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Das Wort des Monats Juni 2003

Agenda 2010

Letzten Monat wurde diese Wortschöpfung noch auf der Zielgeraden vom “IWAN“ ein- und überholt. Aber die Hartnäckigkeit, mit der sich die “Agenda 2010“ in der Diskussion hält, hat uns letztendlich doch dazu bewegt, diese Bezeichnung zum Wort des Monats zu erheben, zumal sie auch von Ihnen wieder sehr häufig vorgeschlagen wurde. Erstaunlich ist, dass auch diesen Monat nicht nur die Inhalte umstritten waren, sondern weiterhin die Aussprache. Ursprünglich eingeführt wurde die Agenda mit dem Zusatz Zweitausendzehn, was in sofern sinnvoll erscheint, als die Maßnahmen nicht alle sofort umgesetzt werden sollen oder können. Das gesamte Programm ist eben auf die nächsten Jahre ausgelegt und soll bis ins Jahr 2010 umgesetzt sein. Doch schnell wurde daraus die Agenda zwanzig-zehn. Was sich hinter zwanzig-zehn verbirgt, bleibt unklar. Wird damit angedeutet, dass es demnächst vom Staat immer nur noch die Hälfte gibt, statt zwanzig zehn? Oder ist es die Laufnummer, die unsere Bundesregierung eben diesem Maßnahmenpaket zugewiesen hat, etwa die zehnte Version der Agenda 20? Oder verbirgt sich dahinter ein halbherziger Countdown, bevor sämtliche Punkte vom Bundesrat gebilligt wurden. Sozusagen ein Arbeitstitel, der in der entscheidenen Phase dann in “Agenda drei zwei eins“ gewandelt wird?
Unter den zahlreichen Vorschlägen für das Wort des Monats Juni fanden sich auch viele Zusendungen, die für die “Agenda 2010“ votierten. Aber da es eben immer nur einen Gewinner geben kann, haben wir uns ihre Erklärungen genauer angesehen und beschlossen: Es gibt zwei Gewinner.
Delfinfisch geht dabei auf die Unklarheit des Begriffs ein, die vielleicht auch auf die verschiedenen Aussprachevarianten zurückgeht?: Weil ich den Begriff so nichtssagend finde und denke, dass er als Ausdruck nichts mit dem Inhalt der eigentlich gemeinten Reform zu tun hat. Es suggeriert für mich Bedeutung für die Zukunft, obwohl die Reform ja jetzt umgesetzt werden soll. Die Unklarheit des Ausdrucks im Begriff von Agenda 2010 (für anstehende Reformen) erzeugt im Leser Verständnissschwierigkeiten. Es ist ein völlig verwaschenes "Unwort". Eher unserem Erklärungsversuch nahe, dass 2010 dafür steht, dass es demnächst nur noch die Hälfte gibt, ist die Erklärung von Pyton11: Von den Plänen der Politiker sind Millionen Menschen betroffen. Da wird uns etwas als Reform verkauft, was zur Folge hat, dass Millionen Menschen in die Sozialhilfe abrutschen, ohne dies selbst verschuldet zu haben. Die Deutschen werden bald ein Volk von Sozialhilfe-Empfängern sein. Wahrhaftig ein "Jahrhundertwerk". Leider im negativen Sinne. Deshalb meine Wahl.
Vielen Dank an die zahlreichen Teilnehmer an unserer Aktion “Wort des Monats“. Senden Sie uns auch im Juli wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte Email-Adresse: wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es auch im Juli einen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

Dietmar Hefendehl
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