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Finanzierung: Eigenkapital und Fremdkapital

Bevor Sie mit der Finanzierung beginnen, müssen Sie sich ihre derzeitige finanzielle Situation vor Augen führen. Grundlage der Finanzierung ist das vorhandene Eigenkapital. Denn Eigenkapital reduziert zunächst den notwendigen Bedarf an Fremdkapital. Spätestens wenn der Unternehmer ein Gespräch mit seiner Hausbank zur Finanzierung des Vorhabens führt, wird er feststellen, dass Eigenkapital auch andere wichtige Funktionen hat.

Eigenkapital

Wie hoch ist Ihr Eigenkapital?

Eine Mindestausstattung mit Eigenkapital stellt sicher, dass nicht schon geringe Verluste zu einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung und damit zum Konkurs führen. Je mehr Eigenkapital vorhanden ist, desto geringer ist die Gefahr von Liquiditätsproblemen, die schon bei kleineren Abweichungen von den Plandaten auftreten können. Solche Abweichungen können durch Vorfinanzierung von Aufträgen, geringere Umsätze bei der Markteinführung usw. entstehen.

Je mehr Eigenmittel Unternehmer einsetzen und je höher der Eigenkapitalanteil an ihren gesamten Investitionen ist, desto besser ist auch ihr Verhandlungsspielraum mit einem Kreditgeber. Wer bereit ist, auch eigenes Geld zu riskieren, erweckt mehr Vertrauen bei Kreditgebern.

Die Eigenkapitalquote sollte mindestens 20 Prozent am Gesamtkapital betragen. Es gibt keine allgemein gültige Grenze für einen Mindestanteil von Eigenkapital. Wer jedoch staatliche Finanzhilfen in Anspruch nehmen will, muss Eigenkapital in "angemessenem Umfang" einsetzen. Unter 15 Prozent sollte der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital jedoch möglichst nicht liegen.

In einem ersten Schritt sollten Sie zunächst einmal einen privaten Kassensturz machen. So können Sie feststellen, wie hoch ihre Ersparnisse sind und welche Kapitalanlagen sie kurzfristig zu Geld machen können. Lassen sich bis zur geplanten Existenzgründung weitere Beiträge ansparen? Darüber hinaus sollten sie prüfen, welche Sachmittel (Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge usw.) sie in den Betrieb einbringen können.

Im zweiten Schritt müssen sich Unternehmer überlegen, wie sie an mehr Eigenkapital kommen können.

Teilhaber

Eigenkapital kann auch durch einen Geschäftspartner oder Teilhaber ins Unternehmen fließen. Neben Kapital bringen Partner meist tatkräftige Unterstützung und zusätzliches Know-how mit ins Unternehmen ein. Wenn sich Unternehmer für eine Partnerschaft entscheiden, müssen sie sich wie bei einer Eheschließung davon überzeugen, dass der Partner auch zu ihnen passt. Der Erfolg des Unternehmens hängt nämlich dann nicht mehr alleine von ihnen, sondern auch von ihrem Partner ab.

Venture Capital

Anstelle eines Partners können sich Gründer oder Unternehmer auch eine öffentlich geförderte oder eine private Beteiligungsgesellschaft suchen. Die öffentlichen Beteiligungsgesellschaften sind eigens dazu da, jungen Gründern Mittel zur Verfügung zu stellen, die diese aus eigenen Ersparnissen oder Teilhabereinlagen allein nicht aufbringen können und die die Banken wegen mangelnder Sicherheiten nicht verleihen wollen.

Öffentlich geförderte Kapitalbeteiligungsgesellschaften investieren meist in Form einer stillen Beteiligung Beteiligungssummen ab 50.000 Euro zu günstigen Konditionen. Auch Venture Capital, also Risikokapital sollten Sie in Erwägung ziehen. Dabei stellt ein Unternehmen, eine Bank, ein Versicherungsunternehmen oder eine so genannte Beteiligungsgesellschaft Kapital zur Verfügung, obwohl sie keine ausreichenden Kreditsicherheiten vorweisen können. Mit diesem Venture Capital können beispielsweise junge Unternehmen aus den Bereichen Software- und Dienstleistung oder neue Medien Entwicklungsaufwendungen und Vermarktungskosten finanzieren, die nach banküblichen Gepflogenheiten mit Fremdkapital nicht oder nur schwer finanzierbar wären.

