Dresden trauert, Schleswig-Holstein jubelt: Am Tag nach der Aberkennung der Dresdner Weltkulturerbetitels kam die frohe Kunde aus Sevilla. Das Wattenmeer wurde von der Unesco "als eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde" gewürdigt, dessen einzigartiges Ökosystem dauerhaften Schutz verdiene. Nach der Grube Messel, einer Fossilienlagerstätte bei Darmstadt, ist das Wattenmeer das zweite Naturerbe in Deutschland. Zum Weltnaturerbe gehören nun das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet sowie die deutschen Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Lernen Sie mit uns das Wattenmeer kennen.
Überblick

Das weltweit einzigartige Ökosystem erstreckt sich in seiner Gesamtheit über deutsches, dänisches und niederländisches Territorium. Seine Verletzlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen macht den Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zur schützenswerten Region. Die komplexen und feinstrukturierten biologischen und ökologischen Prozesse im Wattenmeer können bereits bei minimalen Eingriffen empfindlich gestört werden. Deshalb ist der Nationalpark Wattenmeer in verschiedene Schutzzonen-Kategorien aufgeteilt. In der Schutzzone 1 (Ruhezone) hat der Schutz von Tieren und Pflanzen absoluten Vorrang. Lediglich auf den Wander-, Reit- und Radwegen ist es erlaubt, die Natur zu beobachten. In der Schutzzone 2 (Zwischenzone) soll vor allem das typische Landschaftsbild geschützt werden. Diese Zone darf frei betreten werden, jedoch darf nichts mitgenommen werden, was der Natur gehört. Außerdem gibt es saisonale Brutflächen von Vögeln. Diese dürfen während der Brutzeit nur von speziellen Wegen betreten werden. Die Schutzzone 3 (Erholungszone) dient der Erholung des Menschen. Hier sind motorgetriebene Geräte verboten. In allen drei Schutzzonen ist es selbstverständlich zu unterlassen, seinen Abfall dazulassen.
Doch das Wattenmeer von den Niederlanden über Deutschland bis Dänemark ist nicht einzigartig, sondern es gibt über 100 Flachküsten in den gemäßigten Zone. In den tropischen Zonen sind flache Küstengebiete zumeist mit Mangroven überwachsen und werden nicht Wattenmeer sondern Gezeitenwälder genannt. Das nordeuropäische Wattenmeere entstanden in erster Linie mit dem Anstieg des Meeresspiegels infolge der Erwärmung nach der letzten Eiszeit. Besonders bei Sturmfluten brach das Meer ins Land hinein. Dadurch entstanden Flachwasserzonen, die bei Ebbe trocken fielen. Das ist das Watt. Vorgelagerte, höhere gelegenen Küstenlinien wurden dadurch zu Inseln.
Geographische Lage

Der Nationalpark Wattenmeer erstreckt sich entlang der gesamten Nordseeküste Deutschlands von der dänischen bis zur niederländischen Grenze. Auf deutschem Gebiet teilt sich der Naturpark, der gleichzeitig auch Nationalpark ist, auf drei Bundesländer auf, die jeweils einen Teil des Parks verwalten: Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg. Hamburg hatte übrigens seine Unterstützung für die Unesco-Bewerbung zurückgezogen, wegen der geplanten Elbvertietung. Der Nationalpark Wattenmeer umfasst dabei im Prinzip die kompletten Küstengebiete und die vorgelagerten Inseln. Ausgenommen davon sind die Mündungen von Elbe, Weser und Ems, Teile der Jade und der Halligen sowie die nordfriesischen Inseln. Der Nationalpark reicht dabei teilweise bis zu 30 km in die offene Nordsee hinein.
Da der Umweltschutz naturgemäß eine überragende Bedeutung im Nationalpark einnimmt, sind Behörden und Anrainer bemüht, kein allzu hohes Verkehrsaufkommen zuzulassen. Flüge auf die Inseln sind deshalb nur im kleineren Unfang möglich. Wichtigstes Verkehrsmittel ist demzufolge das Schiff, mit dem nicht nur die Inseln angefahren, sondern auch zahlreiche Rundfahrten unternommen werden können. Bis an die Küste kann man dagegen sowohl mit der Bahn wie auch mit dem Auto fahren. Wichtigste Endhaltepunkte der Bahn sind die Orte Norden, Wilhelmshaven, Cuxhaven, Büsum, Sankt Peter-Ording und Husum. Eine der landschaftlich schönsten Strecken entlang der Küste lässt sich mit dem Auto bewältigen: die Grüne Küstenstraße führt von Tønder (Dänemark) direkt hinter der Grenze bis hinunter nach Emden. Auf dem Teilstück von Hamburg bis Emden wird sie auch Störtebekerstraße genannt.
Landschaft
Der Nationalpark Wattenmeer ist das größte zusammenhängende Schutzgebiet in Mitteleuropa.

