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Business-Knigge USA

“Business mit Amerikanern? Nichts leichter als das. Die sind doch genauso wie wir und immer gut drauf." Diese Meinung zeugt von einer riskanten Ahnungslosigkeit. Sich im US-Business zurechtzufinden, ist für den deutschen Manager nämlich oft gerade deshalb schwer, weil es so leicht erscheint. Auf den ersten Blick scheint das Miteinander dem Unseren ähnlich, der Partner cool und der Zugang easy. Bei genauem Hinsehen entpuppen sich Unterschiede, die sich als Kulturfallen erweisen können.

“Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“

Noch riskanter als mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit vor Ort ist wohl der Hochmut der Alten Welt gegenüber der Neuen. "Keine Geschichte, keine Kultur. Wie sie in ihren Cowboystiefeln herumlaufen und Big Macs verschlingen."

Verallgemeinerungen verstellen überall den Blick. Die Abstammung der Amerikaner aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen und die Vielfalt an Lebensformen macht die Lage für den USA-Besucher besonders unübersichtlich. Dennoch gibt es zentrale Faktoren, die zumindest die auch im Business größte Bevölkerungsgruppe, die Upper Middle Class europäischer Abstammung, prägen. Die Kenntnis dieser Faktoren hilft als Grundlage der Wahrnehmung im individuellen Umfeld.

"Leben, Freiheit und das Streben nach Glück": die in der Unabhängigkeitserklärung definierten unveräußerlichen Rechte haben nach über 200 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Im Business tauchen sie als Selbstverwirklichung, Gleichheit und Streben nach Anerkennung auf. Der Besucher tut gut daran, wenn er diese Bedürfnisse respektiert.

Hintergrundinformationen USA

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

Hierarchie

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine präsidiale Republik mit balancierter Gewaltenteilung. Es gibt zwei Parteien: die Republikaner, die die Mehrheit im Repräsentantenhaus bilden, und die Demokraten, die seit Mai 2001 die Mehrheit im Senat inne haben.

Partnerschaftliche Strukturen

Die USA sind ein fortschrittliches Land. In vielen Bereichen schreibt man den Amerikanern eine Vorreiterrolle zu, auch im Bereich der Frauenbewegung und der Gleichberechtigung. Frauen sind hier, länger schon als in Europa, auch in Männerberufen akzeptiert, als Politikerinnen, bei der Army, bei der Polizei, im Börsengeschäft - es gibt sogar Rabbinerinnen. Dennoch muss sich "Frau", besonders die Geschäftsfrau, auch in den USA in einer Infrastruktur bewegen, die auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten ist. Zwar gibt es mittlerweile nur mehr wenige Berufszweige oder Firmen, in denen hosentragende Frauen noch nicht akzeptiert werden. Doch in der Wall Street z.B. setzt man auf althergebrachte Konventionen, obwohl dort schon vor langem "entdeckt" wurde, dass das Tragen einer Krawatte nichts damit zu tun hat, ob man ein guter Aktienmakler ist oder nicht ...

Religion

62 Prozent der Bevölkerung gehören 238 Religionsgemeinschaften an, davon 27,5 Prozent protestantischen Gemeinschaften (Baptisten, Methodisten, Lutheraner, Presbyterianer), 26 Prozent der römisch-katholischen Kirche und 2,6 Prozent sind Juden.

Fremde Sitten und Gebräuche

"A kiss is just a kiss " in den USA könnte ein Kuss als weit mehr als ein Kuss interpretiert werden. Selbst wenn ein Schulterklopfen von Mann zu Mann in der Öffentlichkeit zum guten Ton gehört, sind Intimitäten nicht gern gesehen. Genauso wenig wie Händchenhalten gleichgeschlechtlicher Personen und Oben-Ohne-Baden am öffentlichen Strand. Halten Sie sich zurück, halten Sie sich bedeckt. In eleganten Hotels und gehobenen Restaurants sollten Herren ein Jackett tragen. Jeans-Trägern kann es passieren, dass sie zum Frühstück in ihrem eigenen Business Hotel (vornehmlich an der Ostküste) abgewiesen werden.

Trinkgeld

Mit Trinkgeld hingegen seien Sie bitte großzügig: Die Empfangsmitarbeiterin, die Sie ins Zimmer geleitet, gehört zur Administration und bekommt nichts. Der junge Mann vom Empfang, der Ihnen Ihr Gepäck ins Zimmer bringt, erwartet in einem gehobenen Hotel pro Stück zwei Dollar. Die möchten auch der Dispatcher am Taxi-Stand, der Ihnen ein Fahrzeug vermittelt und der Taxifahrer selbst sowie der Herr, der Ihnen zum Valet Parking Ihr Auto in die Hotel- oder Restaurant-Garage fährt. Der Bell Boy, der Ihnen Karten für ein ausverkauftes Musical besorgt, ist damit nicht zufrieden.

Körpersprache

Halten Sie auch Ihre Körpersprache im Zaum. Zum Heranwinken bewegen Sie alle Finger der ausgestreckten Hand. Beim Good-bye-Winken halten Sie die Handfläche nach außen. "Das ist OK": Formen Sie mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis oder richten Sie den Daumen in die Höhe: thumbs up Mittel- und Zeigefinger sichtbar kreuzen heißt good luck.

Umgang mit der Zeit

Großstädte sind unberechenbar. Verkehrsstaus sind in den amerikanischen Großstädten an der Tagesordnung. Daher nimmt man Ihnen eine Verspätung in Chicago und Los Angeles (L.A.) nicht so übel wie in Frankfurt oder Hamburg. Auf die Idee, aus einer kleinen Unpünktlichkeit einen Mangel an Respekt abzulesen, käme ein Amerikaner nicht.

Sobald Sie sich am Verhandlungstisch niedergelassen haben, gilt jedoch: time is money. Verhandlungen können schnell gehen, ein Vertragsabschluss beim ersten Treffen ist keine Ausnahme. Fünf-Jahres-Pläne sind unüblich, einer Ergebniskontrolle nach drei Monaten wird der Vorzug gegeben, daher sind kurzfristig überprüfbare Ziele an der Tagesordnung.

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