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Business-Knigge Südamerika

Als Christoph Columbus 1492 den Fuß auf den Boden des Kontinents setzte, der später den Namen Lateinamerika tragen sollte, meinte er nicht nur, er sei auf dem Weg nach Westen im östlichsten Teil Asiens angekommen. Er schaute sich um und wähnte sich im Paradies. Wenn es das hier je gegeben haben sollte - seither ist zur Vertreibung daraus so manches unternommen worden.

Argentinien und Brasilien

Die iberische und in Argentinien italienische Prägung Lateinamerikas ist bis ins 21. Jahrhundert präsent, Argentinien ist mit seinen 85 Prozent aus Europa stammenden Einwohnern der Alten Welt am ähnlichsten. Die offiziellen Sprachen sind Spanisch und in Brasilien Portugiesisch sowie regionale indianische Sprachen wie Quechua und Aymara.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind groß. Brasilien fällt allein schon wegen der Sprache aus dem Bild. Wer Spanisch spricht, kommt jedoch mit einer Mischung aus Spanisch und Portugiesisch, dem "Portañol", mit gutem Willen des Gesprächspartners und etwas Phantasie auch hier recht gut durch. Brasilianer unterscheiden sich von ihren Nachbarn vor allem im Umgang mit "problematischen" Dingen. "Jeitinho" ist das - unübersetzbare - Zauberwort und meint die Fähigkeit, sich geschickt aus den ausweglosesten Situationen herauszuwinden.

Hintergrundinformationen Lateinamerika

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

Hierarchie

Argentinien
Argentinien ist eine Bundesrepublik, die von einer Präsidialdemokratie regiert wird. Der Kongress besteht aus zwei Kammern: dem Senat mit 72 und der Abgeordnetenkammer mit derzeit 257 Sitzen. Staatsoberhaupt ist der Präsident. Die "Justizialistische Partei" (Partido Justicialista/PJ, peronistisch), ist Regierungspartei mit 41 Sitzen im Senat (davon 2 beurlaubt) und 119 Sitzen in der Abgeordnetenkammer.

Daneben gibt es eine Reihe anderer im Parlament vertretener Parteien: "Allianz", ein Zusammenschluss aus der "Radikalen Bürgerunion" (Unión Cívica Radical/UCR) und dem FREPASO (Linksbündnis), "Alternativa para un País de Iguales" (ARI), "Interbloque Federal" (Zusammenschluss kleiner, vor allem Provinz-Parteien), "FREPASO-Dissidenten", "Acción por la República" (AP - Partei des ehemaligen Wirtschaftsministers Domingo Cavallo) sowie diverse Provinz- und Splitterparteien.

Brasilien
Der Präsidialen Förderativen Republik Brasilien steht als Staatsoberhaupt und Regierungschef Fernando Enrique Cardoso vor.

Der Nationalkongress besteht aus dem Abgeordnetenhaus mit 513 Abgeordneten und dem Senat mit 81 Senatoren.

Parteien im Kongress sind die PSDB (Partei der brasilianischen Sozialdemokratie - Partei des Präsidenten), die PFL (Partei der Liberalen Front), die PMDB (Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens), die PT (Partei der Arbeiter), die PPB (Progressive Partei Brasiliens), die PTB (Partei der Arbeit) sowie eine Reihe weiterer kleiner Parteien.

Venezuela
Die venezolanische Präsidialdemokratie hat Staatsoberhaupt und Regierungschef in Personalunion: Seit dem 2. Februar ist Hugo Rafael Chávez Frías von der "Movimiento Quinta República" (Bewegung der Fünften Republik) an der Staatsspitze.

Das Parlament ist die Nationalversammlung (Asamblea Nacional), ein Einkammersystem mit fünfjähriger Legislaturperiode und 165 Sitzen. Zu den Regierungsparteien zählen "Movimiento Quinta Repubblica" (MVR) und "Movimiento al Socialismo" (MAS). In der Opposition stehen "Acción Democrática" (AD), "Proyecto Venezuela" (PV), "Comité de Organización Política Electoral del Pueblo Independiente" (COPEI), "Primero Justicia" (PJ) und "La Causa R".

