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Das Geheimnis von Sand, Strand und Dünen

Zum Urlaub am Meer gehören Strand, Sand und Dünen einfach dazu. Doch hinter den Millionen von winzigen, unscheinbaren Sandkörnchen steckt eine Menge Arbeit der Natur – und ein echtes Geschenk der Erdgeschichte. Denn das, worauf wir heute uns am Strand entspannen, war einst massives Felsgestein. Wir erklären, wie daraus Sand, Strand und Dünen wurden und was die Körnchen uns noch verraten.

Auf den ersten Blick wirken ein Sandstrand oder eine Sandwüste ziemlich eintönig: Sie sind eine fast einfarbig gelblich-bräunliche Ansammlung gleichförmiger Partikel – so scheint es. Doch sieht man näher hin, ändert sich dies. Plötzlich können wir einzelne Körner unterscheiden und wir sehen, dass der Sand in Wirklichkeit eine ziemlich bunte Mischung ist – in jeder Hinsicht. Fast runde Sandkörner sind darunter genauso zu finden wie eckige oder spitze. Und auch bei den Farben ist von fast weiß über rot, gelb oder dunkelbraun fast alles vertreten.

Acht Sandproben aus verschiedenen Regionen der Welt
Sand ist nicht gleich Sand

Die Farbe des Sandes wird im Wesentlichen von seinem Hauptausgangsgestein oder Entstehungsmineral bestimmt.

Was ist Sand?

Was aber ist Sand überhaupt? Geologisch gesehen sammelt sich unter diesem Begriff eine wilde Mischung aus ganz unterschiedlichen Mineralen und chemischen Komponenten. Denn Sand ist im Prinzip nichts weiter als eine Klassifizierung der Korngröße. Alles Gestein, das eine Korngröße zwischen 0,063 und zwei Millimetern besitzt, gilt geologisch gesehen als Sand – ganz egal, woraus es besteht.

Am häufigsten begegnen uns am Strand Sandkörner, die aus Quarz bestehen – dem Mineral, das in der Erdkruste besonders häufig vorkommt. Es gibt aber auch Sand mit einer ziemlich feurigen Herkunft: Die dunklen Strände einiger Kanarischer Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Sie bestehen aus zermahlenem Lavagestein. Andere Sandsorten, darunter die der blendendweißen Strände der Karibik, bestehen dagegen aus dem zermahlenem Kalk von Korallen oder Muscheln.

Sand
Vom Wasser zerkleinerter Meeres- oder Flusssand hat oft abgerundete Körner.
Wie entstehen die Sandkörner?

Doch wie kommt das eigentümliche Körner-Sammelsurium des Sandes zustande? Auf der Suche nach den Ursprüngen des Sands müssen wir eine kleine Zeitreise unternehmen.  Denn die winzigen Körnchen, die wir heute am Strand, auf einer Düne oder am Seeufer finden, waren einst Teil einer massiven Gesteinsformation. Im Laufe von Tausenden von Jahren haben Sonne, Regen, Frost, Wind und Bakterien an diesem Felsgestein genagt. Durch die Verwitterung des Gesteins bilden sich Risse, Spalten und schließlich zerfällt das Massiv in einzelne Felsbrocken.

Die Gesteinsbrocken werden von Gebirgsbächen und Flüssen mitgerissen. Auf dem Weg schleift der Fluss die Steine durch ständige Kollisionen immer weiter ab, bis schließlich nur noch viele kleine Körner übrigbleiben – Sand. Ähnlich kann auch die stete Brandung des Ozeans Gestein entlang der Küsten so fein zermahlen, dass nur noch Körnchen zu sehen sind. Andere Sandarten wurden von den Gletschern der Eiszeit gebildet. Sie zermahlten unter ihren Eismassen viele große Gesteinsbrocken zu Sand und Ton. Wüstensand ist dagegen häufig durch den Wind entstanden: Das stetige Wehen, vermischt mit Sandkörnern und Staub, wirkte wie ein Sandstrahlgebläse und trug im Laufe der Zeit selbst harten Fels ab.

Wie ein bestimmter Sand einst gebildet wurde, lässt sich unter anderem an der Form seiner Körner erkennen: Der vom Wasser zerkleinerte Meeres- oder Flusssand hat oft abgerundete Körner, ähnlich ist es bei dem durch Gletscher gebildeten Sanden. Wüstensand dagegen hat häufig schärfere Kanten.

Küstendünen in Polen
Die typischen Weißdünenketten an den Stränden von Nord- und Ostsee sind durch auflandige Winde entstanden, die den Sand vom nahen Strand herbeigeschafft haben.
Vom Strand zur Düne

Die Meeresströmungen sorgen dafür, dass sich Sand in bestimmten Bereichen der Meeresküste sammelt – ein Strand entsteht. Es gibt aber auch Gebiete, in denen das Meer durch Brandung und Stürme immer wieder Sand von der Küste wegspült. Dadurch schrumpfen dann die Strände – was wir beispielsweise an der Westküste von Sylt beobachten können. Hier und an anderen Meeresküsten muss dann mühevoll Sand mit speziellen Schiffen und Baggern künstlich angespült werden, damit die Strände erhalten bleiben.

Ist ein Sandstrand einmal entstanden und halbwegs stabil, dann lassen auch die ersten Dünen nicht lange auf sich warten. Vor allem wenn die Küste flach ist und der Wind vom Meer kommt, weht er große Mengen Sand weiter den Strand hinauf. Stößt dieser luftige Sandtransport auf ein Hindernis, lässt der Wind seine Fracht aus Sandkörnern fallen. Sie lagern sich auf der windabgewandten Seite ab. Mit der Zeit entsteht so ein Sandhaufen. Diese "Jungdüne" wächst immer weiter in die Höhe und in die Breite und wird nach und nach auch von Dünenpflanzen besiedelt – eine Düne ist entstanden.

Wenn wir im Sommerurlaub am Strand Sandburgen bauen oder den Anblick der Dünen genießen, blicken wir daher auf ein echtes Meisterwerk der Natur: Hinter jedem Korn und jedem Hügel stecken Jahrtausende der stetigen Arbeit und Bewegung.

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