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Die Perspektiven deutscher Bildungspolitik

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Die Ausbildungs- und Berufschancen (Foto: Schüler im Berufsinformationszentrum) von Jugendlichen sollen weiter verbessert werden.
Die Ausbildungs- und Berufschancen (Foto: Schüler im Berufsinformationszentrum) von Jugendlichen sollen weiter verbessert werden.
dpa
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“Dringender Handlungsbedarf”: Die Präsidentin der KMK, Dagmar Schipanski, mit einer Nachbildung des Turms von Pisa, der an die PISA-Studie erinnern soll.
“Dringender Handlungsbedarf”: Die Präsidentin der KMK, Dagmar Schipanski, mit einer Nachbildung des Turms von Pisa, der an die PISA-Studie erinnern soll.
dpa
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Bereits i-Dötzchen sind von den Bildungsmängeln und Lerndefiziten betroffen.
Bereits i-Dötzchen sind von den Bildungsmängeln und Lerndefiziten betroffen.
dpa
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“Auf Dauer schlauer”: Zahlreiche Parteien – wie hier die bayerische SPD – fordern eine Ausweitung des Ganztagesangebots von Schulen in der Bundesrepublik Deutschland.
“Auf Dauer schlauer”: Zahlreiche Parteien – wie hier die bayerische SPD – fordern eine Ausweitung des Ganztagesangebots von Schulen in der Bundesrepublik Deutschland.
dpa
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Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) setzt sich für das Projekt “Schloss Hansenberg” ein.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) setzt sich für das Projekt “Schloss Hansenberg” ein.
dpa

Die Leistungen des deutschen Bildungswesens sind, wie die Ergebnisse der PISA-Studie mit aller nur wünschenswerter Klarheit zeigen, mehr als deprimierend. Schönreden hilft nicht, der Handlungsdruck steigt spürbar. Anlass genug, einen Blick auf dringend notwendige Reformen zu werfen. Wie sehen die Erfolgsrezepte anderer Länder aus? Müssen wir uns von altem Ballast trennen und den Blick auf neue Lernmodelle und Schlüsselqualifikationen richten? Welche Konsequenzen ergeben sich für das deutsche Bildungssystem?

Bittere Bildungs-Bilanz

Die Ausbildungs- und Berufschancen (Foto: Schüler im Berufsinformationszentrum) von Jugendlichen sollen weiter verbessert werden.

Die Ausbildungs- und Berufschancen (Foto: Schüler im Berufsinformationszentrum) von Jugendlichen sollen weiter verbessert werden.

In Deutschland herrscht derzeit akuter Mangel an qualifizierten Hochschulabsolventen. Zugleich nehmen die Klagen der Wirtschaft über die wachsende “Berufsuntauglichkeit junger Menschen zu. Nach Angaben ihres ehemaligen Präsidenten Bernhard Jagoda wendet die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg jährlich rund dreieinhalb Milliarden Euro auf, um die Berufschancen von Schulabgängern durch Fortbildungsangebote zu verbessern. Und es gibt immer mehr Jugendliche, die in dem herkömmlichen Schulsystem scheitern.

Professor Dr. Ludwig Freisel, Leiter des Studienseminars Leer, spricht von einer “Benachteiligung der Benachteiligten. Denn auch das hat PISA gezeigt: Ausgerechnet bei der Förderung sozial benachteiligter Kinder versagt der Sozialstaat Deutschland katastrophal. Aller viel beschworenen “Chancengleichheit zum Trotz, sind die deutschen Schulen in sozialer Auslese internationale Spitzenreiter. “In keinem anderen Land, so die Autoren der PISA-Studie, “schlagen ungünstige Bildungsvoraussetzungen auf Grund der sozialen Herkunft so stark durch wie hier zu Lande. Anders als in Kanada, Finnland, Japan, Korea und Schweden schaffe es das deutsche Schulsystem nicht, herkunftsbedingte Bildungs- und Lern-Nachteile auszugleichen. Besonders betroffen: die Kinder von Migranten.

