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Erntedankfest

Lexikon: Erntedankfest

Das kirchliche Erntedankfest gehört zu den ältesten religiösen Festen und geht auf vorchristliche Erntefeiern und Opferfeste zurück, die nach dem glücklichen Einbringen der letzten Ernte begangen wurden. Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. sind kirchliche Erntedankfeiern mit der Gemeinde belegt, aber erst im 16. Jahrhundert bestimmte die Kirche gewisse Tage für Erntedankpredigten, meist war dies der Sonntag nach Michaelis (29. September), also der erste Sonntag im Oktober. Innerhalb der reformatorischen Kirchen wurde früher auch der Bartholomäustag (24. August), der Sonntag nach Ägidii (1. September) oder nach Martini (11. November) als Erntefesttag begangen. Der Ursprung des Erntedankfests liegt nicht in biblischen Ereignissen es ist ein Fest, das die Natur durch den Jahreszeitenwandel bestimmt. So wird Gott an diesem Tag nicht nur für seine Vorsorge und Liebe dem Menschen gegenüber gedankt (Eucharistie), sondern hauptsächlich für das Gedeihenlassen der geernteten Früchte. Darüber hinaus wird sich der Mensch seiner Aufgabe als Bewahrer der Schöpfung bewusst (Genesis 1,28; 2,15).

Lexikon: Ursprung des Erntedankfests

Feiern zum Abschluss der Ernte gab es schon in vorchristlicher Zeit und wahrscheinlich bei allen Völkern und Religionen. Denn solange der Mensch bei seiner Nahrungsbeschaffung in den Naturkreislauf eingebunden und von diesem abhängig war, war die gelungene Ernte und damit die weitere Überlebenssicherung ein wichtiger Anlass für Dankesfeiern. Rituelle Erntefeste, meist verbunden mit großen Opfergaben wie z. B. das Schlachten von Schweinen, Gänsen oder Schafen, sind damit so alt wie der Ackerbau. Diese Feste fanden jedoch - je nach Region und Klimazone - zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten, auch mehrmals im Jahr, statt. So gab es in Mitteleuropa in römischer Zeit vier verschiedene Erntefeiern, von denen sich die Herbstfeier im christlichen Ritus fortsetzte. Im Alten Testament sind zwei isrealitische Erntefeste bezeugt, die ebenso als Vorläufer unseres Erntedanks angesehen werden können: Das Wochenfest (Schawuot), bei dem der Ernte der ersten Feldfrüchte, besonders des Weizens, gedacht wurde und das Laubhüttenfest (Sukkot), das der herbstlichen Obst- und Weinlese gedenkt.

Aktuell: Erntedank heute

Beim Erntedank-Gottesdienst wird der Altar mit Getreide, Gemüse und Obst aus Feld und Garten geschmückt. Mit Gebeten und Gesang dankt die Gemeinde Gott für die Ernte. In Anlehnung an das Erntedankfest wird in Nordamerika seit 1621 am 4. Donnerstag im November der Thanksgiving-Day gefeiert, bei dem der ersten Ernte der Pioniere gedacht wird. Dieser ist allerdings kein kirchlicher, sondern ein ziviler Feiertag. Das Erntedankfest wird in den verschiedenen Ländern und Religionen der Welt zwar auf unterschiedliche Weise gefeiert, eines ist jedoch überall gleich: Jeder besinnt sich dankbar auf den Wert unserer Nahrung, auf die Notwendigkeit des "täglichen Brotes". In vielen Gemeinden gehörte es daher zur Tradition, alle gesammelten Gaben nach dem Fest an Bedürftige zu verteilen. Heute dagegen wird die kirchliche Erntedankfeier vielfach mit Solidaritätsaktionen zugunsten hungernder Menschen verbunden. Noch immer aber schmücken die Kirchengemeinden ihre Kirchen - je nach regionaler Tradition - mit Erntekränzen, Erntekronen, Fruchtsäulen, Erntepuppen, Ährenstöcken oder Ernteteppichen. Erntekranz: Aus Ähren gebunden und mit Feldfrüchten geschmückt, soll der Kranz die Jahreszeitenwandel und den Kreislauf der Natur darstellen. Erntekrone: Aus Ähren gebunden, symbolisiert die Erntekrone die Würde Gottes. Fruchtsäule: Die Fruchtsäule besteht aus Früchten, die eine Säule bilden, sowie aus einer Erntekrone. Erntepuppe:Als Gabe an die Vögel auf dem Feld werden die letzten Garben zu einer Puppe zusammengeschnürt und auf dem Feld zurückgelassen. Ernteteppich: Der Ernteteppich wird aus allem geflochten, was die Ernte hervorgebracht hat.

Tipp: Erntedank in der Lyrik

In der deutschen Lyrik ist das Erntedankfest ein gern und oft interpretiertes Thema. Eins der bekanntesten Gedichte zu diesem Fest stammt von Matthias Claudius (17401815):
Erntedank
Wir pflügen und wir streuenden Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen liegt in des Himmels Hand;
er tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm,
dankt, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn.
Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein
und wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein,
und bringt ihn dann behände in unser Feld und Brot;
es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe ...
Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf,
er lässt die Winde wehen und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot;
er gibt dem Vieh die Weide und seinen Menschen Brot.
Alle gute Gabe ...

Bibliografie

K.-H. Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, 7. Auflage, Becksche Reihe 2005

Cordula Pertler, Eva Reuys: Kinder feiern Erntedank, Don Bosco Verlag 2001

Stephan Sigg: Das Kirchenjahr im Kindergarten (er)leben. Band 1: Von Erntedank bis St. Martin; Auer Verlag 2008

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