Partnerschaftliche Strukturen

Die Strukturen in den Ländern Lateinamerikas entsprechen im Großen und Ganzen den Umgangsformen, die man aus den südeuropäischen Ländern kennt. Der Mann ist betont männlich, die Frauen weiblich, doch eigenständig und kooperationsfähig. Die Rollen sind klar verteilt und der jeweils andere weiß, was er erwarten kann. Ob Frauen auch außer Haus das Sagen haben, hängt von den Ländern ab. Brasilien, Venezuela und auch Argentinien bieten den Frauen ein großes Spektrum an höheren Stellungen.

Religion

Die Kolonialmächte brachten das Christentum mit, das sie teilweise gnadenlos verbreiteten. Der katholische Glaube mit einem starken Hang zum Marienkult ist daher sehr weit verbreitet. In Argentinien allerdings sind von den 90 Prozent Katholiken nur etwa 20 Prozent praktizierend. Zu den 95 Prozent Katholiken gesellen sich in Venezuela 3 Prozent Protestanten. Andere Religionen sind in der extremen Minderheit.

Sitten und Gebräuche

Tango und Machismo

"It takes two to tango", zum Tango braucht man zwei, hierüber besteht generell Konsens. Darüber hinaus allerdings wird der Tango, der melancholische Tanz der Hafenarbeiter von Buenos Aires, gründlich missverstanden. Er schreibe die bedingungslose Unterwerfung der Frau fort, werfen Feministinnen dem sinnlichen Spiel zwischen Mann und Frau vor. Das ist falsch: Zum Tango braucht man zwei starke Partner, der Frau und dem Mann wird gleichermaßen Eigenständigkeit und Kooperationsfähigkeit abverlangt. So ist die Beziehung zwischen Frau und Mann in Lateinamerika häufig von einer klaren Rollenverteilung gekennzeichnet, von klaren Erwartungen an die eine und den anderen. Der Grad des Machismo, der Betonung der Männlichkeit des Mannes, ist unterschiedlich ausgeprägt; in Brasilien und Venezuela zum Beispiel sind Frauen auch in höheren Positionen gang und gäbe, in Peru viel weniger. Überall zeichnet sich das Auftreten von Frauen durch eine Mischung von Professionalität und Klasse aus.

Geschenke

Der 15. Geburtstag eines Mädchens bedeutet den Schritt zur Frau. Eine Einladung zu diesem bedeutenden Ereignis dürfen Sie als große Ehre werten. In manchen Ländern, wie Paraguay, gibt es aus diesem Anlass aufwändige Feiern, ähnlich der Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe.

Machen Sie keine Geschenke aus Silber, schenken Sie keine scharfen Gegenstände wie Messer - sie symbolisieren Trennung und führen zum Ende Ihrer Freundschaft.

Bei Geschäftskontakten warten Sie mit der Überreichung eines Geschenks bis zum Treffen auf neutralem, gesellschaftlichem Boden. Später wird ein Mitbringsel gern gesehen. Von elektronischen Gegenständen über CDs und Kassetten berühmter Entertainer, von Federhaltern mit eingraviertem Namen bis zu Champagner oder Whisky ist alles möglich.

Umgang mit der Zeit

Wenn sich Deutschland auf der Landkarte der Zeit als feste Burg darstellen ließe, wäre Lateinamerika ein großer, breiter Fluss: Dieser ganze Kontinent ist polychron - Zeit ist hier Mittel, nicht Ziel.

Machen Sie keine Termine kurz vor Feiertagen aus, vermeiden Sie die Wochen vor und nach Weihnachten und Ostern sowie in betroffenen Ländern den Karneval und die jeweilige Saison der Unabhängigkeitsfeiern. April/Mai und September/Oktober sind sowohl gute Reise- als auch Business-Zeiten. Bedenken Sie, dass die Jahreszeiten auf der südlichen Halbkugel den europäischen entgegengesetzt sind, vergessen Sie nicht die klimatischen Unterschiede, die sich daraus und aus Höhenunterschieden und Entfernungen ergeben. Prüfen Sie bei langfristiger Terminierung kurzfristig nach und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, ob die Einhaltung tatsächlich beabsichtigt ist.