Ist der hohe Ausländeranteil für das schlechte Abschneiden verantwortlich zu machen, wie der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber suggeriert, wenn er die Ergebnisse der PISA-Studie als ein weiteres Signal in Richtung Begrenzung der Einwanderung interpretiert? Der PISA-Koordinator Andreas Schleicher ist anderer Ansicht. Nicht der prozentuale Ausländeranteil, sondern eine schlechte Integrationspolitik sei das Problem. Die empirischen Daten geben ihm Recht. Andere Industriestaaten haben eine vergleichbare hohe Quote von Ausländerkindern. Nur unterscheiden sich etwa Norwegen, Schweden, Österreich und die Schweiz von Deutschland insofern, als es dort für fremdsprachige Kinder bessere Förderangebote gibt.

Notbremse oder Aktionismus? Die Sofortmaßnahmen der KMK

“Dringender Handlungsbedarf”: Die Präsidentin der KMK, Dagmar Schipanski, mit einer Nachbildung des Turms von Pisa, der an die PISA-Studie erinnern soll.

“Dringender Handlungsbedarf”: Die Präsidentin der KMK, Dagmar Schipanski, mit einer Nachbildung des Turms von Pisa, der an die PISA-Studie erinnern soll.

Handeln tut Not. Das wissen auch die politisch Verantwortlichen, die schulpolitische Entscheidungen bisher jahrelang auf- und abzuwägen pflegten. In einer eiligst einberufenen Sondersitzung kündigte die Kultusministerkonferenz (KMK) Sofortmaßnahmen an: eine strategische Ausrichtung der öffentlichen Haushalte auf Bildung, mehr Förderung sowohl für lernschwache wie für begabte Kinder, eine bessere Aus- und Weiterbildung für Lehrer, gezielte Schulvorbereitung in den Kindergärten, schulische wie auch außerschulische Ganztagsangebote, eine qualitative Verbesserung des Unterrichts. In regelmäßigen Kultusministerkonferenzen sollen die Länder über ihre Erfolge bei der Umsetzung der Reformen berichten.

Auf die Umsetzung dieser ambitionierten Maßnahmen darf man gespannt sein, zumal die Vorschläge der KMK nur empfehlenden Charakter haben. Jede der genannten Maßnahmen ist mit zum Teil nicht unerheblichen Kosten verbunden. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) machte in einer ersten Stellungnahme schon einmal deutlich, dass von der Bundesregierung keine zusätzlichen Mittel zu erwarten seien. Man befinde sich mit den Bildungsausgaben bereits jetzt “hart an der Grenze dessen, was verfassungsmäßig überhaupt möglich ist, schulische Bildung sei nun einmal Ländersache. Unbestritten ist jedoch, das massive Geldinvestitionen nötig sind trotz Sparzwängen und knapper Haushaltskassen.

Mögliche Wege aus der Misere

PISA hat längst überfällige Reformkonzepte auf die Tagesordnung gesetzt. Dazu zählt zunächst die Verbesserung der Lehrerausbildung und -fortbildung, die schon seit Jahren gefordert wird. Die pädagogischen, praktischen und organisatorischen Kompetenzen müssen gestärkt, die Lehrer professionalisiert werden. Neue Ausbildungskonzepte sind gefragt. In NRW ist schon beschlossen, was schon bald auch andernorts Realität sein könnte: die Ausbildung junger Pädagogen auf der Basis eines fachorientierten Bachelor-Studiengangs, an den eine viersemestrige pädagogische und fachdidaktische Ausbildung zum Lehrer anschließt.

Nicht minder überfällig, da sind sich Schulpraktiker und Bildungsexperten einig, ist die Modernisierung und Flexibilisierung der Lehrpläne. Die Ausstattung der Schulen müsste, darauf hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft noch einmal hingewiesen, in jeder Hinsicht deutlich verbessert werden. Ein guter Schulunterricht basiert auf angemessenen Lern- und Arbeitsbedingungen. Dazu zählt eine positive Lernatmosphäre und vernünftiges Arbeitsmaterial.

