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Bildung: Gleiche Chancen für alle?

Zwei Studien zeigen, dass unser Bildungssystem gerechter werden muss

Jungen in Deutschland wollen am liebsten Profifußballer oder Polizist werden, Mädchen Tierärztin oder Lehrerin. Was die 6- bis 12-Jährigen, die der Jugendzeitschrift Medizini ihre Berufswünsche verraten haben, noch nicht ahnen: Auf dem Weg ins Berufsleben findet eine strenge Auslese statt – nicht jeder hat in Deutschland die gleiche Chance, den Traumberuf zu ergreifen. Und das nicht nur, weil vielen das Ausnahmetalent zum Profifußballer fehlt. Bildungsgerechtigkeit ist eins der größten bildungspolitischen Schlagworte unserer Zeit. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass es in Deutschland noch viel zu tun gibt, bis die Startchancen der Kinder gerecht verteilt sind.

Selektion in frühester Jugend

Erster Schultag

In der Grundschule sind noch alle gleich – jedenfalls ungefähr. In den Klassen kommen alle Kinder aus der Nachbarschaft zusammen. Die Migranten des Stadtteils, die Sprösslinge von Hartz-IV-Beziehern, Bäckereifachverkäufern und Kfz-Mechanikern teilen mit den Ärztesöhnen und Anwaltstöchtern die Schulbank. Auch wenn Marie zu Hause praktisch seit ihrer Geburt die Nase in Bücher gesteckt hat, während Kevin sich noch nicht einmal allein anziehen kann – unser Schulsystem betrachtet die Kinder bis zum Ende von Klasse vier als „gleich genug“, um sie in einem Klassenraum zu unterrichten.

Nach Klasse vier beginnt die offizielle Selektion. In der Theorie sollen sich die Begabten ab Klasse 5 ungestört am Gymnasium auf ihre akademische Karriere vorbereiten, während die Zehnjährigen mit weniger erkennbarem intellektuellem Potenzial fortan an anderen Schulen auf einen Abschluss zusteuern, der ihnen den Weg in einen Ausbildungsberuf eröffnen soll.

Die Praxis sieht anders aus: Kindern gut verdienender Akademiker ist das Abitur so gut wie sicher, während diejenigen aus weniger privilegiertem Elternhaus viel seltener den Sprung an die Spitze schaffen. Das zeigt die im September 2012 vorgestellte Studie der OECD „Bildung auf einen Blick“: Nur knapp sechs Prozent der Studierenden in Deutschland stammen aus einem Elternhaus mit niedrigem Bildungsniveau.

Studentin im Hörsaal

Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium aufzunehmen, liegt für Kinder weniger gebildeter Eltern bei etwa 40 Prozent, in Island oder der Türkei beispielsweise dagegen bei rund 70 Prozent. Und nur jedem Fünften in Deutschland gelingt es, ein höheres Bildungsniveau als seine Eltern zu erreichen (OECD-Durchschnitt: 37 Prozent), 22 Prozent erreichen am Ende sogar niedrigere Abschlüsse als ihre Eltern, während das im Durchschnitt der OECD-Staaten bei gerade einmal 13 Prozent der Fall ist. Damit ist Deutschland eins von nur drei Ländern in der OECD, in denen es von einer Generation zur nächsten mehr Bildungsabsteiger als ‑aufsteiger gibt.

Die unterschiedlichen Bildungsabschlüsse haben auch finanziell erhebliche Konsequenzen: Ein Studium bringt Männern in Deutschland durchschnittlich ein 71 Prozent höheres Einkommen, Frauen immerhin einen Einkommenszuschlag von 53 Prozent im Vergleich zu Berufstätigen mit Realschulabschluss.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, November 2012
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