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Business-Knigge USA

“Business mit Amerikanern? Nichts leichter als das. Die sind doch genauso wie wir und immer gut drauf." Diese Meinung zeugt von einer riskanten Ahnungslosigkeit. Sich im US-Business zurechtzufinden, ist für den deutschen Manager nämlich oft gerade deshalb schwer, weil es so leicht erscheint. Auf den ersten Blick scheint das Miteinander dem Unseren ähnlich, der Partner cool und der Zugang easy. Bei genauem Hinsehen entpuppen sich Unterschiede, die sich als Kulturfallen erweisen können.

“Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“

Noch riskanter als mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit vor Ort ist wohl der Hochmut der Alten Welt gegenüber der Neuen. "Keine Geschichte, keine Kultur. Wie sie in ihren Cowboystiefeln herumlaufen und Big Macs verschlingen."

Verallgemeinerungen verstellen überall den Blick. Die Abstammung der Amerikaner aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen und die Vielfalt an Lebensformen macht die Lage für den USA-Besucher besonders unübersichtlich. Dennoch gibt es zentrale Faktoren, die zumindest die auch im Business größte Bevölkerungsgruppe, die Upper Middle Class europäischer Abstammung, prägen. Die Kenntnis dieser Faktoren hilft als Grundlage der Wahrnehmung im individuellen Umfeld.

"Leben, Freiheit und das Streben nach Glück": die in der Unabhängigkeitserklärung definierten unveräußerlichen Rechte haben nach über 200 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Im Business tauchen sie als Selbstverwirklichung, Gleichheit und Streben nach Anerkennung auf. Der Besucher tut gut daran, wenn er diese Bedürfnisse respektiert.

Hintergrundinformationen USA

Dieser kurze Überblick soll einer ersten Orientierung dienen, nicht jedoch der Herausbildung von Vorurteilen. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie fremd sind und sich noch nicht gut auskennen. Nähern Sie sich lieber mit Vorsicht und Zurückhaltung und hüten Sie sich vor zu schnellen Beurteilungen und Wertungen.

Hierarchie

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine präsidiale Republik mit balancierter Gewaltenteilung. Es gibt zwei Parteien: die Republikaner, die die Mehrheit im Repräsentantenhaus bilden, und die Demokraten, die seit Mai 2001 die Mehrheit im Senat inne haben.

Partnerschaftliche Strukturen

Die USA sind ein fortschrittliches Land. In vielen Bereichen schreibt man den Amerikanern eine Vorreiterrolle zu, auch im Bereich der Frauenbewegung und der Gleichberechtigung. Frauen sind hier, länger schon als in Europa, auch in Männerberufen akzeptiert, als Politikerinnen, bei der Army, bei der Polizei, im Börsengeschäft - es gibt sogar Rabbinerinnen. Dennoch muss sich "Frau", besonders die Geschäftsfrau, auch in den USA in einer Infrastruktur bewegen, die auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten ist. Zwar gibt es mittlerweile nur mehr wenige Berufszweige oder Firmen, in denen hosentragende Frauen noch nicht akzeptiert werden. Doch in der Wall Street z.B. setzt man auf althergebrachte Konventionen, obwohl dort schon vor langem "entdeckt" wurde, dass das Tragen einer Krawatte nichts damit zu tun hat, ob man ein guter Aktienmakler ist oder nicht ...

Religion

62 Prozent der Bevölkerung gehören 238 Religionsgemeinschaften an, davon 27,5 Prozent protestantischen Gemeinschaften (Baptisten, Methodisten, Lutheraner, Presbyterianer), 26 Prozent der römisch-katholischen Kirche und 2,6 Prozent sind Juden.