Von überforderten Lehrkräften kann kein qualitativ besserer Unterricht erwartet werden. Wünschenswert wäre daher eine Senkung der Klassenfrequenz. In keinem anderen der beteiligten Länder bleiben so viele lernschwache und begabte Jugendliche gleichermaßen auf der Strecke, weil sie nicht individuell gefördert werden können. Auch die Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte wäre mindestens zu überdenken. Es liegt auf der Hand, dass es fast unmöglich ist, 26 und mehr Unterrichtsstunden wöchentlich auf hohem Niveau vor- und nachzubereiten.

Problem an der Wurzel packen: Frühförderung verbessern

Bereits i-Dötzchen sind von den Bildungsmängeln und Lerndefiziten betroffen.

Bereits i-Dötzchen sind von den Bildungsmängeln und Lerndefiziten betroffen.

Deutliche Mängel gibt es bei den finanziellen Aufwendungen für die Vorschulerziehung und den Primarbereich. Derzeit investiert Deutschland nach einer internationalen Vergleichsstudie rund 42 000 Dollar in die ersten zehn Schuljahre eines Schülers und liegt damit nur geringfügig unter dem Durchschnittswert (44 000 Dollar) der anderen Industriestaaten. Während aber die Universitäten und Gymnasien vergleichsweise gut ausgestattet sind, wird ausgerechnet dort gespart, wo die Grundlagen eines lebenslangen Lernens gelegt werden müssten: bei den Schulanfängern. Dänemark gibt für seine Grundschüler fast das Doppelte aus, andere erfolgreiche Staaten setzen hier mindest 60 Prozent mehr Mittel ein.

Das Problem beginnt in den Kindergärten und betrifft vor allem ausländische und sozial benachteiligte Kinder. Es mangelt an Konzepten und an entsprechend ausgebildeten Fachkräften, um wie in anderen Ländern bereits im vorschulischen Bereich herkunftsbedingte Lerndefizite auszugleichen, insbesondere die Sprachkompetenz ausländischer Kinder zu verbessern. Diskutiert werden derzeit neben einem erweiterten Ganztagsangebot und der Einführung eines Kindergarten-Pflichtjahres auch die Systematisierung eines schulvorbereitenden, spielerischen Lernens. Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) plädiert für eine frühere Einschulung der Kinder.

Von den Nachbarn lernen

Anregungen könnten die europäischen Nachbarn liefern. Die schwedische Pre-School steht allen Kindern vom ersten Lebensjahr bis zum Eintritt in die Schule ganztägig zu Verfügung. Sie ist weder Vorschule noch Kindergarten, sondern hat einen eigenen Bildungsauftrag und ein eigenes pädagogisches Konzept. Im Mittelpunkt steht die altersangemessene, individuelle Förderung des einzelnen Kindes, die Erweckung von Neugier und Freude am Lernen. In den Niederlanden haben Kinder ab dem vierten Lebensjahr Anspruch auf einen Platz in den Elementarschulen, die bei den Schulanfängern auf ein spielerisches Lernen setzen. 95 Prozent der Kinder nutzen ihn.

Beide, sowohl das schwedische als auch das niederländische Modell, bedingen eine enge und fruchtbare Kooperation mit den Eltern. Die individuelle Förderung des einzelnen Kindes funktioniert in der Pre-School nur, wenn sich Eltern und Pädagogen in einem kontinuierlichen Austausch befinden. In den niederländischen Elementarschulen wird erwartet, dass sie sich Eltern durch Vorlesen an der Unterrichtsdurchführung beteiligen. Auch in dieser Beziehung müsste sich in Deutschland manches ändern: in punkto Desinteresse an den schulischen Belangen der eigenen Kinder zählen deutsche Eltern zu den Spitzenreitern.