Der Venture-Capital- bzw. Wagniskapitalmarkt ist in der Bundesrepublik leider nur schwach ausgebaut. Um größere ausländische Gesellschaften zur Beteiligung anzuregen, bedarf es neben der Gründung in speziellen Branchen (z. B. Multimedia) eines erheblichen Finanzierungsbedarfes seitens des Existenzgründers. Für die Mehrzahl der Existenzgründer bleiben diese Beteiligungsmöglichkeiten daher verschlossen. Die Risikokapitalgesellschaften, die den Kreditinstituten direkt oder im Pool angeschlossen sind, zeigen sich erfahrungsgemäß bei Gründungen sehr zurückhaltend. Aktivitäten seitens des Unternehmers führen hier erst zu Ergebnissen, wenn er sich nach einigen erfolgreichen Jahren vergrößern will und das Vertrauen der Kreditinstitute bereits hinreichend erworben hat. Der Unternehmer kann sich bei so genannten Erfindermessen, Industrie- und Handelskammern, Banken sowie öffentlichen Innovations- und Gründungszentren über bestehende Venture-Capital-Gesellschaften informieren.

Auch die Bundesregierung kennt die Bedeutung des Eigenkapitals. Damit Gründer ihren Kreditwunsch leichter erfüllt bekommen, bietet sie ihnen bei einem tragfähigem Konzept die Möglichkeit, mit dem ERP-Eigenkapitalhilfe-Programm (EKH) "haftende Eigenmittel" zu bilden. Zusätzlich zu den ERP-Förderprogrammen gibt es das Existenzgründungsprogramm der Deutschen Ausgleichsbank.

Darüber hinaus unterstützen Bund und Länder junge Existenzgründer mit weiteren Förderprogrammen. Es handelt sich dabei vor allem um Kredite mit langen Laufzeiten, niedrigen Zinssätzen und mehreren tilgungsfreien Jahren.

In den neuen Bundesländern können aus dem Beteiligungsfonds-Ost zusätzliche Mittel zur Eigenkapitalhilfe mobilisiert werden.

Leasing

Eine Alternative zur Finanzierung ist das Leasing. Unter Leasing versteht man eine Mischform zwischen Kauf und Miete von Investitionsgütern. Vorteil des Leasing: Unternehmer brauchen weniger Eigenkapital, wenn sie ihre Firmenfahrzeuge, den Computer oder die Büroausstattung leasen. Dadurch bleiben sie liquide. Der Nachteil von Leasing: Unternehmer haben in der Regel höhere Kosten als bei einem Sofort-Kauf.

Eigenkapitalhilfedarlehen

Gerade in der Gründungsphase sind Selbstständige auf die Inanspruchnahme öffentlicher Finanzhilfen angewiesen. Vor diesem Hintergrund ist es sehr zu begrüßen, dass die Gewährung von Eigenkapitalhilfedarlehen auch für Gründungen in den westlichen Bundesländern wieder eingeführt wurde. Im Rahmen der Existenzfestigung lassen sich überdies Neuinvestitionen bereits bestehender Unternehmen finanzieren, sofern deren Eröffnung in den alten Ländern höchstens zwei, in den neuen Ländern und Berlin in der Regel höchstens vier Jahre zurückliegt. In den neuen Ländern und Berlin kann die Vierjahresfrist aber auch überschritten werden, wenn die Investitionen für das Unternehmen eine besondere finanzielle Herausforderung darstellen.

Gefördert wird außerdem der Kauf eines Unternehmens bzw. der Erwerb einer so genannten "tätigen Beteiligung" (mit Geschäftsführungsbefugnis). Förderungsfähig sind dabei auch die damit zusammenhängenden Investitionen. In diesen Fällen ist ebenfalls eine Existenzfestigung innerhalb der genannten zwei bzw. vier Jahre möglich.

Existenzgründer können ihre Eigenkapitalbasis unter bestimmten Bedingungen auch durch die Gewährung von verlorenen Zuschüssen stärken. Dies können beispielsweise Mittel der Gemeinschaftsaufgabe für regionale Wirtschaftsförderung sein. Beide Instrumente müssen daher unbedingt im Rahmen der Existenzgründungsberatung berücksichtigt werden.

Fremdkapital

Fremdfinanzierung bietet Vorteile: So können Sie Liquiditätsengpässe kurzfristig überbrücken und dabei den Einfluss von Kapitalgebern an der Unternehmensführung verhindern. Denn jede Beteiligung an Ihrem Unternehmen mindert Ihren Einfluss. Noch dazu profitieren Sie als Schuldner von der Inflation - falls es eine gibt.

Die Nachteile der Fremdfinanzierung sind Belastungen durch Zinsen und Tilgung. Die Kreditwürdigkeit kann mit zunehmender Verschuldung schwinden und wenn die Fremdfinanzierung die einzige Finanzierungsform bleibt, droht früher oder später die Überschuldung und damit die Insolvenz.

