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wissen.de Artikel

Das Vorstellungsgespräch

Der rote Faden für Ihr Gespräch

Sie haben soeben die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen und jetzt wird es ernst: Denn ab jetzt befinden Sie sich sozusagen im Zentrum des Sturms. Denn der Kern jeder Bewerbung ist naturgemäß das Vorstellungsgespräch, das über Ihre weitere berufliche Zukunft entscheidet.

Vor dem Gespräch

Wer kennt sie nicht, die berühmten feuchten Hände oder den Kugelschreiber, der am Ende des Bewerbertermins in hundert Einzelteile zerlegt ist? Kein Wunder, denn ein solch entscheidendes Gespräch führt man schließlich nicht jeden Tag.

Umso wichtiger ist es, dass Sie sich kurz vor dem Gespräch noch einmal auf die entscheidenden Dinge konzentrieren. Wenn Sie aufgeregt sind, legen Sie doch einfach die Hände in den Schoß und versuchen Sie, sich zu entspannen. Lassen Sie dann in Ihrer Vorstellung einen kleinen Film über das bevorstehende Gespräch ablaufen. "Programmieren" Sie sich auf einen positiven Verlauf Ihrer Bewerbung. Schließlich haben Sie sich gut auf diesen Tag vorbereitet und ausführlich über das Unternehmen informiert. Wichtig: Begeben Sie sich auf keinen Fall in eine "Verliererhaltung". Mit der Einstellung nach dem Motto "Das klappt ja doch nicht" hat bislang noch niemand etwas erreicht.

Schalten Sie sich "online"

Achten Sie darauf, dass Sie für Ihre Umwelt aufnahmebereit sind. Das können Sie vergleichsweise einfach testen: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Biergarten. In aller Regel werden Sie dann einen Blick auf die Personen an den Nebentischen werfen. Ihnen fällt an dem einen oder anderen eine Besonderheit auf, beispielsweise ein auffälliges Kleidungsstück oder die Sitzhaltung. Ganz egal, was es ist: Ihre Wahrnehmung ist auf "online" geschaltet. Nervöse Menschen sind, was die Wahrnehmung ihres Umfeldes betrifft, eher "offline". Sie beschäftigen sich mehr mit dem Grund ihrer Nervosität, als einen Blick für die Menschen um sich herum zu haben. Sicher werden Sie sich an die eine oder andere Situation erinnern, in der es Ihnen so oder ähnlich ergangen ist.

Kurz vor dem entscheidenden Termin sollten Sie in jedem Fall hellwach sein. Versuchen Sie ruhig und gelassen wahrzunehmen, was in Ihrer unmittelbaren Umgebung passiert: Sitzen Sie allein in einem Vorzimmer oder haben Sie auch während der Wartezeit einen Ansprechpartner, der sich um Sie kümmert? Wer geht bei Ihrem Gesprächspartner ein und aus? Lässt man Sie lange warten oder beginnt das Gespräch pünktlich? All das gibt Ihnen einen Eindruck von der Atmosphäre, die in diesem Unternehmen herrscht.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie jede Kleinigkeit in sich aufsaugen und analysieren sollen. Dazu wird auch die Zeit zu knapp sein. Wichtig ist kurz vor dem Start, dass Sie sich noch einmal Ihre Ziele verdeutlichen und Ihr gesundes Selbstbewusstsein aktivieren. Dann kann es losgehen.

Ankunft und Begrüßung

Für manchen Bewerber ist schon der Weg zu dem Raum oder Gebäude, in dem das geplante Vorstellungsgespräch stattfinden sollte, zur Stolperfalle geworden. Der Pförtner drückte sich unklar aus oder man hatte schlichtweg vergessen, den Kandidaten abzuholen und der Chef wartete und wartete. Pech für denjenigen, der sich nicht rechtzeitig rührt.

Pünktlichkeit

Noch immer gehört es zum ungeschriebenen Gesetz, dass Pünktlichkeit bei einem Vorstellungsgespräch eine weit geschätzte Tugend ist. Bemühen Sie sich also in jedem Fall, pünktlich am richtigen Ort zu sein. Pünktlich bedeutet zirka 15 Minuten vor Gesprächsbeginn. Sollte Ihnen unerwartet etwas dazwischen kommen, informieren Sie Ihren Gesprächspartner umgehend.

