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Business-Knigge Arabisch-Islamische Welt

Ob in Indonesien, in Malaysia oder auf den Philippinen (Mindanao), ob in Bangladesch, Indien (Kaschmir), Pakistan oder Afghanistan, ob im Nahen oder Mittleren Osten, ob in Afrika oder auf dem Balkan - die Unterschiede in den 35 Ländern mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil sind mitunter gewaltig.

Religiöse und gesellschaftliche Traditionen

Dieser "Business Knigge" zeigt allgemeine durch den Islam bedingte Verhaltensweisen auf sowie deren Ausprägung in einzelnen Ländern, mit denen Deutsche häufig wirtschaftlichen Kontakt haben, wie z.B. den Golfstaaten.

Spätestens seit dem 11. September 2001 ist der Weltöffentlichkeit bekannt, dass man mancherorts auf eine extreme Auslegung der auf dem Islam basierenden Vorschriften gefasst sein muss. In Saudi-Arabien steuern Frauen nicht einmal ein Auto, geschweige denn dürfen sie sich unverschleiert in der Öffentlichkeit zeigen. Mit zunehmender Verstädterung und Verwestlichung können Sie mit einer Lockerung der Gebote rechnen. Doch Vorsicht: Ein Moslem, der in Deutschland weltoffen lebt, kann bzw. muss sich zu Hause den religiösen und gesellschaftlichen Traditionen unterwerfen.

Hintergrundinformationen

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

Hierarchie

In Saudi-Arabien gibt es eine absolute Monarchie auf religiöser Grundlage. Es gibt kein Parlament, aber eine Beratende Versammlung ("Madschlis Asshura") mit 90 Mitgliedern, die vom König ernannt werden. Saudi-Arabien ist in 13 Provinzen aufgeteilt, die wiederum in Bezirke und Unterbezirke gegliedert sind. An der Spitze der regionalen Verwaltung stehen Emire im Ministerrang.

Partnerschaftliche Strukturen

Die Rolle der Frau in arabisch-islamischen Ländern entspricht nicht den Vorstellungen der westlichen Welt. Allerdings gibt es starke Unterscheide zwischen den einzelnen Staaten. Länder wie Libanon, Jordanien, Ägypten und einige Golfstaaten sind sehr liberal. Frauen dürfen studieren, haben oft auch hohe Ämter inne. In stark islamistisch geprägten Ländern wie Saudi-Arabien "blühen die Frauen nur im Verborgenen". Selbst Autofahren ist tabu. Was man allerdings nie vergessen darf: Die Rolle der Frau innerhalb des Hauses ist stark. Da müssen selbst Männer die "Chefin", meist die Mutter, fragen, ob sie Gäste mitbringen dürfen. Als Gast sollte man auf keinen Fall mit Vorurteilen kommen, sondern behutsam beobachten und sich selbst ein Bild machen.

Ausländerinnen werden im arabischen Kulturkreis durchaus als ebenbürtige Verhandlungspartnerinnen geachtet. Dennoch gilt auch hier: Behutsamkeit führt eher zum Ziel als forsches Draufgängertum.

Religion

Saudi-Arabien
Der Islam ist Staatsreligion. Überwiegend gibt es wahhabitische Sunniten. In der Ostprovinz besteht eine schiitische Minderheit.

Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Der Islam ist hier überwiegend sunnitischer Prägung und gilt als Staatsreligion. In den Vereinigten Emiraten lebende Ausländer praktizieren ihre Religionen ungehindert. Christentum, nichteinheimische Richtungen des Islam sowie Hinduismus existieren ohne Probleme.

Fremde Sitten und Gebräuche

Drängelei und Drohungen

"Ich verlange, umgehend Ihren Vorgesetzten zu sprechen." Was in Deutschland einen Vorgang vielleicht beschleunigt, bewirkt in arabischen Ländern das Gegenteil: Drängelei und Drohungen werden mit Entschleunigung beantwortet, wenn nicht mit offensichtlicher Ablehnung. Der Fordernde wird als grob unhöflich empfunden.

Das Maß aller Dinge in muslimisch geprägten Kulturen ist nicht der Mensch: der Islam ist nicht nur Religion, sondern auch Gesellschaftsform. Wie stark und in welcher Weise diese in den verschiedenen islamischen Kulturformen mit weltweit insgesamt 1,3 Milliarden Muslimen die jeweiligen Verhaltensregeln prägt, ist nicht leicht zu differenzieren.

