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Die Schweiz und ihre Promis

Die Ahnengalerie der Eidgenossen kann sich sehen lassen. Sie reicht von A wie Ansermet bis Z wie Zwingli, vom freiheitsliebenden Stammvater Tell bis zu einem der größten Tennisstars der Gegenwart, Martina Hingis. Auch “das Heidi zählt dazu. Die Schweiz hat in den vergangenen Jahrhunderten aber auch eine ganze Reihe namhafter Künstler und Geisteswissenschaftler hervorgebracht zum Beispiel die Philosophen Jean-Jacques Rousseau und Johann Caspar Lavater oder der Historiker Jacob Burckhardt. Weltweite Anerkennung fanden etwa Dichter und Schriftsteller wie Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer, Carl Spitteler, Max Frisch oder Friedrich Dürrenmatt. In der Musik traten u.a. die Komponisten Frank Martin und Arthur Honegger hervor. In die Riege der bekannten Schweizer Maler reihen sich Namen wie Leopold Robert, Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler, Felix Valloton oder Hans Erni ein. Bei den Bildhauern seien Alberto Giacometti und Joan Tinguely genannt. Und das sind noch längst nicht alle. Eine (subjektive) Auswahl der berühmtesten Schweizer und Schweizerinnen:

Wilhelm Tell der Urschweizer

Bis heute ist umstritten, ob Wilhelm Tell eine historisch belegbare Person ist oder nicht. Vermutlich stammt die Tell-Sage aus dem nordischen Sagenkreis und findet sich vor allem in Ägidius Tschudis Chronicon Helveticum (1734-1736), die Friedrich Schiller bei seinem klassischen Drama (1804) als wichtigste Quelle diente.

Nach der Sage wird der Jäger und Meisterschütze aus dem Dorf Bürglen vom habsburgischen Landvogt Geßler um 1300 gezwungen, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Nachdem ihm dies gelingt, tötet Tell den verhassten Tyrannen und gibt damit das Zeichen zum Volksaufstand (“Rütli-Schwur) gegen die habsburgische Herrschaft. Heute stünde Tell vermutlich auf der Liste der meist gesuchten Terroristen und seine Schweizer Konten wären längst gesperrt. Fest steht jedoch, dass Wilhelm Tell wie auch Arnold von Winkelried in der Schweiz als Nationalhelden gelten auch ohne Existenznachweis.

Calvin und Zwingli Reformatoren im Doppelpack

Es liegt wohl an Lebensart und Selbstverständnis der Schweizer, dass sie eine helvetische Form der Reformation entwickelt haben. Eine Redensart besagt: “In der Schweiz sind selbst die Katholiken protestantisch.

Huldrych Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) traten wie Martin Luther gegen Missstände in der katholischen Kirche ein. Sie verband ein neuer Glaubensbegriff, ein anderes Kirchenbild und eine deckungsgleiche Bibelauslegung. Anders als der deutsche Theologe Luther betonte Zwingli den Gedächtnischarakter des Abendmahls und lehrte die symbolische Gegenwart Christi im Abendmahl. Zwingli wurde in Zürich zu einem beachteten Politiker in Glaubensfragen, der die Stadt zu einem eigenen kleinen Gottesstaat entwickelte.

Calvin, der einflussreichste Schweizer Reformator, wirkte mehr als 20 Jahre in Genf. Durch seine internationalen Kontakte verbreiteten sich seine Gedanken auch schnell in Frankreich, Holland, England und der Neuen Welt. Entscheidender Ausgangspunkt seiner Theologie ist das Bekenntnis zur Allmacht Gottes, dem in unbedingtem Gehorsam die Ehre gegeben werden muss. Der Jurist entwickelte eine nüchterne, rigorose Theologie aus Askese und Puritanismus und schuf damit den Nährboden für den Geist des Kapitalismus. Die von ihm geprägten protestantischen Tugenden wie Disziplin, Fleiß und Sparsamkeit gelten auch 500 Jahre später noch in der Schweiz.

Paracelsus ein Pionier der Heilkunde

Ein anderer berühmter Schweizer ging Zeit seines Lebens gegen vermeintlich allwissende Autoritäten an: Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), genannt Paracelsus. Der Arzt, Naturforscher und Philosoph gilt als Pionier der modernen Heilkunde und der organischen Chemie. Nach Lehrjahren und Wanderleben als Arzt in Straßburg, Basel und Colmar kam er über Wien wieder nach Villach und Salzburg.