Empfang

Üblicherweise werden Sie am Eingang des Unternehmens abgeholt und ins Gesprächszimmer begleitet. Oder Sie erhalten eine Wegbeschreibung dorthin. Sollte im Einladungsschreiben keine genaue Angabe zu Raum oder Gebäudeteil enthalten sein, fragen Sie besser am Tag vorher telefonisch nach.

Anklopfen

Falls die Tür des Besprechungszimmers geschlossen ist, klopfen Sie hörbar, aber nicht zu laut an. Warten Sie dann auf die Aufforderung zum Eintreten. Bleiben Sie nicht im Türrahmen stehen, sondern gehen Sie selbstbewusst Ihrem Gesprächspartner entgegen. Falls dieser sitzen bleibt - was nicht besonders höflich wäre - gehen Sie zu dessen Sitzplatz.

Händedruck

In unseren Breitengraden ist es üblich, den Gesprächspartner mit einem Händedruck zu begrüßen. Der sollte weder feucht und schlaff noch zu kräftig sein. Falls Sie sich bei einer ausländischen Firma beworben haben, erkundigen Sie sich vorab nach dem heimischen Begrüßungsritual und versuchen Sie herauszufinden, ob man dieses auch hier pflegt.

Gesprächseröffnung

Durch den berühmt-berüchtigten ersten Eindruck werden bei zwei Gesprächspartnern, die sich bisher unbekannt waren, die Weichen in Richtung einer positiven, sympathischen oder negativen, unsympathischen Gefühlsreaktion gestellt. Das Gelingen oder Misslingen Ihres Vorstellungsgesprächs hängt also entscheidend davon ab, ob Ihr Gesprächspartner Sie sympathisch findet oder nicht. Diesen ersten Eindruck wird er spätestens mit Beginn der Gesprächseröffnung gewonnen haben.

Nachdem Sie sich die Hand gegeben haben, fordert Ihr Gegenüber Sie üblicherweise auf, sich zu setzen. Auch bei dieser verhältnismäßig simplen Aktion kann einiges schief gehen. Sie könnten beispielsweise den für Ihr Gegenüber reservierten und damit für Sie falschen Platz erwischen. Oder Sie setzen sich einfach unaufgefordert oder zu früh hin.

Gehen wir davon aus, bis hierhin hat alles perfekt geklappt. Dann wird sich an dieser Stelle Ihr Gesprächspartner vorstellen. Prägen Sie sich Namen und Funktion aller Anwesenden gut ein. Falls Sie eine Visitenkarte erhalten, legen Sie diese vor sich auf den Tisch, so dass Sie jederzeit auf sie zurück greifen können.


Kommunikationsverhalten im Frageteil des Bewerbungsgesprächs

In diesem Termin werden beide Seiten keineswegs immer freiwillig ihre Absichten offen legen. Wenn Sie trotzdem genau wissen wollen, woran Sie bei Ihrem Gesprächspartner sind, können Sie durch richtiges Fragen Klarheit schaffen. Gute Vorbereitung ermöglicht es Ihnen aber auch, auf Frageattacken Ihres Gegenübers wohl überlegt zu antworten.

Grundsätzlich unterscheidet man offene und geschlossene Fragen. Geschlossene Fragen sind Fragen, die nur mit "ja" oder "nein" beantwortet werden können. Vorteil: Sie dienen dem gezielten Herausfinden von Informationen, wenn Sie nur Teilinformationen besitzen. Nachteil: Geschlossene Fragen führen in der Regel nur langsam zum Ziel, da sie nicht zum überschwänglichen Reden animieren.

Wenn Sie unsicher sind, stellen Sie Ihrem Gegenüber offene Fragen. Damit haben Sie die Möglichkeit, möglichst viele und fundierte Informationen über Ihren Arbeitsplatz in spe zu erhalten. Gleichzeitig haben Sie Zeit, Ihre Selbstsicherheit (wieder) zu gewinnen und können das Gespräch in Gang bringen bzw. halten.

Um die Formulierung einer offenen Frage zu erleichtern, müssen Sie wissen, dass dazu ein Schlüsselwort und ein Fragewort - Wer? Was? Wann? Wo? Weshalb? Warum? - gehören. Schlüsselwörter sind beispielsweise: Voraussetzungen, Sicherheiten, Beweise, Erwartungen, Vorstellungen, Visionen, Wünsche, etc.

