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E-Learning – Holz- oder Königsweg?

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E-Learning gehört in die Schule. © H. Bücker
E-LEARNING GEHÖRT IN DIE SCHULE. H. BÜCKER
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"Studieren-im-Netz": Interaktive Bildungsangebote sind für Schüler und Studenten attraktiv. (©BLK/gms)
"STUDIEREN-IM-NETZ": INTERAKTIVE BILDUNGSANGEBOTE SIND FÜR SCHÜLER UND STUDENTEN ATTRAKTIV. (©BLK/GMS)
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Studieren und weiterbilden in den eigenen vier Wänden - der heimische PC bietet den Zugriff auf Vorlesungen und Schulungen.
Studieren und weiterbilden in den eigenen vier Wänden - der heimische PC bietet den Zugriff auf Vorlesungen und Schulungen.
Digital Imagery copyright 2001 PhotoDisc, Inc.
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Der Standard im Klassenzimmer der Zukunft? © H. Bücker
DER STANDARD IM KLASSENZIMMER DER ZUKUNFT? H. BÜCKER

E-Learning: Das ist mehr als nur ein Software-Vokabeltrainer oder der Griff zur Microsoft Encarta-CD, um für das Referat ein paar Hintergrundinformationen zu sammeln. Jeder weiß, dass das Internet ein einzigartiges virtuelles Forum darstellt, mit dem Wissen vernetzt und ausgetauscht werden kann. Zum Beispiel in virtuellen Klassenräumen oder elektronischen Seminaren, wo die Teilnehmer per E-Mail oder Chat miteinander kommunizieren. Die E-Learning-Branche bekam aber auch schon den einen oder anderen Dämpfer: Zum Training von komplexen Themen (etwa Verkauf), scheint Lernen am PC nicht immer geeignet nach einem Monat haben die meisten Teilnehmer erfahrungsgemäß das Handtuch geworfen. Anders im Bildungssektor: An US-Schulen, Hochschulen und Berufsbildungsstätten ist E-Learning fester Bestandteil des Lehrplans. Das digitale Lernen setzt sich auch an europäischen Bildungseinrichtungen durch. Deutsche E-Learning-Unternehmen reiben sich erwartungsvoll die Hände: Wurden 1999 im deutschen E-Learning-Markt nur etwa 20 Millionen Euro umgesetzt, sollen es bereits in 2004 über 570 Millionen sein.

Methodik und Didaktik des E-Learning

E-Learning gehört in die Schule. © H. Bücker

Generell hängen Lernerfolge nicht so sehr vom jeweiligen Medium, sondern von der Beherrschung des Mediums durch den Nutzer ab. Niemand lernt besser, nur weil die Inhalte bunter oder dynamischer aufbereitet sind. Am besten bewähren sich organisch gewachsene und sinnvoll verknüpfte Angebote, die den Nutzern größtmögliche Autonomie gewähren. Dazu einige Beispiele mit ihren Vor- und Nachteilen:

Unter Computer Based Training (CBT) versteht man Lernanwendungen, die über CD-ROM oder das Internet verteilt werden. Beim “Lernen mit Multimedia werden Texte, Abbildungen, Tonaufzeichnungen und Videosequenzen miteinander verknüpft. Die meist simplen didaktischen Konzepte lassen das Interesse der Nutzer jedoch meist schnell erlahmen. Zudem laufen die Inhalte nur nacheinander ab, ein exploratives, d.h. entdeckendes Lernen ist somit nicht möglich. Der Nutzer kann nur das Tempo selbst bestimmen, Inhalte und Vermittlungsstrategie sind vorgegeben. Daneben findet kein Austausch mit anderen Lernenden statt.

Beim Telelearning erfolgt die Lernbetreuung durch speziell ausgebildete Teletutoren. In virtuellen Klassenräumen oder Sprechstunden “trifft sich der Trainer mit der Lerngruppe. Bei den technisch ausgefeilteren Formen ist ein gemeinsamer Zugriff von Tutor und Schüler auf eine Anwendung möglich. Konkrete Probleme können dabei schnell und effizient beantwortet werden.