Individuelle Förderung statt Auslese

Noch eines hat die PISA-Studie klar gemacht: es ist an der Zeit, von einem alten, nun erwiesenermaßen falschen Lehrsatz Abschied zu nehmen, dass Auslese die Leistungen befördere. Das Gegenteil ist der Fall. In keinem anderen europäischen Land werden die Kinder so früh auf die verschiedenen Schultypen aufgeteilt wie hier. In den EU-Ländern, die sich unter den Top Ten der PISA-Studie befinden, bleiben die Kinder mindestens bis zum 12. (Belgien und Irland), überwiegend aber bis zum 16. Lebensjahr gemeinsam in einem Klasseverband. Nicht jeder Schüler muss zwingend den gleichen Lernstatus besitzen, das Sitzenbleiben ist in vielen Staaten unbekannt.

Das Konzept eines fördernden und individualisierenden Lernens scheint allen, auch den guten Schülern, zugute zu kommen. Nicht vergessen sei, dass auch die Leistungen der deutschen Gymnasiasten unter dem Durchschnitt liegen. Nichts wäre deshalb falscher, als nun die falschen Konsequenzen aus der Misere zu ziehen und womöglich eine noch verschärftere Auslese und eine weitere Beschränkung des Zugangs zu mittlerer und höher Bildung zu erstreben. Weniger Konkurrenz, mehr Dialog, sowohl in der Klasse als auch zwischen der Schule, den Schülern und Eltern, das ist eine wichtige, nun empirisch untermauerte Erkenntnis aus der Studie.

International erfolgreich: Die Ganztagsschule

“Auf Dauer schlauer”: Zahlreiche Parteien – wie hier die bayerische SPD – fordern eine Ausweitung des Ganztagesangebots von Schulen in der Bundesrepublik Deutschland.

“Auf Dauer schlauer”: Zahlreiche Parteien – wie hier die bayerische SPD – fordern eine Ausweitung des Ganztagesangebots von Schulen in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Länder mit besseren Leistungen verfügen über ein sehr viel breiteres Ganztagsangebot. Schon vor der Veröffentlichung der PISA-Studie hatten Untersuchungen belegt, dass es an Ganztagsschulen weniger Gewalt und weniger Abbrecher gibt, hingegen eine deutlich positivere Einstellung der Schüler zur Institution Schule zu verzeichnen ist. Gute Ganztagsschulen verstehen sich ebenso als Lern- wie als Lebensort. Es gibt Freizeit- und Fortbildungsangebote, altersgemischte Lerngruppen und Projekte, der starre 45-Minuten-Takt ist häufig aufgehoben, zu Gunsten eines selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernens.

Derzeit gibt es bundesweit nur an jeder fünfunddreißigsten Schule ein Ganztagesangebot, obwohl inzwischen etwa 40 Prozent der Eltern Interesse bekunden. Entsprechend lang sind die Wartezeiten. Immerhin deutet sich ein Wandel an. Nach Jahren des Stillstands wird neuerdings von Schleswig-Holstein bis Bayern parteiübergreifend die Ganztagsschule propagiert. Kurt Beck, der sozialdemokratische Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, machte sogar ein “flächendeckendes Angebot an Ganztagsbetreuung zu einem Wahlkampfthema.

Der Erfolg der Ganztagsschulen steht außer Zweifel, das große Problem ist, einmal mehr, die Finanzierung. Es müssen Räumlichkeiten verändert, Rückzugsmöglichkeiten und Freizeitangebote geschaffen, Kantinen organisiert werden. Damit nicht genug. Die Ganztagsschulen benötigen rund ein Drittel mehr Lehrer, am besten solche, die gezielt aus- und fortgebildet sind. Jährlich drei Milliarden Euro wären aufzubringen, so schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft, wollte man bundesweit ein Ganztagesangebot nur für die Klassen 5 bis 10 errichten. Kein geringer Betrag. Allerdings: die Kosten für die Nachqualifizierung jener “berufsuntauglichen“ jungen Menschen, die unser heutiges Schulsystem entlässt, kommen den Steuerzahler, siehe oben, noch teurer zu stehen.

Modellprojekte: “Schloss Hansenberg und “Selbstständige Schule

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) setzt sich für das Projekt “Schloss Hansenberg” ein.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) setzt sich für das Projekt “Schloss Hansenberg” ein.

