Business-Knigge Fernost | wissen.de
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Business-Knigge Fernost

Nach Asien oder Japan überzusiedeln ist eine große aber auch interessante Herausforderung. Hier gelten ganz eigene Regeln im Alltag und im Geschäftsleben und man braucht einige Zeit, bis man sich an die unterschiedlichen Kulturen, Gebräuche und Gesetze gewöhnt hat.

Unterschiedliche Gebiete und Kulturen

Selbst das umfassendste Handbuch über Sitten und Gebräuche in einem Land kann keine genaue Vorhersage zum Verhaltens einer einzelnen Person liefern. So geht es auch auf diesen Seiten bei allen beschriebenen Verhaltensweisen vorwiegend um Wahrscheinlichkeiten, die bei der Begegnung mit dem Fernen Osten zur Hypothesenbildung dienen können. Zumal der Ferne Osten sehr unterschiedliche Gebiete und Kulturen umfasst. Allein wenn wir uns hier auf China und Japan beschränken, ist zu präzisieren: Was für die Volksrepublik China gilt, hat nicht unbesehen auch für das zum einen Teil kosmopolitischere, zu einem anderen Teil traditionell-"chinesischere" Taiwan Gültigkeit und schon gar nicht für das durch seine hundertjährige Ära als Kronkolonie partiell britisch geprägte Hongkong. Dafür verhalten sich z.B. im Ausland ansässige Japaner dort mit großer Wahrscheinlichkeit ähnlich wie zu Hause. Korea, Singapur, Vietnam usw. haben teilweise untereinander und teilweise mit Japan oder China Ähnlichkeiten. Sie können sich aber auch beachtlich unterscheiden.

Der Ferne Osten ist also alles andere als monolithisch und eindeutig. Ein Beispiel: 87 Prozent der Japaner gehören dem Shinto-Glauben an, 73 Prozent dem Buddhismus. Diese Aussage enthält keinen Rechenfehler, sondern illustriert, dass die Religionen sich überlappen und mehr Lebensphilosophien sind als Glaubenssysteme. Verständlich wird Verhalten gerade im Fernen Osten durch seine Einbettung in die jeweilige Weltanschauung.

Hintergrundinformationen Fernost

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

Hierarchie

Japan
Die Regierungsform in Japan ist eine Parlamentarische Demokratie mit einem Zweikammersystem: Das Oberhaus mit 252 Sitzen und das Unterhaus mit 480 Sitzen.

Das Unterhaus wird immer für 4 Jahre gewählt (zuletzt am 25.06.2000).

Das Oberhaus wird für 6 Jahre gewählt, wobei es alle drei Jahre zu einer Neuwahl der Hälfte der Sitze kommt. Die letzte Wahl war am 29.07.2001. 100 Sitze werden per landesweiter Listenwahl, 152 Sitze per direkter Persönlichkeitswahl in 47 Wahlkreisen besetzt.

China
Die Sozialistische Volksrepublik China wird von der Kommunistischen Partei der VR China (KPCh) regiert: das Zentralkomitee (193 Mitglieder) mit Politbüro (22 Mitglieder) und dessen Ständigem Ausschuss (7 Mitglieder). Acht weitere, in der Praxis bedeutungslose, Parteien sind zusammen mit Vertretern der Massenorganisationen und der Minderheiten in der "Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes" als so genannte "Einheitsfront" unter Führung der KPCh zusammengeschlossen.

Partnerschaftliche Strukturen

Japan
Das Bild der japanischen Frau, das in Europa vorherrscht, ist das eines sittsam lächelnden, in einen adretten Kimono gehüllten, zarten Wesens. Ein Klischee, das sich so nicht länger halten lässt. Japan ist seit geraumer Zeit im Umbruch. Es gibt durchaus Karrierefrauen im Land, die beruflich ihren "Mann" stehen.

Dennoch gibt es auch das traditionelle, extreme Rollenverhalten. Der Tätigkeitsbereich des Mannes ist auf die Arbeit, den Broterwerb beschränkt, den Mittelpunkt des Lebens für die Japanerinnen stellt die Versorgung der Familie dar. Schuld daran haben wohl auch die Firmen, die wenig in die Ausbildung der Frauen investieren, da diese oft nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Berufsleben ausscheiden. Beförderungen der weiblichen Angestellten sind seltener und auch Führungspositionen werden trotz eines existierenden Gleichstellungsgesetzes weniger häufig mit Frauen besetzt.

