Der Begriff "Nachhaltigkeit" verweist auf eine lange Tradition, auch wenn er erst seit Mitte der 80er Jahre durch ein wachsendes umwelt- und entwicklungspolitisches Denken ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gelangte.
Ursprünglich stammt das Konzept der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft und besagt, dass sich eine Ernte auf das beschränken sollte, was die Natur nachwachsen lässt. Einfacher ausgedrückt: Wer Brennholz schlägt, muss Brennholz pflanzen. Der im 18. Jahrhundert von Carl von Carlowitz, einem Oberberghauptmann in Freiberg/Sachsen eingeführte Begriff, besitzt in seiner Umsetzung eine wesentlich längere Tradition.
Ob Fruchtfolge, um das Auslaugen der Böden zu vermeiden und Schädlinge zu bekämpfen, Fangquoten in der Fischerei, die den Bestand garantieren oder Schonzeiten für Wild, - meist ist Nachhaltigkeit der Grundgedanke bei einer eingeschränkten Nutzung der natürlichen Ressourcen.
Industrialisierung und Globalisierung
Schon in der Antike wurden Wälder rücksichtslos gerodet, um Baumaterial oder Brennstoff zu gewinnen. Mit der Bevölkerungszunahme des 19. Jahrhunderts wurde der Umgang mit der Natur zunehmend problematischer. Die Verstädterung brachte Probleme bei der Abfallentsorgung und die als Lösung erdachten Mülldeponien belasteten die Böden. Auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Abwasserentsorgung wurden zunehmend zu einem Problem.
Mit der Industrialisierung kam es dann zu einer weiteren Entfernung von einem nachhaltigen Denken. Zunächst war es nicht notwendig, sich Gedanken über Rohstoffquellen und ihr Versiegen, Umweltbelastung oder soziale Komponenten zu machen. Als aber die extremen Folgen des Raubbaus an Natur und Mensch nicht mehr zu ignorieren waren, rückten viele der heute unter dem Thema "Nachhaltigkeit" diskutierten Fragestellungen ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

So kann man sicher die Abschaffung der Kinderarbeit in den Industrienationen, den Arbeitnehmerschutz, Bestimmungen zur Arbeitsplatzgestaltung oder Ähnliches als eine Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit betrachten.
Auch die Nutzung alternativer Energiequellen, angetrieben nicht zuletzt durch die Energiekrise in den 70er Jahren, ist eine Planung für die Zukunft, die auch den folgenden Generationen die Energieversorgung garantieren soll.
Ein Begriff wird zum Programm

Mitte der 80er Jahre wird der Begriff der "Nachhaltigkeit" Thema bei allen wichtigen multilateralen Organisationen.
Die Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sollen so ausgerichtet werden, dass heutige Entwicklungen keine negativen Auswirkungen auf künftige Generationen haben. Zentraler Punkt der Diskussion ist die Erkenntnis, dass nicht zuletzt die unterschiedlichen Interessen von Entwicklungsländern und Industriestaaten gravierende Probleme für die Umwelt mit sich bringen.

So setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass nur mit wirtschaftlichem Fortschritt und einer gerechteren Verteilung der Ressourcen das Umweltbewusstsein in den Entwicklungsländern gestärkt werden kann.
Die Industriestaaten einigten sich bei den unterschiedlichen Konferenzen zum Thema Nachhaltigkeit darauf, einen schonenderen Umgang mit Ressourcen anzustreben.
Das ist auch dringend notwendig! Würden sich die Entwicklungsländer in gleichem Maße weiterentwickeln wie die Industrieländer, stünde der Kollaps unserer Umwelt direkt bevor.
Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung verfolgt zwar ähnliche Ziele wie die herkömmlichen Entwicklungsmodelle. Wirtschaftswachstum, Armutsbekämpfung, Bevölkerungskontrolle, der Einsatz neuer Technologien und die Demokratisierung von Entscheidungsprozessen sollen jedoch die Umweltbelastung und soziale Kosten miteinbeziehen und so eine nachhaltige Entwicklung garantieren.
Weitere Ansatzpunkte der Nachhaltigkeit sind die Erleichterung der Schuldenlast, gerechtere Handelsbedingungen für die Entwicklungsländer sowie eine Reform der internationalen und multilateralen Organisationen.






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