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Esperanto

Bonan Tagon! Cxu vi volas lerni Esperanton? (Guten Tag! Wollen Sie Esperanto lernen?) In vielen deutschen Städten finden regelmäßig Kurse statt, in denen die Kunstsprache erlernt werden kann. Bevor Sie sich in die Sprachkurse stürzen, erfahren Sie hier, was hinter dem Wort Esperanto eigentlich steckt!

Was ist Esperanto?

Esperanto soll das Kommunizieren verschiedener Völker erleichtern; © getty images

Esperanto wird meistens als “Plansprache bezeichnet. Eine Plansprache ist eine “nach bestimmten Kriterien bewusst geschaffene Sprache zur Erleichterung der internationalen Kommunikation (Eugen Wüster). Das trifft auf Esperanto sicherlich zu. Denn dieses künstlich geschaffene Idiom soll die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Völker erleichtern. Anders als Englisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch ist es dabei keinem Land oder Volk zuzuordnen, d.h. keine Kultur wird bevorzugt oder benachteiligt. Gleichzeitig ist Esperanto leichter zu lernen als jede Nationalsprache und trotzdem in der Lage, alle Nuancen menschlichen Denkens auszudrücken.

Wieviele Menschen sprechen Esperanto?

Esperanto entstand bereits 1887. Inzwischen sollen zwischen drei und zehn Millionen Menschen in etwa 120 Ländern Esperanto sprechen. Reisende finden weltweit Gastgeber, mit denen sie sich problemlos unterhalten können. Auch auf Kongressen und Kulturfestivals halten die Esperanto-Freunde ihre Kunstsprache lebendig, ebenso in internationalen Brieffreundschaften, Amateurfunkkontakten, Radiosendungen und bei Diskussionen im Internet. Gelegentlich wird Esperanto als Wissenschafts- und Handelssprache verwendet, in einigen nichtstaatlichen Organisationen ist es sogar Arbeitssprache. Außerdem gibt es eine umfangreiche Übersetzungs- und Originalliteratur.

Wie in jeder anderen Sprache, gibt es auch in Esperanto Theatergruppen (wie die 1985 in Deutschland gegründete “Kia koincido!) und Musikbands (z.B. die Folk-Band “kajto und der Rockmusiker “Persone). Seit kurzem sind sogar erste Rap- und Technostücke auf Esperanto zu hören. 1997 wurde im italienischen Assisi (während des Jugend-Weltkongresses) das erste Musical auf Esperanto aufgeführt.

Wer hats erfunden?

Erfinder des Esperanto war Lazarus Ludwig Zamenhof (1859-1917), ein Augenarzt jüdischen Glaubens. Zamenhof war in Bialystok im heutigen Polen (damals russisches Protektorat) aufgewachsen einer Stadt, in der Juden, Polen, Russen, Deutsche und Litauer lebten, aber alle streng voneinander getrennt. Hass und Feindseligkeiten prägten das Klima zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen. Zu Kontakten kam es schon deshalb nicht, weil alle ihre eigene Sprache hatten. In dieser Zeit kam Zamenhof die Idee zu einer neutralen Zweitsprache, die sprachliche Barrieren überwinden und zur Verständigung der Völker beitragen sollte. In Warschau entwarf er solch eine Sprache und stellte sie 1887 in einem Lehrbuch vor. Seine Schöpfung nannte er schlicht “Lingvo Internacia (Internationale Sprache). “Esperanto (ein Hoffender) war das Pseudonym Zamenhofs, mit dem man bald die Sprache selbst bezeichnete.

Wie entwickelte sich die Esperanto-Bewegung?

Mit dem Lehrbuch von Zamenhof haben viele Menschen Esperanto gelernt zunächst vor allem Russen (die mit Esperanto humanistische Ideen verbanden) und Franzosen (die den praktischen Gebrauch hervorhoben). Viele Jugendliche engagierten sich für die neue Sprache, in einer Art Gegenbewegung zum überall blühenden Nationalismus. Sehr bald fasste die Esperantobewegung auch in Deutschland, Schweden, Japan, in der Donaumonarchie, China und Brasilien Fuß. 1905 fand in Boulogne-sur-Mer/Frankreich der erste Esperanto-Weltkongress statt, wo die Sprache in der Praxis ihre erste Bewährungsprobe bestand. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs wurde die Bewegung erst recht populär. In der Weimarer Republik wurde sie in Deutschland vor allem von Arbeitern getragen, die darin eine praktische Ausprägung des Internationalismus sahen. Während des Dritten Reiches wurde die Esperanto-Bewegung wegen ihres Strebens zur Völkerverständigung verboten. Viele Esperantisten kamen im KZ um.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Esperanto-Verbände zunächst in Westeuropa wiedergegründet und später auch in Osteuropa, nach einer Phase der Verfolgung unter Stalin, wieder zugelassen. Besonders seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nahm die Zahl der Esperanto-Sprecher zu. Seit den 50er und 60er Jahren wächst ihre Zahl auch in der Dritten Welt.