Mit Suggestiv-Fragen wie "Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?" können Sie die Antwort Ihres Gegenübers wesentlich beeinflussen. Vielleicht will Ihr Gesprächspartner ja Wasser. Falls Ihnen solche Fragen im Bewerbergespräch gestellt werden, reagieren Sie nicht übereilt. Lassen Sie sich nicht von den vorgegebenen Möglichkeiten einschüchtern. Sicherlich gibt es auch noch andere Alternativen. Machen Sie Ihren Standpunkt deutlich, auch wenn er von der Fragestellung abweicht. Mit diesen Fragen will der Fragensteller Ihren Mut zur eigenen Meinung prüfen.

Tipp: Ganz gleich, welche Fragearten Sie verwenden, achten Sie immer auf Folgendes:

  • Immer nur eine präzise Frage stellen.
  • Keine langen Fragen stellen.
  • Keine wertenden Fragen stellen.

Top- oder Flop-Fragen

Gehen Sie davon aus, dass Ihr Gesprächspartner ein netter Zeitgenosse ist. Wahrscheinlich wird er sich während des Gesprächs mit Ihnen auch größtenteils so verhalten. Doch nicht durchgängig. Wenn er seine Aufgabe ernsthaft betreibt, muss er Ihnen auf den Zahn fühlen. Um das zu tun, wird er Ihnen Fragen stellen, die möglicherweise ans Eingemachte gehen. In einer solchen Situation heißt es Ruhe bewahren und souverän reagieren.

Einige Beispiele für solche Top- oder Flop-Fragen sind:

  • "Mit welchen Ideen konnten Sie sich bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber nicht durchsetzen?" Ihr Gesprächspartner will herausfinden, ob Sie zu denjenigen Menschen zählen, die immer andere für den eigenen Misserfolg verantwortlich machen oder ob Sie Ihre Ideen möglicherweise nicht richtig verkaufen können.
  • "Können Sie mir zwei schwierige Situationen schildern, vor denen Sie in letzter Zeit gestanden haben?" Ihr Gesprächspartner will herausfinden, ob Sie für die angestrebte Position geeignet sind. Empfinden Sie das Geschilderte als schwierig, sind aber solche oder ähnliche Situationen in Ihrem potenziellen neuen Job an der Tagesordnung, sind Sie dafür aller Voraussicht nach nicht geeignet.
  • "Bei welchen Gelegenheiten gab es Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen?" Hier möchte Ihr Gesprächspartner Ihre Teamfähigkeit testen. Können Sie gut in einer Gruppe arbeiten oder sind Sie eher ein Einzelgänger?
  • "Können Sie die für Sie ideale Tätigkeit - unabhängig davon, ob wir Sie Ihnen mit der ausgeschriebenen Position anbieten - einmal beschreiben?" Ihr Gegenüber will mit Ihrer Antwort herausfinden, welche Art von Tätigkeit Sie bevorzugen. Streben Sie eher eine systematische, beratende, entscheidende oder organisatorische Tätigkeit an? Passt Ihr Idealbild zu der Position, um die es im Vorstellungsgespräch geht?
  • "Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Vorgesetzten?" Ihr Gesprächspartner will wissen, ob Sie mehr den Laissez-faire-Stil schätzen oder ob Sie eher ein Anhänger des autoritären Führungsstils sind: Brauchen Sie eine sehr detaillierte Führung oder kommen Sie mit wenig Anleitung aus.
  • "Wie definieren Sie Erfolg?" Wenn Erfolg für Sie in erster Linie das Schulterklopfen Dritter und den beständigen Aufstieg auf der Karriereleiter bedeutet, sind Sie wahrscheinlich nicht der richtige Mann oder die richtige Frau. Viel besser, wenn Sie zum Ausdruck bringen, dass Erfolg sich in erster Linie in einer zufriedenstellenden und höchstinteressanten Arbeit bemerkbar macht.

Unerlaubte Fragen

Nicht alles, was den Interviewer interessiert, darf er fragen. Professionelle Interviewer kennen Ihre Grenzen, die der Gesetzgeber bzw. die Rechtsprechung inzwischen gezogen haben und respektieren sie. Doch manch einer versucht Ihnen trotzdem zu bestimmten Themen eine Antwort zu entlocken. Dazu gehören Fragen nach

  • Schwangerschaft und Familienplanung "Sind Sie derzeit schwanger oder haben Sie in absehbarer Zeit vor, schwanger zu werden?"
  • Vorstrafen im allgemeinen "Sind Sie vorbestraft oder gibt es gegen Sie anhängige Strafverfahren?"
  • Krankheiten oder einschränkende gesundheitliche Dispositionen "Leiden Sie unter akuten oder chronischen Erkrankungen?" Die Frage nach einer Schwerbehinderung ist allerdings zulässig, weil Schwerbehinderte einem besonderen Kündigungsschutz unterliegen und der Arbeitgeber besondere gesetzliche Auflagen erfüllen muss.
  • Gewerkschaftliches oder parteiliches Engagement "Gehören Sie einer Partei oder Gewerkschaft an?"
  • Sektenzugehörigkeit "Gehören Sie einer religiösen Gemeinschaft an?"
  • Privaten Vermögensverhältnissen "Haben Sie Schulden?"

