wissen.de
Total votes: 321
wissen.de Artikel

Bioanbau ist Umweltschutz

Interview mit Thomas Dosch, Präsident von Bioland

Bioland ist nach eigenen Angaben der größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Die Richtlinien von Bioland sind in vielen Punkten strenger als die der EU-Öko-Verordnung. 4.500 Biobauern und 706 Lebensmittelhersteller arbeiten nach den Bioland-Richtlinien, so der Verband. wissen.de sprach mit Bioland-Präsidenten Thomas Dorsch.

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de
Thomas Dosch
Der Anteil der Bioware ist im vergangenen Jahr um 16 Prozent gewachsen. Stimmt Sie dieser Trend glücklich?

Ein Wachstum bedeutet auch eine Zunahme an biologisch wirtschaftenden Erzeugerbetrieben und ökologisch bewirtschafteter Fläche. Dies begrüßt Bioland ausdrücklich. Schließlich ist die Weiterentwicklung des organisch biologischen Landbaus eines unserer wichtigsten Ziele.
Bedauerlich ist jedoch, dass zwar die hohen Umsatzzuwächse in Deutschland generiert werden, jedoch in unseren Regionen kaum Bauern auf die ökologische Wirtschaftsweise umstellen. Während in Deutschland die Umstellungsförderung und Honorierung besonderer Umweltleistungen gekürzt wurde, unterstützen Nachbarländer wie Polen und Österreich ihre Bauern bei der Umstellung und der Belieferung des deutschen Marktes.

Wer sind Ihre Abnehmer? Wo verkaufen Sie Ihre Produkte?

Die Biolandbauern und Lebensmittelverarbeitungsbetriebe entscheiden eigenständig, an wen sie ihre Biolandprodukte verkaufen. Biolandprodukte erhalten Konsumenten sowohl Ab-Hof, in Naturkostfachgeschäften, in Biosupermärkten und auch im Lebensmitteleinzelhandel.

Findet man Bioland-Ware auch bei Aldi, Lidl und Co.?

In der Regel werden Biolandprodukte nicht über Discounter vermarktet. Es wurden jedoch in den vergangenen Jahren in einzelnen Regionen Bioland-Kartoffeln über Aldi abgesetzt. Die klare Differenzierung zwischen "Billig-Bio"  im Discount und der Qualitätsstrategie von Bioland und Fachhandel schließt jedoch die Vermarktung von Bioland-Produkten über den Discount aus.

Bioware wird immer mehr im Supermarkt angeboten. Haben finanzschwache Haushalte damit eine Chance, sich ebenfalls gesund zu ernähren?


Je mehr Bauernhöfe ökologisch wirtschaften, umso geringer werden die Kosten für die Erfassung, Verarbeitung und Verteilung pro Einheit der Bioprodukte. Dies kommt den Verbrauchern zugute. Klar ist, dass Biobauern auch in Zukunft nicht so billig produzieren können und eine artgerechte Tierhaltung aufwändiger ist, wie unter Bedingungen einer durchrationalisierten Intensivlandwirtschaft.  

Immer wieder hört man von missbräuchlicher Verwendung des Biosiegels. Die Verbraucher sind verunsichert. Wie werden speziell Bioland-Waren kontrolliert?

Kein Kontrollsystem im Lebensmittelbereich ist so ausgefeilt, wie im Biobereich. Da Betrüger selbst Euro-Geldscheine fälschen, sind kriminelle Machenschaften nie gänzlich auszuschließen. Wichtiger als die staatliche und die Extra-Biolandkontrolle ist uns das soziale Netzwerk, in das Bioland-Betriebe eingebunden sind. Wer in einer der bundesweiten Regional- und Fachgruppen eingebunden ist, ist den anderen Biolandbetrieben gegenüber persönlich verpflichtet. Das schafft Verantwortungsbewusstsein und besondere Vorsicht.

Können Sie kurz aufzeichnen, welchen Mehrwert Bioland-Produkte  im Vergleich zu Produkten mit dem Bio-Siegel nach der EG-Öko-Verordnung haben?

Hinter Bioland verbirgt sich eine große Gemeinschaft von Biobauern und Bioherstellern, deren Erzeugnisse nach strengsten privatrechtlichen Vorgaben hergestellt werden und die ihre Türen und Tore für ihre Kunden geöffnet halten. Bioland-Betriebe sind 100 Prozent Bio – anders als dies die staatliche Mindestrichtlinien vorschreiben. Auch strenge Vorgaben bei der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen bieten besondere Qualität. Bei der Herstellung von konventionellen Backwaren können Bäcker zum Beispiel zwischen 230 Zusatzstoffen auswählen, für Biobackwaren sind hingegen nach der EG-Öko-VO 40 und für Bioland-Backwaren lediglich 15 dieser Stoffe zugelassen. Dies zeigt, dass Bioland-Betriebe die Wünsche ihre Kunden ernst nehmen. Seit über 35 Jahren sind wir Vorreiter in der Richtlinienentwicklung. Anders als bei „No-Name-Bio“ weiß der Kunde zudem, woher die Bioland-Erzeugnisse stammen.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
aus der wissen.de Redaktion
Total votes: 321