China
Im 20. Jahrhundert hat die Rolle der Frau einen großen Wandlungsprozess durchlaufen. Die traditionellen konfuzianischen Vorstellungen vom Verhalten einer Frau in der Gesellschaft wurden spätestens unter der Regierung von Mao gründlich überdacht. Allerdings wurde auch starker Einfluss auf die Familie ausgeübt. Wer mehr als zwei Kindern das Leben schenkte, musste mit Restriktionen rechnen. Mao forderte 1949: "Schließt euch zusammen, nehmt teil an der Produktion und an der politischen Tätigkeit, damit die wirtschaftliche und politische Stellung der Frauen verbessert wird."

Um eine große sozialistische Gesellschaft zu erbauen, meinte der Große Vorsitzende, sei es äußerst wichtig, "die breiten Massen der Frauen für die Teilnahme an der Produktionstätigkeit zu mobilisieren". In der Produktion müsse bei Männern und Frauen der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" verwirklicht werden. Nur im Prozess der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft als Ganzes ist eine echte Gleichberechtigung von Männern und Frauen realisierbar.

Das Bildungsgefälle der Frauen zwischen Stadt und Land allerdings ist in China nach wie vor sehr groß.

Religion

Japan
Japan: 80 Prozent der 124 Mio. Japaner bekennen sich zu mehreren Religionen: Shintoismus (107 Mio.), Buddhismus (91 Mio.), Christentum (1,4 Mio.), Sonstige (11,3 Mio.)

China
China: In China herrscht eine atheistische Staatsideologie. Dennoch finden sich Anhänger der Konfuzianischen Lehre, des Buddhismus, des Lamaismus (vor allem in Tibet), des Taoismus, des Islam sowie der protestantischen und katholischen Kirchen.

Fremde Sitten und Gebräuche

Glaube und Religion

Die konfuzianische Lehre ist vor allem in Japan auch im Geschäftsleben sehr präsent, was u.a. die starke Verpflichtung auf die Gruppe (z.B. die Abteilung) und das Gemeinwohl (die Firma) erklärt. China ist vom Mahayana-Buddhismus geprägt, der für Opfer und Investitionen dem Individuum den Einzug ins Nirvana verspricht; die durchaus auch präsente konfuzianische Überzeugung wird dadurch abgefedert. Gemäß dem Taoismus wiederum, der im Westen über die Yin-und-Yang-Symbolik bekannt ist, vereint sich Unterschiedliches oder gar Widersprüchliches in Harmonie. Schweigen bei einem Meeting spricht eine deutliche Sprache; Lächeln kann Widerspruch überdecken. Auf der Wertschätzung harmonischer Bezüge basiert auch der Shintoismus: Er wertet sowohl belebte als unbelebte Objekte als beseelt. Aus der Auswahl von Gegenständen und deren Anordnung im Raum kann Bedeutung abgelesen werden. Dass auch das Christentum und der Islam ihren Einfluss in der Region haben, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt.

Was Sie vermeiden sollten

Fettnäpfchen stehen überall. Immer laufen Sie Gefahr, als Mensch aus dem Westen als ungeduldig, ungehobelt, egoistisch und intolerant angesehen zu werden. Beweisen Sie den Asiaten das Gegenteil. Erfreuen Sie beispielsweise Ihre Gastgeber mit kleinen Geschenken, achten Sie dabei aber auf die Symbolik von Farben, Objekten und Zahlen.

