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wissen.de Artikel

Astronaut/in werden

Mit Glück und Können zum Traumberuf Astronaut

Völlig losgelöst von der Erde, schwerelos schwebend – den blauen Planeten von weit oben zu betrachten, ist für fast jeden ein Traum. Der erste Tourist im All, Dennis Tito, hat sich diesen Traum 20 Millionen Dollar kosten lassen. Wer das nötige Kleingeld gerade nicht zur Hand hat, dem bleibt nur eine Chance: sich als Astronaut zu bewerben.

Der Traum vom Flug ins All

Natürlich braucht man großes Glück, um vielleicht eines Tages die unendlichen Weiten des Weltraums erforschen zu dürfen. Denn mit diesem Traum steht man wirklich nicht alleine da. Für das letzte Astronauten-Auswahlprogramm der European Space Agency meldeten sich nicht weniger als 23 000 Bewerber. Nach Auskunft der ESA verfügten 5000 der Bewerber über hervorragende Fähigkeiten. Letztlich schafften es gerade sechs Bewerber, angenommen zu werden.

Die bemannte Raumfahrt ist eben eher die Ausnahme: Im Moment zählt das European Astronaut Corps 16 Mitglieder. Bisher haben sich 27 Astronauten an den 31 Raumflügen der ESA beteiligt. Bis Anfang April 2001 waren es weltweit nur 402 Personen, denen es vergönnt war, zum Mond oder ins All geschossen zu werden. Wer wirklichen Biss zeigt, hervorragende Qualifikationen mitbringt und extremen körperlichen und psychischen Belastungen gewachsen ist, hat durchaus Chancen. Diese sind aber nicht allzu groß, wie dem Verhältnis der Bewerberzahl zur Zahl der glücklich Auserwählten abzulesen ist.

Selbst wenn man es geschafft hat, kann es passieren, dass man niemals seinen Traum verwirklichen darf. “Zur Astronautenausbildung aufgenommen worden zu sein, bedeutet noch keine Garantie wirklich eines Tages abzuheben. Euro-Astros müssen auf jeden Fall die Geduld besitzen, Wartezeiten und Frustrationen zu ertragen, bis es endlich soweit ist, verrät Reinhold Ewald, Physiker und prominenter deutscher Astronaut der ESA, der 1997 an einer deutsch-russischen Mission zur Raumstation “Mir teilnehmen durfte.

Kurz & bündig

Astronauten sind in allererster Linie auf dem Boden arbeitende Wissenschaftler, Techniker und Piloten. Im All müssen sie Forschungsarbeiten unter schwierigen Bedingungen und hohem Zeitdruck durchführen. Dazu müssen sie psychischen wie physischen Extrembelastungen standhalten können und ihren Arbeitsplatz bis ins kleinste Detail kennen.

Wo arbeiten Astronauten?

Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen bei der

  • European Space Agency

Auch andere Raumfahrtbehörden können potentielle Arbeitgeber sein:

  • National Aeronautics and Space Administration (NASA)
  • Canadian Space Agency (CSA)
  • Rosaviakosmos (RKA)
  • Japanese Space Agency (NASDA)

Was genau machen Astronauten?

Natürlich ist es das Ziel jedes Astronauten, im Dienste der Wissenschaft den Weltraum zu erkunden. Der Arbeitsalltag spielt sich aber hauptsächlich auf dem Boden ab. Die Astronauten der ESA verbringen den größten Teil ihrer Zeit im European Astronaut Centre in Köln und müssen oft jahrelang auf ihren ersten Flug ins All warten.