Eine neuere Form des E-Learning ist das so genannte Web-Based-Training (WBT). Dabei werden Lerneinheiten entweder öffentlich im Internet oder firmenintern im Intranet zur Verfügung gestellt. Bei dieser Lernform an vernetzten Computern können sich die Teilnehmer in Diskussionsgruppen und Chats austauschen.

Vor allem Unternehmen schätzen die Vorzüge von Just-Enough-Learning, das kurzfristige, Aufgaben bezogene Lernen aktueller Inhalte, sowie Open-Distance-Learning. Wie bei allen E-Learning Methoden können Teilnehmer hier jederzeit in ihr spezielles Pensum einsteigen und sich ihre Zeit frei einteilen.

Vorteile für Schüler, Studenten und Arbeitnehmer

"Studieren-im-Netz": Interaktive Bildungsangebote sind für Schüler und Studenten attraktiv. (©BLK/gms)

E-Learning hat mittlerweile in verschiedenen Sektoren des öffentlichen Lebens Einzug gehalten: Schüler und Studierende finden im Netz zahlreiche interaktive Bildungsportale, wo sie neben dem Abrufen von Informationen und Wissen ebenfalls in Chats mit Experten und anderen Teilnehmern diskutieren. Dabei dreht sich die elektronische Bildung durchaus nicht immer um den Themenkreis Informationstechnologie, obwohl die EDV natürlich mittlerweile in zahlreichen Bildungsveranstaltungen Anwendung findet.

Die Vorzüge des elektronischen Lernens sind offensichtlich: Die Teilnehmer(innen) bekommen ihre Lerninhalte zügig über das Internet zur Verfügung gestellt und nutzen das Netz als Bildungs- und Info-Plattform, auf die man mobil zugreifen kann. Niemand muss mehr auf den Bus warten, um zum Unterricht zu erscheinen, es kann am Arbeitsplatz oder daheim gepaukt werden. Mehr Individualität gibt es ebenfalls bei der Zeiteinteilung. Die neue Lern-Unit kann entweder in der Mittagspause, vor dem Geschäfts-Meeting oder in der Freistunde angepackt werden. Und natürlich spielt auch der Kostenfaktor im E-Learning eine gewaltige Rolle: Der Kurs übers Internet spart die Mietkosten eines Veranstaltungsraums, statt einer Bildungsstättenverwaltung kümmert sich ein qualifiziertes Webmaster-/Tutoren-Team darum, dass das Lernen funktioniert.

Nischen für E-Learning: Beispiele aus der Praxis

Studieren und weiterbilden in den eigenen vier Wänden - der heimische PC bietet den Zugriff auf Vorlesungen und Schulungen.

Studieren und weiterbilden in den eigenen vier Wänden - der heimische PC bietet den Zugriff auf Vorlesungen und Schulungen.

Im Hochschulbereich kann E-Learning vor allem bei der Seminarvor- bzw. Seminarnachbereitung sinnvoll sein. So bringen mittlerweile Dozenten als Online-Tutoren das Vorwissen der Studenten durch ein Vorbereitungsprogramm auf den gleichen Stand. Die Seminarzeit selbst egal ob virtuell oder nach herkömmlichen Muster kann dann uneingeschränkt für den eigentlichen Stoff genutzt werden. In der Nachbereitung wird der Stoff dann in einem virtuellen Repetitorium wiederholt.

In den Vereinigten Staaten gehört das E-Learning wie zu erwarten besonders in Business-Schools und MBA-Studiengängen zum integrativen Bestandteil. Auch Wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten in Deutschland testen immer häufiger wie effizient das Internet als Lernmittel genutzt werden kann, z.B. auf der Seite www.openuss.de, einer offenen Lernplattform, auf der Studierende Internet-exklusive Lernskripte finden und sich über Foren beraten können. Vielleicht wäre der nächste Schritt, über den Openuss-Server per Video-Livestream Veranstaltungen anzubieten. Dazu müssten jedoch alle Studierenden die Möglichkeit haben, auf einen breitbandigen Internetanschluss zuzugreifen. In den USA und an exklusiveren Hochschulen ist dies bereits akademischer Alltag.

