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Das Geschrei der Wahlkämpfer

Politiker bewähren sich mal wieder in der Stammrhetorik

Kriminelle Übergriffe von Jugendlichen werden von wahlkämpfenden Politikern missbraucht, um sich zu profilieren. Ob einer dieser Politiker auch in der U-Bahn und ohne Body-Guards den Mund aufmachen würde, darf bezweifelt werden.

Ein paar durchgeknallte junge Menschen mit "Migrationshintergrund" liefern unseren deutschen Politiker die Munition, ganze Volksgruppen, ganze Altersgruppen und ganze soziale Gruppen zu diffamieren. Dabei ist so deutlich ekennbar, dass es nicht um die Lösung von Problemen geht, sondern um in Wahlkämpfern zwischen unterschiedslosen Bürokraten und Funktionären ein wenig Profil zu gewinnen. Und einer der herausragenden Akteure ist mal wieder der brutalstmögliche Politiker Deutschlands, Roland Koch.
Natürlich möchte er seine Zuhörer Glauben machen, dass die Narben in seinem Gesicht Folgen seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Street-Worker, Bewährungshelfer, Body-Guard und SEK-Beamter seien. Weit gefehlt. Man weiß nicht, wie Herr Koch zu seinen Narben kam, doch sie sind nicht die Folge von Mut oder Zivilcourage. Lauscht man seinen Worten, so beschleicht einen der Verdacht, dass sie Folgen von großer Nähe zu den Stammtischen dieses Landes sein könnten.
Was einen nicht wundert, ist das Geschrei der Herren und Damen aus der Politik. Verwundern kann einen die Resonanz im deutschen Blätterwald, in dem die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Gewalt unter Jugendlichen gerne in Klischees gegossen wird. Abschiebungen und Erziehungscamps, ja selbst die Todesstrafe werden dieses Problem nicht lösen. Aber darum geht es ja auch nicht, zumindest nicht den Kochs dieses Landes.

von Paul Simon, Nottuln
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