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Archäologische Ausgrabungen

Botschaften aus der Vergangenheit

Viele archäologisch interessierte Laien sind der Auffassung, archäologische Ausgrabungen könnten ohne weiteres von jedem durchgeführt und organisiert werden. Dass hierbei neben organisatorischen und wissenschaftlichen vor allem die rechtlichen Aspekte von besonderer Bedeutung sind, wird leider oft vergessen. Immer wieder beobachten die archäologischen Landesämter illegale Ausgrabungen im Bereich von bekannten Bodendenkmälern. Diese illegalen Grabungen haben meist das Ziel, so viele wertvolle Funde wie möglich zu machen. Die Fundstücke stehen dann beim Finder zu Hause in der Vitrine oder werden auf dem Schwarzmarkt verkauft. In jedem Fall entsteht der Allgemeinheit durch diese Straftaten ein beträchtlicher Schaden, da wichtige Kulturgüter der Wissenschaft und somit auch einer Präsentation im Museum entzogen werden.

Legale Archäologische Ausgrabungen werden entweder als Forschungsgrabungen oder aber als Notgrabungen durchgeführt.

Forschungsgrabungen haben das Ziel, in einem bestimmten Zeitraum auf einer begrenzten Fläche eine ganz bestimmte Fragestellung zu einem archäologischen Objekt und dessen Umfeld zu klären. Die untersuchten Objekte sind meist nicht in unmittelbarer Gefahr, durch Bauvorhaben o.ä. zerstört zu werden. Forschungsgrabungen werden in der Regel durch die archäologischen Institute der Universitäten durchgeführt. Prominentestes Beispiel sind die deutschen Grabungen in Troja. Bevor eine solche Grabung durchgeführt wird, ist die Grabungsgenehmigung durch die entsprechende Fachbehörde zu beantragen, nach deren Vorgaben auch die Grabung ausgerichtet werden muss.

Notgrabungen werden meist durch die entsprechenden archäologischen Landesämter oder aber in einigen Bundesländern durch private Grabungsfirmen durchgeführt. Eine Notgrabung muss dann durchgeführt werden, wenn ein Bodendenkmal durch einen Eingriff in den Boden gefährdet ist. Dies ist meist bei Bauvorhaben aller Art der Fall. Je nach Bundesland muss entweder der Bauherr oder aber die Behörde die Kosten hierfür tragen. Vor allem bei Großbaustellen muss unter sehr großem Zeitdruck ein maximales wissenschaftliches Ergebnis erzielt werden. Als Beispiel für massive Eingriffe in den Boden ist der Braunkohletagebau zu nennen. Hier arbeitet man bereits optimal mit den Archäologen zusammen und ein Großteil der Forschungen wird durch die Braunkohlebetriebe gefördert.

Neben diesen offensichtlichen Zerstörungen von archäologischer Substanz sind durch den verstärkten Einsatz von tiefgehenden Pflügen und Düngemitteln auch Bodendenkmäler in ackerbaulich genutzten Regionen bedroht. Hier ist es natürlich nicht möglich, großflächig Schutzmaßnahmen zu treffen.

Woher weiß man, wo man graben muss?

Eine der meist gestellten Fragen von interessierten Laien bei archäologischen Ausgrabungen ist: „Warum graben Sie gerade hier und woher wissen Sie, dass Sie hier graben müssen?“ Die Informationen zu im Boden verborgenen archäologischen Denkmälern stammen entweder aus zufälligen Funden, wenn z.B. beim Pflügen eines Ackers oder direkt beim Ausheben einer Baugrube Scherben, Münzen, Ziegel oder Mauerwerk festgestellt werden. Andererseits versucht man, bei der Genehmigung der Baugebiete im Vorfeld herauszufinden, ob sich dort Bodendenkmäler befinden. Sind im betroffenen Bereich noch keine Funde oder Fundstellen bekannt, wird in der Regel durch verschiedene Prospektionsmethoden versucht, ohne eine kostspielige und langwierige Ausgrabung herauszufinden, ob sich archäologisch relevante Strukturen im Boden befinden. Wird bei einer der Prospektionen ein positives Ergebnis erzielt, so werden erste Planungen zur Ausgrabung gemacht.