Allein die Fläche auf deutschem Territorium beträgt insgesamt 5367 km2. Im Wattenmeer leben über 3000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, eine Zahl, die die Bedeutung dieses Naturraums unterstreicht. Die Einzigartigkeit dieser Landschaft macht sie zur Heimat zahlreicher Tiere und Pflanzen, die nur hier existieren können. Dazu zählen Pier- bzw. Wattwürmer, Schlickkrebse, Sandgarnelen, Wattschnecken, diverse Muschelarten und - als einzige im Watt lebende Säugetiere - Seehunde. Für einige Fischarten hat das Watt eine besondere Bedeutung, denn hier können Jungfische sich in den flachen Prielen und Pfützen ohne Angst vor Meeresräubern entwickeln.

Auch für die Seevögel hat das Wattenmeer eine überragende Bedeutung: es liefert bei Ebbe nicht nur reichlich Nahrung, sondern dient auch als Station für zwei bis drei Millionen Vögel, die auf dem Weg zu ihren subarktischen Brutgebieten sind.

Daneben bietet der Nationalpark außerhalb des Watts gute Brutmöglichkeiten für Vögel, weshalb es überall im Parkgebiet Vogelschutzgebiete gibt. Und auch die Landschaft um des Watt ist einzigartig. Sanddünen dienen als natürlicher Küstenschutz und im Übergangsbereich zwischen Watt und Festland liegen mit den Salzwiesen einmalige Landschaften, die hochspezialisierte Pflanzen beheimaten, darunter die Quellern, das Schlickgras, Andelgras und Strandastern.
Sehenswürdigkeiten
Büsum
Der kleine Küstenort liegt westlich von Heide an der Meldorfer Bucht im südlichen Schleswig-Holstein. Die Schutzstation des Ortes (Hafenstr. 29, Tel. 04834-87 30) bietet Wattführungen, Vogelkundliche Radtouren und Diavorträge. Für Kinder gibt es spezielle Wanderungen, Gruppenspiele und die »Büsum-Watt-Trophy«, eine Rallye durch das Informationszentrum des Ortes (Altes Schleusenhaus, Tel. 04834-90 91 51). Im Infozentrum kann man sich ausgiebig über Tiere, Landschaft und Vegetation des Nationalparks informieren.
Öffnungszeiten Nationalpark-Infozentrum: 15. März bis 31. Okt. 9:30-16:30 Uhr (Sa. geschlossen); 1. Nov. bis 14. März Mo-Fr 10-14, So 11-15 Uhr (Sa. geschlossen).
Friedrichskoog
Im Süden Schleswig-Holsteins liegt dieser Ort unterhalb der Meldorfer Bucht. Die örtliche Schutzstation (Am Hafen, Tel. 04854-92 98) bietet Wattwanderungen, Vogelkundliche Führungen und Radtouren, Salzwiesenexkursionen und Diavorträge an. Für Kinder gibt es spezielle Kinderwattexkursionen und eigene Diavorträge. Wattwanderungen starten ab Friedrichskoog-Spitze.
Öffnungszeiten: Di und Do 14-18 Uhr; Sa und So 10-18 Uhr
Halligen
Die Halligen sind ein weltweit einmaliges Landschaftsphänomen und liegen im schleswig-holsteinischen Nordseegebiet zwischen Föhr im Norden und Nordstrand im Süden. Im Gegensatz zu den friesischen Inseln besitzen sie keinen Inselkern und sind durch Schlickablagerungen entstanden. Erst als die Ablagerungen über dem Meeresspiegel angelangt waren, siedelten sich Pionierpflanzen und später auch Menschen auf den Inseln an.Von einst über 100 Halligen existieren heute noch zehn. Die Halligen Hooge, Langeneß, Oland, Nordstrandischmoor und Gröde gehören nicht dem Nationalpark an, die übrigen (Hamburger Hallig, Südfall, Norderoog, Süderoog und Habel) liegen in verschiedenen Schutzzonen. Auf den Halligen Hooge und Langeneß befinden sich Schutzstationen (Hooge: Hanswarft, Tel. 04849-229; Langeneß: Peterswarf, Tel. 04684-216), auf Langeneß zusätzlich auch ein Nationalpark-Infozentrum (Rixwarf, Tel. 04684-216).
Mellum

