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Die Kreuzzüge

Ursachen

Theologisch begründet wurden die Kreuzzüge mit dem Gebot zur Pilgerfahrt und mit der mittelalterlichen Auslegung des Kirchenlehrers Augustinus (354-430), der von der Notwendigkeit des „gerechten Krieges" gegen die Heiden gesprochen hatte. Daneben standen wirtschaftliche und politische Interessen.

Die Kreuzzugsbewegung war also mehr als der Versuch, die heiligen Stätten der Christenheit aus den Händen der „Ungläubigen" zu reißen. Ökonomische und soziale Probleme kamen hinzu. Die Bevölkerung wuchs ständig, es gab Hungersnöte, viele einfache Leute entflohen der täglichen Not durch den Zug nach Palästina.

Die Kirche übernahm die Führung der die ganze christliche Welt erfassenden Bewegung.

Verlauf

Auslöser des ersten Kreuzzuges war ein Hilferuf aus Byzanz, das, 1095 von den Seldschuken bedroht, um den Beistand der westlichen Christenheit bat. Papst Urban II. rief darum im November 1095 auf der Synode von Clermont zum Kreuzzug auf.

Den ersten Kreuzzug ins Heilige Land führten französische Lehnsfürsten und süditalienische Normanen. 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem. Mehr als 70 000 Muslime und Juden wurden getötet. Unterwegs entstanden sogenannte Kreuzfahrerstaaten: Balduin I. gründete 1098 am Euphrat die Grafschaft Edessa., Raimund von Toulouse gründete an der syrischen Küste die Grafschaft Tripolis.

Die Streitigkeiten dieser Staaten untereinander ermöglichten islamischen Herrschern 1144/45 die Rückeroberung von Edessa, was wiederum den Anlass für den zweiten Kreuzzug (1147-1149) bot. Daran beteiligten sich der Staufer Konrad III., Ludwig VII. von Frankreich und Roger II. von Sizilien. Der Zug scheiterte vor Damaskus.

Als 1187 Jerusalem durch Sultan Saladin (1171 - 1183) eingenommen wurde, proklamierten König Philipp II. August von Frankreich, König Heinrich II. von England und sein Sohn Richard Löwenherz im Januar 1189 den dritten Kreuzzug. Kaiser Friedrich I. Barbarossa ertrank 1190 auf dem Weg durch Anatolien. Die beiden anderen Könige gerieten in Streit, weshalb der Kreuzzug 1191/92 mit der Eroberung von Akko durch Richard Löwenherz endete. Er schloss mit Saladin einen Vertrag, der die freie Pilgerfahrt nach Jerusalem garantierte.

Seit 1203 mischten die Kreuzfahrer sich in die Innenpolitik des durch Machtkämpfe und Kriege geschwächten byzantinischen Kaiserreiches ein. Der vierte Kreuzzug (1202-1204) richtete sich daher gegen Konstantinopel, das am 13. 4. 1204 erobert wurde. Hintergrund war vor allem der Reichtum der Stadt, der zum größten Teil den Venezianern in die Hände fiel. Sie hatten die Schiffe für die Kreuzfahrer gestellt.

Der 5. Kreuzzug unternahm Kaiser Friedrich II. (1227 - 1229), nachdem Papst Gregor IX. ihn gebannt hatte. 1229 krönte er sich in Jerusalem selbst zum König, um damit seine Unabhängigkeit vom Papstum zu dokumentieren. Friedrich verhandelte mit den Arabern und erreichte die Freigabe der christlichen Pilgerstätten. Jerusalem ging jedoch bereits 1244 wieder verloren.

Der französische König Ludwig IX. begann den sechsten Kreuzzug (1250/51). Er eroberte zwar das ägyptische Damiete, wurde aber mitsamt seinem Heer gefangengenommen und erst gegen Lösegeld wieder freigelassen. Bei seinem zweiten Versuch 1270, den siebten und letzten Kreuzzug des Mittelalters, zog Ludwig gegen Tunis, wo er starb.

Die Geschichte der Kreuzzüge endete mit der Einnahme von Akko durch die Muslime im Jahr 1291.

Bibliografie

Die Chronik der Kreuzzüge. Gütersloh/München 2005

Die große Chronik der Weltgeschichte. Bd. 8: Orient und Okzident im Aufbruch. Gütersloh/München 2008

Die große Chronik der Weltgeschichte. Bd. 9: Blüte und Herbst des Mittelalters. Gütersloh/München 2008

 

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