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Einheit in der Vielfalt

Vielfältige Einheit

Der Hinduismus ist die im Westen gebildete Bezeichnung für die traditionellen religiösen und gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen der Inder. Primär ist der Hinduismus eine sozioreligiöse Bezeichnung des Lebens innerhalb der Kasten des indischen Kastensystems, das durch eine Vielzahl religiöser Traditionen geprägt ist.

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Hindus beten in einem Tempel
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Relief von Mahabalipuram, Indien
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Bad im Ganges bei Varanasi
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Der Hinduismus entstand aus der Verschmelzung der polytheistischen vedisch-brahmanischen Religion der arischen (indogermanischen) Einwanderer (zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.) mit den nichtarischen Religionen des Industals, des dravidischen Südindien u. a. und wurde durch die Glaubensformen von Neueinwanderern und Nachbarvölkern ständig beeinflusst und erweitert.


Hindus beten in einem Tempel

Hindus beten in einem Tempel

So wurzelt die indische Kultur in ihren wesentlichen Strängen in vorvedischen und vedischen Traditionen, d. h. sie enthält nichthinduistische und hinduistische Elemente. In sich selbst äußerst komplex, bildet besonders die vedische Kultur den Mutterboden, auf dem die Menschen des indischen Subkontinents seit dreieinhalb Jahrtausenden ihre religiösen, sozialen und rituellen Lebensformen ausgebildet haben und leben, wobei ihnen jedoch deren systematisierende Benennung – z. B. mit einem Begriff wie der Hinduismus – fremd ist. Die im Westen gebildete Bezeichnung beinhaltet auch eine westliche – nichtindische – Sicht auf die indischen Traditionen. Zusammengefasst als Hinduismus, erscheinen diese als eine religiöse Lebenspraxis, die durch eine Vielfalt von Göttern und ebenso von Riten zu ihrer Verehrung gekennzeichnet ist, jedoch keine fest fixierten und allgemein verbindlichen Lehraussagen kennt.

 

Der "Eine Wahre mit vielen Namen"

Relief von Mahabalipuram, Indien

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Der indische Blick dagegen ist ein anderer: Ein jeder, der sich als Hindu betrachtet, glaubt verbindlich an die unantastbare Autorität der Veden, die Lehre von Wiedergeburt und Karma und seine letztendliche Erlösung vom Leid. Grundlegend für hinduistisches Denken ist der durchaus monotheistische Grundgedanke von dem 'Einen Wahren mit vielen Namen' (Sanskrit: ekam sad, vipra vahudha vadanti). Dieses panindische Glaubensbekenntnis kann sich in vielfältigen religiösen Formen manifestieren. Die westliche cartesianische Zweiteilung von Geist und Natur dagegen ist hinduistischem Denken fremd; dieses misst Naturphänomenen eine tiefe psychologische Bedeutung bei und geht von einem Eingebettetsein der Menschen im großen Haushalt der kosmischen Natur aus. Diese Verbindung von kosmischer Natur und menschlichem Geist besitzt für den Hindu sakralen Charakter.

 

Im Unterschied zu anderen Hochreligionen kennt der Hinduismus keinen Stifter, ist keine durch ein historisch fixiertes Offenbarungsereignis begründete geschichtliche Religion (wie z. B. Judentum, Christentum und Islam) und hat nicht ein bestimmtes heiliges Buch als Grundlage seiner Glaubensaussagen. Die Hindus beschreiben ihre religiöse Tradition u. a. als "apauruseya", was bedeutet, dass diese keinen menschlichen Autor hat.

 

Die ewige Religion

Bad im Ganges bei Varanasi

Bad im Ganges bei Varanasi

Die indische Eigenbezeichnung für den Hinduismus ist die "ewige Religion" (Sanskrit: sanatana dharma), die seit jeher bestand und immer wieder in neuen Formen von Heiligen oder Sehern, die zum Teil als Avataras (göttliche Inkarnationen) gelten, verkündet wurde. Wenn schon nicht die Religion der Induskulturen als eine Vorstufe des Hinduismus angesetzt wird, wird dessen Beginn auf die Upanishaden-Zeit (etwa 800 v. Chr.) datiert; grenzt man die Religion dieser Periode als Vedismus (vedische Religion) oder Brahmanismus ein, so wird als Anfangszeit des Hinduismus in seiner heutigen Form die zweite Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. angegeben, weil er von da an durch Shankaras Philosophie des Advaita-Vedanta eine neue und maßgebliche Ausprägung erhielt.

 

Die Hindus werden nicht durch eine gemeinsame dogmatische Struktur geeint, sondern können von außen betrachtet als Polytheisten, Monotheisten, Panentheisten oder Atheisten erscheinen; in allen diesen verschiedenen Glaubensformen aber bildet sich das eine kosmische Sein (Brahma) ab. Auch Kultus und Lebensform (z. B. Vegetarismus) sind mitunter individuell verschieden. Gemeinsam ist den Hindus die Anerkennung des Veda und der Glaube an die Wiedergeburt. Zur gesellschaftlichen Struktur gehört traditionell die von Geburt her vorgegebene unveränderbare Zugehörigkeit zu einer Kaste und damit der kollektive beziehungsweise Stammescharakter des Hinduismus, der zumindest vor der weltweiten Verbreitung des Hinduismus individuelle Konversionen unmöglich machte.

 

 

aus der wissen.de Redaktion, Quelle: Brockhaus
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Eine Religion mit vielen Gesichtern