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wissen.de Artikel

An den Ufern des Nils

Ägypten und der Sudan

Der größte Strom Afrikas, der Nil mit seinem fruchtbaren Schwemmland, stellt die Lebensader Sudans und Ägyptens dar. An den Ufern des Nil entstand eine der ersten Hochkulturen der Menschheit, von der heute noch u.a. die vor 5 000 Jahren entstandenen gewaltigen steinernen Pyramiden bei Gize ein eindrucksvolles Zeugnis ablegen.

Ägypten - Öl, Textilien, Tourismus

Feluccas auf dem Nil
In Ägypten nehmen das Flusstal und das 24 000 km² große Nildelta zum Mittelmeer etwa 5% der Landesfläche ein, sie sind aber die Heimat von 99% der etwa 78 Mio. Einwohner. Allerdings schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche inzwischen durch Übernutzung, Wüstenbildung und neue Siedlungen. Nördlich des Assuan-Staudamms, der 1971 vollendet wurde, versalzen zudem die Böden. Auch darüber hinaus hat das Bauwerk, das entstand, um die Bewässerung zu regulieren, Strom zu erzeugen und die Schiffbarkeit des Nils zu verbessern, das ökologische Gleichgewicht der Region erheblich durcheinander gebracht. Inzwischen muss ein Großteil der Nahrungsmittel importiert werden; dem stehen Exporte von Erdöl und der umfangreichen Textilindustrie gegenüber. Ägyptische Baumwolle ist ebenso begehrt wie die daraus z.T. im eigenen Land hergestellten Stoffe und Textilien.


Goldadern Suezkanal und Tourismus

Weitere wichtige Einnahmequelle sind die Gebühren, die von den Nutzern des Suezkanals erhoben werden. Die von den Franzosen im 19. Jh. erbaute künstliche Wasserstraße verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und verkürzt den Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien.

Schließlich lebt die ägyptische Wirtschaft zu einem bedeutenden Teil von den Einnahmen aus dem Tourismus. Die historischen Stätten, Nilkreuzfahrten und die Badeorte am Roten Meer locken Jahr um Jahr Millionen Gäste ins Land – 2004 waren es rd. 8 Mio. Menschen. Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Fremdenverkehr jedoch wiederholt durch Anschläge auf Touristenzentren stark beeinträchtigt worden. Drahtzieher der Attentate sind islamistische Gruppen, die die Anschläge z.T. gezielt an Orten durchführen, an denen besonders viele Israelis Urlaub machen. Der politische Arm dieser Gruppierungen ist die Muslim-Bruderschaft, die von der Regierung mit harter Hand unterdrückt wird.

 

Sudan - seit über 50 Jahren Bürgerkriege

Der Sudan rückte 2003 in den internationalen Blickpunkt, als Berichte über den Konflikt in der Provinz Darfur die Öffentlichkeit erreichten. Doch das Land, siebenmal so groß wie Deutschland und der größte Flächenstaat Afrikas, wird schon seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1956 durch Auseinandersetzungen verschiedener Volksgruppen und jahrzehntelange Bürgerkriege zerrissen. Etwa 450 verschiedene Völker leben hier und die Hauptkonfliktlinie verläuft – wie beispielsweise auch in Nigeria – zwischen der überwiegend islamisch-arabisch geprägten Bevölkerung in den nördlichen Landesteilen und den schwarzafrikanischen Völkern animistischen bzw. christlichen Glaubens im Süden.


Südsudan kämpft um Autonomie

Die britischen Kolonialherren hatten dieser Situation Rechnung getragen, indem sie zwei getrennte Verwaltungen einsetzten. Bei den Verhandlungen über die Unabhängigkeit des Landes blieb dies aber unberücksichtigt, so dass seit der Entstehung des Staates der Südsudan um seine Selbstständigkeit oder zumindest weitgehende Autonomierechte kämpft. Nachdem es 1972 nach 16-jährigem Bürgerkrieg, der etwa 500.000 Menschen das Leben kostete, zu einer Annäherung zwischen den Konfliktparteien gekommen war, brachen die Kämpfe Anfang der 1980er Jahre erneut aus. Ursachen waren u.a. ein groß angelegtes Projekt für die Wasserversorgung des Nordsudans durch den Süden und 1983 die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, für das ganze Land. Geschürt wurden die Auseinandersetzungen noch durch Erdölfunde im Südsudan, auf die beide Konfliktparteien Anspruch erhoben.


Zerbrechlicher Friede

Erst 2005 kam ein – nicht ganz stabiler – Frieden zustande. Der Südsudan erhielt weitgehende Autonomierechte und eine Beteiligung an den Öleinnahmen. Die Scharia wurde im Süden außer Kraft gesetzt. 2011 sollen die Einwohner (2006 waren es knapp 9 Mio.) darüber entscheiden, ob ihr Landesteil die völlige Unabhängigkeit erhält. Der Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen. Die Zahl der Todesopfer wird auf 2 Mio. geschätzt, 4 Mio. Menschen sind geflüchtet und kehren nun nach und nach zurück, Landwirtschaft und Infrastruktur sind weitgehend zerstört, die Sicherheitslage ist – wegen des ungeklärten Grenzverlaufs und Streitigkeiten südsudanesischer Gruppen untereinander – labil und es besteht eine Gefährdung durch Landminen.

aus dem n-tv Atlas 2008
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