Leider sind die Grenzen, was noch erlaubt oder schon verboten ist, nicht für alle Vorstellungsgespräche gleich absolut. Denn ob der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse hat, Sie das eine oder andere zu fragen, hängt selbstverständlich auch von dem Job ab, auf den Sie sich beworben haben. Fragen solcher Art sind dann erlaubt, wenn die Antwort eine konkrete Rolle für die ausgeschriebene Stelle spielt. Beispiel: Sie haben sich auf eine Stelle als Kassierer in einer Bank beworben. Dann sollten Sie nach Möglichkeit keine Schulden haben oder einschlägig vorbestraft sein. Auch die Frage nach grundsätzlichen Eignungen sind erlaubt. Ein Forstwirt darf demnach nicht unter Heuschnupfen leiden und eine Sekretärin muss am Computer arbeiten können.

Als Faustregel gilt: Ist eine Frage aus juristischer Sicht nicht erlaubt, dürfen Sie lügen, ohne später arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Inszenierte Stresssituationen

Manchmal versucht der Interviewer den Bewerber durch Störmanöver, zum Beispiel bewusst aggressive Fragen oder Bemerkungen, zu provozieren. Diese dienen lediglich dazu, Ihre Standfestigkeit und Selbstbeherrschung zu testen. Bleiben Sie also ganz ruhig und sachlich und verzichten Sie nicht auf deutliche Antworten. Argumentieren Sie wirkungsvoll: Tragen Sie jedes Ihrer Argumente einzeln und langsam vor, so dass es bei Ihrem Gegenüber wirken kann. Wenn Sie Ihre Argumente ohne Pause aneinander reihen, verschenken Sie einen wichtigen Effekt. Beginnen Sie mit einem schwachen Argument und enden Sie mit einem starken. Dabei sollten Sie bedenken: Weniger ist oft mehr!

Rechtfertigen Sie sich nicht mit Ihren Antworten. Sie haben keinen Grund, sich für Ihren Standpunkt zu entschuldigen. Vermeiden Sie es, die "Fassadentechnik" zu verwenden, indem Sie von "man" oder "wir" sprechen. Benutzen Sie das Wörtchen "ich". Damit machen Sie deutlich, dass Sie eine eigene Meinung haben, zu der Sie auch stehen. "Ja-Sager" und bloße Befehlsempfänger sind in Unternehmen nicht gefragt. Sie bringen wenig Innovationen oder können sie nicht entsprechend durchsetzen.

Darüber hinaus sollten Sie auf sogenannte Killerphrasen, wie"eigentlich", "überhaupt", "ziemlich", "relativ" verzichten. Diese Füllwörter haben keine eigene Aussage, schränken aber die Bedeutung Ihrer Botschaft unnötig ein.

Wenn Sie eine Frage oder eine Aussage Ihres Gesprächspartners als - realen oder vermeintlichen - Angriff werten, werden Sie wahrscheinlich mit einem Abwehrmanöver reagieren. In der Regel wird ein solches Verhalten mit weiteren Abwehrmanövern beantwortet. Fazit: Eine defensive Gesprächsatmosphäre entsteht.

Um das zu vermeiden, sollten Sie lieber die Technik der "toten Katze" anwenden. Was sich hier recht abenteuerlich anhört, ist ganz einfach: Gehen Sie bewusst nicht auf eine negative Äußerung Ihres Gegenübers ein, sondern knüpfen Sie an eine positive Bemerkung an.

Das bedeutet nicht, dass Sie grundsätzlich unangenehme Fragen überhören sollen. Sie müssen situationsbedingt entscheiden, ob diese Technik sinnvoll ist. Oberstes Prinzip sollte dabei sein: Von einer optimalen Kommunikation haben alle Gesprächspartner einen Gewinn. Falls Sie auf einen Angriff mit einem Abwehrmanöver reagieren, wird es nur Verlierer und Schein-Sieger geben.