Kundenanzahlung

Diese Kreditart entsteht, wenn der Abnehmer einer Ware Zahlungen leistet, bevor die Lieferung der Ware erfolgt. Die Anzahlung steht dem Unternehmen in der Regel zinslos zur Verfügung und birgt das Risiko, dass der Lieferant seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Die Kundenanzahlung ist insbesondere bei Fertigungsaufträgen, die sich über längere Zeit erstrecken, üblich.

Beispiel: Der Unternehmer verpflichtet sich vertraglich, für einen Kunden ein Produkt anzufertigen. Entsprechend den Vereinbarungen erhält er eine sofortige Baranzahlung von 20 Prozent auf den Kaufpreis. Der Rest ist bei Lieferung fällig. Kommt es zu einer Auflösung des Liefervertrags, muss der Unternehmer natürlich den angezahlten Kaufpreis zurückerstatten. Insofern steht ihm diese Anzahlung als zinsloser Kredit zur Verfügung.

Lieferantenkredit

Bei einem Lieferantenkredit gewährt der Lieferant dem Abnehmer ein Zahlungsziel zwischen dem Zeitpunkt der Warenlieferung und der letztendlichen Zahlung. Lieferanten nutzen diese Form des zinslosen Kredits oftmals als ein Mittel zur Verkaufsförderung, Abnehmer zur Erhaltung ihrer Liquidität.

Gleichwohl rechnet sich diese Kreditart für einen Abnehmer oft nicht. Denn bei Barzahlung des Rechnungspreises wird gewöhnlich ein Skontoabzug gewährt. Ist etwa eine Rechnung innerhalb von 30 Tagen zu zahlen und kann bei sofortiger Zahlung Skonto in Höhe von drei Prozent abgezogen werden, entspricht der Lieferantenkredit einem Jahreszinssatz von 36 Prozent. Ein Kredit von 30 Tagen kostet drei Prozent, multipliziert mit zwölf Monaten. Die Barzahlung unter Abzug von Skonto kann innerhalb einer Frist von meist zehn Tagen erfolgen. Die Kosten des Lieferantenkredits belaufen sich dann auf:

Zinssatz Lieferantenkredit = Skontosatz / Zahlungsziel - Skontofrist * 360

Die Laufzeit eines Lieferantenkredits ist Vereinbarungssache. Gewöhnlich werden Kreditziele zwischen 30 und 120 Tagen gewählt.

Beispiel: Der Gründer kauft Büromöbel. Die Rechnung über 8.000 Euro weist das Zahlungsziel mit 30 Tagen aus. Gleichzeitig wird ein Skonto von zwei Prozent angeboten, wenn der Unternehmer den Kaufpreis innerhalb einer Frist von zehn Tagen überweist.

Die Kosten des Lieferantenkredits errechnen sich wie oben angegeben mit:

2 / (30 - 10) * 360 = 36 % p.a.

Das bedeutet, der Unternehmer könnte zwei Prozent von 8.000 Euro bei sofortiger Zahlung sparen, also 160 Euro. Nimmt er dagegen den Lieferantenkredit in Anspruch, kann er mit 8.000 Euro zwanzig Tage länger wirtschaften, also investieren oder sparen. Um aber die 160 Euro Skonto beispielsweise durch eine Spareinlage zu erwirtschaften (Über die Zeit von 20 Tagen), bedarf es eines Jahresanlagezinssatzes von 36 Prozent.

Bankkredite

Bankkredite erhalten Unternehmer von ihrer Hausbank oder der Bank, die es werden soll, zu den aktuellen Zinssätzen. Die Rückzahlung erfolgt in festgelegten Raten oder aber in einer Summe am Ende der Laufzeit. Ein Bankkredit kann langfristig (ab vier Jahre Laufzeit), mittelfristig (ab sechs Monate) oder aber kurzfristig (bis zu sechs Monaten) gewährt werden. Ein langfristiger Bankkredit ist dabei in der Regel günstiger als der Kontokorrentkredit. Die Laufzeit eines Bankkredites sollte möglichst mit der Nutzungsdauer der Investition übereinstimmen, die Unternehmer mit dem Bankkredit finanzieren wollen. Gerade in der Anfangsphase kann es verlockend sein, die Tilgung eines Bankkredites möglichst lang zu strecken. Immerhin verbessern Unternehmer so ihre Zahlungsfähigkeit. Sie sollten aber nicht außer Acht lassen, dass jede Tilgungsstreckung ihren Bankkredit verteuert.

