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Ein Mormone als US-Präsident?

Die Rolle der Kirchen im amerikanischen Wahlkampf

Die Frage nach der Religion könnte zu einem entscheidenden Faktor bei dem Rennen um die US-Präsidentschaft werden.

Wie hältst du’s mit der Religion? Diese Gretchenfrage kümmert – 200 Jahre nach Goethes Faust – bei uns in Deutschland kaum noch jemanden – und schon gar nicht in der Politik. Ganz anders in den Vereinigten Staaten. Amerika ist ein zutiefst religiöses Land. Das Recht auf freie Religionsausübung ist Teil seines Gründungsmythos und die Institution Kirche wurde  hier – anders als in Europa – nie als repressiv oder als verlängerter Arm einer Staatsmacht empfunden. Im Gegenteil: Die strikte Trennung von Staat und Kirche gilt als Grundpfeiler für das Streben nach Freiheit und Demokratie. Dennoch - oder gerade deswegen – spielt die Religion in der amerikanischen Politik eine allgegenwärtige Rolle. Ein Politiker, der keiner der zigtausenden verschiedenen Kirchen und Glaubensgemeinschaften angehört, wäre hier absolut unvorstellbar. Mehr noch: Im Kampf um die Präsidentschaft könnte die Frage nach dem rechten Glauben diesmal die alles entscheidende Frage werden.
Rund 25 Prozent der amerikanischen Bürger bekennen sich laut Schätzungen zum fundamentalen Christentum, das heißt, zu einer wörtlichen Auslegung der Bibel. Zu ihnen gehören die Baptisten ebenso wie die Methodisten oder die Pfingstler, um nur einige der wichtigsten evangelischen Kirchengemeinschaften Amerikas zu nennen. Spätestens seit Ronald Reagan gilt es als ausgemachte Sache, dass diese sogenannten Evangelikalen, zu denen auch der letzte US-Präsident George W. Bush gehört, die Republikaner unterstützen. Auch unter den Anhängern der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung finden sich überdurchschnittlich viele fundamentale Christen.
Doch diesmal läuft es nicht so rund.


Die Evangelikalen mögen die Mormonen nicht

Nachdem bei den Vorwahlen im konservativen Lager alle Favoriten der mächtigen evangelikalen Wählerschaft ausgeschieden sind oder das Handtuch geschmissen haben, steht Mitt Romney als Spitzenkandidat der Republikaner fest. Der Unternehmer verkörpert eigentlich alles, was ein Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den Augen der konservativen Christen vorweisen sollte: Er ist gegen Abtreibung, Sex vor der Ehe und die Homo-Ehe ebenso wie gegen die Einmischung des Staates in Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Er trinkt und raucht nicht, spendet großzügig seiner Gemeinde, ist seit 42 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet und hat fünf Kinder und 16 Enkel. Er hat nur einen einzigen Makel – er ist Mormone. Und das ist vielen gestandenen Evangelikalen zu viel des Guten. Fast Zweidrittel von ihnen betrachten laut einer Umfrage die "Kirche Jesu Christi der Letzten Tage“, der Romney angehört, nicht wirklich als christliche Glaubensgemeinschaft, da sie nicht auf der Bibel beruhe. Diese Skepsis war wohl letztendlich der Hauptgrund, warum die Vorwahlen so lang und für die Republikaner eher selbstzerfleischend verlaufen. Selbst der katholische Bewerber Rick Santorum war vielen – ansonsten nicht gerade papstfreundlichen – evangelikalen Wahlmännern lieber als der Mormone Mitt Romney. Dessen Anhänger kommen eher aus dem Establishment der republikanischen Partei und schätzen an ihm vor allem seine Kompetenz als Wirtschaftsboss.

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von Caroline Mascher
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2 Kommentare

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... wie kann jemand mit einem Vermögen von nur 250 000 Dollar jährlich 2 mio spenden???

Da sind wohl drei Nullen verloren gegangen. Es handelt sich natürlich um 250 Millionen Dollar. Wir haben es bereits ausgebessert!