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Die Geschichte der Dakar

In der Wüste verirrt

Bei der Rallye Abidjan-Nizza im Jahr 1977 verirrt sich Thierry Sabine mit seinem Motorrad in der libyschen Wüste. Er wird in letzter Minute gefunden und kehrt nach Frankreich zurück, aber die Wüste hat ihn definitiv in den Bann gezogen. Sein Erlebnis bringt ihn auf eine verrückte Idee: Er will eine „Wettfahrt durch das Sandmeer“ organisieren. Die Wüste, die ihn fast das Leben gekostet hätte, lässt ihn nicht mehr los, und so beschließt er, die von ihr ausgehende Faszination möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Das ist die Geburt der Paris-Dakar, eines Abenteuers, von dem „die Daheimgebliebenen träumen sollen“.

Ihm schwebt eine Strecke vor, die in Europa startet, durch die geheimnisvollen Wüsten führt und in Dakar endet. Der Plan nimmt schnell konkrete Formen an. Die Paris-Dakar ist ein Tor zu einer unbekannten Welt, in der Thierry Sabine zum Pionier wird. Sein Credo lautet: „Eine Herausforderung für die, die dabei sind. Ein Traum für die, die daheim bleiben.“ Denn Afrika mit seinen unzähligen Gesichtern ist immer noch der Kontinent, der am meisten zum Träumen verführt.

Die ersten Jahre

Am 1. Januar 1979 wird Thierry Sabines Traum Wirklichkeit: Am Pariser Trocadéro wird die erste Paris-Dakar gestartet. 170 Teilnehmer machen sich auf den Weg in ein 10 000 Kilometer langes Abenteuer über die Pisten Algeriens, des Niger, Malis, Obervoltas und des Senegal. Noch ohne organisierte Versorgung zehren Hunger und Erschöpfung an der Karawane. Zwischen Arlit und Agadés verirrt sich ein gutes Viertel der Teilnehmer im Aïr-Gebirge. In Bamako hat die Hälfte bereits aufgegeben. So begründet die Dakar ihren legendären Ruf und entdeckt ihre ersten Helden.

Schon bei dieser ersten Ausgabe stehen sportliche Leistung, Selbsterkenntnis und Überwindung der eigenen Grenzen im Vordergrund. Das Rennen, das in den 80-er Jahren am meisten Medienbeachtung finden wird, nimmt seinen Lauf.

Die Dakar hat von Anfang an großen Erfolg und löst sowohl bei den Teilnehmern wie bei den Automobilherstellern echte Begeisterung aus. Bereits im zweiten Jahr sind Werksteams dabei: Yamaha, Volkswagen, Lada und BMW.

1981 dann zieht die Rallye nicht nur die Menge, sondern auch Stars und Sternchen an. Allein die Verschiffung nach Afrika ist schon ein Spektakel, das keiner verpassen will! Das Abenteuer wird zur Leidenschaft, man reißt sich um die Teilnahme, und sämtliche Fahrzeugtypen, vom 4x4 über den Buggy bis zum Seitenwagengespann, stehen nun am Start, einschließlich so unerwarteter Autos wie dem Rolls-Royce von Thierry de Montcorgé oder dem Citroën CX von Jacky Ickx und Claude Brasseur. „Die Menschen vereinen“, lautet der Wunsch von Thierry Sabine.

1982 ist die Rallye ein Kult-Ereignis geworden und ihr Ruf geht über die französischen Grenzen hinaus. Viele Teilnehmer verirren sich, so Mark Thatcher und Charlotte Verney, die drei Tage lang verschwunden sind, bevor man sie in einem entlegenen südalgerischen Dorf findet. Auch Serge Bacou muss drei Tage und drei Nächte allein, ohne Notsender, ohne Wasser und ohne Nahrung auskommen. So schreibt die Dakar ihre Geschichte. Im folgenden Jahr hätte die Dakar aufgrund der Thatcher-Affäre beinahe nicht stattgefunden. Thierry Sabine erhält die nötigen Genehmigungen erst am Abend vor dem Start. In diesem Jahr führt die Rallye noch höher und noch weiter, und sie ist noch intensiver. Sie durchquert das Tassili-Gebirge, erlebt die Ténéré-Wüste in einem denkwürdigen Sandsturm und dringt auf einer 2500 km langen Marathonetappe bis Khorogo in der Elfenbeinküste tief in den schwarzafrikanischen Kontinent vor.

