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DATEN DER WELTGESCHICHTE

Europäer entdecken die Welt 1500-1599

Die Renaissance-Zeit im 15. und 16. Jahrhundert wird auch als Zeitalter der Entdeckungen bezeichnet. Vor allem Spanien und Portugal erkundeten die außereuropäische Welt im Westen und Süden. Den Entdeckern folgten schnell die Eroberer und Kolonisatoren, die die europäische Vorherrschaft in der Welt für Jahrhunderte festschrieben.

Die Suche nach neuen Handelswegen

Ökonomische und machtpolitische Erwägungen trieben die Entdeckerfahrten voran. Der Handel Europas mit den reichen Ländern Asiens wurde traditionell über das Mittelmeer und die anschließende Landverbindung nach Osten abgewickelt. Die arabische und osmanische Vorherrschaft im südosteuropäischen und westasiatischen Raum verteuerte Importe jedoch erheblich, da der Handel mit Indien und China in der Hand von Zwischenhändlern lag. Angesichts der ideologisch-religiös motivierten Feindschaft zwischen dem christlichen Europa und den osmanischen und arabischen Reichen konnte dieser Handelsweg zudem nicht als sicher gelten. Ein neuer, eigener Kontrolle unterliegender Seeweg nach Indien und China sollte die Zwischenhändler ausschalten. Die Seemächte und Atlantikanrainer Portugal und Spanien nahmen die Vorreiterrolle bei dieser Suche ein. Ihre christlichen Herrscherhäuser verbanden die Expeditionen auch mit missionarischem Sendungsbewusstsein: Der Entdeckung der Route nach Asien sollte die Christianisierung der Welt folgen.

Die Umsegelung Afrikas

Portugal suchte im Süden die Route nach Asien, die durch Umschiffung des afrikanischen Kontinents gefunden werden sollte. 1434 erreichte eine Expedition das Kap Bojador südlich der Kanarischen Inseln und 1441/42 folgten Fahrten bis zum Kap Blanco und Kap Verde. Der Weg zu den Tropen war nun bekannt, doch fürchteten die Seefahrer die weitere Reise, da man noch annahm, dass das Meer zum Äquator hin immer heißer, ja kochend werden würde. Erst 1473 widerlegte Lopo Conçalves diese Gerüchte, indem er zum Äquator fuhr und wohlbehalten zurückkehrte. Schließlich führte ein Zufall zur Entdeckung der Südroute nach Indien. Im Winter 1487/88 segelte Bartholomeo Diaz vor der westafrikanischen Küste, geriet in einen heftigen Sturm und wurde aufs offene Meer getrieben. Als er nach mehreren Tagen wieder Land sichtete, befand er sich an der Mosselbai: Er hatte die Südspitze Festlandafrikas umsegelt, die vom portugiesischen König Johann II. „Kap der Guten Hoffnung“ genannt wurde. 1497 schließlich brach Vasco da Gama auf, umsegelte das Kap in einem weiten Bogen, um den Stürmen zu entgehen, und erreichte im Frühjahr 1498 Kalikut in Südindien. Die Ausdehnung Portugals entlang der afrikanischen Küsten und im südostasiatischen Raum begann.

Christoph Kolumbus entdeckt Amerika

Westwärts wandte sich Spanien, um in das östlich gelegene Indien zu gelangen. Im 15. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Erde nicht eine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Der aus Genua stammende Kaufmann Christoph Kolumbus brauchte zehn Jahre, um am spanischen Hof einen Investor für eine Westexpedition zu finden, die auf der Annahme der Kugelgestalt der Erde beruhte: Wenn ein Schiff immer weiter nach Westen segeln würde, müsse es schließlich an die Ostküsten Asiens gelangen. Im August 1492 verließ Kolumbus mit drei Schiffen Spanien und landete nach über 70 Tagen am 12. Oktober auf einer Insel, die er San Salvador taufte. Bis zu seinem Tod 1504 glaubte Kolumbus, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Tatsächlich aber war er auf den amerikanischen Kontinent gestoßen und hatte eine Entdeckung gemacht, die die Welt verändern sollte. Da niemand ahnte, dass ein neuer, riesiger Kontinent im Westen lag, entstand 1494 der Vertrag von Tordesillas zwischen Portugal und Spanien, der bis auf Brasilien alle Länder, die etwa westlich des 46. Breitengrades lagen, der spanischen Krone als Interessengebiet zuwies. Im Laufe des 16. Jahrhunderts vernichteten spanische Konquistadoren die altamerikanischen Reiche und leiteten die Kolonisierung und planvolle Ausbeutung des Kontinents ein.

Die Neue Welt

Die Neue Welt im Westen fand im engeren Sinne der Florentiner Amerigo Vespucci. Er stellte 1504 die Behauptung auf, dass es sich bei den entdeckten Ländern um einen zusammenhängenden Kontinent handele und nicht um eine Asien vorgelagerte Inselkette. Auf einer von Martin Waldseemüller angefertigten Karte findet sich 1507 zu Ehren Amerigo Vespuccis erstmals die Bezeichnung „Amerika“ für das neue Land. Endgültige Gewissheit brachte die Weltumsegelung Fernão de Magalhães 1519-1522. Er entdeckte für Spanien die Südwestpassage nach Indien, indem er die nach ihm benannte Straße zwischen dem südamerikanischen Kontinent und der Insel Feuerland durchfuhr. Auf der Reise starb er 1521 auf den Philippinen, doch erreichte eines seiner ursprünglich fünf Schiffe im Folgejahr Spanien. Andere Nationen beteiligten sich zuerst nur zögerlich an den Entdeckungen und der Kolonisation. Im Auftrag der englischen Krone erkundete John Cabot 1497 die nordamerikanische Küste. Im 16. Jahrhundert setzte die Suche Englands und Frankreichs nach der Nordwestpassage ein, dem Seeweg über Nordamerika in das reiche Asien. 1556 scheiterte Stephen Burroughs, 1576 Martin Frobisher und zehn Jahre später auch John Davis. Das Packeis im Norden erwies sich noch als undurchdringlich. Konsequent wandten sich Frankreich und England dem nordamerikanischen Kontinent zu und leiteten dessen Kolonialisierung ein, aus der 200 Jahre später die USA hervorgehen sollten. Im Süden Amerikas und in Indonesien engagierte sich ab 1580 der junge niederländische Staat. Seine Seefahrer machten sich die Schwäche des entstandenen portugiesisch-spanischen Doppelstaates zu Nutze, der sein Riesenreich nicht flächendeckend beherrschen konnte. Das Zeitalter des europäischen Imperialismus begann, das für fast alle außereuropäischen Kulturen das Ende ihrer unabhängigen Existenz bringen sollte.

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