Die Düneninsel vor der niedersächsischen Küste liegt im Wattenmeer zwischen Jade- und Wesermündung. Durch den Wind und die Gezeiten ändert die Insel, die zur Schutzzone 1 gehört, kontinuierlich ihren Küstenverlauf. Mellum ist vor allem als Brut- und Aufzuchtgebiet für Silbermöwen und Austernfischer von Bedeutung. Zugleich bilden die Sandbänke um die Insel einen der wichtigsten Seehund-Lebensräume des Nationalparks.
Infos: Der Mellumrat, Zum Jadebusen 179, 26316 Varel-Dangast, Tel. (04451) 84 191.
Memmert

Memmert gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und liegt am Ostrand der Emsmündung zwischen den ostfriesischen Inseln Borkum und Juist. 1907 wurde dort eine Vogelschutzkolonie eingerichtetund 1924 wurde die Insel unter Naturschutz gestellt. Memmert gehört zwar zur Schutzzone 1, kann aber unter Führung des Vogelwartes im August und September betreten werden. Die Insel ist nicht nur Brutgebiet für Silber- und Heringsmöwen, Seeschwalben und Regenpfeifer, sondern gleichzeitig auch ein unverzichtbares Rastgebiet für Austernfischer, Brachvögel und Knutts.
Nordfriesische Inseln
Zwischen dänischer Grenze im Norden und Nordstrand im Süden liegen die Nordfriesischen Inseln, die nicht zum Nationalpark Wattenmeer gehören, obwohl sie teilweise von ihm umgeben sind. Von Norden nach Süden sind es Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm. Trotzdem gibt es auch auf den touristisch äußerst beliebten Inseln zahlreiche Stellen, die über das Wattenmeer informieren. Schutzstationen gibt es auf allen Inseln: Amrum: Mittelstraße 34, Wittdün, Tel (04682) 27 18; Föhr: Sandwall 38, Wyk, Tel. (04681) 13 13; Pellworm: Villa Wattwurm, Osterschütting 9, Tel. (04844) 760; Sylt: Kuno-Ehlfeldt-Haus, Steintal, Hörnum, Tel. (04653) 88 10 93; Biologische Station, Hafenstr. 39, List, Tel. (04652) 13 85. Nationalpark-Infozentren befinden sich auf Amrum (Naturzentrum, Norddorf, Tel. 04682-16 35), Föhr (Rathaus, Wyk, Tel. 04681-42 90) und Sylt (Naturzentrum Braderup, M.-T.-Buchholz-Stig 1, Wenningstedt, Tel. 04651-44 421).
Ostfriesische Inseln