Schenken Sie keine Uhren, sie könnten als Hinweis auf die Vergänglichkeit gewertet werden. Messer sind zu aggressiv. Packen Sie Geschenke erst ein, nachdem Sie die Zollkontrolle passiert haben und nicht in der Trauer vorbehaltenes Weiß. Geben Sie sich vor allem in Japan dem Land entsprechend Mühe mit der Verpackung. Dort macht sich sogar eine Papiertüte mit dem Logo einer Nobelmarke gut. Die Zahl Vier meiden Sie, sie wird aufgrund ihrer Lautung im alten Chinesisch mit dem Tod in Verbindung gebracht, die Acht dagegen ist ideal. Obst und einfache Speisen zu überreichen würde suggerieren, Sie unterstellten dem Beschenkten Armut. Liebevoll angerichtete oder verpackte hochwertige Spezialitäten und Getränke, wie Schweizer Schokolade oder Champagner gerade Nobelmarken dagegen sind in Ordnung. Überreichen Sie ein Geschenk für eine Delegation dem Repräsentanten mit dem höchsten Rang.

Verhalten in der Öffentlichkeit

Erweisen Sie Ihrem Gegenüber Respekt, erhalten Sie Respekt - das gilt überall und in Ostasien ganz besonders. Dieses Gebot zur würdevollen Zurückhaltung ist in der Öffentlichkeit gerade in den großen Städten Japans außer Kraft gesetzt: Rechnen Sie damit, gedrängelt und angestoßen zu werden.

Das Englisch von Taxifahrern im Fernen Osten ist in Wort und Schrift gleichermaßen rudimentär. Lassen Sie sich Adressen in der Landessprache/-schrift aufschreiben.

In Japan liest man Ihren Status auch an dem Hotel ab, in dem Sie wohnen. Planen Sie Ihre Unterkunft entsprechend sorgfältig. Haben Sie das Glück, einmal in einem echt japanischen Ryokan zu wohnen, ziehen Sie vor dem Eintreten Ihre Schuhe aus. Immer häufiger sind Bänkchen an den Eingängen aufgestellt, damit Europäer ihre Schnürsenkel bequem öffnen und schließen können. Die Schuhe mit den Spitzen Richtung Ausgang deponieren. Wird Ihnen die Gelegenheit zum gemeinsamen Bad in heißen Quellen geboten, nehmen Sie diese an, auf jeden Fall frisch geduscht und im Adamskostüm. Bevor Sie sich auf der Tatami-Matte zur Ruhe betten, bedenken Sie: Die Wände sind aus Reispapier.

Umgang mit der Zeit

"Der lange Weg ist der kürzere", sagt man nicht nur in Japan. Zeit ist in Asien ein flüssiger Begriff. Geduld ist demgemäß eine Tugend, die dem Besucher gut zu Gesicht steht. Manchmal wird sie ihm in Verhandlungen auch über die Maßen abverlangt. Halten Sie Schweigen aus, nutzen Sie es zum Nachdenken.

Pünktlichkeit wird sowohl in China als auch in Japan erwartet, vielleicht nicht auf die Minute, doch mehr als fünf Minuten Marge sollten Sie sich nicht gönnen. Bedenken Sie die Verkehrsverhältnisse in großen Städten. Vielleicht legen Sie Ihren Termin lieber in Ihr eigenes Hotel. Bei gesellschaftlichen Veranstaltungen kommen Sie in Japan knapp vor der angegebenen Zeit, in China pünktlich. Als Gastgeber im Restaurant sollten Sie mit komfortablem Vorsprung zu den ersten Gästen eintreffen.

Die wichtigsten Kommunikationsregeln

Japan

Fremde anzulächeln wird als Mangel an Respekt interpretiert, kontinuierlicher Blickkontakt, ein kerniger Händedruck, lautes Lachen, Berührungen im öffentlichen Raum und die Verringerung der von den Gastgebern vorgegebenen Distanzzonen als Grenzverletzungen. Gerade sitzen und die Gestik reduzieren - das kommt gut an.

Der Rangniedere lässt dem Ranghöheren den Vortritt und der Jüngere dem Älteren, die japanische Frau platziert sich hinter dem Mann. Derartigen geschlechtsspezifischen Zwängen ist eine Geschäftspartnerin aus dem Westen jedoch nicht unterworfen. Sie wird in erster Linie als fremd und in zweiter Linie als Frau betrachtet. Vor allem als Frau aus dem Westen lassen Sie sich geschickterweise mit allen Ehren - Funktionen und Kompetenzen und von einer Mittelsperson vorstellen.

