Wir leben im High-Speed-Zeitalter. In Seminaren erklären uns Zeitmanager, wie wir immer mehr Aufgaben in immer kürzeren Zeiträumen bewältigen können. Wer nicht Schritt hält, wird ausselektiert. In dieser Ära des “höher, weiter, schneller” erreicht uns ein gegenläufiges Signal: Mediziner kommen zu dem Ergebnis, dass die ewige Hetze zum nächsten Termin uns nicht weiter bringt, sondern meist früher ins Grab. Diese Wissenschaftler singen das Lob der Faulheit – denn wer langsamer lebt, ist nicht nur gesund und ausgeglichen – er lebt auch länger.
“Entschleunigung” als neuer Lebensstil

Immerwährende Hektik in Alltag und Beruf schadet der Gesundheit.
Die Erkenntnis, dass die Beschleunigung der modernen Lebens- und Arbeitswelt eine stresssteigernde und gesundheitsschädigende Wirkung haben kann, bewegt immer mehr Menschen zur Umkehr. Auch Teile der ökonomischen und intellektuellen Eliten widersetzen sich bewusst der Schnelligkeit als Lebensrhythmus. Als Down Shifter, Herunterschalter, Bremser oder Entschleuniger bezeichnen Trendforscher diesen Personenkreis.

Abschalten und Relaxen heißt die Devise der sog. Down Shifter.
Der Trend ist allgegenwärtig. So gründeten Arbeitslose in Berlin den Verein der Glücklichen Arbeitslosen. Die “müßig gangster” empfinden es als Privileg, dem sich zunehmend schneller drehenden Hamsterrad der modernen Arbeitswelt entsprungen zu sein. Sie genießen es ganz bewusst, nicht weiter hasten und hetzen zu müssen. Auch erfährt der Begriff Faulheit, der für sich genommen noch kein Rezept für ein langes Leben ist, derzeit eine Umdeutung. Faul sein bedeutet, ökonomisch mit seinen Lebensenergien umzugehen. Das setzt einen bewussten Lebensstil voraus.
Stoffwechseltheorie des Alterns

Vorbild Tierreich: Die Schildkröte kennt keine Hektik – und hat ein langes Leben.
Gemächlichkeit hilft, langsamer zu altern. Zu dieser Theorie liefert das Tierreich mannigfaltig Beispiele: Trägen Fischen wie Karpfen und Stör, Reptilien wie Echsen und Schildkröten und großen Säugetieren ist neben ihrer Langsamkeit eins gemeinsam – das hohe Lebensalter, dass sie erreichen. Riesenschildkröten werden aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels 180 und mehr Jahre alt. Grundlage der Erkenntnis, dass ein faules Lebens auch den Menschen länger jung hält, ist die sog. Stoffwechseltheorie des Alterns. Auch jedem Menschen steht generell das Potenzial zur Verfügung, sein biologisches Maximalalter von rund 120 Jahren zu erreichen.
Dieses Potenzial ist ein definierter Vorrat an Lebensenergie, der bei allen Menschen ähnlich groß ist. Leben heißt, von der vorhandenen Energie zu zehren. Je vernünftiger und sparsamer der Mensch damit umgeht, desto langsamer tickt seine Uhr und desto länger dauert es, bis die Energien erschöpft sind. Wer seinen Körper stresst und überanstrengt, betreibt Raubbau an der Lebensenergie und stirbt früher. Für die Bestätigung dieser – schon seit Jahrzehnten bekannten – Theorie fand der Stoffwechselphysiologe Dr. Roland Prinzinger vom Institut für Stoffwechselphysiologie der Universität Frankfurt/Main durch langjährige Forschung hinreichend Beweise.
Energiequelle Nahrung

Frisches Gemüse liefert dem Körper lebensnotwendige Vitamine und Mineralien.
Energielieferant für körperliche Aktivität, Wachstums- und Stoffwechselvorgänge ist in erste Linie die Nahrung. Die Qualität der Nahrung entscheidet über Leistungsfähigkeit, aber auch über Gesundheit und Vitalität. Eine hochwertige und ausgewogene Ernährung mit lebensnotwendigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen garantiert eine optimale Versorgung.
Wesentliche Bestandteile sind frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Fisch mit niedrigem Fettgehalt sowie Vollkornprodukte. Fett und Zucker sollten auf ein geringes Maß reduziert werden. Wasser, Saftschorlen, Kräuter- und Früchtetees decken den Flüssigkeitsbedarf von mindestens 1,5 Liter pro Tag.
Schlaf als Jungbrunnen

Schlaf dient der Erholung und Regeneration.
Schlaf ist die beste Möglichkeit der Erholung für Körper und Geist. In der nächtlichen Ruhephase werden Zellen regeneriet, Gewebe erneuert und Heilprozesse angestoßen. Der Organismus tankt neue Kraft. Guter und ausreichend langer Schlaf ist ein wahrer Jungbrunnen, der dauerhaft fit und gesund hält.
Mit ca. 6,5 bis 8 Stunden Schlaf pro Nacht ist ausreichend für die körperliche Regeneration gesorgt. Wer sich auf Dauer aber nur 4 bis 5 Stunden gönnt, wird in der Regel mittelfristig gesundheitliche Schäden davontragen, langfristig seine Lebenszeit verkürzen.
Busy bleiben, aber in Maßen

