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Die Eroberung der Landschaft

Über den Bau der Semmeringbahn

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Darstellung des Kalte Rinne-Viadukts zwischen 1890 und 1905

Die Spuren der Bauarbeiten in der Landschaft sind auf dieser Darstellung, die das Kalte Rinne-Viadukt über 40 Jahre nach der Fertigstellung darstellt, noch deutlich zu erkennen.

Mühsam kämpft sich die „Bavaria“ im Morgengrauen den Berg hinauf. Kurz nach Payerbach überquert sie das Tal und erreicht die erste Steilstrecke. Einen Meter Höhe auf 40 Meter Länge muss sie hier bewältigen – eine Leistung, die noch vor kurzem kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Was am Fuße des Semmerings im August des Jahres 1851 stattfand, sollte die Geschichte der Dampflokomotive nachhaltig verändern. Vier Loks traten bei einem Lokomotiv-Wettbewerb gegeneinander an: die „Vindobona“ und die „Wiener-Neustadt“ aus Österreich, die „Bavaria“ aus Bayern und die „Seraing“ aus Belgien. Und sie sollten genug Kraft aufbringen, um Personenzüge über die höchste und steilste Gebirgs-Eisenbahnstrecke der Welt zu ziehen.

 

Dass diese Bahnstrecke – der Lückenschluss der Verbindung von Wien nach Triest – statt durch Westungarn über den Semmeringpass und die Obersteiermark geführt wurde, galt damals wie heute als kühnste technische Leistung dieser Zeit. Für die Trassierung und Planung wurde Carl Ghega verpflichtet, ein Ingenieur aus Venedig, der bereits mit siebzehn Jahren seinen Doktor in Mathematik gemacht hatte und schon in den 1830ern bei Bahn- und Straßenbauten Erfahrungen sammeln konnte. Ghega war kein Mann des Konventionellen, sondern suchte bei all den ihm gestellten Aufgaben nach dem Neuen. Er reiste gemeinsam mit dem Architekten Moritz Löhr nach England und in die USA, um die dort übliche Trassierung von Bergstrecken zu studieren. Zu dieser Zeit überwand man Gebirgsstöcke in Europa noch mittels Seilebenen – einem System, dem heute noch am ehesten die Standseilbahnen entsprechen. Auch für den Semmering projektierte Ghega unter anderem eine Seilrampe mit 36 ‰, seine favorisierte Variante für die Nordstrecke war jedoch eine Trasse mit bislang nie da gewesenen Steigungen und engsten Kurvenradien. Der auf 984 Metern Seehöhe liegende Semmeringpass sollte mit einem 1,4 km langen Scheiteltunnel unterfahren werden.

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von Valentin E. Wille, Wien
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