Expertise in der Sache sowie im verbalen und nonverbalen Ausdruck verhelfen Ihnen zu einer angemessenen Behandlung.

Der Umgang der Japaner mit der Visitenkarte - meishi - ist inzwischen auch im Westen sprichwörtlich. Außer bei sehr starkem hierarchischem Gefälle tauschen alle Anwesenden ihre Karten aus. Die Karte wird dem Gegenüber zweihändig an den oberen Ecken gereicht, die seine entsprechend entgegengenommen, oberhalb den verbleibenden eigenen aufbewahrt und in unmittelbarer Anwesenheit des Eigentümers nicht weggesteckt. Lächeln, kurzer Blickkontakt, nicken, das war's. Das subtile Verbeugungsritual überlassen Sie den Japanern untereinander. Sie lesen daran ab, wie sich die Damen und Herren hierarchisch aufeinander beziehen.

China

In China wird die Begrüßung von Geschäftspartnern zügig absolviert, die Rangfolge der Beteiligten ist dabei jedoch ebenso erkennbar. Die Gastgeber erwarten die Gäste. Deren höchstrangige Person betritt den Raum zuerst, erwidert, wenn sie mit Applaus begrüßt wird, den Beifall und wendet sich an den wichtigsten Vertreter der Besucherdelegation. Alle Anwesenden begrüßen sich entsprechend ihrem Status, schütteln mit respektvoller leichter Verbeugung sanft die Hände.

Frauen sind in Toppositionen immer häufiger anzutreffen, daher werden Business-Frauen aus dem Westen automatisch entsprechend ihrer Position geachtet.

Die wichtigsten Redewendungen

Japan

"Vergessen Sie die Wörter, hören Sie die Situation" - so lautet ein weiser Rat für Asien-Besucher, Schweigen gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihre Gesprächspartner intuitiv zu erspüren.

Dennoch können Sie mit ein paar Wörtern in der jeweiligen Landessprache Punkte sammeln.

"wa" heißt Harmonie und taucht in "konnichi wa" " guten Tag und "konba wa " " guten Abend " auf. Am Vormittag grüßen Sie mit "ohaiyo gozaimas".

"hai" heißt ja, "iie" nein " doch dieses Wort gebrauchen Japaner so gut wie nie. Eher fragen Sie sie, wie Sie Ihre Frage bzw. Aussage meinen oder ziehen die Atemluft hörbar zwischen den Vorderzähnen ein.

"arigato", danke, ist dagegen ein Wort, das Sie häufig einsetzen können. Zum Abschied sagen Sie " sayonara".

Bleiben Sie beim Englischen, ist bei der Begrüßung das förmliche "How do you do" besser angesehen als das umgangssprachliche "Hello".

China

"ni hao" können Sie zu jeder Tageszeit als Grußformel verwenden und durch "ni hao ma" - wie geht es Ihnen - ergänzen. "sher" heißt ja, nicht zu verwechseln mit "shie shie" - danke. " bushi" bedeutet nein und ist nicht zu verwechseln mit " bu shie". Lassen Sie sich die Wörter mehrmals vorsprechen und imitieren Sie nicht nur die Lautung, sondern auch Tonhöhe und Betonung: im tonalen Chinesisch sind alle diese Merkmale Träger von Bedeutung.

Smalltalk

Japan

Auf die Begrüßung folgt in der Regel der Smalltalk. Schneiden Sie nur Themen an, bei denen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Konsens erzielen. Schildern Sie positive Eindrücke über das Land und das Unternehmen, stellen Sie Fragen zu Sehenswürdigkeiten der Region und Gebräuchen allgemein. Humor ja, Witze nein. Ihre Begeisterung über den Film "Pearl Harbor" halten Sie zurück. Keine Kritik an Japan, keine Kritik an Deutschland und keine persönlichen Komplimente.

China

Auch in China stellen Sie beim Smalltalk keine direkten Fragen und persönliche nur, insofern sie von allgemeinem Interesse sind. Sex, Religion, Geld, die Familienpolitik, die Menschenrechte und die Rolle Chinas in der Region sollten Sie keinesfalls thematisieren, auch nicht nach ein paar Gläsern Reisschnaps. Wenn Sie einer Aussage nicht beipflichten können, kommentieren Sie gelassen mit "Das klingt interessant". Gesichtsverlust sollten Sie weder riskieren noch provozieren.

