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Der “sechste Sinn“

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Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) stößt aus dem offenen Maul Ultraschall-Impulse aus, mit denen sie ihre Umgebung wie mit einem Echolot “abtastet”.
Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) stößt aus dem offenen Maul Ultraschall-Impulse aus, mit denen sie ihre Umgebung wie mit einem Echolot “abtastet”.
Il mondo degli animali - Mondadori, Mailand
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Manchmal erahnen wir, dass uns jemand anstarrt.
Manchmal erahnen wir, dass uns jemand anstarrt.
Digital Imagery copyright 2001 PhotoDisc, Inc.
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Hunde besitzen einen Sinn für Zeit.
Hunde besitzen einen Sinn für Zeit.
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Wir haben mehr als nur fünf Sinne. Doch was können wir damit spüren? Fremde Blicke im Nacken? Zukünftige Ereignisse? Oder gar Telepathisches?

Rätsel für die Wissenschaft

Jeder Mensch kennt das unangenehme Gefühl, von jemandem von hinten angestarrt zu werden. Wenn wir uns dann umdrehen, guckt tatsächlich irgendwer. Ist es der sechste Sinn, der uns den Blick im Nacken spüren lässt?

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) stößt aus dem offenen Maul Ultraschall-Impulse aus, mit denen sie ihre Umgebung wie mit einem Echolot “abtastet”.

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) stößt aus dem offenen Maul Ultraschall-Impulse aus, mit denen sie ihre Umgebung wie mit einem Echolot “abtastet”.

Tatsächlich gibt es mehr als die fünf bekannten Sinne (Sehsinn, Hörsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn und Tastsinn). Menschen haben auch ein Gefühl dafür, wie ihre Gliedmaßen gerade geknickt sind (propriozeptiver Sinn) und ob sie Schmerzen haben (nozizeptiver Sinn). Tiere verfügen über noch mehr Möglichkeiten, etwas wahrzunehmen: Tauben und Wale beispielsweise besitzen ein Gespür für das Magnetfeld der Erde. Fledermäuse setzen ihr Echolot-System ein, um ihre Umgebung zu scannen. Über ein Sinnessystem für elektrische Felder verfügen Aale und Haie.

Schon lange streiten sich Forscher darüber, ob auch Menschen elektro-magnetische Felder erfühlen können. Bislang konnte ein solcher Sinn aber nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise gelingt das in der Zukunft. Denn der fehlende Nachweis sagt nichts über die tatsächliche Existenz aus. So glaubte die Wissenschaft beispielsweise bis zur Mitte der 90er Jahre, dass Menschen kein Sinneszentrum für Sexuallockstoffe hätten. Dann wurde in der menschlichen Nase das Jacob'sche Organ entdeckt: Mit diesem können wir anhand von Körpergerüchen unbewusst genetisch passende Liebespartner erkennen.

Manchmal erahnen wir, dass uns jemand anstarrt.

Manchmal erahnen wir, dass uns jemand anstarrt.

Der englische Biologe Rupert Sheldrake versucht seit langem, einen Sinn nachzuweisen, der für fiese Blicke von hinten zuständig ist. So führte er mehrere Studien mit ingesamt 700 Schülern durch. Ein Teil der Klasse nahm auf dem Schulhof Aufstellung, mit dem Rücken zum Gebäude. Die anderen Schüler standen im Klassenzimmer an geschlossenen Fenstern. Sie sollten ihrem zuvor zugewiesenen Partner in den Nacken starren oder aber wegschauen. Die individuelle Reihenfolge des Guckens oder Abschweifens hatte Sheldrake zuvor nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Die Angestarrten auf dem Hof hatten nach jeweils zehn Sekunden zu entscheiden, ob sie einen Blick im Nacken gespürt hatten oder nicht.

Das Ergebnis von Sheldrakes Experimenten ist zunächst wenig verblüffend: 2544 korrekten Wahrnehmungen stehen 2254 trügerische Empfindungen gegenüber. Demnach halten sich richtige und falsche Antworten fast die Waage wie man es bei einer Raterei nach dem Zufallsprinzip erwarten würde. Doch eine genaue Daten-Analyse zeigte, dass im Falle des Von-Hinten-Angeblickt-Werdens 55,2% der Antworten richtig waren, also leicht mehr als es der Zufall erlaubt. Sollte es tatsächlich Menschen geben, die einen Sinn dafür entwickelt haben?

