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"Feuersprüche" hallen durch Deutschland

Am 10. Mai 1933 brennen in Deutschland Bücher

"Wo man Bücher verbrennt, dort verbrennt man am Ende auch Menschen." (Heinrich Heine)

Berlin, 10. Mai 1933: Aufgerufen von der Deutschen Studentenschaft bewegt sich ein Zug von Studenten und Professoren, Mitgliedern der NSDAP und nationalsozialistischer Verbände in Richtung Opernplatz. Insgesamt sind etwa 40.000 Menschen zusammengekommen, um Zeuge eines großen Spektakels zu werden: In Lastwagen und Ochsenkarren werden aus aller Herren Haushalte Bücher "nichtarischer" und "zersetzender", "undeutscher" und "volksfremder" Autoren herbeigeschafft, um sie im offenen Feuer zu verbrennen. Begleitet von so genannten "Feuersprüchen" fliegen die verhassten Schriften nach und nach in die Flammen. Reichspropagandaminster Joseph Goebbels beschwört in glühender Rede das Feuer als Zeichen, dass "in Deutschland die Nation sich innerlich und äußerlich gereinigt hat."

 

Nicht nur in Berlin, auch in vielen anderen Universitätsstädten brannten die Bücher in jenem Frühjahr 1933. Die pathetischen Inszenierungen irgendwo zwischen Lagerfeuerromantik und Teufelsaustreibung waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist", die vom Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft vorbereitet worden war. Teil dieser Aktion waren "Schwarze Listen" für die "Säuberung" öffentlicher und privater Bibliotheken von "zersetzendem Schrifttum", aber auch Veröffentlichungen in der Tagespresse mit Namen "nicht tragbarer" Autoren sowie die Nennung der Plätze für die nächtlichen Verbrennungen. Hier wanderte alles auf den Scheiterhaufen, was sich des "politischen Verrats" oder der "Gesinnungslumperei" schuldig machte. Diese schwammigen Kriterien dehnte man freilich auf alles aus, was nicht der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie entsprach. Werke von deutschen Philosophen, Wissenschaftlern, zeitgenössischen Autoren und sogar von klassischen Dichtern kamen genauso auf die schwarze Liste wie die Schriften ausländischer "Zersetzer": Sigmund Freud, Ernst Bloch, Walter Benjamin, Heinrich und Klaus Mann, Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Erich Mühsam, Anna Seghers, Erich Kästner, Ernest Hemingway, Jack London, Henri Barbusse... die Liste der Namen ließe sich noch lange fortsetzen.

 

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von wissen.de-Autorin Ariane Greiner
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