Fremde Sitten und Gebräuche

"A kiss is just a kiss " in den USA könnte ein Kuss als weit mehr als ein Kuss interpretiert werden. Selbst wenn ein Schulterklopfen von Mann zu Mann in der Öffentlichkeit zum guten Ton gehört, sind Intimitäten nicht gern gesehen. Genauso wenig wie Händchenhalten gleichgeschlechtlicher Personen und Oben-Ohne-Baden am öffentlichen Strand. Halten Sie sich zurück, halten Sie sich bedeckt. In eleganten Hotels und gehobenen Restaurants sollten Herren ein Jackett tragen. Jeans-Trägern kann es passieren, dass sie zum Frühstück in ihrem eigenen Business Hotel (vornehmlich an der Ostküste) abgewiesen werden.

Trinkgeld

Mit Trinkgeld hingegen seien Sie bitte großzügig: Die Empfangsmitarbeiterin, die Sie ins Zimmer geleitet, gehört zur Administration und bekommt nichts. Der junge Mann vom Empfang, der Ihnen Ihr Gepäck ins Zimmer bringt, erwartet in einem gehobenen Hotel pro Stück zwei Dollar. Die möchten auch der Dispatcher am Taxi-Stand, der Ihnen ein Fahrzeug vermittelt und der Taxifahrer selbst sowie der Herr, der Ihnen zum Valet Parking Ihr Auto in die Hotel- oder Restaurant-Garage fährt. Der Bell Boy, der Ihnen Karten für ein ausverkauftes Musical besorgt, ist damit nicht zufrieden.

Körpersprache

Halten Sie auch Ihre Körpersprache im Zaum. Zum Heranwinken bewegen Sie alle Finger der ausgestreckten Hand. Beim Good-bye-Winken halten Sie die Handfläche nach außen. "Das ist OK": Formen Sie mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis oder richten Sie den Daumen in die Höhe: thumbs up Mittel- und Zeigefinger sichtbar kreuzen heißt good luck.

Umgang mit der Zeit

Großstädte sind unberechenbar. Verkehrsstaus sind in den amerikanischen Großstädten an der Tagesordnung. Daher nimmt man Ihnen eine Verspätung in Chicago und Los Angeles (L.A.) nicht so übel wie in Frankfurt oder Hamburg. Auf die Idee, aus einer kleinen Unpünktlichkeit einen Mangel an Respekt abzulesen, käme ein Amerikaner nicht.

Sobald Sie sich am Verhandlungstisch niedergelassen haben, gilt jedoch: time is money. Verhandlungen können schnell gehen, ein Vertragsabschluss beim ersten Treffen ist keine Ausnahme. Fünf-Jahres-Pläne sind unüblich, einer Ergebniskontrolle nach drei Monaten wird der Vorzug gegeben, daher sind kurzfristig überprüfbare Ziele an der Tagesordnung.

Die wichtigsten Kommunikationsregeln

Wer jemanden zuerst sieht, grüßt zuerst, ohne Rücksicht auf hierarchische Unterschiede. Auch beim Gruß ohne Handschlag ist ein Lächeln fällig sowie idealerweise ein kurzes, (an-)erkennendes Nicken. Wie in der Alten Welt streckt die ranghöhere Person die Hand zur Begrüßung zuerst aus, vor allem in traditionellen Branchen im Osten; andernorts und bei flachen Hierarchien wird das weniger eng gesehen. Genauso können - außer in einem konservativen Umfeld - Herren einer Dame die Hand entgegenstrecken. Häufig ist zu beobachten, dass Geschäftsfreunde sich untereinander mit Handschlag berühren, die dazu gehörigen Damen aber außen vor bzw. hinten dran bleiben. Wie in Europa wird ein kurzer, fester handshake (Händedruck) als Ausdruck einer zielstrebigen, starken Persönlichkeit gewertet. Weitere Berührungen aber bitte nicht überinterpretieren: Die Distanzzonen sind kleiner als in Deutschland; wer Ihnen nahe kommt, Ihnen möglicherweise auf die Schulter klopft, hat nicht gleich einen Übergriff vor.

