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Ein Gipfel für die Meere: Die erste UN-Ozeankonferenz

Plastikmüll, Überfischung und Klimawandel: Die Meere unseres blauen Planeten sind in einem desolaten Zustand. Um dies zu ändern, findet in diesen Tagen die erste UN-Ozeankonferenz der Geschichte statt. Vertreter aus über 150 Nationen beraten in New York darüber, wie man die Zerstörung der Meeresumwelt aufhalten kann.

Walfisch und Plastikmüll
Offizielles Poster zur UN-Ozeankonferenz
Zwei Drittel unserer Erde sind von Ozeanen bedeckt – Meere sind der größte Lebensraum auf unserem Planeten. Von den wimmelnden Korallenriffen der Tropen über die dramatischen Schluchten der Kontinentalränder bis hin zur geheimnisvollen und weitgehend unterforschten Tiefsee reicht das Spektrum ganz unterschiedlicher Lebenswelten unter Wasser. In der blauen Tiefe entwickelte sich über Milliarden Jahre hinweg das erste Leben unseres Planeten, bevor es dann auch die Landflächen eroberte.

Müllsammelaktion in Kenia
Säckeweise Müll kam in Kenia bei einer Strand-Aufräumaktion zusammen.
Vermüllt, überhitzt und leergefischt

Doch diese einzigartige Welt ist bedroht. Der Klimawandel lässt die Meere zunehmend wärmer und saurer werden. Als Folge sterben immer mehr Korallen und viele Fische und andere Meerestiere wandern aus zu warmen Gebieten ab. Der Mensch sorgt mit seinem Hunger nach Fisch zudem dafür, dass rund ein Drittel aller weltweiten Fischbestände akut überfischt sind.

Besonders dramatisch aber ist die Verschmutzung und Vermüllung der Ozeane: Mehr als fünf Billionen Plastikteile schwimmen schon jetzt in den Weltmeeren. Das Spektrum reicht dabei von Plastiktüten und PET-Flaschen über Kunststoffteile von Fischernetzen bis hin zu Unmengen winziger Mikroplastik-Partikel.

Und es wird immer mehr: Jedes Jahr gelangen von den Küsten rund acht Millionen Tonnen zusätzlicher Plastikmüll ins Meer. Selbst in den entlegensten Gebieten des Ozeans – in der arktischen Tiefsee oder an den Küsten unbewohnter Inseln mitten im Pazifik, sammelt sich der Abfall unserer Zivilisation. Forscher schätzen, dass im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch in den Meeren schwimmen könnte.

Eröffnungsfeier
Bei der Eröffnung der ersten UN-Ozeankonferenz führten Bewohner der Fidschi-Inseln eine Zerermonie durch.
Wir müssen jetzt handeln!

Eigentlich hatte sich die Weltgemeinschaft schon im Jahr 1993 das Ziel gesetzt, die Ozeane, Meere und maritimen Ressourcen zu schützen und zu bewahren – und durch konkrete Maßnahmen darauf hin zu arbeiten. Der Schutz der Meere gehört zu den 17 offiziellen Zielen für Nachhaltige Entwicklung, auf die sich die Staaten damals geeinigt haben. So sollte die Mengen an Plastikmüll gesenkt werden, die Überfischung verringert und die Zahl der Fläche der geschützten Meeresgebiete erweitert werden. Bisher allerdings ist in dieser Hinsicht wenig passiert.

Unter anderem deshalb zieht die UNO nun die Konsequenz und ruft im Rahmen der ersten UN-Ozeankonferenz zu entschiedenerem Handeln auf. "Unsere Meeres zu erhalten und sie nachhaltig zu nützen bedeutet auch, das Leben selbst zu erhalten", betonte UN-Generalsekretär António Guterres bei der Eröffnung der Ozeankonferenz.  "Die ist die beste Chance, die wir noch haben, um den Zyklus der Zerstörung umzukehren, den die menschliche Aktivität über die Meere gebracht hat", ergänzte Peter Thomson, Präsident der UNH-Generalversammlung.

Worum geht es auf der Konferenz?

Noch bis zum 9. Juni 2017 diskutieren und verhandeln in New York tausende von Wissenschaftlern, Politikern und Umweltschützern darüber, wie das Nachhaltigkeitsziel des Meeresschutzes am besten erreicht werden kann. Konkret gibt es neben den Plenarsitzungen sieben sogenannte Dialoge, in denen verschiedene Länder konkret miteinander über Maßnahmen zum Meeresschutz beraten können. Außerdem haben verschiedene Akteure bereits Vorschläge eingereicht, in denen sie konkrete Schutzmaßnahmen vorschlagen oder sich zu diesen verpflichten.

Am Schluss der Ozeankonferenz soll es eine gemeinsame Abschlusserklärung geben, in dem sich die Teilnehmerländer auf möglichst konkrete Ziele beim Meeresschutz einigen. In dem "Call for Action" sollen die Staaten dazu verpflichten, Strategien gegen den Plastikmüll im eigenen Land umzusetzen. Auch Maßnahmen gegen den Klimawandel und zum Schutz bestimmter Lebensräume wie der Mangrovenwälder oder der Korallenriffe sollen beschlossen werden.

Wie konkret und weitreichend diese Abschlusserklärung wird und ob die darin festgelegten Ziele auch umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

NPO, 08.06.2017
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