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Dublin - die Haupstadt Irlands

Im Portrait

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Dublin: O'Connell Bridge am River Liffey
Gerhard Huber, Graz
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Dublin: Fußgänger in der Grafton Street
Gerhard Huber, Graz
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Osteraufstand, 1916: Soldaten feuern mit Maschinengewehren auf Aufständische
Osteraufstand, 1916: Soldaten feuern mit Maschinengewehren auf Aufständische
Corbis-Bettmann, New York

Im Überblick

Dublin: O'Connell Bridge am River Liffey

Dublin, die Heimat berühmter Schriftsteller wie zum Beispiel Jonathan Swift, Oscar Wilde, George Bernard Shaw oder James Joyce, wird in Erscheinungsbild, Rhythmus und Atmosphäre von der Jugend bestimmt. Doch auch das Althergebrachte hat in der irischen Hauptstadt seinen Platz. Tatsächlich hat sich Dublin, obwohl es mit Vororten rund 1 Million Einwohner zählt, etwas von dem Charakter eines Dorfes bewahrt, in dem man immer wieder auf Bekanntes stößt, in dem der Volkstanz überlebt hat und wo es eine Fülle an traditioneller Musik gibt. Alt und Jung finden zusammen in einem der über 700 Pubs der Stadt und genießen Irlands berühmtesten Exportartikel, das schwarze Bier Guinness Extra Stout.

Geographie

Die Hauptstadt der Republik Irland und der Grafschaft Dublin liegt in landschaftlich reizvoller Lage an der Mündung des Liffey in die Irische See. Nach Süden bilden die bis 926 m hohen Wicklow Mountains eine natürliche Grenze. Die geschützte Lage an der Ostküste Irlands sorgt für ein relativ mildes und ausgeglichenes Klima. Die jährlichen Niederschläge schwanken zwischen 760 und 1000 mm und sind damit nur halb so ergiebig wie an der Westküste der Inselrepublik. Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen bei milden 6 °C, aber der Sommer bleibt mit einem Monatsmittel von 15 °C im Juli und August relativ kühl.

Dublin ist das führende Bildungs- und Kulturzentrum Irlands. Die Stadt besitzt drei Universitäten: Trinity College (gegründet 1591) als älteste Hochschule, National University of Ireland (gegründet 1909) mit über 10 000 Studenten als größte und Dublin City University (gegründet 1989) als jüngste Universität. Bibliotheken, mehrere Theater, das 1980 eröffnete Konzerthaus sowie zahlreiche Museen und Galerien begründen Dublins führende Stellung als irische Kulturmetropole.

Dublin ist das bedeutendste Finanz- und Handelszentrum der Republik. Das Wirtschaftsleben der Stadt hat vor allem nach dem Beitritt Irlands zur Europäischen Gemeinschaft (1973) einen kräftigen Aufschwung genommen. Zur traditionellen Industrie in Dublin gehören Bierbrauereien und Whiskybrennereien sowie Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Als jüngere Unternehmen haben sich vor allem in den Vororten der Stadt Betriebe des Maschinenbaus, der elektronischen und chemischen Industrie angesiedelt.

Dublin besitzt den wichtigsten Hafen der Republik Irland. Der internationale Flughafen liegt bei Collinstown im Norden der Stadt. Als Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt ist Dublin mit den übrigen Städten der Republik verbunden. Busse, U-Bahnstrecken und das Bahnsystem des Dublin Area Rapid Transit (DART) bedienen den innerstädtischen Verkehr, der außerdem durch einen Autobahnring entlastet wird.

Stadtbild

Dublin: Fußgänger in der Grafton Street

Dublin ist eine eher beschauliche Stadt, der hypermoderne Wolkenkratzer völlig fehlen. Die relativ kleine Innenstadt ist bequem an einem Tag zu erwandern. Zu dem Gefühl der Überschaubarkeit kommt durch die vielen Parks und Gärten der Eindruck der Weite. Auch in anderer Hinsicht zeigt die Stadt mehr als nur ein Gesicht. Die ärmeren Viertel am Nordufer des Liffey kontrastieren mit den wohlhabenderen auf der Südseite, der eng umgrenzte Stadtkern mit den weitläufigen monotonen Trabantenstädten.

 

Den Mittelpunkt der Innenstadt bildet das Stadtviertel Temple Bar am Südufer des Liffey, ein ehemaliges Hugenottenviertel, das für seine Druckereien und Uhrmacher berühmt war. Heute ist es mit seinem Flair von Bohème, mit seinen engen, kopfsteingepflasterten Gassen der lebendigste Teil Dublins. Alte Lagerhäuser und moderne Stahlbauten stehen hier nebeneinander, beherbergen Restaurants, Cafés, Boutiquen, das Irish Film Centre, Secondhandshops, Galerien, Theater und unzählige Pubs. Am Merrion Square südöstlich des Trinity College, einem der schönsten Plätze Dublins, finden sich noch Juwele historischer georgianischer Stadtarchitektur, entstanden zwischen 1714 und 1830. Die farbigen Türen mit den kunstvoll verzierten Türklopfern erleichtern es den Bewohnern, angesichts der einheitlichen Fassaden ihr Haus zu finden. Gedenktafeln an den Häuserwänden erinnern an berühmte Bewohner: Oscar Wildes Eltern, den Dichter William Butler Yeats und den Katholikenführer Daniel O'Connell.