Grabungsvorbereitungen

Eine archäologische Ausgrabung beginnt nicht mit dem ersten Spatenstich im Gelände, sondern es bedarf einer langen und intensiven Vorbereitungszeit. Neben den bereits erwähnten rechtlichen Angelegenheiten, die geregelt werden müssen, sind die Besitzer und Pächter der Grundstücke auf dem die Grabungen stattfinden werden, zu informieren und deren Einverständnis ist einzuholen. Gegebenenfalls ist eine Entschädigung für Ernteausfall o.ä. zu zahlen. Des weiteren muss genügend Werkzeug und Material (z.B. Bauwagen, Folien und Planen) vor Ort sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Bei dem verwendeten Werkzeug greift man auf die in Baumärkten angebotenen Bau- und Gartenwerkzeuge zurück.

Vor allem in Gebieten, auf denen Kampfhandlungen einer der beiden Weltkriege stattgefunden haben, ist der Kampfmittelräumdienst im Vorfeld der Grabung zu informieren, damit die Fläche sondiert wird, um nicht durch Munitionsfunde die Grabungsmannschaft zu gefährden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einrichtung eines Vermessungssystems, nach dem alles dreidimensional eingemessen wird. Dieses Vermessungssystem ist auf die offiziellen Koordinaten (Gauss-Krüger-Koordinaten in Deutschland) der topographischen Karten einzumessen, damit das archäologische Objekt auch auf überregionalen Karten eingetragen und im Gelände auch nach der Ausgrabung wieder lokalisiert werden kann.

Die eigentliche Ausgrabung

Zu Beginn einer archäologischen Ausgrabung wird der archäologisch wenig relevante Oberboden maschinell mit einem Bagger abgetragen. Dies ist bei agrarisch genutzten Flächen der Humus und bei Stadtkerngrabungen der Bauschutt und die Gartenerde des letzten Jahrhunderts. In diesen Erdmassen können sich zwar wichtige Funde befinden, doch ist durch den Zeitdruck, der vor allem bei Notgrabungen herrscht, eine minutiöse Durchsuchung dieser Schichten wenig sinnvoll.

Nach dem Abtrag dieser Schicht sind meist die archäologischen Strukturen zu erkennen, die dann mit feinerem Werkzeug (Spaten, Schaufel, Spitzhacke, Kelle, Pinsel) freigelegt werden. In der Regel tieft man die zu untersuchende Fläche so lange ab, bis der ungestörte anstehende, das heißt anthropogen nicht veränderter Boden freigelegt ist, so dass man ausschließen kann, archäologisch relevante Substanz übersehen zu haben.

Zwei der wichtigsten Begriffe bei der Dokumentation einer archäologischen Ausgrabung sind Funde und Befunde. Funde sind einzelne archäologische Objekte, wie z.B. Münzen, Keramikscherben, die in einem bestimmte Kontext gefunden werden. Dieser Kontext wird als Befund bezeichnet. Hierbei kann es sich z.B. um ein Grab, eine Vorratsgrube oder aber um eine Zerstörungsschicht handeln. Anhand der Funde ist es einerseits möglich den Befund zu datieren und Aussagen zu dessen Funktion zu machen. Beispiele: Ein Grab (Befund) kann anhand seiner Beigaben (Keramik- und Glasgefäße, Münze = Funde) genau datiert werden. Eine große Grube (Befund), in der sich zahlreiche Webgewichte (Funde) befinden, kann als Grubenhaus interpretiert werden, in dem Stoffe oder Textilien hergestellt wurden.

Sobald ein Befund bei der Grabung erkannt wird, wird dieser während der verschiedenen Arbeitsschritte genau dokumentiert. Die archäologische Dokumentation erfolgt in Form von maßstabsgerechten Zeichnungen, Fotos und Beschreibung des Befundes. Die Farbe und Beschaffenheit (z.B. verwendete Steine, Konsistenz des Bodens, Funde) sowie die Lage in Bezug zu anderen Befunden wird genauestens erfasst und dokumentiert, um spätere Analysen zum Beispiel über die zeitliche Abfolge zweier Mauern rekonstruieren zu können. Die hier beschriebene Dokumentation ist sehr wichtig, da mit der Ausgrabung die Befunde und deren Kontexte kontrolliert zerstört werden und eine spätere Rekonstruktion außer durch die wissenschaftliche Dokumentation meist nicht möglich ist.