Der verbale Gruß wird durch ein "How are you?" ergänzt, auf das die Antwort "Fine, thanks" erwartet wird, keinesfalls der jüngste Bericht über die Gesundheit oder gar Krankheit.

Stellen Sie sich selbst und andere vor, tun Sie das mit Vor- und Nachnamen; US-Amerikaner nennen hier manchmal nur den Vornamen, das heißt aber nicht, dass Sie mit der neuen Bekanntschaft "per Du" sind. Am Umgang mit dem Raum und weiteren Redewendungen erkennen Sie, dass Nähe und Distanz anders ausgedrückt werden als durch die bloße Anrede. Direkter Augenkontakt, auch mit Ranghöheren, wird als Ehrlichkeit gewertet, aber bitte nicht übertreiben.

Mit dem Zeigefinger auf eine Person zu zeigen, die Sie vorstellen wollen, ist nicht höflich.

Die wichtigsten Redewendungen

"Nice to meet you" " "freue mich, Sie kennen zu lernen", das klingt für deutsche Ohren stereotyp, ist aber ein Muss für jede Begegnung, auch mit Fremden. Beim ersten Mal schließt sich hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein " Where are you from?" an. Seien Sie bei der Ortsbestimmung nicht allzu präzise, bedenken Sie: Deutschland ist in Bezug auf die USA winzig klein und weit. Stellen Sie bei allem Stolz auf Ihre Heimat eine großzügige Verbindung zu bekannten Städten her, sagen Sie "near Cologne " statt "Wuppertal-Elberfeld", verweisen Sie auf in den USA bekannte Regionen wie Black Forest (Schwarzwald) oder Bavaria(Bayern).

Ein für Amerikaner bei privaten Treffen typischer Gesprächseinstieg ist für Deutsche gewöhnungsbedürftig: "What do you do?" bedeutet "Wo und für wen arbeiten Sie?" und ist keinesfalls tabu. "See you later" hingegen hat in Deutschland bereits Einzug gehalten und bedeutet alles " außer einer festen Verabredung für ein späteres Treffen.

Smalltalk

Ohne Smalltalk geht es nicht, hier wird Atmosphäre geschaffen, wird das Gegenüber auf Gemeinsamkeiten abgetastet, wird Konsens hergestellt. Wie in aller Welt sind intime Themen wie Krankheit und Sexualität sowie solche, die Meinungsunterschiede zu Tage fördern könnten, nicht anzuraten: Religion, Rassendiskriminierung, Abtreibung und Waffenbesitz. Persönlicher Besitz und die - idealerweise geordneten - Familienverhältnisse sind es nicht. Komplimente sind an der Tagesordnung: über das - gesunde - Aussehen, die - hervorragende - Frisur, das - absolut - großartige Kostüm, was auch immer positiv zu thematisieren sein könnte. Der Beruf, Reisen, Essen inklusive Diät, Sport, Fitness und Wellness, Musik, Filme, Bücher - das alles ist geeignet. Loben Sie die Schönheiten und Errungenschaften des Landes - und bitte nicht über Deutschland jammern. Nationalstolz gilt als positiver Wert an sich. Weshalb Sie Ihre Äußerungen zum 11. September 2001 und dessen Folgen für die USA und die Welt sehr gut überlegen sollten.

Spontan Kontakte anbahnen, zu einem positiven Klima beitragen, bei Einladungen und in Arbeitspausen entspannt über angenehme Dinge plaudern " das wird als Teil der emotionalen Intelligenz, als Soft Skill , positiv verbucht. Einer optimistischen Sicht der Dinge wird einem kritischen Standpunkt gegenüber der Vorzug gegeben. Dabei erzählen Amerikaner gern Geschichten, die sie selbst erlebt haben, manche sogar ohne Punkt und Komma. Warten Sie nicht darauf, dass Sie ausdrücklich eingeladen werden, es ihnen gleich zu tun. Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie kommunikativ kompetent genug sind, um sich von sich aus einzubringen. Besonders bei amüsanten Anekdoten können Sie mit aufmerksamen Zuhörern rechnen.