Im Business

In der japanischen Öffentlichkeit und damit auch im Geschäftsleben tritt die "äußere Person" auf, die "innere Person" hat nur im privaten Rahmen ihren Platz.

So gelten im Geschäftsleben Regeln, die den Platz des Individuums im System sichtbar machen und sicherstellen. Gleichzeitig ist der einzelne aufgerufen, im Rahmen des betrieblichen Vorschlagswesens Kaizen aktiv zum Fortschritt des Unternehmens beizutragen.

Das höchstrangige Teammitglied wird zuerst begrüßt und vorgestellt. Die besten Plätze am Ess- oder Verhandlungstisch sind die mit Blick auf die Tür. Deshalb sind sie den Gästen vorbehalten. Die Gastgeber sitzen mit dem Rücken zur Tür. Die wichtigste Person sitzt in der Mitte dieser Reihe; je größer die Entfernung von ihr, desto geringer der Rang. Jeder Anwesende ist einer Person von entsprechendem Rang gegenüber platziert.

Der Ranghöchste spricht zuerst. Das heißt aber längst nicht, dass er sofort zu Beginn des Meetings spricht. Vielleicht nutzen alle Beteiligten zuerst einmal das Schweigen, um bisher unbekannte Personen auf sich wirken zu lassen und für das Geschäft nützliche Eindrücke mit allen Sinnen aufzunehmen. Lassen Sie sich davon nicht erschüttern, nutzen Sie vielmehr diese Strategie der weichen Lenkung.

Verständnisschwierigkeiten durch erhöhte Lautstärke kompensieren? Niemals, das würde einen Verlust an Autorität nach sich ziehen. Wozu haben Sie Ihren Dolmetscher?

Richten Sie Ihre Fragen und Bitten vorzugsweise an Gleichrangige.

Das korrekte Erscheinungsbild

Diskretion ist eine Frage der Ehre, Achtsamkeit eine Sache des Anstands, Individualität ist auch in Sachen Kleidung nicht gefragt. Wählen Sie daher für den Fernen Osten ein uniformes Business Outfit.

Als Herr sind Sie in einem dunklen oder grauen Anzug mit hellem Hemd und dezenter Krawatte auch in Asien überall angemessen gekleidet. Im Unterschied zum internationalen klassischen Outfit, das für Herren obligatorisch Schnürschuhe vorsieht, erlaubt Japan Loafers, weil sie sich vor dem Essen auf Tatami-Matten problemlos abstreifen lassen.

Damen tragen in Japan eher Kleid oder Kostüm mit Rock als Hose. In China werden auch Hosenanzüge bei Damen als korrekt angesehen. Bedenken Sie in Japan die Rutschgefahr beim Sitzen auf dem Boden.

Grelle Farben, auffällige Muster und extravaganter Schmuck stehen nicht hoch im Kurs. Auch wenn junge japanische Frauen sich hin und wieder schrill herausputzen - tun Sie es nicht. Wickeln Sie sich vor allem nicht unaufgefordert in einen Kimono.

Markenaccessoires stehen in Japan hoch im Kurs. In China ist das Label-Denken (noch) nicht angekommen.

Anrede von Geschäftspartnern

Japan

Bei dem Versuch, die japanischen Anredeformen zu kopieren, können Sie mehr falsch als richtig machen. Erst wenn man Sie besser kennt, werden Sie mit Ihrem Namen und dem Anhängsel -san angesprochen. Erst dann übernehmen Sie diese Anrede für Ihr Gegenüber. Sie gilt für Frauen wie für Männer in der Anrede oder wenn Sie über eine Person oder ein Unternehmen sprechen, jedoch nie in Verbindung mit dem eigenen Namen.

Mehr noch: Es gibt neben -san weitere Anhängsel, wie zum Beispiel das noch höflichere -sama.

Die Anrede von hohen Hierarchen ist noch prekärer; bleiben Sie daher bei Mr. und Mrs., gegebenenfalls bei Mr. President für die Nummer Eins des Unternehmens.

