Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung

Der sogenannte Erdgipfel war ein Ereignis der Superlative. Immerhin
17.000 Teilnehmer, darunter Regierungsvertreter von 178 Staaten kamen 1992
zusammen, um über die Erhaltung der Lebensgrundlagen auf der Erde zu
diskutieren und Lösungen für drängende globale Probleme wie
Umweltzerstörung, Hunger, Armut und Krieg zu finden.
Geschaffen wurden
auf der Konferenz in Rio de Janeiro die Vorraussetzungen für weitreichende
und langfristig umzusetzende Konzepte in der Umwelt- und Entwicklungspolitik.
Konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung werden in einem
800 Seiten starken Dokument, der Agenda 21, genannt.
Die Vorläufer von Rio
Der 5. Juni ist noch heute der internationale Tag der Umwelt und nur wenige werden sich daran erinnern, dass er zurückgeht auf die UNO-Weltkonferenz über die menschliche Umwelt, kurz Umweltschutzkonferenz, von 1972. Diese in Stockholm abgehaltene Konferenz war die erste UNO-Weltkonferenz mit dem Thema Umwelt und wird somit als Beginn einer globalen Umweltpolitik angesehen.

Überhaupt begannen sich in den 70er Jahren erste Zweifel an der ungebrochenen Wachstumslogik der Industriestaaten zu regen. Ein geradezu traumatisches Ereignis war in diesem Zusammenhang die "Ölkrise" von 1973, als die Öförderländer ihre Muskeln spielen ließen, die Preise drastisch erhöhten und deutlich machten, dass der westliche Lebensstil am seidenen Faden hing. Die "neue Nachdenklichkeit" fand ihren Ausdruck in dem Bestseller "Die Grenzen des Wachstums", eine Studie, in der der amerikanische Zukunftsforscher Dennis Meadows 1972 eine düstere Prognose für die Entwicklung der Erde im 21. Jahrhundert stellte.
Im Vergleich zu Rio 1992 war das öffentliche Interesse an umweltpolitischen Diskussionen zu dieser Zeit zwar trotzdem eher gering, aber die Regierungen rangen sich doch zu ersten Empfehlungen für die Umwelt- und Entwicklungspolitik durch. Die Weltgemeinschaft betont in der Stockholm-Deklaration die Bedeutung einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Geschaffen wurden daraufhin die internationalen Organisationen „Earthwatch“, die bis heute Daten über Umwelt und Entwicklung sammelt, und UNEP , das UN-Umweltprogramm.
Es folgten auf die Konferenz zahlreiche weitere Konferenzen und Abkommen, die alle die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde zum Ziel hatten, im Einzelnen:
- 1973 Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
- 1974 Übereinkommen von Paris zur Verhütung der Meeresverschmutzung des Nordost-Atlantiks (OSPARCOM).
- 1974 Helsinki-Konvention zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes.
- 1979 Weltklimakonferenz, in Genf.
- 1982 Weltcharta für die Natur .
- 1985 Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht.
- 1987 Internationale Konferenz zum Schutz der Ozonschicht, Montreal.
- 1989 Europäische Charta Umwelt und Gesundheit.
Nachhaltige Entwicklung als Zukunftsgarant

Im Zentrum der Debatte stand 1992 der Begriff der nachhaltigen Entwicklung, das „sustainable development“, das als zentrales Leitbild der weltweiten Umwelt- und Entwicklungspolitik vorangestellt wurde.
Unter diesem Motto wurden Umweltprobleme und soziale Fragestellungen diskutiert, um dauerhafte und weltweite Lösungen zu finden.
Die Entwicklungsländer betonten während der Konferenz ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig war abzusehen, dass dies nur mit einer steigenden weltweiten Umweltbelastung durch den erhöhten Energieverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden sein konnte.
Diese Konsequenz zeigt besonders deutlich, dass die Industrienationen die Hauptverantwortlichen bei der Umsetzung der beschlossenen Konzepte sein müssten
Die verabschiedeten Dokumente

Im Rahmen der Konferenz wurden fünf Dokumente für die wichtigsten Aktionsfelder der nächsten Jahre verabschiedet:
- Die Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung.
- Die Klimaschutz-Konvention.
- Die Artenschutz-Konvention.
- Die Walddeklaration.
- Die Agenda 21.
Trotz dieser wegweisenden Neuerungen im globalen Denken, waren die verabschiedeten Dokumente für viele Nichtregierungsoranisationen zu weit von den ursprünglichen Forderungen abgewichen. Die Verabschiedung der „Agenda 21“stellte jedoch den ersten konkreten Schritt für eine nachhaltige Entwicklung dar. "21" steht dabei für den Weg ins 21. Jahrhundert, der Dank einer Vielzahl an Konventionen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt, zum Klima und durch die Deklaration zum Schutz der Wälder, geebnet werden sollte. Die Themen wurden in den letzten 10 Jahren um weitere sogenannten Rio-Themen erweitert, die auf Fragestellungen zur Globalisierung und Entwicklungsfinanzierung eingehen. Deshalb ist heute in diesem Zusammenhang meist von den "Rio + 10 Themen" die Rede.
Aufgaben für die Industrienationen

Nach lang andauernden Diskussionen, die nicht zuletzt Dank der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu einem Ergebnis kamen, unterzeichneten die meisten teilnehmenden Staaten die Dokumente. Die Industrieländer sagten darin u.a. zu, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2000 auf den Stand von 1990 zu senken. Deutlich wurde jedoch gerade am Verhalten der USA auch, dass die eigenen Interessen nach wie vor im Vordergrund bei der Umsetzung stehen werden. So machte der damalige US-Präsident George Bush klar, dass der „American way of life“ nicht zur Disposition stehe - ein nicht eben umweltschonender Lebensstil, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen in den USA 16-mal so hoch liegt wie in Indien..
Gleichzeitig mussten die Industrienationen damit rechnen, durch die Umsetzung der Nachhaltigkeitspläne eine enormes finanzielles Engagement zu erbringen. Die UNCED berechnete für die Umsetzung der Agenda 21 Kosten in Höhe von etwa 625 Milliarden Dollar. Der Großteil dieser Summe wurde jedoch nicht erbracht und so sehen viele Kritiker die Pläne von Rio heute als gescheitert an.









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