Als das bei weitem pünktlichste Land in Lateinamerika gilt Costa Rica. Das bedeutet noch lange nicht, dass man Sie wenigstens hier exakt zu der Zeit empfinge, zu der Sie bestellt wurden. Von Ausländern wird jedoch pünktliches Erscheinen erwartet - außer bei privaten Einladungen am Abend, da sind 30 bis 60 Minuten "Verspätung" nicht nur nicht unhöflich, sondern die Regel und ein Gebot. Pünktlichkeit im deutschen Sinne wird nur bei Veranstaltungen mit festem Beginn wie einem Theaterbesuch erwartet, eventuell bei einer Verabredung zum Lunch. Fragen Sie im Zweifel, welche Zeit gemeint ist: ¿En punto?

Entsprechend ist auch nicht mit schnellen Entscheidungen, eher mit zähen Verhandlungen zu rechnen. Dies liegt auch daran, dass viele Entscheidungsträger in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Gleichermaßen sollten Sie einkalkulieren, dass Deadlines gern einmal überschritten und Zahlungen nicht immer zum korrekten Zeitpunkt vorgenommen werden.

Die wichtigsten Kommunikationsregeln

Bei förmlichen privaten und gesellschaftlichen Einladungen absolvieren Sie beim Betreten des Raums eine kurze Verbeugung zu allen. Darauf lassen Sie sich vom Gastgeber oder einem Vermittler vorstellen und geben jedem die Hand. Bei der Verabschiedung gehen Sie genauso vor. Bei weniger formellen Begegnungen, auch im Geschäftsleben, machen Sie die Runde und stellen sich selbst vor.

Die Distanzzonen sind in Lateinamerika für unsere Verhältnisse sehr klein, Körperkontakt von Personen des gleichen Geschlechts ist auch im Business üblich. Wird die erste Begrüßung noch mit einem festen Handschlag vollzogen, ist eine Umarmung von Mann zu Mann schon bei der zweiten Begegnung möglich, ein kräftiger Schlag auf die Schulter ist ein gutes Zeichen. Frauen berühren den Oberarm oder küssen sich. Berührungen im Gespräch sind häufig. Weichen Sie diesen Angeboten der Nähe nur ja nicht aus. Das würde als Affront interpretiert, den Sie so leicht nicht wieder ausbügeln können.

Die Hand in der Hosentasche ist wie überall in konservativen Kontexten nicht üblich, die Hände energisch in die Hüften zu stützen könnte als Herausforderung missverstanden werden. Ein fester Blickkontakt wiederum gilt nicht als fordernd, sondern als Zeichen von Offenheit und ehrlichem Interesse.

Wollen Sie jemanden zu sich rufen, tun Sie das am besten verbal. Wenn überhaupt eine Geste nötig ist, behalten Sie den Zeigefinger bei sich, machen Sie dafür eine Schaufelbewegung mit der Handfläche nach unten.

Flüstern ist verpönt, das Gehen mit Hüftschwung nicht, es wird nicht einmal als lasziv verstanden.

Ein Küsschen zum Abschied ist auch unter Männern möglich.

Die wichtigsten Wörter und Redewendungen

Mit Englisch kommen Sie auch in Lateinamerika weit, vor allem im Geschäftsleben. Damit Ihnen aber nicht alles Spanisch vorkommt, können Sie sich ein paar Begriffe des Grundwortschatzes merken.

Für den Tagesgruß sollten Sie drei Varianten kennen: "buenos dias" für den Morgen, "buenas tardes" für den Nachmittag und Abend und "buenas noches" für die Nacht. Zu den Begrüßungsformeln gehören rhetorische Fragen, auf die keine Antwort erwartet wird: "¿Cómo le va? ¿Cómo anda?" (Wie geht es Ihnen?)

"Si" ist in der Realität nicht unbedingt auf Dauer und bei Überprüfung ein Ja; dafür ist ein "más tarde" (später) oder ein "talvéz" (vielleicht) möglicherweise ein Nein: Takt und Höflichkeit verbieten es, das Gegenüber durch klare Grenzen vor den Kopf zu stoßen.

Keine Bitte ohne "por favor", der Dank kommt als "gracias", die Antwort darauf lautet "de nada"oder "no, por favor" (aber nein, ich bitte Sie) oder "no, al contrario" (nein, im Gegenteil).