 

Südlich des Trinity College liegt die Grafton Street, das Nobeleinkaufsviertel Dublins, mit traditionsreichen Geschäften wie Brown Thomas und Weir&Sons neben modernen Boutiquen, Schuhgeschäften, Plattenläden und Fastfood-Restaurants. Weiter nördlich führt die O'Connell Bridge, 1790 von James Gandon nach Pariser Vorbildern erbaut über den Liffey. Die Brücke und die sich nördlich anschließende O'Connell Street sind Wahrzeichen und wichtigste Verkehrsadern der Stadt.

Von den zahlreichen Grünanlagen Dublins ist der Phoenix Park am Nordufer des Liffey im Westen der Stadt mit 808 Hektar der größte Park. Phoenix Park war ursprünglich königliches Jagdrevier und wurde 1747 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der hier 1831 eröffnete zoologische Garten ist bekannt für seine Löwenzucht. Ausgesprochen attraktiv ist auch der 1789 angelegte botanische Garten im Norden Dublins. In der 20 Hektar großen Gartenanlage befinden sich die einzigen original viktorianischen Palmenhäuser der Britischen Inseln. Am beliebtesten bei den Dubliners ist aber der 9 Hektar große Stadtpark St. Stephen's Green. Durch seine zentrale Lage am Ende der Grafton Street wird er gern für eine Pause während des Einkaufsbummels genutzt. Der Stadtpark wurde 1880 von dem Bierbrauer Sir Arthur Edward Guinness der Stadt gestiftet.

Geschichte

Die Anfänge Dublins sind ungewiss; mindestens seit dem 3. Jahrhundert bestand eine - wenn auch nur unbedeutende - gälische Siedlung, die im 5. Jahrhundert christianisiert wurde. Im Jahr 841 landeten Wikinger im Mündungsgebiet des Liffey und legten an seinem Südufer eine befestigte Siedlung an. Nachdem die Wikinger im 12. Jahrhundert vertrieben worden waren, kamen die Anglonormannen. Dublin wurde zum Mittelpunkt der englischen Herrschaft auf der irischen Insel. Die Stadt erreichte ihre Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert. Zahlreiche bedeutende Bauten entstanden. Einer davon ist die Bank of Ireland am College Green. Bis zur Vereinigung Irlands mit dem britischen Königreich durch den "Act of Union" im Jahre 1801 war das Gebäude Sitz des irischen Parlaments. 1802 erwarb die Bank den Bau; das House of Commons wurde zur Schalterhalle umgebaut, das House of Lords blieb jedoch bis heute nahezu unverändert erhalten.

Osteraufstand, 1916: Soldaten feuern mit Maschinengewehren auf Aufständische

Osteraufstand, 1916: Soldaten feuern mit Maschinengewehren auf Aufständische

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts regte sich in Irland Widerstand gegen die englische Krone. Der bekannteste Führer der Unabhängigkeitsbewegung war Daniel O'Connell. Waren unter englischer Herrschaft bisher nur Protestanten für öffentliche Ämter zugelassen, so erreichte er, dass auch Katholiken ins Parlament gewählt werden durften. Weiter gehende Befreiungsversuche scheiterten jedoch, auch der spektakulärste, der Osteraufstand von 1916. Schauplatz war damals das 200 Jahre zuvor vollendete General Post Office, das Hauptpostamt. Zwischen ionischen Säulen proklamierte Patrick Pearse die Republik Irland und damit das Ende der englischen Herrschaft. Doch die englische Regierung ließ den Aufstand niederschlagen, die Anführer wurden hingerichtet. Erst sechs Jahre später war es soweit: Nach einem blutigen Unabhängigkeitskrieg wurde Irland zum Freistaat und Dublin zur Hauptstadt der neuen Republik.

Sehenswürdigkeiten

Christ Church und Saint Patrick's

Die protestantische Christ Church Cathedral steht an derselben Stelle, an der Wikingerkönig Sitric 1038 ein hölzernes Gotteshaus errichten ließ. Es wurde 1172 von dem normannischen Eroberer Richard de Clare durch eine größere Steinkirche ersetzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich das Gebäude allerdings in einem völlig baufälligen Zustand. 1871 bis 1878 wurde es von Grund auf restauriert.