Neue Wege sind gefragt. In Hessen stellte kürzlich Ministerpräsident Roland Koch (CDU) der Öffentlichkeit das Projekt “Schloss Hansenberg vor, eine Eliteschule mit bundesweitem Modellcharakter, die im Schuljahr 2003/04 mit dem Lehrbetrieb beginnen soll. Auf dem Schloss Hansenberg sollen, in enger Kooperation mit der Dresdener Bank und der Firma Altana, besonders begabte und motivierte Schüler mit einem ehrgeizigen Lehrplan zu Persönlichkeiten ausgebildet werden, “die eines Tages Führungsaufgaben übernehmen können. Ob eine solche Eliteschule eine adäquate Antwort auf die offenkundigen Probleme des deutschen Bildungswesens ist, muss kontrovers diskutiert werden.

Einen anderen Ansatz hat Nordrhein-Westfalen gewählt. Dort startet im August 2002 das Modellprojekt “Selbstständige Schule, an dem sich landesweit 349 Schulen beteiligen werden. “Selbstständig werden die Schulen insofern, als sie von vielen staatlichen Vorgaben bezüglich der Klassengrößen und der zeitlichen Einteilung des Unterrichts freigestellt werden. Auch dürfen die beteiligten Schulen über das Personal- und das Sachmittelbudget frei verfügen, d.h. sie dürfen Lehrer frei einstellen oder auch die Stelle eines Lehrers mit einem Computerexperten besetzen, während zugleich der Einsatz der Sachmittel flexibilisiert wird. Erhofft wird eine allgemeine Verbesserung der Unterrichtsqualität, auch eine höhere Identifikation der Lehrer und Schüler mit “ihrer Schule.

Doch auch dieses Projekt ist schon vor seinem Start in die Kritik geraten. Der Elternverein NRW wie die Elternräte der Haupt- und Realschulen und der Gymnasien bemängeln, dass die Evaluation des wenig überzeugenden Vorgängerprojektes “Schule & Co ebenfalls ein Versuch in Richtung mehr schulischer Unabhängigkeit, der bisher keine Hinweise auf eine Überlegenheit selbstständiger Schulen geliefert habe nicht abgewartet werde. Auch wird kritisiert, dass sich der Beruf des Schulleiters immer stärker dem eines Managers annähere.

Weg mit alten Zöpfen, aber: Alternativen kosten Geld

Es ist deutlich geworden, das es sich bei der deutschen Bildungsmisere um ein vernetztes Problemfeld handelt, dem nicht mit Einzelschuldzuweisungen beizukommen ist. Es macht demnach keinen Sinn, alternierend auf Schüler, Eltern die Politik oder die Lehrerschaft einzuschlagen. Erforderlich ist ein Befreiungsschlag, der das ganze System in Frage stellt. Dabei muss die deutsche Schultradition sich von alten, liebgewordenen Zöpfen trennen: Vormittagsschule, Sitzenbleiben, Frontalunterricht, unflexible Lehrpläne, reglementierte Lehrer, all das gehört auf den Müllhaufen der Bildungspolitik.

Vielleicht solle man angesichts der Bildungsmisere an das Wort eines Biologen erinnern, der auf die Vorhaltung, sein Artenschutzprojekt konzentriere sich auf einen “hoffnungslosen Fall, lebensklug entgegnete: “Es gibt keine hoffnungslosen Fälle. Es gibt Menschen, die ohne Hoffnung sind und Fälle, die Geld kosten. Das deutsche Bildungssystem zählt zweifellos zu letzteren. Tatsache ist: ohne Investitionen, Integrationsprogramme, gute Lern- und Arbeitsbedingungen, ohne die gezielte staatliche Förderung sozial schwacher und benachteiligter Kinder, insbesondere im Primarbereich, wird Deutschland nicht zu den Spitzenreitern Finnland, Südkorea, Japan und Kanada aufschließen können.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Federico Foders: Bildungspolitik für den Standort D

Hans-Werner Fuchs & Lutz R. Reuter: Bildungspolitik in Deutschland

Ingo Richter: Die sieben Todsünden der Bildungspolitik

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