Eine umfassende Plattform des Knowledge Network hat seit einigen Jahren DaimlerChrysler mit dem Einsatz von virtuellen Bildungseinrichtungen aufgebaut. Der deutsch-amerikanische Automobilhersteller hat bereits über 7000 Führungskräfte fortgebildet, sei es in unternehmensspezifischen Fragen oder der Schulung der so genannten Soft Skills. Bei DaimlerChrysler genießt das Projekt bereits unternehmensstrategische Bedeutung. Andere Großkonzerne bauen mittlerweile ähnliche virtuelle Fortbildungssysteme auf.

Mehrere tausend Mitarbeiter der Dresdner Bank haben sich in einem Selbsttraining am Arbeitsplatz fit gemacht für die Internet-Nutzung. Ein eigens entwickeltes Programm hat es ihnen ermöglicht, direkt an ihrem PC Übungseinheiten zu absolvieren. An diesem Beispiel wird insbesondere auch der Einspareffekt beim E-Learning deutlich, da auf Trainer und Seminarräume verzichtet werden konnte.

Ein Notebook in jedem Schulranzen?

Der Standard im Klassenzimmer der Zukunft? © H. Bücker

Bei etwa 40 Millionen geschätzten Internet-Surfern sieht sich die Bundesregierung in der Pflicht, die Entwicklung schulischer Lehr- und Lernmittel sowie den Aufbau multimedialer Informationsquellen mit zu unterstützen. 100 Millionen Mark hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) daher für die kommenden fünf Jahre bereitgestellt. Seit 2000 gibt es ebenfalls das vom BMBF gestartetes Programm “Neue Medien in der Bildung: Vorhaben werden in Abstimmung mit Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden konzipiert und in den Branchen Informationswirtschaft, Handwerk, Textil, Kfz, Metall und Medien eingesetzt.

Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit so genannten public-private-partnerships in einer Computerbörse, einem Forum zum technischen Sponsoring von Schulen und Universitäten. Zwar ist laut Bildungsministerin Edelgard Bulmahn mittlerweile jede Schule Deutschlands vernetzt, bis allerdings zum Standard-Inhalt eines Schultornisters neben Heft und Buch auch ein Internet-fähiges Notebook gehört, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen.

Wieder einmal haben zahlreiche Schulen in den Vereinigten Staaten in diesem Fall technisch die Nase vorn: Sie gehen direkt eine Kooperation mit Computerherstellern wie z.B. Apple ein und lassen sich tausendfach mit iBooks und Lernsoftware beliefern, die den Schülerinnen und Schülern gratis zur freien Verfügung gestellt werden und ebenfalls mit nach Hause genommen werden dürfen. Sucht dagegen ein Schüler oder Student in Deutschland nach bildungsfreundlichen so genannten “Educational offers darf er in der Regel höchstens mit Rabatten um zehn Prozent gegenüber dem normalen Preis rechnen.

Branche mit Licht und Schatten

Markt-Analysten zufolge steht die E-Learning-Branche hierzulande erst vor einer notwendigen Konsolidierung, welche die Spreu vom Weizen trennen wird. Laut einer Einschätzung der Rating-Agenturen J.P. Morgan und IDC wird europaweit der E-Learning-Markt innerhalb von drei Jahren über 80 Prozent wachsen.

Nachdem die grundsätzlichen technischen Leistungsmerkmale für das “e akzeptiert sind, muss sich die Brache jetzt darauf einigen, was das “learning mittel- bis langfristig leisten soll. Vor allem Neueinsteiger müssen sich auf eine harte Zukunft gefasst machen: Gelungene Referenzprojekte, z.B. das kommerzielle Schülerhilfe-Portal www.SCHOOL-SCOUT.de haben das Vertrauen der Benutzer gewonnen, hochfliegende Visionen müssen sich erst einmal durchsetzen und Risikokapital-Gesellschaften sind bei Investitionen derzeit kritischer als in der Vergangenheit.

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