Diskretion und Zurückhaltung

Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus, Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde. Diskretion geht sogar so weit, dass selbst gegenüber unangemessenem Verhalten seitens Ausländern gilt: Was übersehen werden kann, braucht nicht geahndet zu werden.

In der Öffentlichkeit kann von Ihnen erwartet werden,

  1. dass Frauen und Männer einander nicht berühren, Menschen gleichen Geschlechtes können durchaus Hand in Hand gehen. Saudi-arabischen Frauen ist der Kontakt nur zum Ehemann oder zu nahen männlichen Verwandten gestattet, die VAE und zunehmend der Oman sind freizügiger;
  2. dass Männer Blickkontakt mit einheimischen Frauen vermeiden;
  3. dass Sie auf das Bilderverbot des Islam Rücksicht nehmen und sich mit dem Fotografieren von Menschen zurückhalten.

Auf dem Markt

Stören Sie sich nicht daran, dass Sie von Händlern angesprochen werden. Eine Ware anbieten und über den Preis diskutieren, ist die natürlichste Sache der Welt. Genauso ist es akzeptiert, wenn Sie sich als Interessent zuerst einmal einen Überblick über das Angebot verschaffen wollen. Versuchen Sie dabei aber nicht, einzelne Händler gegeneinander auszuspielen: Sie würden den Kürzeren ziehen.

Ein Angebot eines Geschäftspartners auszuschlagen, wäre allerdings unpassend.

Gebet und religiöse Rituale

Gläubige Muslime beten fünfmal am Tag: zu Sonnenaufgang, am Mittag, am Nachmittag, bei Sonnenuntergang und zu Beginn der Nacht. Stören Sie niemals bei einem Gebet. Beobachten Sie Betende nicht und fotografieren Sie sie nicht. Zur Gebetszeit haben nichtmuslimische "Ungläubige" häufig keinen Zutritt in eine Moschee. Ist er gestattet, müssen Sie wie die Gläubigen am Eingang Ihre Schuhe ausziehen, Socken können Sie meist anbehalten oder aber Sie erhalten Überschuhe über die Socken. Frauen sollten sich in einer Moschee besonders zurückhaltend benehmen. Mitunter wird verlangt, dass sie sich mit einem Tuch oder einem Umhang das Haar bedecken.

Das Almosen geben zählt wie das Gebet zu den Pflichten des Muslimen. Es steht auch Ihnen gut zu Gesicht, wenn Sie einem Bettler eine Münze hinterlassen.

Vorsicht Fettnäpfchen

Sprechen Sie nicht von Mohammedanern, sondern von Moslems oder Muslimen. Iraner sind keine Araber, sondern gehören der indogermanischen Völkergruppe an.

Umgang mit der Zeit

Nach der Tradition wird die Zeit von der Sonne bestimmt und der Tagesablauf vom Ruf des Muezzin zum Gebet. Wozu dann eine Uhr? Wozu ein Zeitkorsett?

So wird für den Besucher aus dem Ausland Geduld zum obersten Gebot in islamischen Regionen. Zwischen traditionell geprägten Ländern wie Saudi-Arabien oder den durch den hohen Anteil an Immigranten und intensive Kontakte zur westlichen Geschäftswelt beeinflussten Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman besteht da nur ein gradueller Unterschied.

Pünktlichkeit ist keine Tugend an sich, wird jedoch bei westlichen Geschäftspartnern vorausgesetzt. Abstrakte Angaben über die beabsichtige Dauer einer Begegnung sind entsprechend überflüssig, es ist der Inhalt der Begegnung, die zählt. Bittsteller müssen warten und schlimmstenfalls unverrichteter Dinge wieder gehen. Verhandlungen ziehen sich so lange hin, bis die persönliche Beziehung zum Gesprächspartner stimmt. Interpretieren Sie dies nicht als Zeitverlust, sondern als Chance.

Halten Sie sich bei Besuchen und Anrufen an die ortsüblichen Geschäftszeiten. Um den freien Freitag herum beginnt oft schon am Donnerstag das Wochenende. Ob der Arbeitstag um 13 Uhr zu Ende ist oder Ihr Ansprechpartner vielleicht noch einmal in den Abendstunden im Büro ist, erfragen Sie punktuell. Immer häufiger findet man Bürostunden von 9 bis 17 Uhr und westliche Gepflogenheiten werden zumindest von Ausländern erwartet.