Auch vor dem Beginn von Verhandlungen ist Smalltalk angesagt, wird hier aber kurz gehalten.

Wer im Business schnell auf den Punkt kommt, kann in privaten und gesellschaftlichen Kontexten durchaus indirekt kommunizieren und die Ablehnung einer unliebsamen Einladung in ein "I"m busy" verpacken.

Das schnelle Anbahnen lockerer Beziehungen hat eine Kehrseite: Nachhaken ist beim Smalltalk genauso verpönt wie das Preisgeben intimer Details. Privatsphäre und Wesenskern bleiben vor fremden Augen und Ohren geschützt. Ein gemütliches Zusammensitzen mit ungewissem Zweck und Ausgang ist unüblich. Statt ex- und intensivem Gesprächsaustausch werden gemeinsame Aktivitäten geplant " zumal wenn sich die Gesprächspartner noch nicht gut kennen.

Das richtige Auftreten im Unternehmen

Die Initiative ergreifen, sich behaupten, eigenverantwortlich etwas auf die Beine stellen, Leistung erbringen " das sind Werte, die die Arbeitsethik in den USA prägen. Genau wie das Streben nach Chancengleichheit, die mit einer hohen Transparenz einhergeht. Die Bürotüren offen lassen, ohne Unterschied mit jedem Mitarbeiter plauschen, political correctness gegenüber Minderheiten walten lassen " das ist im Business selbstverständlich.

Wollen Sie unangenehm auffallen, machen Sie einer Kollegin ein anzügliches Kompliment oder erzählen Sie schenkelklopfend einen Blondinenwitz. Echter Humor hingegen wird hoch geschätzt, Präsentationen und Meetings werden häufig mit einer heiteren Anekdote eingeleitet, um die Zuhörerschaft für sich einzunehmen.

Der gelassene Umgangston könnte vermuten lassen, dass es keine Unterschiede in Hierarchie und Status gäbe. Dieser Schluss ist falsch: Sie werden vielmehr neidlos akzeptiert. Der Gleichheitsgrundsatz schließt Bewunderung für Führungspersönlichkeiten keineswegs aus. Lassen Sie sich durch das flapsige Auftreten mancher Manager, durch Jacketts über der Stuhllehne und Füße auf der Schreibtischplatte nicht zu Nachlässigkeiten verleiten.

Es ist einfacher, Kontakt herzustellen, als diesen aufrecht zu erhalten. Bleiben Sie am Ball, auch was Ihre Selbstdisziplin angeht.

Amerikaner betrachten mit Staunen die Anzahl der Feier- und Urlaubstage in Deutschland, Neid kommt deshalb jedoch keineswegs auf. Erstens weil Neid keine akzeptierte Charaktereigenschaft ist, zweitens weil Leistung über alles geht. Drittens ist die in Deutschland übliche Trennung nach dem Muster "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps" unbekannt. In den USA können die beiden eine harmonische "Ehe" eingehen. Komplette Arbeitsteams treiben miteinander Sport oder gehen abends zusammen essen. Sie verbringen sogar das Wochenende zusammen, lassen sich z.B. in einer Stretched Limousine von der Wall Street nach Atlantic City bringen.

"Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft" " Mitbringsel an Geschäftspartner dürfen nicht über 25$ kosten. Nach einer Einladung z.B. ins Haus eines Geschäftspartners oder einer Kollegin einen thank-you-letter zu schreiben, ist selbstverständlich. Genauso wie der Austausch von Weihnachtsgeschenken. Doch bitte: keine persönlichen Geschenke für Frauen, keine Spielzeugwaffen für Kinder und für konservative Herren keine Zigarren aus dem kommunistischen Kuba.

