Das Lamm mit der Nummer 6LL3 wird am 5. Juli 1996 in einem Stall des schottischen Roslin-Forschungsinstituts geboren – jenes Schaf, das unter dem Namen Dolly als erstes geklontes Säugetier in die Geschichte eingehen wird. Den Forschern Keith Campbell und Ian Wilmut war es gelungen, aus einer Euterzelle eines Schafes eine genetische Kopie, einen künstlichen Zwilling, zu schaffen.

Das Schaf Dolly war das erste geklonte Säugetier (hier ausgestellt im Royal Museum of Scotland)
Doch Campbell und Wilmut legten nach. Auf Dolly folgte das zweite Klonschaf Polly, das auch noch gentechnisch verändert war und einen menschlichen Blutgerinnungsfaktor in der Milch produzierte. 1997 gelang es Forschern auf Hawaii Mäuse zu klonen. 1998 folgten Rinder und in den Jahren danach Ziegen, Ratten, Schweine, Hunde, Katzen und viele andere Säugetiere. Bei Primaten gelang es bislang jedoch nicht, einen vollständigen Klon heranwachsen zu lassen. Von Rhesusaffen schufen Forscher der University of Beaverton (Oregon, USA) zwar Klonembryonen, doch sie gewannen daraus lediglich Stammzellen.
Klone haben eine geringere Lebenserwartung
So wurde Dolly gezeugtDie Schritte zur Zeugung des Klonschafts Dollys in schematischer Darstellung
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Die Schritte zur Zeugung des Klonschafts Dollys in schematischer Darstellung
Um einen vollständigen Rhesusaffen-Klon zu generieren ("reproduktives Klonen"), müssten die Forscher die Klon-Embryonen wie bei Dolly in eine Gebärmutter verpflanzen. Ob dann allerdings ein Klon-Affe heranwachsen würde, ist ungewiss, denn der Vorgang des Klonens hat eine hohe Fehlerrate. Das liegt weniger an der Technik des Klonens als am biologischen Prozess, der während des Klonens abläuft. Beim Klonen von Dolly verfrachteten Campbell und Wilmut das Erbgut einer Euterzelle in eine Eizelle, der vorher das eigene Erbgut entfernt worden war. Im Labor wuchs daraus ein Embryo heran, der dann in die Gebärmutter eines Leihmutterschafs eingesetzt wurde. Allerdings verbrauchten die Forscher 277 Eizellen, bis Dolly geboren wurde. Bei anderen Säugetieren braucht es mitunter sogar mehrere hundert Versuche und Eizellen, bis ein einziger Klon geboren wird.
Das liegt daran, dass das Erbgut einer hochspezialisierten Zelle (wie zum Beispiel einer Euterzelle) in einen embryonalen Zustand zurückversetzt werden muss, um die Entwicklung eines vollständigen Tieres möglich zu machen. Beispielsweise sind Gene, die in der Euterzelle für die Milchproduktion eingeschaltet sein müssen, in einem Embryo normalerweise abgeschaltet. Das Erbgut aus der Euterzelle muss also von der Eizelle erst "reprogrammiert" werden: Embryonale Gene müssen eingeschaltet, Gene spezifisch für Euterzellen ausgeschaltet werden – ähnlich einem Neustart eines Computers. Allerdings funktioniert dieses Reprogrammieren nicht optimal, manche Euterzellgene bleiben eingeschaltet und stören die Embryonalentwicklung des Klons. Deshalb beobachten Forscher nicht nur viele Aborte, sondern auch fehlentwickelte Klonföten.
Selbst Klone, die geboren werden und äußerlich normal erscheinen, haben oft eine geringere Lebenserwartung oder entwickeln ungewöhnliche Krankheiten. Dolly entwickelte bereits mit fünf Jahren eine entzündliche Gelenkserkrankung, die sonst eher ältere Schafe bekommen. Kurz darauf kam eine unheilbare Lungenerkrankung dazu und am 14. Februar 2003 musste der erste Säugetier-Klon der Welt eingeschläfert werden.







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