Die wichtigsten Kommunikationsregeln

  1. Halten Sie sich gerade. Wer gebückt daherkommt, macht sich zum Spielball derer, für die sich Autorität in einem geraden Rückgrat symbolisiert.
  2. Halten Sie Ihre Gesten klein. Was Rhetoriktrainer Ihnen hier ans Herz legen, gilt in arabischen Staaten umso mehr. Mit dem Finger auf eine Person zu deuten, kann als Angriff missverstanden werden. Wie die Fußspitze, die beim Sitzen mit überschlagenen Beinen leicht einmal in die falsche Richtung gehen kann. Die Fußsohle zu zeigen ist ungehörig, sie nicht zu zeigen, ist bei einem Essen auf dem Fußboden schwierig, aber nicht unmöglich.
  3. Halten Sie sich zurück mit Berührungen, bieten Sie Vertretern des anderen Geschlechts nicht von sich aus die Hand zur Begrüßung an. Öffentliche, freundschaftliche Berührungen unter Männern sind gang und gäbe, wie überhaupt die Distanz auch beim Gespräch sehr gering sein kann. Zur Begrüßung unter Männern wird häufig die rechte Hand gehalten und die linke auf die Schulter des Gegenübers gelegt. Wangenküsse unter Männern sind Zeichen gleichen Ranges, Untergebene küssen als Zeichen der Achtung die Hand des Höherrangingen. Frauen werden häufig nicht einmal vorgestellt.
  4. Halten Sie den Mund. Schweigen ist Teil der Unterhaltung, respektieren Sie Pausen.
  5. Halten Sie durch. Geben Sie Ihren Gesprächspartnern die Gelegenheit, Sie kennen zu lernen. "Zeit bringt Geld" - so könnten Sie das amerikanische "Time is money" bei Besuchen in der islamischen Welt für sich umformulieren.

Begrüßung und Begegnung

Wer Karl May gelesen hat, weiß: Ein Muslim begrüßt den andern mit "As-Salam'alaykum", Friede sei mit euch. Jener antwortet: "Alaykum as-Salam", mit euch sei Friede. Da es sich hier um ein Erkennungszeichen für die Zugehörigkeit zum Islam handelt, müssen Sie als Nichtgläubiger, Karl May hin, Karl May her, auf diesen Gruß verzichten.

Beschränken Sie sich auf das Nennen des neutralen Tagesgrußes, rechnen Sie mit blumigen Segenswünschen seitens Ihres Gegenübers. Die Frage nach dem Befinden ist positiv zu beantworten, die Frage nach dem der Familie ebenfalls. Vergessen Sie nicht, sie zu stellen. Vermeiden Sie dabei aber, Männer direkt nach den Frauen der Familie zu fragen. Warten Sie ab, bis und ob sie selbst darauf zu sprechen kommen.

Die Verabschiedung erfolgt entsprechend: Das Bedauern über die Trennung auszudrücken, ist im Nahen Osten ein Muss.

Die stereotypen Formulierungen variieren entsprechend den Sprachgruppen, mit denen Sie es beim Kontakt mit Muslimen zu tun haben. Die größten davon sind die arabischen, die iranischen und die Turksprachen. Darüber hinaus finden sich regionale Unterschiede. Gleich jedoch ist allen Sprechern die Höflichkeit im Umgang mit Fremden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie mit Ehrentiteln angesprochen werden.

Im englischsprachigen Kontakt jedoch bleiben rudimentäre Höflichkeitsformeln wie "May I, please" oder "Thank you" oft aus. Interpretieren Sie das nicht als mangelnden Respekt. Viele haben Englisch nicht unbedingt von gebildeten Briten gelernt. Bevor Sie sich darüber echauffieren: Wie perfekt beherrschen Sie die Nuancen des Arabischen?

Smalltalk

In westlichen Ländern ist eine der Grundregeln des Smalltalk: Vermeiden Sie das Thema Religion. Diese Empfehlung gilt für islamische Länder nicht. Im Gegenteil: Stellen Sie alle Fragen, auf die Sie immer schon einmal eine Antwort wollten. Ein kritischer Unterton wäre natürlich fehl am Platz, ebenso wie die Erwähnung des Staates Israel.

Stellen Sie keine Fragen, von denen Sie annehmen müssen, dass Ihr Gesprächspartner darauf nicht antworten kann. Unwissenheit zugeben zu müssen wäre für ihn ein Gesichtsverlust.