Welche Institutionen gibt es?

Schon zu Beginn des Jahrhunderts entstanden unabhängige Institutionen wie die Akademio de Esperanto. 1908 gründete sich der Welt-Esperantobund und 1938 die Welt-Esperantojugend. Der Fall des Eisernen Vorhangs Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre ermöglichte neue Kontakte für die Verbände in Ost und West. Die beiden vorher getrennten deutschen Verbände GEA und GDREA wurden vereinigt. Heute sind die großen Schwierigkeiten der Esperantofreunde in Mittel- und Osteuropa eher wirtschaftlicher Natur. 1977 entstand ein besonderes Netzwerk: Der “Pasporta Servo, ein Verzeichnis von mehr als 1000 Esperantisten in über 80 Ländern der Welt. Sie nehmen andere Esperantisten kostenlos bei sich auf und zeigen ihnen ihre Stadt oder Heimat. Dieses Netzwerk gibt es seit 1977, es wird jährlich aktualisiert.

Wo liegen die sprachlichen Wurzeln?

Esperanto ist der indoeuropäischen Sprachfamilie verwandt. Diese Nähe entspringt einem pragmatischen Kompromiss zwischen den Anforderungen der sprachlichen Neutralität und der leichteren Erlernbarkeit. Dennoch ist Esperanto auch von Menschen mit einer nicht-indoeuropäischen Muttersprache leichter zu lernen als jede europäische Nationalsprache. Obwohl mehr als 90 % der Esperantowörter in romanischen Sprachen wurzeln, unterscheidet sich die Plansprache in einigen Punkten grundlegend von den europäischen Sprachen: So bleiben zum Beispiel die Wortstämme unverändert (werden nicht flektiert), und es gibt wie im Türkischen oder Chinesischen keine verschmelzenden Wortbildungsteile (Morpheme). Viele Esperantowörter sind auch in nicht-indoeuropäischen Sprachen bekannt, weil sie als Lehnwörter (meist lateinischen oder griechischen Ursprungs) weltweite Verbreitung gefunden haben.

Welche sprachlichen Regeln gibt es?

Angeblich können Anfänger nach 3 bis 12 Monaten bereits einfache Gespräche in Esperanto führen. Sicher ist jedenfalls: Leichter als das sture Einpauken von lateinischen Vokabeln und altgriechischer Grammatik ist Esperanto allemal. Denn in der Kunstsprache gibt es für jeden Laut einen Buchstaben (anders als beispielsweise das deutsche “sch). Dennoch kommt das Esperanto-Alphabet mit 22 Buchstaben der lateinischen Schrift und 6 Sonderzeichen (mit diakritischen Zeichen wie ^) aus. Außerdem: In Esperanto wird alles so geschrieben, wie es gesprochen wird. Und die Betonung liegt immer auf der zweitletzten Silbe.

Dieser niedliche Vierbeiner nennt sich in Esperanto "hundido" (Welpe); © Karl Schubert

Die meisten Vokabeln sind aus romanischen Sprachen abgeleitet. Viele Esperantowörter sind daher international bekannt (z.B.: universitato, studento, kontroli, analizi). Aus gelernten Vokabeln lassen sich durch Wortbildungssilben viele verwandte Wörter selbst ableiten. So wird z.B. aus hundo (Hund) und -id- (Junges) ein hundido (Welpe), mit der zusätzlichen Wortbildungssilbe -in- (weiblich) lässt sich sogar sein Geschlecht bestimmen: hundidino (weiblicher Welpe). Auch das spart Vokabeln.

Alle Wortformen haben eine einheitliche Endung: Substantive enden auf -o, Adjektive auf -a, Adverbien auf -e, Verben im Infinitiv auf -i usw. Es gibt nur zwei Fälle (Nominativ, Akkusativ) und nur eine Konjugation (mit der Endung -as für das Präsens, -is für das Präteritum, -os für das Futur, -us für die Möglichkeit oder Höflichkeit und -u für den Imperativ). Unregelmäßige Verben sind unbekannt. Die Wortstellung im Satz ist weitgehend frei. Auf diese Weise bildet sofort jeder Anfänger eigene Sätze, die normales Esperanto sind. “Das sagt man so nicht ist beim Esperanto unbekannt. Also: Voli Esperanto lerni?

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