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Die Erfindung des Teleskops

Vor 400 Jahren wurde Galileo zum "Vater der Astronomie"

Es gibt Erfindungen, bei denen man sich wundert, dass nicht schon viel früher jemand darauf gekommen ist. Eine davon ist das Teleskop.

Die überfällige Erfindung

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Porträt von Hans Lippershey aus "De vero telescopii inventore" (1655) J. van Meurs.
Das Wort Teleskop kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Ein Ding, mit dem man in die Ferne schauen kann“. Und eigentlich hätte jemand schon vor tausend Jahren auf die Idee kommen können, ein solches Fernrohr zu bauen, denn man braucht im Prinzip nur zwei Linsen dazu. Und die ersten Glaslinsen gab es schon vor tausend Jahren in China. Linsen stellte man her, um Menschen, die schlecht sahen, zu helfen.

Es gibt zwei Arten von Linsen: Die einen sind in der Mitte dicker als am Rand, und die anderen sind in der Mitte dünner. Die, die in der Mitte dicker sind, helfen Menschen, wenn sie in der Nähe nicht mehr gut sehen, und die man daher weitsichtig nennt. Diese Linsen – sie heißen Sammellinsen, da sie das Licht in ihrem Brennpunkt sammeln – sind zum Beispiel in Lesebrillen von älteren Menschen zu finden.

Menschen, die kurzsichtig sind, brauchen die Linsen, die in der Mitte dünner sind, und die Zerstreuungslinsen genannt werden. Da sie das Licht zerstreuen, können sie auch nicht als Brennglas oder Lupe verwendet werden.

Und jetzt kommt das Erstaunliche: Obwohl in Europa schon seit dem 13. Jahrhundert Brillen hergestellt wurden, bei denen die Linsen bekanntlich nebeneinander montiert sind, hat man erst um das Jahr 1600 in Holland angefangen, einmal auszuprobieren, was passiert, wenn man Linsen hintereinander stellt.

Und irgendwann muss es jemand in einer kleinen Brillenmacher-Werkstatt gemerkt haben: Wenn ich die Brille eines stark kurzsichtigen Menschen auf der Nase habe, und ich halte eine Linse aus einer Lesebrille am ausgestreckten Arm vor mich, dann erscheinen weit entfernte Gegenstände näher, als wenn ich sie ohne diese Kombination aus Zerstreuungslinse und Sammellinse betrachte.

Nun erfordert es noch ein wenig Geschicklichkeit, um die Sammellinse in einer Röhre aus Holz, Pappe oder steifem Leder in der richtigen Entfernung von der Zerstreuungslinse zu montieren. Und fertig ist die Fernröhre.

Dieses geschah vor ziemlich genau 400 Jahren, und diese nette Erfindung konnte man im Sommer 1608 auf der Messe in Frankfurt am Main kaufen. Hans Lippershey, ein aus Wesel stammender holländischer Brillenmacher, erhoffte sich von seiner Erfindung ein gutes Geschäft. Doch manchmal reicht es nicht, eine Erfindung zu machen, man muss mit dem Gerät auch etwas Aufsehen Erregendes tun.

Galileos Nacherfindung: Die Geburtsstunde der Astronomie

Und hier kommt Galileo Galilei ins Spiel. Im Jahre 1608 war er 44 Jahre alt, lebte in Venedig und war Professor in Padua. Er war einer der neugierigsten Menschen seiner Zeit, was damals nicht ungefährlich war, und beschäftigte sich mit der Erforschung der Naturgesetze. Auch an der Astronomie war er interessiert, hatte aber selbst noch nicht viele Beobachtungen gemacht. Diese waren vor der Erfindung des Teleskops für einen Mann wie Galileo auch nicht sehr spannend, denn es ging eigentlich nur darum, die Winkel zwischen Sternen und Planeten immer genauer zu vermessen. Doch dann hörte Galilei von der Erfindung des Hans Lippershey. Obwohl Galilei noch nie ein Fernrohr gesehen hatte, war ihm das Prinzip bald klar: Es musste die Kombination aus einer schwachen Sammellinse und einer starken Zerstreuungslinse sein.

In Venedigs berühmten Glasbläserwerkstätten war es nicht schwer, die nötigen Linsen zu beschaffen und so hatte Galileo im Jahr 1609 ein eigenes Teleskop gebaut. Es hatte eine 20fache Vergrößerung, was bedeutete, dass die Dinge 20-mal so nah erschienen als sie in Wirklichkeit waren. Im Gegensatz zu Lippershey wusste Galileo sofort, wozu man "seine" Erfindung – denn in Venedig hatte noch niemand von Lippershey gehört – benutzen konnte: Er zeigte dem Dogen von Venedig, dass mit seinem Gerät feindliche Schiffe schon ein bis zwei Stunden früher zu erkennen waren, als wenn man nur mit bloßem Auge den Horizont absucht. Der Doge war beeindruckt und verdoppelte Galileos Professorengehalt. Doch dann, im kühlen Dezember des Jahres 1609, nahm Galileo sein Fernrohr und richtete es an den Himmel. Dieser Moment ist die Geburtsstunde der modernen Astronomie!

Galileo war überwältigt. Vor seinen Augen taten sich buchstäblich neue Welten auf! – Mit einem Schlag wurde ihm klar, dass die Erde und der Mond, ja das ganze Sonnensystem nur ein kleiner Teil des Universums sein konnte, und dass Nikolaus Kopernikus mit seiner Behauptung Recht haben musste, dass nämlich die Erde und die anderen Planeten gemeinsam um die Sonne kreisen, und dass die Erde nicht im Mittelpunkt der Welt stehen kann.

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von Dr. Dirk Soltau, Astrophysiker am Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg
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