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August – der Monat mit den zwei Gesichtern

Eine persönliche Monatsbetrachtung oder warum Edward Snowden ein typischer dummer August ist

Wenn die Sonne scheint und sich der wohlhabende Teil der Weltbevölkerung in Wellness aalt, schaut niemand genau hin. Deshalb haben Mächtige und Aufbegehrer im August Hochkonjunktur.

„Lieber Herr Obama, ich Bombe Terror Pakistan encrypted hähä selbst Schuld du Schnüffler.“ Anfang August  habe ich kurz darüber nachgedacht, fortan so ein beklopptes Kauderwelsch unter jede meiner E-Mails zu schreiben. Als Zeichen zivilen Ungehorsams, um die Datenspione der National Security Agency zu verwirren und ihnen unnötige Arbeit zu bescheren. Da hatte Edward Snowden gerade die Welt über die Spionagesoftware XKeyScore informiert, nach PRISM im Juli.

Edward Snowden
Whistleblower Edward Snowden

Mit seinen Enthüllungen über die weltweite Online-Bespitzelung von unbescholtenen Bürgern durch die NSA hat er den Mächtigen der Welt viel Ärger bereitet.

Leider bringt diese Strategie des Widerstands aber verschiedene Probleme mit sich. Unter anderem ist es ziemlich peinlich, sämtliche E-Mail-Kontakte mit explosiven Quatschsätzen zu belästigen. Außerdem habe ich eigentlich gar keine Lust, dass sich irgendwelche Geheimdienste mit meinen Daten befassen.

Aber ich will mich online frei fühlen! Fast wünschte ich, ich hätte nie erfahren, dass auch Informationen über meine persönlichen E-Mails, meine Facebook-Posts, meine Internet-Suchabfragen irgendwo auf der Welt von einer undurchsichtigen Organisation namens NSA im Namen des Kampfs gegen den Terror gespeichert werden. Aber nur fast wünsche ich mir das – und ziehe damit voller Hochachtung den Hut vor Edward Snowden, der den Mächtigen mächtig eins ausgewischt hat, als er das Ausmaß der NSA-Spionage in der Welt öffentlich gemacht hat.

 

Snowden ist der dumme August

Auch wenn er damit schon im Juli begonnen hat, eigentlich ist Edward Snowden eine typische August-Figur – wie der dumme August im Zirkus nämlich, Betonung auf der ersten Silbe.

Dessen Geschichte geht so: Es war einmal im 19. Jahrhundert ein typischer, strenger Weißclown, der sich September nannte. September trat immer mit einem Partner auf – August. August ist tollpatschig, aber guten Willens, er will es September recht machen. Aber September ist nie zufrieden. Deshalb wird der scheinbar dumme August irgendwann renitent und beginnt, dem weißen Clown Streiche zu spielen. Mit der Zeit findet er richtig Gefallen daran, ihm hinterrücks eins auszuwischen – ganz klar, welcher Figur in der Manege die Sympathie der Zuschauer gehört.

Gut, dass der dumme August heute im Zirkus eine feste Größe ist. Noch besser, dass er, siehe Snowden, auch auf der politischen Bühne auftritt und die mächtigen Weißclowns der Erde deshalb manchmal ganz schön lange Gesichter ziehen müssen.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, August 2013
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