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Fernstudium: Modeerscheinung oder Ausbildung der Zukunft?

Auf den ersten Blick klingt es so einfach: Wer unzufrieden im Job ist, solle sich via Fernstudium weiterqualifizieren, um so langfristig den Job wechseln zu können – inklusive Karrieresprung versteht sich. Doch was steckt hinter dem Phänomen Fernstudium? Ein Modetrend ist die berufsbegleitende Form des Selbststudiums schon längst nicht mehr. Ganz im Gegenteil, vielmehr scheint das Fernstudium zum beliebten Karrieresprungbrett geworden zu sein. Was dazu nötig ist und was Personalverantwortliche von den Absolventen halten, soll Thema dieses Beitrags sein.

Lieber einen Absolvent eines Fernstudiums, bitte!

So lautete die Meinung der Personalreferenten laut einer Forsa-Umfrage vor einigen Jahren. Den Absolventen eines Fernstudiums bescheinigten sie nämlich diese positiv konnotierten Eigenschaften:

  • Hohe Eigenmotivation
  • Hohe Selbstständigkeit
  • Zielstrebigkeit
  • Zeitmanagement/Organisationsfähigkeit
  • Flexibilität

Auch Entscheidungsstärke, logisches Denkvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und unternehmerisches Denken zeichnen die Absolventen eines Fernstudiums nach Ansicht der Personalverantwortlichen aus. (Quelle: statista.com)

Gestresster Student vor Bücherhaufen
Es gibt verschiedene Varianten, sich dem Studium zu widmen. Das Fernstudium gewinnt immer mehr Anhänger.
Und was sagen die Absolventen selbst? Für die Trendstudie Fernstudium der IUBH gaben 60 Prozent an, sich beruflich verbessert zu haben. Nur 18,6 Prozent verneinten dies. Neben verantwortungsvollen Aufgaben, grundsätzlich besseren Chancen am Arbeitsmarkt und einer positiveren Wahrnehmung der eigenen Qualifikation, zeigte sich der positive Mehrwert eines Fernstudiums nicht zuletzt auch am Gehaltszettel. Bei einem Viertel (25,8 Prozent) stieg das Gehalt dabei um über 20 Prozent, einen Gehaltsanstieg zwischen zehn und 20 Prozent konnten 22,7 Prozent der Alumni verzeichnen während weitere 18,2 Prozent von einem Anstieg um bis zu zehn Prozent profitierten.“ (Quelle: Trendstudie Fernstudium 2014, Seite 26)

Diese Zielgruppe absolviert ein Fernstudium

Nachdem dem Fernstudium in Anbetracht dieser Zahlen und Meinungen nun eine positive Zukunftssicht beschert wurde, lohnt ein Blick in die Teilnehmerstruktur. Wer welches Fernstudium aus welchen Gründen absolviert, soll diese Übersichtstabelle zeigen (Quelle: Trendstudie Fernstudium 2014).

 

Beliebte Studiengänge

Wirtschaftswissenschaftlich orientierte Studiengänge wie BWL oder VWL sind bei Fernstudenten besonders beliebt. Abgeschlagen sind im Vergleich dazu IT-Studiengänge sowie geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Studiengänge.

Struktur des Studiums

Das Teilzeit-Studien-Modell ist besonders beliebt. 38,7 Prozent wenden zwischen 15 und 30 Stunden wöchentlich auf; 30,3 Prozent investieren bis zu 15 Wochenstunden ins Fernstudium.

Bildungsabschlüsse der Absolventen

Die Mehrheit der Fernstudenten (39 Prozent) verfügt über eine allgemeine Hochschulreife. 27,4 Prozent der Befragten haben bereits ein Studium abgeschlossen, 21,3 Prozent haben als höchsten Bildungsabschluss die Fachhochschulreife. Nur 12 Prozent haben ihre Hochschulzugangsberechtigung über ihre Berufspraxis erworben und haben einen Haupt- oder Realschulschulabschluss.

Berufserfahrung der Absolventen

Die meisten Absolventen eines Fernstudiums haben bis zu fünf Jahre Berufserfahrung (53,3 Prozent). 32,2 Prozent standen sogar über fünf Jahre im Berufsleben. Nur 14,5 Prozent haben keine beruflichen Vorkenntnisse.