Das korrekte Erscheinungsbild

Besucher und in die USA entsandte Mitarbeiter sind gleichermaßen gut beraten, wenn sie sich im Vorfeld nach den jeweils anerkannten Standards erkundigen. Sicher ist: Herren, die ohne Jackett im Kundenkontakt oder bei Veranstaltungen erscheinen, sind die Ausnahme. Der Anzug ist eher angesagt als die Kombination. Der mancherorts als Jeans-Tag fehlinterpretierte casual Friday wird in einigen Unternehmen gerade abgeschafft, weil sich schleichend eine casual week etabliert hat. Körperpflege und Hygiene werden in den USA mit einem riesengroßen H geschrieben, mit Dreitagebart outet sich ein Mann auf den ersten Blick als Europäer. Frauen mit unbestrumpften, gar unrasierten Beinen sind undenkbar, behaarte Achseln und Körpergeruch gelten schlicht als unkultiviert. Die Klimaanlage (air condition) erleichtert das bedeckte Auftreten ungemein.

In ländlichen Gebieten ist ein salopper Auftritt eher üblich, auch Teile der heimatlichen Tracht " wie der Lodenjanker " werden nicht belächelt. Aus der Mode gekommene Kleidung hingegen sollten Sie vermeiden, genauso wie glänzende Schuhe, Stiefel und Tennisschuhe bei Geschäftstreffen.

Weibliche Reize werden im Geschäftsleben moderat eingesetzt, die Frauenmode sieht für das Büro ein Kostüm vor, ruhig modisch und elegant geschnitten. Klappernde Schmuckstücke, starkes Make-up, knappe Blusen und Röcke jedoch sind im Büro, wo sexual harassment (sexuelle Belästigung) schnell ein Thema werden kann, mit Vorsicht einzusetzen. Ihren Pelzmantel lassen Sie zu Hause, Tierschützer können ganz schön aggressiv werden.

Anrede und Anschrift von Geschäftspartnern

Der Erfolg einer Business Party wird an der Anzahl der fremden Visitenkarten gemessen, die der Amerikaner zurück ins Büro bringt " sind die Trophäen doch Beweis der Kontaktfähigkeit. Bei Übergabe werden die business cards schnell weggesteckt " was kein Zeichen für mangelnden Respekt ist. Bei privaten Treffen unterlassen Sie den Austausch von Visitenkarten, weitere Begegnungen werden von der Person eingefädelt, die den Kontakt hergestellt hat.

Die Anrede

Die in Deutschland noch in vielen Branchen übliche Anrede mit Frau/Herr und bei Vorhandensein mit dem akademischen Grad wird als höchst formell und befremdlich empfunden. Vor allem jüngere US-Amerikaner tun sich schwer damit. Die wohl häufigste Anredeform ist der Vorname. Benutzen Sie ihn aber nur nach Angebot oder wenn man Ihnen gegenüber den Nachnamen bei der Selbstvorstellung nicht nennt.

Können Sie nicht sicher sein, ob eine Frau verheiratet ist, schreiben Sie Ms., sprechen Sie "miz" " mit einem stimmhaften "s", im Unterschied zur garantiert unverheirateten "Miss". Eine römische Zahl hinter dem Namen auf Visitenkarte oder Namensschild zeigt an, wieviele Träger dieses Namens es in der Familie schon gab.

Die Korrespondenz

Wie auf dem Briefumschlag befindet sich die Anschrift auf dem Briefbogen linksbündig unterhalb des Datums. Die sieht so aus:

Ein Beispiel:

John Smith  
Withers and Withers Inc.  
1, Broadway  
New York NY 20012  

Die schriftliche Anrede lautet, ob Sie den Adressaten beim Vornamen nennen oder mit Ms., Mrs. oder Mr., immer "Dear...". Die Entsprechung zum namenlosen "Sehr geehrte Damen und Herren" ist, ebenso einfach, "Dear Madam or Sir". Besser liest es sich natürlich auch in den USA, wenn Sie vor dem Verfassen Ihrer Briefe die Namen Ihrer Ansprechpartner eruieren.