Die Anschrift auf der Korrespondenz entspricht im Großen und Ganzen der europäischen Norm. Geben Sie aber vorsichtshalber den Titel "Chairman" oder "President" immer mit an.

China

Die korrekte Aussprache von Namen ist für Europäer auch in China schwierig genug, nicht nur weil die Bedeutung eines Wortes gemäß der Betonung variiert. Auf der chinesischen Visitenkarte in lateinischer Schrift steht der Nachname meist an erster Stelle; so ist Li Er Peng mit "Mr Li" anzusprechen.

Es kann aber auch ganz anders sein, z.B. wenn verwestlichte Vornamen vor dem Nachnamen platziert sind. Verheiratete Frauen behalten häufig ihren Mädchennamen bei und dass nicht unbedingt Eheringe getragen werden, macht die Sache für Sie nicht leichter. Lassen Sie sich rechtzeitig informieren und lassen Sie sich Ihrerseits mit Ihrem Rang und Namen so vorstellen, dass das Gegenüber Ihnen umgehend den gebührenden Respekt zollen kann.

Die Anschrift entspricht der in Europa üblichen. Vergessen Sie aber keinesfalls, den Titel "Chairman, Vice President" o. Ä. anzugeben.

Erfolgreiche Gesprächsführung

Machen Sie es wie Ihre Gesprächspartner: Richten Sie alle Ihre Antennen ständig auf Ihr Gegenüber.

Japan

Geht der ranghöchste Vertreter der japanischen Gruppe zum Geschäftlichen über, stellen Sie Philosophie und Organisationsstruktur Ihres Unternehmens vor. Überlassen Sie es dem Gegenüber, zur Sache zu kommen. Denken Sie bei allen Unterredungen, Präsentationen und Verhandlungen daran: Sie haben es mit einer stark an Symbolen orientierten, visuellen Kultur zu tun.

Nutzen Sie jede mögliche Geste zur Vertrauensbildung: Erscheinen Sie pünktlich, halten Sie Ihre Termine ein. Lassen Sie Ihren Anwalt zu Hause; juristische Klauseln fallen weniger ins Gewicht als Ihre persönliche Überzeugungskraft.

Sprechen Sie verständlich: langsam, gut artikuliert und in kurzen Sätzen. Verzichten Sie auf Metaphern: die Japaner denken in anderen Bildern als wir. Gerade Sprachbilder aus dem - kämpferischen - Sport sind riskant.

Präsentieren Sie sachlich, verzichten Sie auf Eigenlob. Hören Sie genau zu, nicken Sie als Zeichen Ihrer Aufmerksamkeit. Üben Sie sich in Geduld: Zeit ist Macht.

Äußern Sie Interesse statt Kritik und statt Widerspruch ergänzende Aspekte. Das gilt auch für die Kommunikation innerhalb Ihres eigenen Teams. Sie wird genauestens beobachtet. In Japan bitte keine harten Worte, keine lauten Töne.

China

In China wird konsequentes und hartes Verhandeln als Zeichen von Stärke gewertet. Achten Sie aber darauf, dass Sie Ihr Gegenüber beim Aufzeigen seiner Grenzen nicht verletzen.

Werten Sie Lächeln und Nicken auch hier nur als Zeichen dafür, dass man Ihnen zuhört, keinesfalls als Zustimmung.

Zurückhaltung ist wörtlich zu verstehen: Berührungen über den Handschlag hinaus, ausladende Gesten und ausdrucksstarke Mimik sind auch hier nicht gut angesehen. Senken Sie nach kurzem Augenkontakt den Blick.

Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie Konzessionen machen. Rechnen Sie das im Vorfeld ein. Akzeptieren Sie, dass Chinesen viele Dinge gleichzeitig tun können und ein Geschäft erst möglich ist, wenn die Beziehung stimmt.

Nach dem Gespräch

Ob das Ergebnis Ihrer Unterredung Sie zufriedenstellt oder nicht - wahren Sie im Fernen Osten überall das Gesicht. Hinterlassen Sie den Eindruck der Souveränität und verabschieden Sie sich mit Worten des Dankes.

