Von Hoffmann von Fallersleben stammt der Text, von Joseph Haydn die Melodie: Das “Deutschlandlied” wurde 1922 die offizielle deutsche Nationalhymne. Am 2. Mai 1952 proklamierte Bundespräsident Theodor Heuss die Melodie und die dritte Strophe “Einigkeit und Recht und Freiheit” zur Hymne der Bundesrepublik. Ähnlich wie etwa die französische Nationalhymne, die “Marseillaise”, ist das Deutschlandlied tief mit der nationalen Geschichte verwoben und ihr gewissermaßen ausgesetzt gewesen. Das Deutschlandlied wurde gleichermaßen geachtet und bekämpft, instrumentalisiert und idealisiert, verteidigt und missbraucht. Ein Feature über die wechselvolle Geschichte der deutschen Nationalhymne und die Einstellung der Deutschen zu “ihrem” Lied.
Wider den “Flickenteppich”: Das “Lied der Deutschen”

Das Lied der Deutschen
von August Heinrich Hoffmann (Hoffmann von Fallersleben)
Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt, / Wenn es stets zu Schutz und Trutze / Brüderlich zusammenhält; / Von der Maas bis an die Memel, / Von der Etsch bis an den Belt: / Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt!
Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang / Sollen in der Welt behalten / Ihren alten, schönen Klang, / Uns zu edler Tat begeistern / Unser ganzes Leben lang / Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang!
Einigkeit und Recht und Freiheit / Für das deutsche Vaterland! / Danach laßt uns alle streben / Brüderlich mit Herz und Hand! / Einigkeit und Recht und Freiheit / Sind des Glückes Unterpfand: / Blüh im Glanze dieses Glückes, / Blühe, deutsches Vaterland!
Melodie von Haydn

Sozialdemokrat Ebert proklamiert Hymne
Am 11. August 1922 wurde das inzwischen überaus populäre Musikstück durch die sozialdemokratische Regierung unter Reichspräsident Friedrich Ebert zur Nationalhymne der Weimarer Republik erklärt. Bei der Festansprache sagte Ebert: “Einigkeit und Recht und Freiheit! Dieser Dreiklang aus dem Liede des Dichters gab in Zeiten innerer Zersplitterung und Unterdrückung der Sehnsucht aller Deutschen Ausdruck; es soll auch jetzt unseren harten Weg zu einer besseren Zukunft begleiten... Das Deutschlandlied löste das “Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands ab, das im Deutschen Kaiserreich (seit 1871) auf die Melodie der englischen Hymne “God save the Queen erklungen war.
Diskreditiert: Siegermächte sprechen Verbot aus

Adenauer contra Heuss: Streit auf höchster Ebene

Der Wiedereinsetzung des Deutschlandlieds setzte sich insbesondere Bundespräsident Heuss vehement entgegen. Er befürwortete, eine neue Hymne einzuführen und gab deshalb bei Rudolf Alexander Schröder (1878-1962) ein dreistrophiges Lied in Auftrag, das dann von Hermann Reutter vertont wurde. Doch diese “Hymne an Deutschland mit dem Textanfang “Land des Glaubens, deutsches Land, an Sylvester 1950 uraufgeführt, fand kaum Fürsprecher. In einer Umfrage sprachen sich im Herbst 1951 drei von vier Westdeutschen für Beibehaltung des Deutschlandliedes als Nationalhymne aus.
Welche Strophe darf es sein?

Vor allem seit dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten und ihrer Apologeten ist die erste Strophe des Liedes diskreditiert. Verteidiger der ersten Strophe finden sich jedoch sogar auch im ideologisch entgegengesetzten Lager: So erklärte im Sommer 1990 die (noch-)sowjetische Parteizeitung “Prawda ihren Lesern, die Schlüsselzeile “Deutschland über alles unterstreiche “lediglich die Priorität der Einheit des Landes und rufe auf keinen Fall zur Expansion auf.
Kompromiss: nur dritte Strophe
Der Streit zwischen Konrad Adenauer und Theodor Heuss über die Nationalhymne wurde 1952 durch einen Briefwechsel abgeschlossen. In seinem Schreiben vom 2. Mai 1952 hatte der Bundespräsident noch einmal seinen Hauptvorbehalt zum Ausdruck gebracht: “Ich wollte vermieden wissen, dass in öffentlichen Veranstaltungen mit einem vaterländischen Akzent, gleichviel wie ihre Ausdehnung oder wie ihr Rang sei, ein Missklang ertöne, weil sehr, sehr viele Menschen unseres Volkes Haydns große Melodie nur eben als Vorspann zu dem 'dichterisch' und musikalisch minderwertigen Horst-Wessel-Lied im Gedächtnis haben, dessen banale Melodie den Marsch-Takt in ein Volksverderben abgab.
Der von Adenauer vorgetragenen “erneuten Bitte der Bundesregierung, das Hoffmann-Haydn'sche Lied als Nationalhymne anzuerkennen mit dem Zusatz: “Bei staatlichen Veranstaltungen soll die dritte Strophe gesungen werden gab Heuss schließlich nach. Die Bundesregierung veröffentlichte am 8. Mai 1952 eine Erklärung, in der es heißt: “Es ist daher davon auszugehen, daß das Deutschlandlied als Ganzes Bundeshymne ist, jedoch aus staatspolitischen Gründen nur die dritte Strophe gesungen wird.Damit war das Deutschlandlied wieder als Nationalhymne eingesetzt.
Variante Ost: “Auferstanden aus Ruinen”

Bechers Hymne hatte sich 1949 übrigens gegen eine zeitgleich entstandene Variante von Bertolt Brecht durchgesetzt. Dessen Gegenhymne zum Deutschlandlied, später veröffentlicht unter seinen Kinderliedern, behielt Haydns Melodie bei: “Anmut sparet nicht noch Mühe / Leidenschaft nicht noch Verstand / Daß ein gutes Deutschland blühe / Wie ein andres gutes Land...
Nach dem Fall der Mauer: Hymne für das ganze Land
In einem weiteren Briefwechsel zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler, nunmehr zwischen Richard von Weizsäcker und Helmut Kohl (beide CDU), wurde 1991 die dritte Strophe des Deutschlandlieds auch als Nationalhymne des wiedervereinten Deutschland bekräftigt. Diesmal ging die Initiative vom Bundespräsidenten aus. Die Kernsätze seines Schreibens vom 19. August 1991 lauten: “Die 3. Strophe des Hoffmann-Haydn'schen Liedes hat sich als Symbol bewährt. Sie wird im In- und Ausland gespielt, gesungen und geachtet. Sie bringt die Werte verbindlich zum Ausdruck, denen wir uns als Deutsche, als Europäer und als Teil der Völkergemeinschaft verpflichtet fühlen. Die 3. Strophe des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben mit der Melodie von Joseph Haydn ist die Nationalhymne für das deutsche Volk. Ein förmliches Gesetz über eine Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland gibt es bis heute nicht.
Gesamtdeutsche Identität im Deutschlandlied?

In jüngster Zeit wird in der Bundesrepublik Deutschland der auch international mehr Verantwortung angetragen wird eine wieder erwachende Sehnsucht nach einem neuen Nationalgefühl diagnostiziert. Beispielhaft dafür ist die im Herbst 2001 von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) angestoßene Debatte zur “nationalen Identität der Deutschen“. Koch fordert u.a., das Nationalbewusstsein deutscher Kinder in den Schulen zu stärken. Es sei “wünschenswert, dass die Schülerinnen und Schüler Respekt vor unserer Fahne haben. Außerdem sollten sie “das Deutschlandlied können.









11 Kommentare