Die Schlussformel von Geschäftsbriefen lautet Yours truly oder Very truly yours; Best regards und Sincerely sind ebenfalls möglich. Yours ohne Zusatz ist informellen Kontakten vorbehalten.

Darauf folgt, entsprechend der Art, den Adressaten anzusprechen, Ihr Vorname oder Vor- und Nachname; wie im Deutschen "Frau" und "Herr" sind "Mrs., Ms., Mr." nur für Anreden und Erwähnung Dritter, nicht für die Nennung des Sprechers selbst gedacht.

Am Telefon

Die angerufene Person meldet sich mit dem Firmennamen und wenn sie nicht in der Telefonzentrale, sondern am eigenen Apparat ihre Arbeit tut, ihren eigenen Vor- und Nachnamen. Der Anrufer identifiziert sich entsprechend.

Erfolgreiche Gesprächsführung

US-Amerikanern wird oft das zielstrebige "get right down to business" vorgehalten. Die Amerikaner wiederum werfen genau diese unmittelbare Art, zum Wesentlichen zu kommen, den Deutschen vor. Also bitte: ein bisschen Smalltalk soll sein. Vor allem mit der Sekretärin. Schließlich ist sie Ihre Ansprechpartnerin, wenn Sie Hilfe brauchen, und eine wunderbare Quelle für Informationen. Sollte sie Sie bei Ihren ersten Schritten in ihrem Unternehmen korrigieren, ist das keinesfalls ein schlechtes Zeichen: Sie will Sie nicht beleidigen oder verunsichern, sondern Ihnen helfen.

Smalltalk im Vorfeld und der Einstieg in eine Präsentation mit einer witzigen Bemerkung heißt nicht, dass das Thema nicht mit der gebührenden Ernsthaftigkeit angegangen würde, im Gegenteil: In den Augen der Amerikaner dient Gelassenheit der Sache und so falsch liegen sie damit ja nicht. Das bösartige Urteil "Was Deutsche an Weitblick vermissen lassen, ersetzen sie durch Ernsthaftigkeit" stammt dennoch nicht von einem Amerikaner.

Andererseits kommen Amerikaner gern zügig zum Punkt; sie verstehen nicht, warum deutsche Geschäftspartner so lange "herumreden". Es ist ein Irrtum, das Fehlen von Fakten und Zahlenkolonnen und die bildhafte Sprechweise als Schaumschlägerei zu interpretieren: Amerikaner sind eben nicht so sicherheits- und detailorientiert und in der Wortwahl exakt wie die Deutschen.

Deren Hintergrundinformationen werden leicht als Exkurse oder gar als Abschweifungen empfunden. Bleiben Sie bei den Dingen, die für den jeweils gegenwärtigen Punkt absolut relevant sind.

So kommen die amerikanischen business partners auch schnell zu zukünftigen Projekten, wenn die deutschen noch an den gegenwärtigen kauen.

Nach vorn schauen, Rivalität sportlich sehen " das zählt in den USA. Dem widerspricht keineswegs, dass auch der Gast eindeutige Vorschriften ernst zu nehmen hat und ein harter Ton und öffentliche Kritik inakzeptabel sind. Fakten werden sachlich präsentiert, Kritik wiederum wird leicht persönlich genommen. Deshalb wird man sie Ihnen ebenfalls ersparen. Positive Gefühle werden hingegen gern und mit Nachdruck geäußert. Lesen Sie also zwischen den Zeilen und hören Sie zwischen den Worten. Bedenken Sie, dass Verhandlungsmargen in den USA größer sein können als bei uns. Halten Sie eine Person, die Ihnen bei den Konditionen entgegenkommt, deshalb nicht gleich für unseriös.