Der Aufschwung der Dakar hält an. Immer mehr Nennungen gehen ein. Millionen Zuschauer säumen die Straßen, um die „modernen Abenteurer“ anzufeuern. Immer mehr Stars sind dabei, um die sich die Presse reißt. Aber auch die Fahrzeughersteller machen mit, so wie Porsche, Lada, Mitsubishi, Toyota, Range Rover, Opel, Audi usw. Sportlich gesehen liegen die Höhepunkte im Jahr 1985 in der Etappe Néma-Tichit und der engen Néma-Anhöhe, wo unzählige Konkurrenten ihre Fahrzeuge einsanden und stundenlange Höllenqualen erleiden! Bei den Motorrädern heimst BMW nach 1981, 1983 und 1984 bereits seinen vierten Sieg ein.

Die schwierigen Jahre

Im folgenden Jahr dann ereignet sich eine Tragödie: Am 14. Januar 1986 kommen Thierry Sabine und vier seiner Gefährten bei einem schrecklichen Hubschrauberabsturz ums Leben. Die Dakar hat ihren Anführer verloren, doch die trauernde Karawane beschließt, bis ins Ziel weiterzufahren.

1987 übernimmt der Vater von Thierry, Gilbert Sabine, das Ruder. Zum ersten Mal steht Peugeot in dieser Disziplin am Start. Aber bereits 1988 gerät die Dakar mit neuen Unfällen und dem Diebstahl von Vatanens Auto in Bamako erneut ins Kreuzfeuer. Am Ende steht sie kurz vor dem Aus: Zu viele Dramen, zu viel Polemik haben sie in Verruf gebracht.

1989 verlegt die Dakar ihren Start nach Barcelona und führt erstmals durch Libyen. Im selben Jahr lässt Jean Todt (der Teammanager von Peugeot) in Gao eine Münze über den Sieg zwischen Vatanen und Ickx entscheiden! Nach vier Teilnahmen und vier Siegen überlässt Peugeot 1991 Citroën das Feld.

Für 1992 hat sich die Dakar ein neues Ziel gesucht. Nach dem Start in Paris nimmt sie statt auf die senegalesische Hauptstadt Kurs auf Südafrika via Libyen, den Niger, den Tschad, die zentralafrikanische Republik, Kamerun, Gabun, den Kongo, Angola und Namibia. Eine schöne und zugleich dramatische Rallye: Die Organisation stolpert etliche Male, muss improvisieren, hält aber letztlich durch: Nach 13 000 km Wüste und Savanne passiert Mitsubishi in Kapstadt die Ziellinie als Sieger und beendet damit die Vorherrschaft von Citroën.

Im darauf folgenden Jahr bleiben die Teilnehmer aus. Am 1. Januar stehen nur 166 Rallyezeuge am Start. Die Privatfahrer bleiben aus und nur die Werksteams scheinen noch interessiert. Das Rennen ist hart und schwierig. Die Etappe Beni Outif - El Goléa mag als Beispiel dafür gelten: Nur 19 (von 65 gestarteten) Autos beenden die Etappe innerhalb der vorgegebenen Höchstzeit.

