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Die Elbphilharmonie: Hamburgs neues Wahrzeichen

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Glasfassade der Elbphilharmonie
Einzigartig ist die schillernde Glasfassade der Elbphilharmonie, die über dem Backsteinsockel aufragt.
Die Fassade

Einzigartig ist die schillernde Glasfassade der Elbphilharmonie mit ihren 1.100 Fensterelementen. Denn die bis zu fünf Meter großen Scheiben bestehen aus mehreren Lagen Spezialglas, das eigens in Bayern angefertigt wurde. Jedes der knapp fünf Zentimeter dicken Glaselement wiegt bis zu 1,2 Tonnen und hält Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h und sintflutartigen Regen aus – das wurde in einem Windkanal getestet.

Um die Fassade organisch zu gestalten und die fließenden Wellen der Dachkonstruktion der Innenräume aufzugreifen, sind zudem knapp 600 Scheiben auf jeweils unterschiedliche Weise gewölbt. Das Mehrfachglas wurde dafür auf 600 Grad erhitzt und auf den Millimeter exakt in Form gebogen. Damit sich das Gebäude durch Sonneneinstrahlung nicht zu sehr aufheizt, sind die Scheiben zudem mit einem Muster mit kleinen basaltgrauen und reflektierenden Punkten bedruckt, die das Sonnenlicht reflektieren.

Konzertsaal der Elbphilharmonie
"Weinberg" statt "Schuhkarton": Die 2.100 Sitzplätze sind terrassenförmig auf allen Seiten des Konzertpodiums angeordnet.
Der Konzertsaal

Das Herz der Elbphilharmonie ist der große Konzertsaal. Wie auf Weinbergterrassen sind dort 2.100 Plätze um eine mittig liegende Bühne angeordnet. Kein Zuhörer ist weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Schon jetzt schwärmen Musiker wie Testzuhörer von der grandiosen Akustik des Saals. "Wenn Gastdirigenten oder Solisten kommen, machen sie nach den ersten Tönen Augen wie das Kind vorm Weihnachtsbaum", beschreibt die stellvertretende Konzertmeisterin Marietta Kratz den Effekt.

Kein Wunder: Für den perfekten Klang war der berühmte japanische Akustiker Yasuhisa Toyota zuständig. Er prüfte während des Baus akribisch jedes Detail des Konzertsaals – bis hin zum Material und zur Konstruktion der Bestuhlung. Damit die Musik optimal von den Wänden und der Decke reflektiert wird, entwickelte der Akustiker eigens für die Elbphilharmonie die "Weiße Haut" – einer Verkleidung aus rund 10.000 individuell geformten Gipsfaserplatten. Die Platten sind aus Altpapier und Naturgips gefertigt und tragen ein millimetergenau eingefrästes 3D-Wellenmuster.

Weiße Haut im Konzertsaal der Elbphilharmonie
Rund 10.000 individuell geformte Gipsfaserplatten bilden die "Weiße Haut" des Konzertsaals.
Für so wenig Schall wie möglich sorgt dagegen ein nicht sichtbarer Teil der Saalkonstruktion: Damit die Musik aus dem Saal nicht in die benachbarten Wohnungen und das Hotel dringt, ist der ganze, 12.500 Tonnen schwere Saal vom Rest des Gebäudes isoliert. Seine äußere Schale ruht auf 362 Spezialfedern, die alle Schwingungen schlucken.

Klar ist: Die Elbphilharmonie bildet ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Musik und der einzigartigen Lage am Hafen. Auch wenn die Hamburger lange auf ihre neue Philharmonie warten mussten: Das Warten hat sich offenbar gelohnt. Schon jetzt sind alle Karten der Konzerte bis Juni 2017 ausverkauft und die Elbphilharmonie gilt als das touristische "Must-See" der Hansestadt.

Dachterasse der Elbphilharmonie
Die Dachterrasse in 75 Meter Höhe wird wohl nur für Konzertbesucher zugänglich sein.
NPO, 11.01.2017
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