An vielen Fachhochschulen müssen Sie bereits ein Praktikum vor Studienbeginn absolvieren, das so genannte Vorsemester. Unter Umständen kann von den zwei Praxissemestern eines erlassen werden, falls Sie eine einschlägige Berufsausbildung nachweisen können.

Aufbau des Fachhochschulstudiums
Die Studiengänge an Fachhochschulen betonen den Anwendungs- und Praxisbezug der Studieninhalte, die durch Praktika untermauert werden. Das Fachhochschulstudium ist einschließlich Praktika und Prüfungen auf vier Jahre angelegt. Die Praktika umfassen meist ein oder zwei Semester, aber hierfür gibt es in den einzelnen Ländern und Fachhochschulen unterschiedliche Regelungen.
Im Vergleich zur universitären Ausbildung sind die Studiengänge an Fachhochschulen straff gegliedert. Der Studienplan ist "verschulter" als an der Universität. Viele Entscheidungen, die sie an Universitäten selbst treffen müssen, werden Ihnen an den Fachhochschulen abgenommen. Ihren persönlichen Studienplan können Sie sich nur in einem engen Rahmen selbst zusammenstellen, da die Studieninhalte recht kompakt zusammengefasst sind. Die Prüfungen in den einzelnen Fächern finden am Semesterende und zum Teil in den Semesterferien statt. Bestehen Sie eine Prüfung nicht, so müssen Sie diese wiederholen und können in diesem Fach nicht in das nächsthöhere Semester eingestuft werden. Die meisten Studiengänge an Fachhochschulen sind wie an Universitäten in Grund- und Hauptstudium gegliedert. Es gibt aber auch so genannte duale Studiengänge,die in praktische und theoretische Blöcke aufgeteilt sind.
Grundstudium
Innerhalb des Grundstudiums, das meist die ersten vier Semester umfasst, werden die allgemeinen Grundlagen des Studienfachs vermittelt. Das fachspezifische Wissen soll in dieser Zeit auf eine breite und fundierte Basis gestellt werden. So werden zum Beispiel in den Ingenieurwissenschaften im Grundstudium hauptsächlich Vorlesungen in Mathematik, Mechanik, darstellender Geometrie, Werkstoffkunde, Chemie oder Physik gehalten. Am Ende des Grundstudiums steht meist eine Art Zwischenprüfung oder ein Vordiplom. Bei Bestehen der Prüfung ist man befähigt, mit dem Hauptstudium fortzufahren.
Hauptstudium
In der Regel dauert das Hauptstudium weitere vier Semester und schließt mit den Master- oder Diplomprüfungen ab. Das Hauptstudium dient der Vertiefung des Fachwissens und der Spezialisierung auf ein bestimmtes Teilgebiet. Sie können aus Wahlpflichtfächern und freiwilligen Wahlfächern entsprechend Ihren persönlichen Interessen Ihr Wunschstudium zusammenstellen. Im Fachbereich Maschinenbau können Sie beispielsweise Konstruktionstechnik, Fertigungstechnik, Strömungsmaschinen oder Verkehrstechnik vertiefen. Die Spezialisierung im Hauptstudium sollte sorgfältig bedacht werden, denn diese ist mit entscheidend für Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und für Ihr späteres Tätigkeitsfeld.
Studienabschlüsse
Meist ist der Studienabschluss bereits durch die Wahl des Studiums und der Hochschule vorgegeben. Alternativen haben Sie nur, wenn ein Studiengang mit verschiedenen Abschlüssen an unterschiedlichen Hochschulen angeboten wird. An Fachhochschulen können Sie das Studium mit dem Diplom, dem Bachelor oder Master erfolgreich abschließen. Mit diesen akademischen Prüfungen erwerben Sie gleichzeitig den berufsqualifizierenden Abschluss.
Diplom
Die Diplomstudiengänge konzentrieren sich auf ein Studienfach. Weitere ergänzende Studienfächer oder Nebenfächer orientieren sich am Hauptfach. Sie sind meist eine Erweiterung oder Spezialisierung des Hauptfaches. Die naturwissenschaftlich-technischen Studiengänge, die Wirtschaftswissenschaften und die Sozialwissenschaften schließen mit dem Diplomgrad ab.
