floriert prächtig. Die Jugendlichen sind naiv und bestimmte Trends können leicht von diversen Kommerziellen gestreut werden.
Nach und nach werden sich die meisten in ihrem subjetiv erstellten fiktiven Ich verlieren unddie dauernde Präsens , die durch die Smartphones ja noch verstärkt wurde, wird maßgeblich zu psychischen Störungen beitragen.


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