Etwa die Hälfte der Mitglieder wurde in erster Linie wegen ihrer herausragenden wissenschaftlichen Qualifikationen, vor allem auf dem Gebiet der Physik in das Astronautencorps der ESA aufgenommen. Sie erarbeiten mögliche Experimente und überlegen, wie sich diese unter den speziellen Bedingungen im All durchführen lassen. Dazu müssen sie immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sein, um einschätzen zu können, in welchem Bereich auf welche Weise geforscht werden sollte. Die Deutsche Luft- und Raumfahrtbehörde nennt als Ziele der wissenschaftlichen Forschung innerhalb der Raumfahrt unter anderen die multidisziplinäre Forschung in der Schwerelosigkeit, die Erkundung des Sonnensystems und des Weltraums, die Fernerkundung der Erde, die Förderung der kommerziellen Nutzung der Raumfahrt, insbesondere der Fernkommunikation und die Entwicklung zukunftsweisender Technologien wie Robotik und Telemedizin. Ebenso Aufgabe von Astronauten ist es, zusammen mit anderen Wissenschaftlern das nötige technische Equipment für den Einsatz im All zu entwickeln und zu testen.

Die anderen Astronauten der ESA kamen über ihre immensen Erfahrungen als Militärpiloten zur Raumfahrt. Sie verfügen auch über hervorragendes technisches Know-how, um die anfallenden Wartungen fachmännisch durchführen zu können. Immerhin will so ein Raumfahrzeug auch geflogen und im Fall der Fälle repariert werden. Die nächste Service Station ist meist zu weit, da muss schon selbst Hand angelegt werden. Dabei tragen Astronauten eine große Verantwortung. Sie “spielen mit Geräten, die eine Unmenge von Geld gekostet haben. Es ist also höchste Konzentration und Genauigkeit gefragt, um im All arbeiten zu können. Sind die Reparaturarbeiten “außen durchzuführen, kommt bei diesen Weltraumspaziergängen erschwerend hinzu, dass es nicht gerade leicht ist, in dicken Raumanzügen, in denen man sich kaum bewegen kann, sensible Geräte zu montieren.

Um den kommenden Belastungen gewachsen zu sein, arbeiten Astronauten ständig hart an ihrer körperlichen Verfassung. Die extremen Fliehkräfte, die auf sie wirken, und die speziellen Anforderungen der Schwerelosigkeit erfordern ein Höchstmaß an körperlicher Fitness. Aufgrund der fehlenden Gravitation im All schwindet auch nach und nach die Muskelmasse. Tägliches Training und Sportübungen sind daher auch an Bord einer Raumstation ein Muss. Außerdem wird bereits lange vor dem Start trainiert, in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Schließlich muss man schon aus besonderem Holz geschnitzt sein, läuft bei einer Mission im All wider Erwarten nicht alles nach Plan. Panik, Platzangst oder andere Phobien können da das Todesurteil bedeuten, auch wenn die bemannte Raumfahrt immer sicherer geworden ist. Daher werden Verhaltensprogramme eingeübt, um auf alle (vorher) denkbaren Gefahrensituationen adäquat und routiniert reagieren zu können.

Zu den psychischen Anforderungen, denen Astronauten gewachsen sein sollten, zählt auch die lange Trennung von den Liebsten zu Hause. “Auf der “Mir hat es schon Leute gegeben, die zwei Jahre ununterbrochen im All gearbeitet haben, berichtet Reinhold Ewald. Da muss gefragt werden dürfen, was Astronauten nach Feierabend machen, wenn die nächste Kneipe ein paar hunderttausend Kilometer entfernt ist? “Wir beschäftigen uns eigentlich mit ganz normalen Dingen, wie Musik hören oder Video gucken. Man ruht sich aber auch viel aus oder räumt mal richtig auf, so Reinhold Ewald, der bei seinem Raumflug nur 18 Tage an Bord der russischen Raumstation “Mir aushalten musste.