Regelmäßige Bewegung schützt vor Krankheiten und Übergewicht.
Ein vorschneller Schluss könnte uns nun zum Nichtstun verleiten, um für mehr Lebensjahre “Energie zu sparen“. Doch der goldene Mittelweg ist geboten: Um die Funktionsfähigkeit unseres Körpers zu erhalten, muss er in Schwung gehalten werden. Gezieltes Bewegungstraining hat nachweislich positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System, Lungen, Atmung, Blutzucker und Blutfett. Das Immunsystem wird stimuliert, Stresshormone werden abgebaut.
Die positive Wirkung hat allerdings ihre Grenzen durch übermäßige Belastung oder allzu großen Ehrgeiz. Es gilt, die optimale Balance zwischen Fitnessgewinn und Belastung zu finden. Sportarten wie Joggen, Rad fahren, Schwimmen usw. eignen sich dafür besonders gut. Eine ausgewogene Kombination von Muskel- und Ausdauertraining ist ebenso wesentlich wie eine ausreichende Sauerstoffversorgung durch Sport im Freien.
Wie entsteht Energiemangel?

Schlaf-, Bewegungsmangel und falsches Essen führen zu Niedergeschlagenheit.
Im Umkehrschluss führen nährstoffarme Ernährung, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel und unzureichende Sauerstoffzufuhr im Körper zu einem Energiedefizit. Schlafmangel, der Aufenthalt in unbelüfteten Räumen oder zu üppiges Essen machen schlapp und rauben dem Organismus Energie. Auch Bewegungsmangel bringt langfristig Fitness und Elan zum Erliegen. Weitere Energieräuber sind Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss und Stress. Sie belasten den Körper und führen zu zahlreichen krankhaften Veränderungen im Organismus.
Heutiger Stress beruht zum großen Teil auf dem hohen Tempo unseres Alltags und zu wenigen echten Ruhephasen. Durch ständige Erreichbarkeit, hohe Mobilität und Flexibilität beraubt sich der Mensch vieler Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten. Arbeitsmedizinern zufolge wiegt ein Jahr in der vernetzten Arbeitswelt so viel wie drei Jahre in der klassischen. Falsch gesteckte Ziele, die aufgrund von Persönlichkeitsstruktur oder äußerer Faktoren nicht realisiert werden können, erzeugen psychischen Druck und Frustration, was zu einem weiteren Energiedefizit führt.
Die biologischen Gesetze der Energie

Auf das richtige Maß von Beruf und Freizeit kommt es an.
Dem Raubbau der Energie sorgt vor, wer bewusst und mit Genuss isst, viel an die frische Luft geht, Ausgleichsport treibt und ausreichend schläft. Lebensenergie spart auch, wer Stress und übertriebenen Ehrgeiz meidet, berufliche und private Aktivitäten in der Balance hält und Karriere und Familie gleichermaßen in sein Leben integriert. Der Arbeitstag sollte fest eingeplante Pausen und Freiräume, kleine Ruhe-Inseln, bieten. Wenn möglich auch ein Mittagsschlaf, der nachweislich lebensverlängernd wirkt.
Die Liebe spielt eine weitere zentrale Rolle. Berührungen, Zärtlichkeiten und Sex setzen Glückshormone frei. Hormone, die nahezu jeden Vorgang im Organismus steuern, sind für das Wohlbefinden des Körpers verantwortlich. Der Hormonhaushalt ist an der Regulierung des körperlichen Gleichgewichts beteiligt, macht ihn gesund und leistungsfähig. Die Lebensweise beeinflußt die körpereigenen Botenstoffe, die “faule” Lebensweise fördert einen ausgeglichenen Hormonhaushalt und somit das allgemeine Wohlbefinden.
Und: Lachen ist gesund. Die alte Binsenweisheit trägt einen Teil zum besseren Energiefluss bei: Blockaden im Körper werden auf natürliche Weise gelöst und Entspannung gefördert.
Bücher zum Thema

Dr. Inge Hofmann gibt Ratschläge für ein gesundes, glückliches und langes Leben.
Ein gesundes, geistig reges und langes Leben voller Lebenslust und –freude: Dr. Inge Hofmann erläutert in ihren Büchern “Faulheit ist das halbe Leben” und “Lebe faul, lebe länger”, was man zum Erreichen dieses Ziels beitragen kann. Die anschauliche Darstellung der theoretischen Grundlagen sowie zahlreiche praktische Tipps zum richtigen Lebensstil machen die Bücher zu wertvollen Ratgebern. Der informative Anhang mit Check-Listen bietet dem Leser den Service, sich selbst und seinen “Alters”-Zustand genau einzuschätzen.
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