Mit "disculpe" bitten Sie um Verzeihung. Fast in allen Lebenslagen ist man freundlich und nett zueinander. Wer an jemand vorbeigehen will oder sich partout vordrängeln will, sagt "permiso" und bittet so um "Genehmigung".

Auf Wiedersehen heißt, aber das wussten Sie schon, "adiós" .

Vielleicht wussten Sie aber noch nicht, dass die Mittel- und Südamerikaner die an den Schneidezähnen gebrochenen s-Laute, die Ihnen aus Spanien bekannt sein mögen, als affektiert empfinden; verzichten auch Sie ruhig auf die Zungenbrecher.

Die Art, wie man auf die Ausführungen eines Gesprächspartners reagiert, verrät viel über die in den jeweiligen Ländern herrschende Mentalität. In Argentinien bestätigt man fast jeden Satz des Gegenübers mit einem "Claro" , das auf tausend Arten, aber immer langgezogen ("Claaaaaro") in ausdrucksstarkem Singsang ausgesprochen wird und alles bedeuten kann, von "ja, so ist es", "alles klar" über "na ja, wenn es wirklich mal so ist", "ach so", bis "das kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen". In Chile dagegen hört man oft nur ein trockenes "¡correcto!", in Peru ein nicht minder nüchternes "¡así es!" (So ist es).

Smalltalk

Beim Smalltalk haben Sie es in Lateinamerika mit seiner reichen Kunstgeschichte und regionalen Vielfalt leicht.

Preisen Sie die Sehenswürdigkeiten, die Sie bereits besichtigt haben, die Wasserfälle von Iguazú oder die Ausgrabungen von Palenque.

Sport jeder Art ist ideal, genau wie die Kultur. Auch Essen und Trinken sind wie überall auf der Welt konsensfähige Themen.

Lassen Sie hingegen historisch problematische Situationen wie die Kämpfe zwischen Argentinien und Großbritannien um die Falkland-Islands (die hier "Malvinas" heißen) oder die verlorenen Kriege Boliviens mit den Nachbarländern aus dem Spiel. Auch die Frage, wo denn die illegalen Auswanderer über die mexikanische Grenze in die USA kommen, wie es um die kolumbianische Drogenmafia steht oder wo in Argentinien die Sklaven aus Schwarzafrika abgeblieben sind, klären Sie besser in Deutschland als mit Ihren Geschäftspartnern vor Ort. Die Demokratie ist mancherorts ein gutes Thema, was davor war, geht niemanden was an.

Ihre Gesprächspartner könnten sich sehr für Ihr Leben interessieren: Erzählen Sie von Ihrer Familie, Ihrem Beruf und Ihren Tätigkeiten in der Freizeit. Nehmen Sie persönliche Fragen nicht übel, Sie brauchen sie ja nicht bis ins Detail zu beantworten.

Im Business

Mittelsmänner

Die Länder Lateinamerikas sind stark an persönlichen Beziehungen orientiert. Nutzen Sie Mittelsleute im Dienst Ihrer Sache. Gerade bei Behörden haben Sie ohne Unterstützung keine Chance auf einen Termin.

Haben Sie selbst keine Möglichkeit, im Vorfeld Beziehungen zu knüpfen, sind Ihnen die Botschaften behilflich. Pflegen Sie Ihre Kontakte gut. Verzichten Sie auch später nicht auf Ihre Vermittler! Halten Sie Ihr Verhandlungsteam stabil: Die einzelnen Personen, die miteinander verhandeln, sind wichtiger für den Verhandlungserfolg als das ganze jeweilige Unternehmen. Sorgen Sie dafür, dass alle Termine schriftlich bestätigt werden.

Machen Sie auch zwischen Ihren Besuchen klar, dass Ihnen daran liegt, den Kontakt über die geografische Distanz hinweg zu halten.

Die Visitenkarte

Ihre Visitenkarten überreichen Sie an alle Beteiligten eines Meetings - und zwar mit der spanischen Seite zum Betrachter gewendet.

Mitbringsel

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Vergessen Sie dabei die Sekretärinnen nicht. Ein Mitbringsel persönlicher Art sollte ein Mann mit der Bemerkung überreichen, es sei von seiner Frau an die Sekretärin gerichtet.