Nach und nach erholt sich die Rallye und die Zahl der Anmeldungen steigt wieder an. Gilbert Sabine und sein Team ziehen sich zurück. „Fenouil“ übernimmt das Heft. Der neue Chef der Dakar beschließt, Paris-Dakar-Paris aufs Programm zu setzen. Die Idee ist verlockend, aber das Rennen deswegen nicht weniger diffizil. Die Autos bleiben in den Dünen zwischen Atar und Nouadhibou stecken, wo es einen 70 km langen Erg zu bewältigen gilt. Mitsubishi kämpft sich durch, Citroën beschließt, die Klippe zu umfahren. Die Sonderprüfung wird annulliert, aber die Mitsubishi-Fahrer, die nicht mehr umkehren können, sind gezwungen, die Dünenketten zu überqueren. Nach 36 Stunden sind sie im Ziel. Ausgelaugt und völlig übermüdet treten sie zur nächsten Etappe nicht mehr an.

Die Dakar heute

Fenouil organisiert die Dakar nur dieses eine Mal. Bereits 1995 wird Hubert Auriol mit der Leitung der Dakar betraut. Um sie wieder zu dem zu machen, was sie ursprünglich war, nämlich eine Rallye vor allem für Amateure, lässt Hubert Auriol das Reglement überarbeiten.

Werksautos werden aus dem Rennen ausgeschlossen, um die Kluft zwischen Profis und Amateuren zu verringern. Vor allem den Motorradfahrer bieten die Veranstalter etliche neue Serviceleistungen. Die Dakar hat wieder Rückenwind und die Zahl der Teilnehmer steigt von Jahr zu Jahr.

1997 wird die Rallye zum ersten Mal in der Hauptstadt des Senegal gestartet, sie kehrt auch wieder in den Niger und die mythische Ténéré-Wüste zurück und endet nach einer großen Schleife in Dakar.

1988 feiert die Dakar ihr 20-jähriges Jubiläum. Nach einer Phase, in der sie mit vielen Unsicherheiten und Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, kehrt sie wieder an ihre Wurzeln zurück: Das Unvorhergesehene, die legendären Wüstenetappen stehen wieder im Mittelpunkt. Und zum ersten Mal gewinnt mit Jutta Kleinschmidt eine Frau eine Etappe! Die Teilnehmerzahlen steigen ständig weiter. Die Motorradwerke kommen zurück, so wie BMW im Jahr 1999.

Anlässlich der Jahrtausendwende wird für die Dakar eine traumhafte Strecke erarbeitet: die Durchquerung Afrikas von West nach Ost, von Dakar nach Kairo. 400 Nennungen sind der Beweis für die Begeisterung, die dieser Parcours weckt. Aber das Rennen wird von der Bedrohung durch Terroristen überschattet, so dass die um die Sicherheit aller Teilnehmer besorgten Veranstalter beschließen, ein Teilstück der Strecke mit einer Luftbrücke zu umgehen. Das Rennen wird in Libyen wieder aufgenommen und endet ohne weitere Zwischenfälle in Kairo.

Die Dakar, Ausgabe 2001, besinnt sich erneut ihrer ursprünglichen Werte und verleiht diesen durch zahlreiche Änderungen Ausdruck. So wird beschlossen, den Transport der Servicemechaniker per Flugzeug einzuschränken und die Zahl der Marathon-Etappen anzuheben: Das Rennen soll ausschließlich auf der Strecke entschieden werden. Zum ersten Mal trägt sich mit Jutta Kleinschmidt eine Frau in die Siegerliste der legendären Rallye ein!

Dakar 2002 startet von Arras über Madrid nach Dakar. Auch für am Rennsport weniger interessierte dürfte Johnny Hallyday ein bekannter Teilnehmer sein. Nach Aussage des Sängers erfüllte sich für ihn damit ein Kindheitstraum.

25 Jahre nach der ersten Auflage und nach zahlreichen Änderungen zählt die Dakar heute zu den bedeutendsten großen Sportereignissen. Sie ist ein menschliches und sportliches Abenteuer, ein Erlebnis für Wagemutige. Sie ist ein Abenteuer, das allen offen steht, das Begegnungen, persönliche Erlebnisse, aber auch knochenharte Schinderei mit sich bringt. Vor allem aber ist sie ein Langstreckenrennen, bei dem Geschick, Cleverness und Mut gefragt sind, und bei dem bereits das „Durchkommen“ einen Sieg an sich bedeutet.

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