David F. Marks, Psychologe an der City University in London, wollte es nicht glauben und wiederholte Sheldrakes Experimente. Dabei konnte er keinen Starr-Sinn feststellen. Vielmehr fand er heraus, dass die Schulklassen-Studien alle an einem Fehler krankten: Sheldrake hatte nicht nach dem Zufallsprinzip starren lassen, sondern in Reihen von komplizierten mathematischen Mustern. Clevere Versuchspersonen hatten dies offensichtlich intuitiv vorhergesehen.

Verstand und Intuition oder auch nur Zufall

Vorhersehung? Hellsehen? Ist das denn möglich? Bevor man hier eine Antwort findet, muss man die Frage anders stellen. Die Zukunft wirklich vorher sehen kann niemand. Aber Wahrsagerei ist keine große Kunst. Meist reicht dafür schon der gesunde Menschenverstand oder die Intuition. Zu den leichtesten Aufgaben gehört es, den Aufgang der Sonne am nächsten Morgen vorherzusagen. Auch die Prophezeiung eines Krieges in einem Krisengebiet stellt kein großes Risiko dar. Ebenso simpel ist es, Ereignisse vorherzusehen, wenn diese nach bestimmten Mustern immer wieder kehren. Dies haben nicht nur Sheldrakes Schüler gekonnt. Darauf beruhen auch die Wetter-Regeln der Bauern.

Hunde besitzen einen Sinn für Zeit.

Hunde besitzen einen Sinn für Zeit.

Sogar Hunde können die Heimkehr des Frauchens im voraus ahnen: Kurz bevor ihre Besitzerin von der Arbeit nach Hause kommt, stehen sie bereits an der Wohnungstür und wackeln freudig mit dem Schwanz. Denn sie wissen: Jetzt ist die Zeit da, in der mein Leit-Tier wieder auftaucht. Nun können Hunde keine Uhrzeit lesen. Vielmehr besitzen sie einen Sinn für Zeit. Stephen M. Rao, Neurologe am Medical College of Wisconsin, Milwaukee (USA), konnte als erster diesen Sinn beim Menschen lokalisieren: Er sitzt im Gehirn, genauer: in den Basalganglien und im rechten Parietal-Lappen. Der Zeitsinn ist so fein, dass er sogar Unterschiede im Millisekunden-Bereich bemerken kann.

Und was ist mit telepathischen Kräften? Immerhin glauben einer Forsa-Umfrage zufolge etwa 40 Prozent aller Deutschen an übersinnliche Wahrnehmung. Um dieser auf die Schliche zu kommen, machte der Psychologe Joseph B. Rhine 1930 an der US-amerikanischen Duke University in North Carolina einige Experimente, die heute als Klassiker gelten und gerne in Fernseh-Serien gezeigt werden. Dabei hält der Experimentator überdimensional große Spielkarten in der Hand, die mit fünf verschiedenen Symbolen bedruckt sind: mit einem Quadrat, einem Kreis, einem Plus-Zeichen, einem fünfzackigen Stern und mit einem Triplett aus Wellenlinien. Die Karten werden gemischt und vom Versuchsleiter abgedeckt, sodass der Proband die Symbole nicht sehen kann. Als übersinnlich begabt gilt jemand, der beim Aufdecken der Karten die richtige Reihenfolge der Symbole überzufällig häufig vorhersagen kann.

Rhine stellte fest, dass manche Menschen in seltenen Fällen tatsächlich eine richtige Vorhersage von einigen Symbolen hinbekamen. Doch dies ist auch nach den Gesetzen des Zufalls möglich: Es gibt eben extrem seltene Ereignisse wie beispielsweise einen Sechser im Lotto oder eine langanhaltende Glückssträhne beim Roulette die aber nichts mit Telepathie zu tun haben müssen. Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten sollten jedoch sehr häufig fast alle Antworten korrekt geben können. Dies ist bislang aber noch nie der Fall gewesen. Einen Sinn für Telepathisches haben Menschen aller Wahrscheinlichkeit nach daher nicht.

Annette Bolz

Buch-Tipps

Online bestellen:

Geo Wissen Kt. Sinne und Wahrnehmung

Anita Martiny: Unser sechster Sinn Intuitive Fähigkeiten entdecken, trainieren und nutzen

Rupert Sheldrake: Der siebte Sinn der Tiere

Kontakt

Rupert Sheldrake
Artikel, Experimente und Biografie
http://www.sheldrake.org
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP)
Von einer Stiftung getragene Organisation mit Sitz in Freiburg
http://www.igpp.de/
Committe for the scientific Investigation of Claims of the Paranormal
US-amerikanische Non-Profit-Organisation
http://www.csicop.org/

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