Als Beispiel für die Dokumentation und das Ausgraben eines archäologischen Befundes soll hier exemplarisch ein Pfostenloch behandelt werden.

Ein Pfostenloch ist der Teil einer Pfostenkonstruktion, der nach dem Verfaulen oder dem Ziehen eines Pfostens für den Archäologen als einziges Indiz für z.B. ein Haus oder eine Palisade übrig bleibt. Archäologisch zeichnet sich ein Pfostenloch in der Regel zuerst im Planum, das heißt in der Fläche ab. Das Sediment im Pfostenloch unterscheidet sich in Farbe und Konsistenz vom dem umgebenden und ist deshalb für den Archäologen zu erkennen. Der größte Teil der Pfostenlöcher hat eine annähernd runde oder rechteckige Grundfläche. Das Pfostenloch wird im Planum zuerst mit Maßstab und Nordpfeil fotografiert, beschrieben und gezeichnet.

Als nächster Schritt erfolgt die Dokumentation des Profils des Pfostenlochs. Hierbei wird eine Hälfte der Verfüllung des Pfostenloches entnommen und man erkennt im Profil, das heißt in der stehen gelassenen Erdwand den genauen Schichtverlauf und kann so Aussagen über die Entstehung, Entwicklung und Funktion dieser Pfostenkonstruktion treffen. Vor allem bei größeren Strukturen, die ineinander übergehen, ist die genaue Dokumentation der Profile wichtig, um die zeitliche Abfolge und funktionalen Eigenheiten exakt bestimmen zu können. Als letztes erfolgt die Entnahme des restlichen Sedimentes.

Dieses hier beschriebene Konzept der Dokumentation entspricht in seiner stark vereinfachten Form prinzipiell der Dokumentationsweise einer kompletten Ausgrabung. Es bedarf aber einer soliden Grabungserfahrung, um die Befunde zu erkennen und die richtige Vorgehensweise zu wählen.

Neben der korrekten und vollständigen Dokumentation der Befunde ist bei der Behandlung der Funde unbedingt der Bezug zum Befund festzuhalten. Dies geschieht durch das Ausfüllen eines Vordruckes, der immer bei den Funden bleibt. Auf diesem Vordruck wird das Fundobjekt an sich, sowie die Fundumstände und der Befund, in dem es gefunden wurde beschrieben. Hierdurch ist gewährleistet, dass bei der späteren wissenschaftlichen Auswertung die Informationen der Funde und der Befunde zusammengebracht und analysiert werden können. Bei archäologischen Ausgrabungen werden generell alle Funde aufgehoben und nicht nur die besonders wertvollen. Meist sind es auf den ersten Blick z.B. unbedeutend scheinende kleine Scherben, die bei der Auswertung dann Hinweise über Lebensgewohnheiten oder aber Importbeziehungen liefern.

Nach der Ausgrabung

Sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind, muss das Gelände wieder ordnungsgemäß verfüllt werden. Jetzt beginnt auch die Auswertung der gewonnenen Ergebnisse. Dies fängt beim Waschen und Restaurieren der Funde an, die danach gezeichnet und/oder fotografiert werden müssen. Auch die Befunde werden umgezeichnet, damit als Endergebnis ein großer Übersichtsplan mit allen erhalten Strukturen vorgelegt werden kann.

In einem nächsten Schritt werden die Funde chronologisch und typologisch ausgewertet. Das heißt es werden Parallelen aus wissenschaftlichen Publikationen gesucht, anhand derer der Fund zeitlich und auch von seiner Funktion her eindeutig bestimmt werden kann. Da der Fund auch eine Aussage über den Befund, d.h. den Kontext ermöglicht, ist es sehr wichtig, bei der Auswertung Funde und Befunde immer als Einheit zu betrachten.

Als letzter Schritt ist dann die wissenschaftliche Publikation der Grabungsergebnisse in Form einer Monographie oder Monographienreihe bei umfangreichen Projekten oder aber in einer archäologischen Fachzeitschrift anzustreben. Im Anschluss daran ist es auch möglich die gewonnenen Ergebnisse durch eine Rekonstruktion vor Ort oder anhand eines Modells im Museum zu visualisieren.

Abschließend bleibt zu sagen, dass pro Ausgrabungstag insgesamt mindestens 3 Tage Vor- und auch Nachbereitung anfallen, bis die Grabung vollständig publiziert und die Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden können.

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