Das Geschäftsessen

Gute Restaurants entbinden ihre Gäste von der Suche nach einem Parkplatz; halten Sie für das Valet Parking Trinkgeld bereit. Lassen Sie Ihre Garderobe an der Garderobe. Zeigen Sie sich auch hier großzügig. Behalten Sie an eleganten Orten Jackett und Krawatte an und wappnen Sie sich als Dame stets mit Jacke oder Schal: Es könnte empfindlich kühl werden.

Im Restaurant

"Wait to be seated". Stürmen Sie nicht wie im deutschen Biergarten auf den erstbesten freien " womöglich noch mit dem schmutzigen Geschirr des Vorgängers belegten " Tisch zu. Derartiges Eroberungsverhalten ist Amerikanern völlig fremd, ob im Gourmettempel oder im einfachen Diner. Bedienungspersonal stellt sich oft der leichteren Kommunikation wegen mit Namen vor; das wird von Ihnen nicht erwartet.

Kleine Unterschiede in den Tischmanieren

Im Großen und Ganzen gelten bei Tisch die Regeln des guten Tons, die Sie aus Deutschland kennen. Ein paar Ausnahmen gibt es dennoch. Diese technischen Kleinigkeiten zu kennen ist gut, sie nicht zu praktizieren, gibt aber kaum einen Punktabzug.

Die nicht benutzte Hand wird auf dem Schoß abgelegt, vom Fleisch werden hintereinander mehrere Stücke geschnitten, das Messer daraufhin am rechten oberen Tellerrand abgelegt. Die Stücke werden mit der Gabel in der rechten Hand zum Mund geführt "zigzag eating “, Essen im Zickzack, gehört zum guten Ton, der Ellenbogen auf der Tischplatte nicht.

Beim Verlassen des Tischs wird die Serviette nicht auf dem Tisch, sondern auf dem Sitz deponiert. Die Sitte, dass Herren aufstehen, wenn eine Dame den Tisch verlässt oder an ihn zurückkommt, ist in den USA üblicher als auf dem europäischen Festland.

Das Nachschenken und Abräumen

Sie sollen es bequem haben, darum wird Ihnen stets Eiswasser nachgeschenkt, im Diner auch der Kaffee, der oft gar nicht so schwach ist, wie er schmeckt. Darum wird Ihnen auch Ihr Teller weggenommen, sobald Sie ihn leer gegessen haben, ohne dass die übrigen Gäste schon fertig wären. Passen Sie sich im Tempo den anderen Essern an, dann müssen Sie nicht vor Ihrem leeren Platzteller sitzen. Soft Drinks " stets mit reichlich Eis serviert " oder Kaffee sind als Begleiter eines eleganten Essens nicht so verpönt wie in der Alten Welt.

Die Rechnung

Die Rechnung kommt ungefragt: langes Sitzen am Tisch ist unüblich. Genauso wie das Rauchen " hierfür gibt es schließlich Bars. Wer einlädt, zahlt. Sollte ausnahmsweise der Einladende nicht als Gastgeber auftreten, übernehmen Sie die Rechnung. Die Sitte, getrennt zu zahlen, heißt auf Amerikanisch "go Dutch", wird also als Besonderheit des westeuropäischen Kulturkreises angesehen. Die Steuer (tax) wird gesondert ausgewiesen. Der Service ist nur in Touristengegenden inbegriffen; dort heißt es auf der Rechnung, oft von Hand geschrieben, "15 % service included". Andernfalls legen Sie von sich aus mindestens den entsprechenden Betrag hinzu: Es handelt sich beim " tip " (Trinkgeld) zwar um eine freiwillige Gabe des Gastes, aber meist auch um den einzigen Lohn des Kellners. Seien Sie großzügig.

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sehr informatiev :)hat uns weitergeholfen vielen lieben dankt für diese tolle seite!! ^^


Vielen lieben Dank für diese tolle Ansammlung an Informationen!gefällt mir!