Beispiele für solche inszenierten Stresssituationen sind:

  • Ihr Gesprächspartner eröffnet Ihnen zu Beginn, dass er eigentlich gar keine Zeit für Sie hat.
  • Sie werden wiederholt mitten im Satz von Ihrem Gesprächspartner unterbrochen.
  • Ihr Gesprächspartner lässt mehrfache Störungen von außen zu. Sein Handy klingelt mehrmals oder die Sekretärin stürzt während des Gesprächs in den Raum, um Ihrem Chef etwas wichtiges mitzuteilen.
  • Die Universität, an der Sie Ihr Studium absolviert haben, bietet nach Meinung Ihres Gegenübers nur eine unterdurchschnittliche Ausbildung.
  • Ihr Gesprächspartner behauptet, Sie hätten sich bei der Bewerbung auf die ausgeschriebene Position wohl überschätzt.
  • Ihr Gesprächspartner hört Ihnen offensichtlich nicht zu, weil er ständig in irgendwelchen Unterlagen kramt.
  • Ihr Gesprächspartner hat Ihre Unterlagen offensichtlich nicht gelesen.

Abweichungen vom klassischen Gesprächsverlauf

Es gibt bestimmte Punkte, die klassischerweise in (fast) jedem Vorstellungsgespräch angesprochen werden. Und üblicherweise folgt auch der Ablauf eines solchen Gesprächs einem bestimmten Muster.

Doch darauf sollten Sie sich bei Ihrer Vorbereitung nicht hundertprozentig verlassen. Letztlich ist es dem Gusto Ihres Gegenübers überlassen, wie die einzelnen Vorstellungsschritte aussehen, wann er damit beginnt und wie viel Zeit diese in Anspruch nehmen.

Es gibt also durchaus Abweichungen vom klassischen Gesprächsverlauf, die Sie trotz intensiver Vorbereitung nicht planen können. Falls Sie mit einer solchen Abweichung konfrontiert werden, sollten Sie zwar überlegt, aber auch spontan darauf reagieren. Reaktionen wie "Darauf war ich aber jetzt nicht vorbereitet" bringen Ihnen garantiert keine Pluspunkte. Ein kleiner Tipp: Wenn Sie auf eine Frage nicht vorbereitet sind, können Sie dadurch einen Augenblick Zeit gewinnen, indem Sie einen Schluck trinken. Lehnen Sie also das angebotene Getränk nicht von vorne herein ab, auch wenn Sie nicht durstig sind. Abweichungen vom klassischen Verlauf, wie Sie ihn hier kennen gelernt haben, können völlig harmlos gemeint sein. Sie können aber auch dazu dienen, Ihre Reaktion zu prüfen und die Art Ihrer Antwort zu bewerten.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, gibt es zahlreiche denkbare Abweichungen vom klassischen Verlauf eines Vorstellungsgesprächs, die völlig unterschiedliche Ursachen haben können. Sie alle aufzuzählen, wäre zum einen wahrscheinlich ziemlich ermüdend und würde zum anderen den vorhandenen Rahmen sprengen. Hier einige Beispiele:

  • Ihr Interviewpartner ist dazu verdonnert worden, das Bewerbergespräch mit Ihnen zu führen. Er hat erkennbar keine Lust dazu. Die Lösung: Bekanntlich ist Kommunikation keine Einbahnstraße, sondern immer eine zweigleisige Angelegenheit. Signalisieren Sie ihm deshalb durch interessierte Fragen, dass Sie auf seine aktive Teilnahme am Gespräch Wert legen
  • Ihr Gesprächspartner ist Fachmann für die zu besetzende Stelle bzw. das entsprechende Themengebiet und dementsprechend verstrickt er Sie in eine Fachsimpelei, die sich fast über das gesamte Gespräch erstreckt. Statt Ihnen Gelegenheit zu Fragen zu geben, erklärt er seinen Wissensdurst plötzlich für gestillt und das Gespräch für beendet. Versuchen Sie das Gespräch wieder in Gang zu bringen. Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, der es plötzlich so eilig hat, dass Sie gerne noch einige Informationen von ihm hätten, um Ihr Bild von Unternehmen und Job abzurunden
  • Sie haben auf die Nachfrage, was Sie in Ihrer Freizeit tun, geantwortet, dass Sie häufig Kabarett-Vorstellungen besuchen - in der Annahme, Ihrem Gesprächspartner würde ein zeitkritischer Geist gut gefallen. Leider ist Ihr Gesprächspartner auf diesem Gebiet Kenner, Sie jedoch nicht. Das weitere Gespräch hat also nur noch ein Thema, in dem Sie nicht allzu bewandert sind und das auch wenig mit der zu besetzenden Stelle zu tun hat. Auch von einer solchen Situation sollten Sie sich nicht irritieren lassen. Stellen Sie fest, dass der Gesprächszug nur noch in eine Richtung fährt, versuchen Sie die Situation aufzubrechen. Weisen Sie höflich, aber bestimmt darauf hin, dass Sie gerne noch mehr zu dem ausgeschriebenen Arbeitsplatz, den Konditionen o.ä. wissen würden.