Über das andere Geschlecht reden Sie besser nicht. Rechnen Sie aber damit, dass Sie über die Anzahl Ihrer Kinder Auskunft geben müssen. Für Muslime, die sich als Glied einer genealogischen Kette verstehen, sind Singles und gewollte Kinderlosigkeit unverständlich.

Gute Themen sind Sport, im Nahen Osten vor allem Soccer (Fußball) und spezifische Sportarten wie Pferde- und Kamelrennen sowie die Falken-Jagd. Hinzu kommen gemeinsame Bekannte und die Wirtschaft, die Geschäfte und die Politik. Fragen Sie nicht, ohne von sich zu erzählen: Gegenseitigkeit spielt eine genauso große Rolle wie das Hervorheben von Gemeinsamkeiten. Wer dem Ideal des Generalisten entspricht, hat damit kein Problem. Für alle anderen gilt: bereiten Sie sich vor.

Im Business

Bei Mitgliedern des arabischen Kulturkreises, insbesondere bei den Golf-Anrainern, ist eine hohe Sensibilität zu beobachten: Versuchen Sie darum gar nicht erst, sich zu verstellen. Seien Sie auf authentische Weise höflich, gelassen, verständnisvoll und fröhlich. Sehen Sie sich dazu prinzipiell außer Stande, schicken Sie einen Kollegen zum Geschäftsbesuch.

Mittelsmänner und Beziehungen

Ohnehin sind Sie gut bedient, wenn Sie von einem Mittelsmann eingeführt und begleitet werden. Dieser sollte so gute Beziehungen haben, dass Sie gar nicht auf die Idee kommen, ihn mangels Effektivität auszutauschen. Das ginge nicht, denn er muss wie jeder sein Gesicht wahren können.

Wählen Sie diese Person auch aus einem weiteren Grund sorgfältig aus: Von ihr wird unmittelbar auf Sie, auf Ihr Ansehen, auf Ihren untadeligen Ruf geschlossen. Was in Deutschland als "name dropping" verpönt ist, stellt im Nahen Osten notwendige Referenz dar, entsprechend unserem Sprichwort "Sage mir mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist."

Höflichkeit und Wertschätzung

Ihr Gastgeber signalisiert Ihnen seine Wertschätzung dadurch, dass er Ihnen den besseren, den rechten Platz anbietet, sowie den Vortritt durch eine Tür. Verzichten Sie auf diese Form der Ehrerbietung zuerst einmal durch ein nonchalantes "Nach Ihnen", nehmen Sie das Angebot dann aber an: Ein anderes Verhalten würde er als Masche empfinden.

Halten Sie sich generell zurück - mit Belehrungen, mit Kritik und Konfrontation, sogar mit väterlichen Ratschlägen: Ihr Gegenüber wird Ihnen bei einem Fehler erlauben, Ihr Gesicht zu wahren. Tun Sie es ihm gleich.

Halten Sie sich auch mit Termindruck zurück: Einer, dessen Vorfahren in der Wüste überlebten, findet einen willkürlich erscheinenden Zeitpunkt weniger wichtig als ein geschicktes Timing. Wenn die Zeit reif ist, können Entscheidungen sehr spontan und sehr flexibel gefällt werden. Wie gut, dass der Handy-Empfang fast überall perfekt ist.

Das gefällt Ihrem Gesprächspartner übrigens auch: In Ägypten beispielsweise werden geschäftliche Treffen durchaus durch Telefonate und Besuche der Familie unterbrochen. Davon sollten Sie sich nicht stören lassen.

Das korrekte Erscheinungsbild

Das traditionelle Kleidungsstück des Arabers ist die Dishdashah, das lange Gewand aus einem Stück, das den ganzen Körper bedeckt und im Sommer aus weißer Baumwolle, im Winter aus wärmeren Materialien in dunkleren Farben besteht. Eine Tradition besagt, dass ein Muslim keine Kleidungsstücke tragen darf, die von Nichtmuslimen verwendet werden. Viele Araber halten sich vor allem bei als wichtig erachteten Anlässen daran. Die traditionelle Kleidung des Landes einschließlich der Kopfbedeckung zu imitieren, wäre für Besucher unpassend, könnte als Affront verstanden werden oder als Versuch, aus unlauteren Zwecken seine Identität zu verbergen.

Zum Ansehen des männlichen Besuchers aus dem Westen tragen lange Hosen und ein langärmeliges Hemd, bei Geschäftstreffen Sakko und Krawatte bei. Vor allem in Saudi-Arabien ist Halsschmuck bei Männern unerwünscht. Sollten Sie also wirklich ein Kettchen um Hals oder Arm tragen, sorgen Sie dafür, dass Ihr Oberhemd stets ganz geschlossen bleibt.