Auch die protestantische St. Patrick's Cathedral etwas weiter südlich geht auf eine Wikingergründung zurück. Sie wurde 1191 von den Normannen neu aufgebaut, zerfiel aber im Laufe der Jahrhunderte zunehmend. Erst durch die 150 000 Pfund, die der Bierbrauer Sir Benjamin Lee Guinness zur Verfügung stellte, konnte sie Ende des 19. Jahrhunderts restauriert werden. Im Inneren der Kirche liegen die Grabstätten des Schriftstellers Jonathan Swift, der hier 1713 bis 1745 Dekan war, und seiner Freundin "Stella" Esther Johnson.

Dublin Castle

Dublin Castle wurde zwischen 1202 und 1228 am Standort eines alten Wikingerforts als normannische Festung erbaut. Aus dieser Zeit ist der Record Tower erhalten geblieben. Bis 1922 war Dublin Castle als Residenz der Vizekönige Symbol der britischen Herrschaft in Irland. Heute ist es Staatsarchiv und dient als Schauplatz feierlicher Staatsempfänge. Seit 1938 werden die irischen Präsidenten in St. Patrick's Hall, einem der Staatsgemächer des Schlosses, vereidigt.

Trinity College

Das Trinity College wurde 1591 von Königin Elisabeth I. als "Bollwerk gegen den Papismus" gegründet. Es ist Irlands älteste Universität; die meisten Gebäude stammen allerdings aus dem 18. Jahrhundert. Hier haben die Schriftsteller Jonathan Swift, Oscar Wilde, John Millington Synge und Samuel Beckett studiert. Die Statuen des Publizisten Edmund Burke und des Dramatikers und Poeten Oliver Goldsmith flankieren den Eingang.

Im Long Room, einer 60 m langen holzgewölbten Halle der alten Bibliothek des Trinity College werden kostbare alte Handschriften ausgestellt. Hier befindet sich ein großartiges Kunstwerk: das Book of Kells, eine grandios illustrierte Evangelien-Handschrift auf kalbsledernen Seiten aus dem 9. Jahrhundert. Das Buch wurde 1007 aus der Sakristei in Kells gestohlen, doch der Dieb hatte es lediglich auf die goldene Schatulle abgesehen. So fand man die wertvolle Handschrift nach drei Monaten wieder. Das Buch hat die Jahrhunderte nicht unbeschadet überstanden, einige Seiten sind verloren gegangen. Heute hat das 1953 in vier Bänden neu gebundene Book of Kells 680 Seiten. Jeweils zwei Bände sind in Vitrinen im Long Room ausgestellt - einer mit einer ganzseitigen Illustration, der andere mit einer Textseite. Ab und zu wird eine Seite umgeblättert.

Museen

Drei Literatur-Nobelpreisträger sind in Dublin geboren: William Butler Yeats, George Bernard Shaw und Samuel Beckett, Anlass genug, den Dichtern ein eigenes Museum zu widmen. Das Dublin Writers Museum ist seit 1991 in einem restaurierten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert am Parnell Square Nr. 18 untergebracht. Schriftstellern von Weltrang wie Jonathan Swift, Oscar Wilde und James Joyce ist ebenso Raum gewidmet wie nicht ganz so bekannten, etwa Bram Stoker, dem Schöpfer des "Dracula". In Schaukästen sind Erstausgaben, Fotografien, handschriftliche Notizen, Briefe und Manuskripte ausgestellt. Im ersten Stock zeigt die "Gallery of Writers" Porträts und Büsten bedeutender Dichter. Nebenan, im Haus Nr. 19, befindet sich das Irish Writers Centre, eine Begegnungsstätte für zeitgenössische Schriftsteller.

Das Nationalmuseum in der Kildare Street bietet zahlreiche Anschauungsstücke zur Geschichte Irlands. Hauptattraktion ist das "Gold der Kelten" mit dem Kelch von Ardagh und der Tara-Brosche aus dem 8. Jahrhundert. Auch Arbeitsgeräte, Münzen und Schwerter aus der Wikingerzeit, die im Untergrund von Dublin ausgegraben wurden, sind hier ausgestellt. Andere Exponate erinnern an die Zeit des Unabhängigkeitskampfes 1916 bis 1922. Durch die Abteilungen für Kunsthandwerk und Naturgeschichte erfährt das Nationalmuseum eine weitere Ergänzung.

Veranstaltungskalender

  • 17. März: St. Patrick's Day; Fest mit Festumzug zu Ehren des Nationalheiligen
  • April: Dublin Film Festival; gezeigt werden irische und internationale Produktionen
  • Juni: Music Festival in Great Irish Houses; Konzerte in alten Herrenhäusern bei Dublin
  • Juli: Dublin International Folk Festival; Musikfestival
  • September: All Ireland Hurling Finals; Endspiele des irischen Nationalsports im Croke Park

 

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