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Arbeitspausen: Wann und wie sind sie am effektivsten?

Morgens, halb zehn in Deutschland – die perfekte Zeit für eine kleine Arbeitspause – oder doch nicht? Wann eine Arbeitspause am meisten bringt und wie wir dabei am besten unserer Batterien wieder aufladen, haben jetzt US-Forscher genauer untersucht. Dabei haben sie auch einige unserer gängigen Annahmen als Mythen entlarvt.

Mann während eines Büronickerchens
Die meisten von uns legen zwischendurch kurze Pausen ein.

Arbeiten Sie bis auf eine Mittagspause von morgens bis abends durch? Oder machen Sie auch zwischendurch mal eine kurze Kaffeepause, plauschen kurz mal mit den Kollegen oder drehen eine Runde um den Block? Die meisten von uns nutzen Arbeitspausen zwischendurch, um kurz zu entspannen und die inneren Batterien wieder aufzuladen.

Auf der Suche nach der optimalen Pause

Wie aber die optimale Pause aussieht und wann sie am meisten bringt, wurde bisher interessanterweise kaum untersucht. Die Psychologinnen Emily Hunter und Cindy Wu von der Baylor University in Texas haben dies nun nachgeholt. Eine Woche lang beobachteten sie dafür das Pausenverhalten von knapp hundert  Angestellten und befragten sie intensiv darüber, wie sie sich fühlten und was die Pause bewirkte.

Ihre Ergebnisse brachten nicht nur einige Überraschungen, sie geben auch wertvolle Hinweise darauf, wie wir unsere Arbeitspausen optimieren können. "Wir haben einige unserer landläufigen Annahmen über gute und schlechte Pausen genommen und sie in diese Experiment überprüft", sagt Hunter. "Was wir gefunden haben ist, dass eine bessere Pause nicht unbedingt so aussieht, wie wir das bisher immer dachten." Die hilfreichsten Erkenntnisse haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Wann ist die beste Pausenzeit?

Viele Berufstätige nutzen den morgendlichen Schwung und arbeiten bis zur Mittagspause durch.  Erst nachmittags, wenn dann die Energie nachlässt, legen sie häufiger mal Pausen ein. Doch genau das ist kontraproduktiv, wie die Psychologinnen feststellten. Besser ist es, schon am Vormittag eine Pause zu machen.

"Je mehr Stunden seit dem Arbeits- oder Schichtbeginn bis zur ersten Pause vergingen, desto eher klagten die Teilnehmer über generelle Erschöpfung und andere Symptome schlechter Gesundheit", sagt Hunter. Pausen, die später am Tag liegen, sind demnach offenbar weniger effektiv und können den vormittäglichen Energieverlust nicht mehr ausgleichen. Eine Pause am späten Vormittag bringt daher mehr als das Durcharbeiten bis mittags.

Wie lange sollte die Pause sein?

Bis auf die Minute genau können dies auch die Expertinnen nicht sagen. Sie stellten aber fest, dass sich Teilnehmer mit mehreren kürzeren Pausen insgesamt besser und energiegeladener fühlten als Kollegen, die beispielsweise nur eine lange Pause machten. Nach Ansicht der Psychologinnen sollten daher Angestellte ruhig ermutigt werden, häufiger mal eine kurze Arbeitsunterbrechung einzulegen.

"Bei unseren Handys oder anderen Geräten heißt es immer, sie sollen am besten erst fast ganz entladen sein, bevor man sie frisch auflädt", sagt Hunter. "Aber das ist bei uns Menschen nicht so – im Gegenteil. Wir müssen im Laufe des Tages häufiger Mal unsere inneren Batterien aufladen."

Was tut man am besten in der Pause?

Klar, einen Kaffee trinken oder ein Schwätzchen mit dem Kollegen sind nie verkehrt. Aber nach landläufiger Meinung soll eine Pause vor allem Ablenken. Deshalb, so heißt es, soll man ja nicht irgendetwas tun, was mit der Arbeit zu tun hat. Das ist tabu. Stattdessen ist alles gut, was möglichst weit von unserem Arbeitsalltag entfernt ist. Aber stimmt das auch?

Männliche Büroangestellte während einer Kaffeepause
Auch zwangloses Fachsimpeln mit den Kollegen kann erholsam sein.

Nein, sagen die Psychologinnen. Stattdessen kommt es darauf an, wie gerne und freiwillig unsere Pausenbeschäftigung ist. Demnach bringt auch der schönste Spaziergang nichts, wenn er vom Chef verordnet wurde und ich eigentlich gar keine Lust dazu habe. Und der kurze Plausch mit dem Kollegen über ein laufendes Projekt kann sogar mehr bringen als eine Viertelstunde bemüht entspannt ins Leere zu starren.

"Wichtig ist es, etwas zu tun, das man wirklich möchte – und nicht etwas, was man tun sollte", sagt Hunter.  "Nur das sind die Aktivitäten, die die Pausen wirklich entspannend machen, die Ihnen Erholung bringen und Ihnen helfen, gestärkt zur Arbeit zurückzukehren", rät die Expertin.

Pausen wirken nachhaltig

Eines aber zeigte die Studie ganz klar: Diejenigen, die effektive Pausen  einlegen – auch wenn es mal ein paar mehr sind – kriegen mehr geschafft, sind energiegeladener und können die anfallenden Aufgaben konzentrierter erledigen. Außerdem verbessern Pausen auch  die Motivation und Freude am Arbeiten und beugen einem Burnout vor. Wenn also der Chef mal wieder meckert, weil er Sie in der Kaffeeküche erwischt: Auch er profitiert letztlich davon.

NPO, 24.09.2015
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