Halten Sie sich zurück mit informeller und auffallender Kleidung. Besonders Frauen wird es angelastet, wenn sie sich über die Kleidungsvorschriften hinwegsetzen. Musliminnen tragen in der Öffentlichkeit weit geschnittene Kleider, zu Hause müssen sie sich dieser Einschränkung nicht unterwerfen. Manche Musliminnen geben sich dort in der Anwesenheit von westlichen Frauen freizügig wie unter ihresgleichen, manche behandeln Besucherinnen wie Männer und halten sich im wahrsten Sinne des Wortes bedeckt.

Als Ausländerin sollten Sie zwar nicht die Norm übererfüllen und Kopftuch oder Schleier tragen, wenn es nicht ausdrücklich gefordert wird. Wählen Sie aber auf jeden Fall eine dezente Kleidung in gedeckten Farben, die Ihre weiblichen Rundungen gut kaschiert. Bitte keinen Anblick von Armen, Schultern und Knie gewähren. Längere Röcke sind besser als kurze und auch besser als Hosen. Eine Kette mit Kruzifix auf dem Busen baumeln zu lassen, wäre ebenfalls nicht angebracht. Am freien Freitag am öffentlichen Strand im Bikini herumzuspazieren, wäre schamlos.

Make-up, lackierte Fingernägel und gefärbtes Haar werden von streng gläubigen Muslimen negativ bewertet, ein schweres Parfüm wiederum ist akzeptiert. Wenn Sie einmal ausprobieren wollen, wie Ihre Hände mit einer Henna-Bemalung aussehen, wird das als Spaß betrachtet. Bedenken Sie jedoch im Hinblick auf Ihre Geschäftskontakte, dass diese Verschönerungen wochenlang haften.

Anrede von Geschäftspartnern

Die Namensgesetze sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich und wurden in den letzten Jahrzehnten wiederholt geändert. Der frühe Austausch der Visitenkarte ist daher von großer Bedeutung.

Dort finden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Titel, Vorname und Mittelname, aber nicht immer den Nachnamen.

Die Anrede Titel und Nachname ist im Geschäftsleben häufig, doch auch Titel und Vorname ist üblich. Es kann sogar sein, dass bei einem geselligen Anlass der Vorname, im Business danach aber wieder der Nachname genannt wird. Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass in nicht-arabische Alphabete umgeschriebene Namen in verschiedenen Varianten erscheinen können.

Scheuen Sie sich also nicht, rechtzeitig nachzufragen und sich die richtige und im individuellen Fall gewünschte Anrede gegebenenfalls aufschreiben zu lassen.

Erfolgreiche Gesprächsführung

Auch ein geschäftliches Treffen wird mit Fragen nach dem gesundheitlichen Befinden eingeleitet. Im folgenden Austausch wird eruiert, mit was für einem Gegenüber man es jeweils zu tun hat. Abtasten ist der erste Schritt, die schrittweise Annäherung vollzieht sich über einen längeren Zeitraum, bei dem gemeinsame Essen oder Einladungen in einen Club eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Haben Sie weniger ein Angebot zu machen als eine Bitte vorzutragen, überlassen Sie dies einem Vermittler. Das hat den Vorteil, dass alle ihr Gesicht wahren können: Der Antragsteller macht sich nicht persönlich klein, der Adressat muss eine etwaige Ablehnung nicht persönlich überbringen und der Mittelsmann verliert bei Ablehnung nichts, gewinnt jedoch bei erfolgreicher Intervention an Prestige.

Gerade bei Konflikten ist ein Mittler einzuschalten, denn offene Konflikte sind unerwünscht. Ziel eines Vermittlungsversuchs ist ein für alle Beteiligten guter Kompromiss.

Der Versuch, bei schwierigen Verhandlungen bisherige Verhandlungspartner zu übergehen und auf eine höhere Ebene der Entscheider vorzustoßen, würde umgehend mit der Beendigung der Gespräche geahndet. Unterlagen vorzubereiten, die an diese Personen weitergeleitet werden können, ist jedoch kein Fauxpas.