Ihr sichtbarer Status

Je höher Ihr sichtbarer Status, desto höher die Anerkennung und die Unterstützung, derer Sie gewärtig werden dürfen. Lassen Sie sich möglichst durch hohe "Würdenträger" Ihres Unternehmens begleiten. Bescheidenheit ist hier unangebracht, verschweigen Sie Ihre akademischen Grade und Titel nicht, steigen Sie in den Hotels ab, die jeweils von Geschäftsleuten bevorzugt werden, speisen Sie in "In"-Restaurants. Sind Sie einmal platziert, werden Sie an Ihrer Professionalität und Ihrer kommunikativen Kompetenz gemessen, nicht an Ihrer Herkunft. Behandeln Sie entsprechend auch Ihre Gesprächspartner der unteren Ebenen stets mit Respekt.

Geschäftsessen

Wie in Europa sind geschäftliche Verabredungen zum Essen üblich, wie in den USA sogar zum Frühstück.

Das korrekte Erscheinungsbild

Korrekt heißt in Lateinamerika im wesentlichen konservativ. Männer erscheinen zu einer geschäftlichen Verabredung im dunklen oder grauen Anzug und behalten außer bei Entlastung durch den Gastgeber ihr Jackett an. Hierarchische Unterschiede manifestieren sich nicht nur in Stoffqualität und Schnitt, der dreiteilige Anzug mit Weste wird von den höheren Ebenen der Geschäftsleitung getragen, vom mittleren Management nach unten begnügt Mann sich mit dem Zweiteiler aus Hose und Jackett.

Kurze Hosen sind in den Business-Distrikten die große Ausnahme, Jeans im Geschäftsleben unüblich; am ehesten ist eine legere Variante des Business Outfits an der Küste zu sehen. Achten Sie bei der Wahl der Krawatte darauf, dass Sie nicht ausgerechnet zu den Landesfarben greifen.

Frauen kleiden sich korrekt und dabei weiblich, Pumps sind angebracht, Hosenanzüge selten. US-Amerikaner empfinden die Kleider vor allem der Brasilianerinnen als aufreizend. Als Ausländerin kleiden Sie sich an europäischer Top-Mode orientiert, weiblich, dezent und elegant. Pflegen Sie Ihre Fingernägel.

Korrekt heißt auch: Bringen Sie in der heißen Jahreszeit genügend Kleidung in Tropenwolle und zum Wechseln mit. Lassen Sie sich von den Schuhjungen auf der Straße regelmäßig die Schuhe putzen. Für die Abendeinladung ein Cocktailkleid und einen eleganten dunklen Anzug einpacken, ein Smoking wäre überflüssig.

Beachten Sie zudem, dass Sie bei der Stadtführung eine Kirche mit unbedeckten Schultern und kurzen Hosen nicht betreten dürfen. Verzichten Sie darauf, sich mit traditionellen Kleidungsstücken der indianischen Bevölkerung lächerlich zu machen. Diese können Sie als Souvenier erwerben, jedoch nicht im Land tragen.

Anschrift und Anrede von Geschäftspartnern

Wo der Platz des Einzelnen im hierarchisch strukturierten Gefüge wichtig ist, ist auch die korrekte Anrede einer Person von Bedeutung.

Die Anrede

Wer einen Titel hat, wird bei offiziellen Anlässen mit dem Titel angesprochen und vorgestellt. Jeder Arzt ist "Doctor". Wer keinen Titel hat, kann mit "Ingeniero" oder "Licenciado" gewürdigt werden. Ansonsten besteht der Name aus drei Teilen: dem Vornamen, dem Familiennamen des Vaters, dem Familiennamen der Mutter (in Brasilien umgekehrt). Die Anrede erfolgt durch Señor, Señora, Señorita plus erstem Familiennamen, in Brasilien Senhor und Senhora plus dem zweiten Nachnamen, also dem des Vaters bzw. nach der Heirat dem des Ehemannes. Im restlichen Teil Lateinamerikas behält die Frau bei der Eheschließung ihren kompletten Namen und wird lediglich bei offiziellen Auftritten als "Señora de ..." (erster Nachname des Ehegatten) angesprochen. Auf Visitenkarten kann ebenfalls der Nachname des Ehemanns hinzugefügt werden, etwa "Silvina González de Rivas". In Lateinamerika geht man relativ schnell zum Du über, dennoch warten Sie mit der Verwendung des Vornamens und des Du (tu) ab, bis man es Ihnen anbietet. Wird Ihnen eine Person mit Titel plus Vorname vorgestellt, übernehmen Sie diese Anrede und bleiben beim Sie (usted).