Gründe für die Aufnahme eines Fernstudiums

Die Absolventen von Fernlehrgängen führen diese Wünsche an, die sie an ein Fernstudium richten: beruflicher Aufstieg, persönliche Weiterentwicklung, Verbesserung der Arbeitsmarktchancen und finanzieller Aufstieg. Fachliche Veränderung, Einnahme einer Vorbildfunktion und die Überbrückung von Übergangsphasen fallen indes weniger ins Gewicht.

 

Anforderungen an Studenten an einer Fernuniversität

Wer die eigene Eignung für ein Fernstudium überprüfen will, kann dies mithilfe dieses kurzen Fachbeitrags tun. Grundsätzlich muss klar sein: Ein Fernstudium ist weit entfernt von dem Leben, das Studenten an einer regulären Universität oder Fachhochschule leben. Kurz gesagt: Mensabesuche und ein reger Austausch über die letzte Partynacht während der Vorlesung sind im Fernstudium kein Thema, vielmehr ist eins gefragt: Disziplin und Selbstmotivation, denn um nach der Arbeit sich abends noch hinter die Bücher zu klemmen, anstatt auf dem Sofa zu chillen oder auszugehen, kann jede Menge Überwindung bedeuten.

Mutter und Tochter vor Laptop
Wer mit dem Gedanken spielt, ein Fernstudium zu absolvieren, muss prüfen, wieviel dafür - neben Beruf, Familie und Hobbys - aufzubringen ist.
Experten raten Interessenten im Vorfeld nicht nur das Studienfach bewusst auszuwählen, sondern auch die zeitlichen Ressourcen abzuschätzen. Wieviel Zeit bleibt neben dem Beruf, den Hobbys und der Familie noch für die Weiterbildungsmaßnahme? Wer hier zu einem ernüchternden Ergebnis kommt, kann sich im zweiten Schritt überlegen, an welcher Stelle für einen gewissen Zeitraum zeitliche Ressourcen abgezwackt werden können, die nach dem Abschluss des Fernstudiums wieder freigegeben werden können. Auch muss im Vorfeld geklärt werden, wo der passende
Ort für das Fernstudium sein kann, denn während die Familie einen Fernsehabend macht, ist es in der Regel schier unmöglich, sich im selben Raum den Lernstoff anzueignen.

Ein gut geplanter, realistischer Zeitplan ist darüber hinaus das A und O. Dabei gilt: Auszeiten sind wichtig, um die Batterien wieder aufzuladen. Diese sollten sinnvoll in das Lernpensum eingebaut werden.

Auswahlkriterien eines Fernstudium-Anbieters

Mit Blick auf die erhöhte Nachfrage des flexiblen Weiterbildungsmodells wird auch der Wunsch nach einem Kriterienkatalog immer größer. Dabei fallen diese fünf Aspekte unter die Top-5:

  1. Praxisanteile im Fernstudium
  2. Verzicht auf Inhalte in fremder Sprache
  3. Kooperationsmöglichkeiten mit aktuellem Arbeitgeber
  4. Internationale Ausprägung des Angebots
  5. Forschungsverhalten der Einrichtung

Laptop und Bücher
E-Learning ist ein wichtiger Part im Fernstudium, denn das Internet ermöglicht den Austausch zwischen Studenten und Lehrenden.
Daneben ist angehenden Fernstudenten wichtig, ein Probestudium absolvieren zu können, dass Vorleistungen anerkannt werden, dass Demo-Studienmaterial zur Verfügung steht, dass Studienzentren regional nah gelegen sind, dass es ein ansprechendes und serviceorientiertes Beratungsangebot des Anbieters gibt und was das Fernstudium kostet. Praxisnähe, Vertiefungen im Studiengang, ein flexibles Studienmodell sowie E-Learning-Angebote und die inhaltliche Ausrichtung scheinen statistisch betrachtet wenig ins Gewicht zu fallen. Das muss jedoch nicht heißen, dass diese Merkmale für Studenten weniger wichtig sind. Vielmehr sind gerade die Flexibilität des Studienmodells und die digitalen Lernmethoden (Stichwort: Online-Studium) ein grundsätzliches Entscheidungskriterium für ein Fernstudium, denn so lässt sich das Fernstudium gut mit dem Berufsleben kombinieren.

03.02.2016
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