Vertrauensbildung ist das A und O. Geschäfte werden traditionell lieber mit Bekannten oder gar Freunden gemacht als mit schwer einzuschätzenden Fremden. Ist Ihre Geschäftsbeziehung zu einer derart persönlichen Beziehung gewachsen, dürfen Sie sich auf langfristige Zusammenarbeit einrichten. Allerdings sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass Kulanz von Freunden auch in Sachen Preis erwartet wird.

Das Wort “Feilschen“ hat in unseren Breiten einen negativen Klang, in orientalischen Kulturen ist es ein Bestandteil des Geschäftslebens. Eine generelle Richtlinie wie die Vorannahme, dass Verhandlungspartner sich in der Mitte zwischen Forderung und Gebot treffen sollen, gibt es nicht. Setzen Sie für sich eine Grenze fest und halten Sie sich daran, dann können Sie authentisch verhandeln. Lassen Sie Ihr Gegenüber die erste Zahl nennen.

Bieten Sie bei Verhandlungen immer wieder Augenkontakt an, halten Sie Nähe aus. Und halten Sie Ihre Anspannung im Zaum. Im Nahen und Mittleren Osten erleben Sie hin und wieder, dass Gesprächsteilnehmer an den Fingern ziehen und so die Gelenke zum Knacken bringen. Tun Sie es ihnen nicht nach. Nicht weil es schmerzhaft wäre, sondern weil Sie durch diesen Versuch, sich zu entspannen, Ihre Anspannung spüren ließen. Entspannen Sie sich lieber auf mentalem Weg.

Das Geschäftsessen

Gastfreundschaft

Zurückhaltung wird, wie mehrfach erwähnt, im Orient hoch geschätzt. Halten Sie sich aber nicht zurück, wenn Ihnen ein Geschäftspartner seine Gastfreundschaft anbietet. Araber machen gern Geschäfte mit Mitgliedern der eigenen Familie, Bekannte sind zweite Wahl, Fremde dritte. Freuen Sie sich darum über jeden Kontakt, der Ihnen über das Geschäft hinaus angeboten wird.

Bedenken Sie, dass Gastfreundschaft auf Gegenseitigkeit angelegt ist. Laden Sie je nach der Vorleistung der Partner in ein lokales Restaurant oder ein nobles Hotel ein. Da der eine oder andere Gast möglicherweise einen Verwandten oder Freund mitbringt, entscheiden Sie sich für ein Buffet statt für ein festes Essen.

Tabus

Sie wissen ja: Schweinefleisch und Alkohol sind für Muslime im Prinzip tabu. Je westlicher ein Muslim lebt, desto eher wird er das eine und/oder das andere zu sich nehmen. Lassen Sie auf jeden Fall Speisen mit Schweinefleisch und auch alkoholische Getränke nicht auf derselben Platte reichen wie solche, die die verbotenen Ingredienzen enthalten.

Lassen Sie beim Essen Ihre linke, unreine Hand aus dem Spiel; halten Sie Ihren als unrein betrachteten Hund unter Verschluss.

Nach dem Essen

Bieten Sie auch bei bereits erfolgter Ablehnung Speisen und Getränke an. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Gäste Sie unmittelbar nach dem Essen verlassen: Nach dem Kaffee ist Schluss.

Spezialfall Ramadan

Das Fasten ist - neben Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosen und Pilgerfahrt - eine der fünf Säulen des Islam. Das Fasten während des Tages verändert das gesamte öffentliche Leben in vielen muslimischen Staaten und die Arbeitsfähigkeit bei jedem Fastenden. Wägen Sie daher gut ab, ob Sie einen Geschäftsbesuch in diese Zeit legen wollen. Sind Sie während des Ramadan vor Ort, bedenken Sie: Im Beisein eines fastenden Moslems vor Sonnenuntergang zu essen, zu trinken oder zu rauchen könnte als Beleidigung aufgefasst werden. Das gilt für die gesamte Zeit des Fastenmonats. Muslime dürfen dann nur zwischen Sonnenuntergang und dem Morgengrauen rauchen und Getränke und Speisen zu sich nehmen, die allerdings im Ramadan besonders gehaltvoll sind.

Zum Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan werden Nichtmuslime gern in das gesellschaftliche Leben integriert. Das Gesetz der Höflichkeit gebietet, dass Sie zu diesem Anlass Ihre Glückwünsche aussprechen, mündlich und ruhig auch schriftlich.

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Ich habe gehört, dass im arabischen Raum die höhergestellte Person die anderen zuerst in einen Raum geleitet und selbst zuletzt eintritt. Für welches Umfeld trifft das zu?