Dabei ist die Schwelle des Übergangs in jedem Land an einem anderen Punkt angesiedelt. In Argentinien und teilweise auch Uruguay gibt es eine Besonderheit: das "vos", mit eigenen Konjugationsformen, das das "tu" ersetzt, im Grunde aber eine Zwischenform zwischen Sie und Du darstellt. "Ustedes" (Plural) heißt dann durchweg "ihr" und nicht nur "Sie" im Plural.

Die Korrespondenz

Briefe werden wie in Deutschland adressiert. Name - Straße - PLZ/Ort - Land. Vor den Namen kann man Señor, Señora oder abgekürzt Sr., Sra. schreiben. Das in Spanien übliche Don oder Doña wird in Lateinamerika nicht gebraucht.

Am Telefon

Die Meldeformel am Telefon lautet "Hola" (hallo) oder "Si" (ja) in Argentinien. In Chile, Peru und Venezuela zum Beispiel heißt sie "Aló", in Mexiko wiederum wird "Bueno" (gut) gesagt. Die einzige Gemeinsamkeit in den lateinamerikanischen Ländern: Der Name wird nicht genannt.

Erfolgreiche Gesprächsführung

Gilt in Deutschland wie in den USA "time is money", gilt in Lateinamerika: Geduld ist Geld.

Rechnen Sie nicht damit, dass Ihre Gesprächspartner fließend Englisch sprechen, bestellen Sie einen Dolmetscher und lassen Sie alle relevanten Unterlagen in die Landessprache übersetzen.

Treten Sie so freundlich und so flexibel wie möglich auf, visualisieren Sie Ihre Vorstellungen, machen Sie keine Späße, preschen Sie aber auch nicht auf Ihr Ziel zu. Formulieren Sie in Ihren Präsentationen hohe Ziele und deutliche Perspektiven.

Lassen Sie sich von anfänglicher Ablehnung nicht beirren; seien Sie zuversichtlich, die Verhandlungen werden weitergehen.

In Entscheidungen werden alle betroffenen Personen einbezogen, das macht sie langwierig. Bringen Sie sich nicht durch Ungeduld in eine schlechte Position.

Die Ehre des Einzelnen ist unantastbar. Formulieren Sie Kritik daher vorsichtig, werden Sie bei Enttäuschungen nicht persönlich. Eine feste Beziehung erhöht Ihre Akzeptanz auch hierbei.

Zeigen Sie sich stark, Nachgeben könnte als Schwäche ausgelegt werden, vor allem in Mexiko. Setzen Sie sich ein Limit und halten Sie sich daran.

Eine emotionale und/oder kreative Argumentation wird gegenüber einer stringent logischen häufig bevorzugt.

Generell hält man sich ein Hintertürchen offen, während die deutschen Verhandlungspartner gleich fertige, wasserdichte Rezepte, Ergebnisse, Verträge erreichen wollen. Daher sind Teile eines Vertrages unbedeutend, wie lange Sie darüber auch verhandelt haben mögen. Nur der ganze Vertrag zählt. Sorgen Sie dafür, dass die unterschiedlichen Erwartungshaltungen nicht zu Spannungen oder gar zum Scheitern zunächst erfolgreich verlaufener Verhandlungen führen.

Schalten Sie bei Bedarf einen Anwalt vor Ort ein, ausländischen Anwälten wird mit Misstrauen begegnet. Bringen Sie ihn erst gegen Ende der Verhandlungen mit.

Schreiben Sie nach vollzogener Vertragsunterzeichnung einen Dankesbrief.

