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Cassinis menschliche Fracht

Als “Cassini-Huygens“ am 15. Oktober 1997 an Bord einer mächtigen Titan IV-Rakete in den Nachthimmel abhob, war die Sonde die größte, die jemals in den Orbit geschossen wurde. Treibstoffvorräte und zahlreiche Mess- und Steuerungsgeräte, die auf eine 3,5 Milliarden Kilometer lange Reise zum Saturn gingen, machten das interstellare Flugobjekt rund 5,6 Tonnen schwer. Dennoch blieb in der Sonde ein wenig Platz für eine ganz besondere Nutzlast, die deutlich menschliche Handschrift trägt.

Autogramme im All

Das außergewöhnliche „Übergepäck“ ist an der Außenhaut von Cassini befestigt. Zwei stabile Schutzschilde schützen eine schmale Aluminiumbox vor Mikro-Meteoriten. Im Inneren der kleinen Kiste befindet sich eine DVD, randvoll gepackt mit 616.400 menschlichen (und tierischen) Unterschriften.

Die Signaturen sind keine reine Auflistung von Namen, sondern alle echt. Freiwillige Helfer der Amerikanischen Planetary Society verbrachten im Vorfeld des Cassini-Starts mehrere Monate damit, riesige Berge an Postkarten und Briefen zu sortieren und die Namenszüge von saturn- und raumfahrtbegeisterten Fans aus insgesamt 81 Ländern zu scannen. Einige Enthusiasten schickten gar die Tinten-Fußabdrücke ihrer Katzen und Hunde.

Eine Idee aus den Fünfzigern

“Eine Unterschrift ist so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck“, meint Charley Kohlhase. Der Ingenieur am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, der als Mission Design Manager des Cassini-Huygens-Projekts unter anderem für die Sammlung der zahllosen Unterschriften verantwortlich war, findet die Idee von der DVD daher gar nicht so ungewöhnlich. “Schon in den 1950ern, als das JPL noch lediglich für die Durchführung einfacher Raketenstarts verantwortlich war, verewigten sich die Konstrukteure mit einem Fettstift auf der Innen- oder Außenseite ihrer Vehikel.“
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Christoph Hage
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