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wissen.de Artikel

Obamas Plan B an der "Gold-Else"

Die Siegessäule in Berlin

Barack Obama, designierter US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten, spricht am 24. Juli im Rahmen seiner außenpolitischen Reise in Berlin. Über den Ort der Rede gab es tagelange Diskussionen und auch leichte Verstimmungen. Anfänglich wollte Obama direkt vor dem Brandenburger Tor sprechen, was Bundeskanzlerin Merkel recht frei heraus mit der Begründung ablehnte, dass ein "Symbol des vereinigten Berlins nicht als Bühne im US-Wahlkampf" dienen solle. Und so fiel die Wahl der US-Delegation dann recht schnell auf die Siegessäule am Großen Stern. Von dort kann Obama jedenfalls in Blickrichtung auf das Brandenburger Tor von der "historischen Partnerschaft" zwischen den USA und Deutschland sprechen. Doch wofür steht eigentlich die Siegessäule?

Die "Gold-Else" und der Erbfeind

Die Viktoria auf der Siegessäule in Berlin
Die 1,8 km vom Brandenburger Tor entfernte Siegessäule stammt aus dem Jahr 1873 und ist ein Symbol des siegreichen Preußens nach den Feldzügen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71). "Gold-Else" nennen die Berliner ihre Viktoria wenig respektvoll. Sie bekrönt die Siegessäule im Zentrum des Platzes Großer Stern. Die von Friedrich Drake erschaffene Siegesgöttin mit Lorbeerkranz, Helm, Speer und Eisernem Kreuz ist keineswegs eine zierliche Dame: sie ist 35 t schwer und 8, 30 m hoch. Will man der eleganten Göttin auf der Aussichtsplattform in luftiger Höhe von 50,66 m Gesellschaft leisten, muss man eine Wendeltreppe mit 285 Stufen im Innern der Säule erklimmen.

1864 beauftragte Kaiser Wilhelm I. den Baumeister Johann Heinrich Strack mit der Planung der Siegessäule. Unter anderem sollten Beutestücke aus siegreichen Feldzügen verwendet werden. Strack schmückte den Säulenschaft daher mit eroberten Geschützrohren, die er vergolden ließ.

Am quadratischen Sockel aus rotem Granit zeigen Bronzereliefs verschiedene Szenen aus den drei Befreiungskriegen. Ein Glasmosaik von Anton von Werner ziert die Innenwand des Säulengangs: Es stellt die Geschichte der deutschen Einheit nach dem Sieg über Frankreich (1870/71) dar.

Am Großen Stern, von dem fünf belebte Durchfahrtsstraßen und einige Gehwege ausstrahlen, stehen mehrere Statuen: Otto von Bismarck, Generalfeldmarschall Moltke und Kriegsminister Albrecht von Roon. Bismarck und Moltke standen wie die Siegessäule bis 1938 vor dem Reichstagsgebäude, danach wurden sie von den Nationalsozialisten im Rahmen der Pläne für die geplante "Reichshauptstadt Germania" hierher versetzt.

 

O-Day

Loveparade an der Siegessäule
Kritiker der Ortswahl sehen in der Siegessäule vor allem ein Symbol für Militär und Krieg, ein Relikt aus preußischer Zeit und Verbandelung zum Nationalsozialismus. Dem könnte man etwa die friedlichen Massenveranstaltungen von "Love Parade" und Christopher Street Day entgegenhalten, die rund um die Siegessäule stattfanden. Und schließlich hat sich bei den Fanmeilen während der WM 2006 und der EM 2008 von der "Gold-Else" auch niemand beim Feiern gestört gefühlt. Und wenn am Donnerstag bis zu einer Million Menschen zur Obama-Rede erwartet werden, hofft sein Wahlkampf-Team natürlich auf Bilder einer neuen Fanmeile, die live und direkt in die US-amerikanischen Wohnzimmer flimmern werden. Immerhin werden sogar Großbildleinwände für eine massenwirksame Übertragung sorgen. Die Euphorie in Berlin scheint riesig, Flyer kursieren in der Stadt. Auf ihnen steht nur ein Wort: OBAMA. Gegendemonstrationen - eigentlich der übliche Reflex beim Besuch US-amerikanischer Politiker - sind übrigens nicht angemeldet. Was vielleicht daran liegen mag, dass Obama laut einer SPIEGEL-Umfrage von 76 % der Deutschen als der geeignetere Präsidentschaftskandidat gesehen wird.

Ab Mitte 2009 soll die Siegessäule renoviert werden. Die Stadt Berlin stellt dann Mittel in Millionenhöhe zur Verfügung. Vielleicht erinnert sich dann ja auch Obama daran, dass hier ein neues Kapitel seiner Geschichte begann. Fragt sich nur, welche (deutschen?) Worte von Ewigkeitswert ihm oder seinen Redenschreibern einfallen ... Kleiner Tipp - diese sollten es nicht sein: "Amerika steht an ihrer Seite, jetzt und für Immer." oder auch "Ich bin ein Berliner!".
von Jörg Peter Urbach, wissen.de; Quellen: wissen.de/Financial Times Deutschland
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3 Kommentare

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Bin echt gespannt, was Obama sich auf deutsch zu sagen traut. Das sind doch immer die peinlichsten Momente, wenn die Pop- und Politstars "Gute Abend, Deutsland!" rufen ...


Vielleicht lässt es ja - vermutlich eher peinliche - Deutschversuche bleiben und wirkt somit noch ein Stück authentischer... Ich stelle mir gerade Angie vor dem Weißen Haus vor - wenn Sie sagte "I am a citizen from the former GDR" - und das mit Mecklenburger Akzent ;)


Ich freue mich sehr über seinen Sieg.Doch jetzt kommt die große Frage,kann er uns auch das geben was wir von ihm erwarten.Und ist das was wir von im Erwarten auch das was er uns geben will und kann.Ja die Erwartungen sind oft zu groß.So ging es mir bei unserem Werten Schröder auch.