Ist unter den Astronauten die Auswahl für die nächste Mission im All getroffen, gilt es, sich im so genannten “Mission Training intensiv mit den speziellen Anforderungen der Mission auseinander zu setzen. Der gesamte Raumflug und besonders die heikelsten Missionsabschnitte werden mittels aufwändiger Simulationsverfahren unter “Weltallbedingungen wieder und wieder am Boden durchgespielt. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, alles wird bis ins kleinste vorbereitet und es dauert monate- mitunter sogar jahrelang, bis der Countdown gestartet wird. Dabei werden nicht nur die Astronauten vorbereitet, die für den Flug auserkoren sind. Fallen die eigentlich dafür Vorgesehenen beispielsweise wegen Krankheit aus, muss jederzeit eine Ersatzcrew einsatzbereit sein. Daher bereiten sich die Damen und Herren von der Auswechselbank genauso intensiv auf die geplante Mission vor.

Wer ist geeignet?

Wer wirklich an einer Ausbildung zum Astronauten interessiert ist, sollte sich beim nächsten Auswahlprogramm der ESA bewerben, das im Jahr 2004 oder 2005 aufgelegt wird. Die Bewerber müssen zwischen 27 und 37 Jahre alt und zwischen 1,53 Meter und 1,90 Meter groß sein. Ohne hervorragenden Universitätsabschluss in Naturwissenschaften, Luft- und Raumfahrttechnik, Ingenieurwesen, Medizin oder eine Pilotenausbildung geht nichts.

Perfektes Englisch in Wort und Schrift ist ein Muss. Von Vorteil sind auch einige Jahre Berufserfahrung und Beschäftigung mit raumfahrtrelevanten Themen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, geht es für die Bewerber darum, sich in einer Vielzahl von körperlichen Fitnesstests zu beweisen. Angehende Astronauten werden dabei beispielsweise in einer Zentrifuge herumgeschleudert oder in einer Druckluftkammer mit dem Vielfachen ihres eigentlichen Körpergewichtes belastet. Ist auch das zur Zufriedenheit der ESA erledigt, folgen weitere Tests, die die psychische Belastbarkeit der Bewerber überprüfen.

Für diesen Job eignen sich, herausragende wissenschaftliche Reputation und extrem gute psychische und physische Belastbarkeit vorausgesetzt, vor allem:

  • Diplom-Ingenieure/Ingenieurinnen für Luft- und Raumfahrtechnik
  • Piloten/Pilotinnen
  • Naturwissenschaftler/innen (vor allem Diplom-Physiker/innen)
  • (Raumfahrt-)Mediziner/innen

Ausbildung – wo und wie?

Wenn ein Astronaut ausgesucht ist, wird er bei der ESA eingestellt und bekommt eine Grundausbildung, die ein Jahr dauert. Darin werden die zukünftigen Astronauten physisch wie psychisch fit gemacht. Ein zentraler Aspekt ist dabei das Tauchtraining in schweren Raumanzügen, um die Bewegungen in Schwerelosigkeit zu simulieren. Außerdem geht es um die Grundlagen der Weltraumforschung sowie Technik und Geschichte der Raumfahrt.

Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Ausbildungsteils dürfen sich die Teilnehmer offiziell Astronauten nennen. Darauf folgt das “Specialised Training, das zwei Jahre dauert. Darin vertiefen die Astronauten das im “Basic Training Gelernte und perfektionieren ihre speziellen Fähigkeiten. Zählt man zu den Glücklichen, die für die nächste Mission auserwählt wurden, schließt sich das “Mission Training an. Erst wenn auch dies erfolgreich absolviert wurde, beginnt der Countdown.

An welchen Hochschulen Luft- und Raumfahrttechnik, Medizin, geeignete Ingenieurstudiengänge oder die verschiedenen Disziplinen der Naturwissenschaften angeboten werden, erfährt man im Internet über die Suchmaschinen des Online-Dienstes Studien- und Berufswahl.

Kontakt

Eurpean Space Agency/EAC European Astronaut Centre

Linder Höhe
D-51147 Köln
Tel.: 02203/6001-0
Fax: 02203/6001-103
http://www.esa.int

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002
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ist echt cool gemacht!