Paracelsus brach mit dem blinden Autoritätsglauben der Wissenschaft, stellte das naturwissenschaftliche Experiment über die Überlieferung und nutzte die Erkenntnisse der Chemie für die Medizin. Er trat zudem konsequent für die Einbringung eigener Beobachtungen ein. In seinen Schriften und Vorlesungen schrieb er nur die Ergebnisse eigener Erfahrungen nieder. Sein Motto: “Alterius non sit, qui suus esse potest (Keiner sei einem anderen hörig, der sein eigener Herr sein kann).

Paracelsus erklärte Nieren- und Blasensteine als Ablagerungen, ahnte den Vorgang der Wundinfektion und erhob die Chirurgie zur gleichberechtigten ärztlichen Disziplin. Der Zeit seines Lebens von den medizinischen Autoritäten geschmähte und verkannte Pionier beschrieb systematisch viele Krankheiten und erkannte auch volkstümliche Heilmittel an.

Johann Heinrich Pestalozzi Bildung für alle Schichten

Als Begründer der Pädagogik und als Propagandist einer allgemeinen Bildung für alle Menschen galt über Jahrzehnte Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827). Allerdings wurde der “Mythos Pestalozzi im Gedenkjahr 1996 anlässlich seines 250. Geburtstag in den Mittelpunkt einer kritischen Forschungsdiskussion gestellt. Der in Zürich geborene Schweizer Pädagoge und Sozialreformer wurde durch seine Schriften und sein Wirken zum Wegbereiter der Volksschule und der Lehrerbildung im 19. Jahrhundert. Er vertrat die Idee der Volksbildung, die auch den unteren Gesellschaftsschichten zukommen sollte.

Pestalozzi gründete auf Gut Neuhof im Aargau 1775 eine Erziehungsanstalt für arme Kinder, übernahm später das Waisenhaus in Stans und errichtete 1804 in Yverdon ein Erziehungsinstitut von Weltruf, das zur Erprobungsstätte seiner pädagogischen Grundsätze wurde. Seine Erziehungsgrundsätze hat Pestalozzi in zahlreichen Schriften dargelegt, die teilweise zu echten Volksbüchern wurden: “Lienhard und Gertrud (1781-87), “Wie Gertrud ihre Kinder lehrt (1801).

Er verfocht pädagogische Grundtendenzen der Goethezeit wie allgemeine Menschenbildung, Überwindung der Standesunterschiede und Anerkennung der Menschenwürde. Erziehung sah er im Zusammenhang mit dem politisch-sozialen und ökonomischen Lebenskreis eines jeden Einzelnen. Nach Pestalozzis Auffassung sind die konkrete Anschauung und die Selbsttätigkeit der Schüler für die intellektuelle Bildung von grundlegender Bedeutung (“Also bin ich ein Werk der Natur. Ein Werk meines Geschlechts. Und ein Werk meiner Selbst; Nachforschungen, 1797). Seine Gedanken wurden unter anderem von Fröbel und Diesterweg aufgenommen und methodisch umgesetzt. Pestalozzi, dessen sozialreformerische Ansätze erst ab 1900 auf größeres Interesse stießen, starb am 17. Februar 1827 in Brugg.

Henri Dunant Schöpfer des Roten Kreuzes

Ein Schweizer war es, der aus der Idee praktizierter Humanität eine Weltbewegung schuf. Der Kaufmann und Philantrop Henri Dunant, geboren am 8. Mai 1828 in Genf, wurde 1859 Zeuge der Schlacht von Solferino, in der Franzosen und Italiener auf der einen, Österreicher auf der anderen Seite um den Besitz der Lombardei kämpften. Das Elend der Kriegsverletzten, das er dabei sah, konnte er nicht mehr vergessen.