Katastrophen

Katastrophe ist ein ziemlich schwerwiegender Begriff, der eigentlich ein Unheil, ein Verhängnis oder einen Zusammenbruch beschreibt. Sicher ist diese Bezeichnung von Missgeschicken während eines Vorstellungsgesprächs etwas übertrieben. Denn auch wenn das Vorstellungsgespräch nicht den gewünschten Erfolg bringt, bedeutet das kein endgültiges Aus für Ihre berufliche Karriere.

Dennoch können auch schon geringfügige Patzer das Bild, das Ihr Gesprächspartner sich von Ihnen machen muss, beeinflussen. Doch nicht jedes Missgeschick wird direkt negativ bewertet. Ganz im Gegenteil: Je nachdem, was passiert, kann es zwischen Ihnen und Ihrem Gegenüber zu menscheln beginnen.

Ein Beispiel aus der Praxis soll belegen, was gemeint ist: Ein Bewerber spielte während seines Termins unablässig an seinem Kugelschreiber, einem vergleichsweise wertvollen Exemplar. Eigentlich war dieses ständige nervöse Herumnesteln eine mehr als störende Unart, die auch schon seinem Gesprächspartner aufgefallen war. Auf einmal, die Spielerei war wohl zu viel geworden, flog der Kugelschreiben in seinen Dutzenden von Einzelteilen zu Boden. Der Bewerber hatte einen Teil des Schreibgeräts gelöst und dabei die Kraft einer Sprungfeder unterschätzt.

Die Situation hatte ihren gewissen komischen Reiz. Denn selbstverständlich konnte der Interviewte nicht so tun, als sei nichts passiert. Er bat um Entschuldigung und gleich darauf mussten alle Beteiligten lachen. Das Ende vom Lied: Interviewer und Interviewter unterbrachen das Vorstellungsgespräch und sammelten statt dessen die Einzelteile des Kugelschreibers gemeinsam wieder auf.

Sicher gibt es auch weniger komische Patzer, die Ihr Gegenüber eher verärgern. Das gilt besonders für die großen Katastrophen. Wenn Sie Ihr Gegenüber in der Annahme, er habe sowieso nichts zu sagen, von oben herab behandeln oder gar nicht weiter beachten und es stellt sich heraus, dass Sie auf das "falsche Pferd" gesetzt haben. Oder Sie versehen einen Gesprächspartner mit einer Funktion innerhalb des Unternehmens, die er gar nicht bekleidet. Eine solche Verhaltensweise macht sich immer dann besonders negativ bemerkbar, wenn Sie Ihrem Gegenüber einen niedrigen Rang andichten. Nicht selten passiert es, dass eine anwesende Frau prinzipiell für die Sekretärin gehalten wird. Solche Patzer können Sie ganz leicht vermeiden, wenn Sie sich im Rahmen der Begrüßung nach der Funktion erkundigen oder einfach nur gut zuhören.

Versuchen Sie in Ihrem Gesprächsteil beschreibend, aber nicht bewertend zu sein. Moralische Urteile, die eine Sache oder Person als "gut" oder "böse" einstufen, bringen den Gesprächspartner dazu, dass er sich in acht nimmt oder den vermuteten Angriff abwehrt.

Negativ wirkt es sich ebenfalls aus, wenn Sie während des Gesprächs ständig die Namen Ihrer Interviewer verwechseln und auch auf eine zwischenzeitlich geäußerte Korrektur nicht reagieren.

Zu den kleineren Patzern zählen eine bekleckerte Krawatte oder eine Laufmasche in der Strumpfhose. Auch einen feuchten Händedruck wird man Ihnen schnell vergeben, wenn der Rest stimmt. Denn von all dem hängt in aller Regel nicht ab, wie gut Sie später vielleicht einmal Ihre Arbeitskraft in das Unternehmen einbringen können.

aus der wissen.de-Redaktion, Quelle: Hampp-Verlag
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