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Das Gold der Ostsee

"Gold des Nordens"

Insekten in einem Bernstein
Für die Menschen des Altertums war der Bernstein das „Gold des Nordens“. Der Römische Dichter Ovid nannte ihn vor 2000 Jahren „Tränen der Götter“. Entstanden ist der Baltische Bernstein in riesigen Kiefernwäldern auf dem Gebiet des heutigen südlichen Skandinaviens vor ca. 50 Millionen Jahren während des Tertiärs. Damals herrschte hier ein subtropisches Klima. Das Harz der Bernsteinbäume floss reichlich, aber nur das Harz, das bald nach seinem Austritt unter Luftabschluss gelangte, härtete aus und wurde zu Bernstein.

Der Baltische Bernstein wurde mehrfach umgelagert. Die erste große Umlagerung vollzog sich vor ca. 32 Millionen Jahren, als Bernstein von großen Flüssen zusammengeschwemmt wurde. So entstand die heutige Hauptlagerstätte des Baltischen Bernsteins auf der Halbinsel Samland (heute Gebiet Kaliningrad; Russland). Der Bernstein liegt hier in Ton- und Sandablagerungen, der sogenannten „Blauen Erde“, die heute im Tagebau gefördert wird. Eine zweite große Umlagerung vollzog sich während der Eiszeit. Durch Gletscher und Schmelzwasserströme wurde Bernstein sogar bis vor die englische Küste transportiert. In der Nord- und Ostsee wird er heute zusammen mit dem Sprockholz - einem Gemisch aus Seetang und Holzresten - an den Strand gespült. Die Suche nach Bernstein am Strand ist zur Zeit der Winterstürme besonders erfolgversprechend, denn die starken Wellen legen hin und wieder Bernstein am Strand ab.

Einschlüsse im Bernstein (Inklusen) sind bei Sammlern begehrt. Diese Stücke konservierten Insekten, aber auch Blättchen oder Blüten längst untergegangener Bäume. Bereits die Menschen der Jungsteinzeit schätzten den Bernstein, der - zu Perlen oder kleinen Figuren verarbeitet - oft auch als Amulett getragen wurde. Im ersten Jahrtausend vor Christi war Bernstein ein begehrtes Handelsgut für die Hochkulturen im Mittelmeerraum. Auf den sogenannten „Bernsteinstraßen“ gelangte das Gold des Nordens vom Baltikum bis ans Mittelmeer. In der Antike nannten die Griechen das geheimnisvolle Material, das wegen seiner elektrostatischen Aufladung in der Lage war, kleine Papier- oder Staubteile anzuziehen, „Elektron“, ein Wort, das uns heute noch als „Elektrizität“ begegnet.

 

Schmuck und Heilmittel

Im Mittelalter verwandte man den Bernstein fast ausschließlich für die Herstellung von Rosenkränzen. Es bestand das „Bernsteinregal“, ein Gesetz, das dem jeweiligen Landesherrn im Samlandgebiet das Monopol über den Bernsteinhandel sicherte. Es ging vom Deutschen Orden im Jahr 1525 auf die Herzöge von Preußen über. Apotheken boten weißes Bernsteinpulver als vermeintliches Medikament feil.

Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten die preußischen Herrscher ihren einheimischen Schatz - den Bernstein - für ihre Repräsentationszwecke und ließen verschiedenartige Zier- und Gebrauchsgegenstände aus dem kostbaren Material fertigen. Hunderte von Bernsteinkunstgegenständen, darunter Pokale und Dosen, Konfektschalen und Degengriffe, vom preußischen Hof in Auftrag gegeben, gelangten so als Hochzeits- und Diplomatengeschenke in viele Kunstsammlungen europäischer Fürsten- und Herrscherhäuser. Zentren der kunsthandwerklichen Bernsteinbearbeitung waren im 17. Jahrhundert die Städte Königsberg und Danzig.

 

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Ulf Erichson
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