Bachelor und Master
Die Abschlüsse Bachelor und Master sind noch relativ neu in der deutschen Hochschullandschaft. Mit dem Bachelor wird nach dem Vorbild des angelsächsischen Hochschulsystems bereits nach sechs oder sieben Semestern ein erster berufsqualifizierender Abschluss erworben. Damit können Sie direkt ins Berufsleben einsteigen oder nach weiteren zwei bis vier Semestern den Master oder das Diplom erwerben.
Das Bachelor-Studium konzentriert sich auf ein Kernfach, das durch weitere fachspezifische oder interdisziplinäre Kurse erweitert wird. Das Master-Studium vertieft die Inhalte des Bachelor-Studiums und führt zu einem weiteren berufsqualifizierenden Abschluss, der gleichzeitig die Berechtigung zur Promotion ist.
Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern studieren die deutschen Studenten im Durchschnitt erheblich länger. Eine Anpassung der deutschen Studienzeiten an die Bedingungen des europäischen Arbeitsmarktes führte zu einer Reform der Studienstruktur deutscher Hochschulen, die ein flexibleres Studium ermöglicht und den Studierenden den Einstieg ins Berufsleben wesentlich erleichtert. Insgesamt sind die Studiengänge jetzt besser auf den aktuellen Arbeitsmarkt zugeschnitten. Mit der Einführung der Abschlüsse Bachelor beziehungsweise Master wird auch die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Studiengänge verbessert, die Nachfrage ausländischer Studierender nach Studienplätzen in Deutschland steigt und die allgemeine Mobilität und Flexibilität der Studierenden erhöht sich. Für die Studenten bringen diese Neuerungen viele Vorteile: sie verbessern ihre Chancen auf dem internationalen und nationalen Arbeitsmarkt und sie können problemlos Auslandserfahrungen sammeln, die von den Personalverantwortlichen gerne im Lebenslauf gesehen werden.
Duale Studiengänge
Mit den dualen Studiengängen können Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie machen eine betriebliche Berufsausbildung und absolvieren gleichzeitig ein Fachhochschulstudium. In acht bis zehn Semestern eignen Sie sich theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen im Betrieb an. Immer mehr Fachhochschulen bieten für betriebswirtschaftliche Studiengänge, Ingenieurwissenschaften und Informatik diese Doppelqualifikation an.
Die dualen Studiengänge sind unterteilt in Theorie- und Praxisphasen, die je nach Fachhochschule ganz unterschiedlich geregelt sind. Einige wechseln zwischen Theorie und Praxis im mehrwöchigen Rhythmus, andere haben einen täglichen Turnus. Auch die Voraussetzungen für die Zulassung sind sehr unterschiedlich: manchmal ist ein unterzeichneter Ausbildungsvertrag notwendig, um sich an der Fachhochschule in einen dualen Studiengang immatrikulieren zu können. An anderen Fachhochschulen kann man sich erst im Verlauf des ersten Semesters um einen Ausbildungsplatz kümmern. Daneben gibt es die so genannten "abgestuften Ausbildungsgänge". Dabei wird zunächst der Berufsabschluss erworben und im Anschluss erfolgt das Fachhochschulstudium. Allerdings ist schon während der Berufsausbildung die Teilnahme an bestimmten Vorlesungen verpflichtend.
Die Absolventen dualer Studiengänge haben durch den Mix aus Theorie und Praxis sowie auf Grund erheblich verkürzter Gesamtausbildungszeiten sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Zuckerschlecken ist dieser Ausbildungsweg sicher nicht. Von Ihnen wird viel Engagement, eine große Lernbereitschaft sowie ein hohes Maß an Flexibilität gefordert. Ein Einsatz, der sich aber gewiss lohnt.
Studiengänge im dualen System
- Betriebswirtschaft
- Chemieingenieurwesen
- Communication Systems
- Elektrotechnik
- Entsorgungstechnik
- Ergotherapie
- Feinwerktechnik
- Gebäudesystemtechnik
- Informatik
- Kreditwirtschaft
- Luftfahrtsystemtechnik und -management
- Maschinenbau
- Mechatronik
- Mikro- und Feinwerktechnik
- Nachrichtentechnik
- Physiktechnik
- Produktionstechnik
- Schuhtechnik
- Technische Informatik
- Versorgungstechnik
- Wirtschaft
- Wirtschaftsinformatik
- Wirtschaftsingenieurwesen
- Wirtschaftsrecht









0 Kommentare