Zwischen Emsmündung im Westen und Jadebusen im Osten liegen die Ostfriesischen Inseln, die allesamt Teil des Nationalparks Wattenmeer sind. Von Westen nach Osten sind es Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge. Ihr Seeklima hat sie zu Nordseeheilbädern gemacht, die vor allem von Familien und Individualtouristen zu Urlaubsreisen genutzt werden. Alle Inseln verfügen über ausgedehnte Vogel- und Naturschutzgebiete sowie weit reichende Sandstrände und Dünenlandschaften. Infos gibt es in den Nationalpark-Häusern auf den Inseln Baltrum (Haus Nr. 177, Tel. 04939-469), Borkum (Feuerschiff Borkumriff, Tel 04922-20 30), Juist (Carl-Stegmann-Str. 5, Tel. 04935-15 95), Norderney (Am Hafen 1, Tel. 04932-20 01) und Wangerooge (Friedrich-August-Str. 18, Tel. 04469-83 97).
Sankt Peter-Ording
Der bekannte Badeort liegt an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste auf der Halbinsel Eiderstedt nördlich der Eidermündung. Berühmt ist Sankt Peter-Ording vor allem für seinen weitläufigen Sandstrand mit den typischen Pfahlbauten. Nördlich der Tumlauer Bucht existiert aber auch ein Vogelschutzgebiet am Westerheversand.
Die Schutzstation in Sankt Peter-Ording (Zum Südstrand, Tel. 04863-53 03) bietet nicht nur vogelkundliche Fahrradtouren und Führungen, sondern auch Meeres-, Watt-, Salzwiesen- und Aquarienführungen sowie naturkundliche Fahrradtouren und Diavorträge an. Für Kinder gibt es spezielle Veranstaltungen. Weitere Informationen über den Naturraum Wattenmeer bekommt man im Naturkundlichen Informationszentrum in der Schulstraße (Tel. (04863-70 31 60) .
Öffnungszeiten: täglich von 10-15 Uhr
Tönning
Östlich von St. Peter Ording liegt an der Mündung der Eider der Ort Tönning. Im spektakulären »Multimar Wattforum« des Ortes kann man den Nationalpark Wattenmeer über verschiedene Spiele, Rätsel, Aquarien, Unterwasserkameras, Mikroskope, Diashows, Filme und Computerpräsentationen kennen lernen und sich die Zusammenhänge zwischen Meeresnutzung, Verschmutzung und Naturschutz erläutern lassen.
Öffnungszeiten: April bis Okt. tgl. 9-19 Uhr; Nov. bis März tgl. 10-17 Uhr
Historie
Schon zu Beginn des 20. Jh. gab es im Wattenmeergebiet Vogelschutzgebiete, so z.B. die Inseln Memmert und Trischen und die Hallig Norderoog.
Anlässlich der Ausweisung erster großflächiger Naturschutzgebiete in den 30er Jahren trat die »Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer« 1963 erstmals mit einer Denkschrift zu Möglichkeit und Notwendigkeit eines Naturreservats »Halligmeer« an die Öffentlichkeit und legte damit den Grundstein für die Idee eines Nationalparks im Nordfriesischen Wattenmeer. Schleswig-Holstein blieb auch in der Folgezeit das Bundesland, in dem die Idee weitergeführt wurde. 1972 brachte der schleswig-holsteinische Landesjagdverband auf dem Deutschen Naturschutztag in Husum den Begriff »Nationalpark« erstmals mit dem Wattenmeer in Verbindung, 1974 erließ die Landesregierung in Kiel eine Verordnung für ein Naturschutzgebiet »Nordfriesisches Wattenmeer«. Es dauerte aber weitere 11 Jahre, bis der schleswig-holsteinische Landtag 1985 ein Nationalparkgesetz verabschiedete, das die Interessen von Mensch und Tier gleichermaßen berücksichtigte. Im Anschluss daran entstanden dann auch die Nationalparks auf niedersächsischem (1986) und Hamburger Gebiet (1990).
Aufgrund der Ausdehnung des Wattenmeers über die Küstenstreifen dreier Staaten, hat die europäische Koordinierung der Nationalparks stark an Bedeutung zugenommen. 1997 unterzeichneten Deutschland, Dänemark und die Niederlande in Stade den Trilateralen Wattenmeerplan. Er koordiniert Umweltschutz, Küstenschutz und wirtschaftliche Nutzung harmonisieren und das Monitoring des Wattenmeers in den drei Ländern koordinieren. 2008 dann melden die Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Bund das Wattenmeer als Welterbe an - Hamburg und Dänemark sind nicht beteiligt. 2009 das Wattenmeer erhält den Titel Weltnaturerbe.
Bibliografie
Kaus Janke, Bruno P. Kremer: Dünne, Strand und Wattenmeer, Stuttgart 2003
Georg Quedens: Strand und Wattenmeer, München 2003
Kontakt
Naturzentrum Nordfriesland
Deutschland, Bredstedt, Bahnhofstr. 23
Nationalpark -Infozentrum
Deutschland, Meldorf, Meldorferhafen
Nationalpark -Infozentrum
Deutschland, Nordstrand, Kurzentrum Norderhafen
Naturzentrum Katinger Watt
Deutschland, Tönning, Katingsiel 14
Nationalpark -Zentrum
Deutschland, Cuxhaven-Sahlenburg, Hans-Claußen-Str. 19
Nationalpark -Zentrum
Deutschland, Norden-Norddeich, Dörper Weg
Nationalpark -Zentrum
Deutschland, Wilhelmshaven, Südstrand 110b
Nationalparkverwaltung Naturschutzamt
Deutschland, Hamburg, Billstr. 84









0 Kommentare