Das Geschäftsessen

Es gibt Ethnologen, die eine Kultur, die bei Tisch ohne Messer auskommt, als friedfertiger und somit zivilisierter betrachten, als eine, die bei Tisch die Waffen zückt. Demnach wären die Chinesen schon vor dreitausend Jahren zivilisierter gewesen als wir heute, weil sie damals das Essen mit Stäbchen einführten. Etwas später griffen die Koreaner zu den Stäbchen, die Japaner sind seit dem 6. Jahrhundert nach Christus dabei.

Gabel oder Stäbchen?

In Thailand, Indonesien und auf den Philippinen bedienen Sie sich wie die Einheimischen der Gabel und des Löffels. Für Ihren Besuch in China, Japan und Korea hingegen sollten Sie das Essen mit Stäbchen lernen und üben.

Japanische Stäbchen sind kürzer als die chinesischen, aber aus Holz und dadurch griffiger als die chinesischen Plastikwerkzeuge.

Absolute Tabus:

  • Die Stäbchen kreuzen, getrennt ablegen, aufrecht in die Reisschale stellen, Essen damit aufspießen oder damit herumwedeln.
  • Mit Stäbchen Platten zu sich ziehen: In Japan haben Sie wahrscheinlich Ihre eigenen Portionen vor sich. In China dreht der Gastgeber die runde Scheibe des Tisches so, dass der Gast immer neue Speisen vor sich hat. Mit neun Gängen dürfen Sie bei einem Bankett schon rechnen.
  • Speisen mit angewiderter Mimik ablehnen. Probieren Sie von allem. Denken Sie notfalls dabei an etwas Anderes.
  • Bei Tisch die Nase putzen.

Ebenfalls nicht gern gesehen, wenn auch hin und wieder zu beobachten:

  • Das zum Beginn der Mahlzeit überreichte feuchte Tuch zum Abwischen des Gesichts zu benutzen: Es ist für Ihre Hände gedacht.
  • Sich selbst zuerst bedienen. Überlassen Sie dem Gastgeber die Regie. Als Gastgeber bedienen Sie den Ehrengast.
  • Mit den Fingern essen - Sushi tunken Sie aber mit der Fischseite kurz in Ihr Schälchen Sojasauce. Im Idealfall werden Reste mit den Stäbchen aus dem Mund auf den Teller transportiert.
  • Sich in Japan mit dem Mundteil der eigenen Stäbchen aus gemeinsamen Platten bedienen. Entweder Sie nehmen den Vorleglöffel oder die Griffe Ihrer Stäbchen.

Empfehlungen für den Umgang mit Speisen und Gerätschaften:

  • Essen Sie Reis zum Neutralisieren separat, nicht mit Saucen oder Speisen gemischt.
  • Heben Sie die Suppenschale mit beiden Händen an, essen Sie die Einlage mit den Stäbchen, trinken Sie die Flüssigkeit. Nicht kleckern. Schlürfen und Rülpsen sind erlaubt, aber nicht elegant.
  • "Kampai" heißt "Zum Wohl" und bedeutet, dass Sie das Glas leer trinken sollten. In China stehen Sie hierfür auf. Leeren Sie Ihr Glas über die Hälfte, wird nachgeschenkt. Vor allem in Japan schenken Sie Ihrem Nachbarn nach, er erwidert dann die Geste bei Ihnen.
  • Ein Rest Speise nebst einem leeren Reisschälchen und Deckel auf der Suppenschale signalisiert: Sie sind fertig. Seien Sie nicht früher fertig als Gastgeber und Ehrengast.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit von Tischreden und Toasts, um Gastgeber, Beziehung und Speisen zu würdigen.
  • Ob und wann geraucht wird, entscheidet der Ehrengast. Frauen rauchen eher nicht.

Nach dem Essen

Wenn das Essen beendet ist, begleiten chinesische Gastgeber die Gäste nach draußen und bleiben so lange stehen, bis diese außer Sichtweite sind. Traditionell gehen Japaner mit den männlichen Gästen in die Karaoke-Bar und/oder einen Nachtclub und testen, ob sie es mit adäquaten Geschäftspartnern zu tun haben.

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