1862 veröffentlichte er seine “Erinnerungen an Solferino mit einem Appell an alle Staaten, internationale Absprachen zur Rettung von Verwundeten und zum Schutz von Gefangenen zu treffen. Auf seine Initiative wurde 1862 auf einer internationalen Konferenz in Genf das Rote Kreuz gegründet und ein Jahr später die Genfer Konvention geschlossen. Im Dienste seiner Sache war Dunant ständig unterwegs: Seine eigene Existenz war bald ruiniert, er musste seine Heimatstadt verlassen und geriet fast in Vergessenheit. Erst von 1895 an erhielt seine Organisation größere Unterstützung. 1901 wurde ihm der Friedensnobelpreis (zusammen mit Frédéric Passy) zuerkannt. Das Geld stiftete er dem Roten Kreuz, das sich in der Folgezeit über die kriegsbedingten Aufgaben hinaus zu einem allgemeinen Hilfswerk entwickelte. Dunant starb am 30. Oktober 1910 in Heiden im Kanton Appenzell.

Le Corbusier Architekt von Weltruf

In der Geschichte der Schweiz taten sich immer wieder begnadete Baumeister und Architekten hervor. Im 16. und 17. Jahrhundert war es Domenico Fontana mit seinem Lateranpalast und der Kuppel des Petersdoms. Genauso groß war der Ruhm von Charles Edouard Jeanneret, genannt Le Corbusier (1887-1965). Der Architekt, Städteplaner, Maler und Bildhauer lebte allerdings ab 1917 in Paris und wurde dort zunächst von der Ästhetik des Kubismus beeinflusst. Le Corbusier schuf Baukörper in stereometrischen Grundformen und betonte die Funktionen des Bauganzen. Folgenreich im Städtebau wurde sein Plan für eine moderne Idealstadt: Villenhochhäuser als “Wohneinheiten liegen in größeren Grünflächen.

Zu seinen Hauptwerken gehören das Schweizer Haus der Cité Universitaire in Paris (1930-1932), das Erziehungsministerium in Rio de Janeiro (1936-1945), das Verwaltungs- und Kulturzentrum im indischen Chandigarh (1951-1957), die Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp (1950-1954) und das Kloster La Tourette in Eveux (1957). Die Schweizer Nationalbank hat ihm die 10-Franken-Note gewidmet. Sein Assistent, der 1943 im Südtessiner Mendriso geborene Mario Botta, gilt heute als Star-Architekt und -Designer.

Madame Tussaud Weltbekannte Wachsfiguren

Mindestens eine Frau darf in der Galerie berühmter Schweizer nicht ungenannt bleiben Madame Tussaud. Sie gründete das weltberühmte Londoner Wachsfigurenkabinett. Marie Tussaud (1761-1850) lernte bei ihrem Onkel, dem angesehenen Wachsmodellierer Philippe Curtis, und bewies schon bald ihr Talent mit Wachsbildnissen von Angehörigen des Adels und der königlichen Familie. Mit ihrem Mann François Tussaud ging sie später nach London, wo sie 1835 ihr berühmtes Wachsfigurenkabinett eröffnete. Das erste umfangreiche Wachsfigurenkabinett außerhalb Londons, Madame Tussauds Scenerama in Amsterdam, zeigt seit 1970 über hundert bekannte Persönlichkeiten aus Geschichte, Politik, Wissenschaft und Showbusiness.

Der “Homo Helveticus

Unter dem Titel “Homo Helveticus tourte schon eine Wanderausstellung über prominente Schweizerinnen und Schweizer durch Leipzig, Stuttgart und Bern. Die Porträt-Schau zu 17 Schweizer Figuren und Persönlichkeiten von Wilhelm Tell bis Madame Tussaud hatte der Schweizerische Buchverleger-Verband mit dem Autor und Künstler Hans A. Jenny konzipiert. Im Vorwort der Ausstellungs-Publikation schreibt Jenny: “Die dargestellten Persönlichkeiten sind unverwechselbar originell, immer faszinierend und oft auch ein bisschen exzentrisch. Wir sind aber stolz darauf, dass sich unsere Schweizer Kulturprominenz nicht nur durch weltweit anerkannte Leistungen profilierte, sondern auch durch jene menschlich sympathischen Besonderheiten, die das Studium ihrer Biografien zum bereichernden und amüsanten Vergnügen werden lassen.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Friedrich von Schiller: Wilhelm Tell

Thomas Kaufmann: Reformatoren

Paul Letter: Paracelsus

Rene Burri: Le Corbusier

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