Das Geschäftsessen

Sie wollen Ihre Geschäftspartner zum Essen einladen. Da stellt sich im fremden Umfeld die Frage: Wohin laden Sie Ihre Gäste ein? Machen Sie es sich nicht allzu schwer: Entweder Sie übernachten im jeweils "angesagten" Hotel und laden dort in das schickste Restaurant ein, was immer das in der jeweiligen Stadt gerade heißen mag. Sicherheitshalber bitten Sie die Sekretärin des Unternehmens, in dem Sie zu Gast sind, ein geeignetes Restaurant auszusuchen.

Im Restaurant

In Mittel- und Südamerika gilt gleichermaßen: Bitten Sie zum Dinner die Lebenspartner, machen Sie eine gesellige Veranstaltung daraus, reden Sie wenn überhaupt, dann beim Kaffee über das Geschäft. (Beim Business Lunch ist das anders.) Versuchen Sie nicht, das Gespräch zu dominieren; lassen Sie jeder und jedem eine Chance. Und bedenken Sie: Auch zur Dinner Party erscheint man circa eine halbe Stunde nach der angegebenen Zeit, dafür kann sie bis in die frühen Morgenstunden dauern.

Wie lange man auch zusammen sitzt - in gehobener Gesellschaft wird auf die Tischregeln geachtet. Wenn Sie in Lateinamerika das, was Sie aus konservativen europäischen Kreisen gewohnt sind tun, liegen Sie immer richtig.

Behalten Sie - im Unterschied zu den US-amerikanischen Gepflogenheiten - beide Hände auf dem Tisch. Essen Sie immer mit Besteck, sogar das Obst zum Dessert. Schenken Sie, wenn Sie das überhaupt selbst tun wollen, Wein mit der rechten Hand nach. Kosten Sie von allem, was man Ihnen vorsetzt. Erst nachdem der Gastgeber einen Toast ausgesprochen hat, ergreifen Gäste das Wort.

Vorsicht auch mit Gesten im Restaurant. Die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen oder schnalzende Geräusche zu machen, um den Kellner zu rufen, ist genauso unüblich wie unhöflich.

In der Familie

Sind Sie in einen Privathaushalt eingeladen, dürfen Sie dies als Ehre interpretieren. Bringen Sie den Kindern Süßigkeiten mit und dem Gastgeber einen deutschen Wein. Schicken Sie der Gastgeberin im Vorfeld Blumen. Vertrauen Sie den Empfehlungen des Händlers und wählen Sie auf keinen Fall Lilien, gelbe Rosen oder Chrysanthemen.

Bei Tisch lehnen Sie Angebote zum Nachservice zunächst ab, Sie nehmen nur an, wenn die Gastgeber insistieren. Vorsicht mit Lob: Es könnte als Bitte um Nachschlag missverstanden werden. Lassen Sie einen Rest auf dem Teller zurück, um zu zeigen, dass Sie genügend bekommen haben. Verlassen Sie den Tisch nicht, so lange noch jemand isst. Brechen Sie als Gast frühestens eine halbe Stunde nach dem Ende des Essens auf.

Das Speisen-Angebot

Die Speisen sind regional sehr unterschiedlich. Sie reichen vom leichten Fischgericht an der Küste bis zum schweren Bohneneintopf im Hochland, vom hervorragenden Rinderfilet in Argentinien bis zur scharf gefüllten Tortilla: allein 200 verschiedene Sorten Chili wachsen hier. Vermeiden Sie bei der Überwindung von großen Höhenunterschieden schweres Essen, starkes Trinken und Rauchen.

Die Rechnung

Wer einlädt, zahlt - in der Theorie. In der Praxis müssen Sie wahrscheinlich um die Rechnung kämpfen. Beugen Sie vor: Teilen Sie dem Oberkellner zu Beginn des Dinners mit, dass er nur Ihnen die Rechnung überreichen darf. Das gilt besonders für Frauen. Die anwesenden Männer werden alles tun, um zu verhindern, dass sie zahlt. Laden Sie die Partner in Ihr Hotel ein, lassen Sie die Rechnung auf Ihr Zimmer schreiben. Der Service ist meist auf der Rechnung schon vermerkt, doch das sollte Sie nicht hindern, mindestens fünf Prozent Trinkgeld hinzuzurechnen.

Nach dem Geschäftsessen

Gäste danken in den Tagen nach der Einladung, schriftlich oder per Telefon.

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