Wann welcher Kredit?
Grundsätzlich gilt: die Lauftzeit der Kredite sollte der Zeitspanne entsprechen, für die die Mittel gebunden sind. Laufende Kosten sollten über das Geschäftskonto abgewickelt werden, auf das der Unternehmer einen Kontokorrentkredit erhält.

Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit wird dem Unternehmer von einem Kreditinstitut eingeräumt und ist die wohl am weitesten verbreitete Kreditform. Das Kreditverhältnis wird durch eine Vereinbarung begründet, dass der Kunde sein Konto bis zu einer bestimmten Höhe überziehen darf. Die Höhe des Kredits wird individuell zwischen Kunde und Kreditinstitut festgelegt. Erst wenn die eingeräumte Kreditlinie überschritten wird, wird eine vereinbarte Überziehungsprovision fällig.

In dem gewährten Kontokorrentkreditrahmen wird der Zinssatz ebenfalls individuell mit dem Kreditinstitut ausgehandelt. Er hängt ab von der Bonität des Betriebs, den Sicherheiten und der Größenordnung des Kredits.

Der Dispositionskredit ist eine Unterart des Kontokorrentkredits, bei dem die Überziehungsgrenzen nicht individuell ausgehandelt werden, sondern nach bestimmten Gruppen von Kreditnehmern standardisiert sind.

Lombardkredite
Der Lombardkredit ist ein Festkredit. Der Kreditgeber stellt den Kreditbetrag in einer Summe zur Verfügung und erhält als Sicherheit ein Pfand (auch Faustpfand). Praxisrelevant ist diese Kreditart nur bei Waren, die einen hohen Wert besitzen, leicht zu verkaufen sind und relativ geringe Abmessungen haben. In der Regel dienen bewegliche Sachen wie Schmuck und Edelmetalle, Wertpapiere oder Wechsel als Pfand. Der Vorteil des Kreditnehmers liegt in der kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung, ohne die Pfandobjekte veräußern zu müssen.

Avalkredit
Bei einem Avalkredit übernimmt ein Kreditinstitut eine Bürgschaft für ihren Kunden Dritten gegenüber und ermöglicht dem Kunden somit die Aufnahme eines Kredits bei dem Dritten. Das Kreditinstitut wiederum garantiert gegenüber dem Dritten, dass ihr Kunde seinen Darlehensverpflichtungen nachkommt. Somit stellt die Bank ihrem Kunden keine liquiden Mittel, sondern die Kreditwürdigkeit zur Verfügung. Die Kosten des Avalkredits ist die Avalprovision, sie liegt je nach Risiko bei zwei bis drei Prozent des Bürgschaftsbetrags. Die Höhe und die Laufzeit eines Avalkredits hängen in der Regel von der Kontokorrentlinie ab, die das Kreditinstitut dem Kunden gewährt. Die Inanspruchnahme eines Avalkredits mindert entsprechend das Kontokorrentvolumen. Beim Avalkredit ist eine Maximallaufzeit von einem Jahr gängige Praxis.

Beispiel: Eine Bank stellt gerade relativ günstige Kredite zur Verfügung. Die Zinsen für einen Kredit sind mit sieben Prozent deutlich billiger als die marktüblieben zehn Prozent, die auch die Hausbank dem Unternehmer anbieten könnte. Der Unternehmer ist aber nur seiner Hausbank als guter Kunde bekannt, ihr hat er auch entsprechende Sicherheiten hinterlegt. Der Unternehmer erhält von der Hausbank einen Avalkredit von 80.000 Euro und zahlt ihr hierfür 1,5 Prozent des Bürgschaftsbetrags. Dafür übernimmt die Hausbank gegenüber der anderen Bank die Haftung für diesen Betrag, und die Bank zahlt an den Unternehmer den billigen Kredit aus. Der Unternehmer spart also insgesamt 1,5 Prozent.

Wechselkredit
Der Wechsel an sich ist ein Wertpapier. Der Aussteller des Wechsels, der so genannte Bezogene, ist verpflichtet, dem Empfänger oder einer dritten Person eine bestimmte Summe Geld zu zahlen. Festgelegt sind auf dem Wertpapier der Zahlungszeitpunkt (Fälligkeit) und der Ort der Zahlung. Der Geldbetrag aus dem Wechsel steht dem Berechtigten zu, dieser kann den Wechsel übertragen (verkaufen).

Der Wechselkredit wird in Diskont- und Akzeptkredit unterschieden. Beim Diskontkredit kauft ein Kreditinstitut einen noch nicht fälligen Wechsel von dem Berechtigten auf und gewährt ihm dafür bis zum Verfalltag des Wechsels einen Kredit.

Beispiel: Ein Kunde des Unternehmers ist derzeit nicht liquide. Für eine Lieferung im Wert von 20.000 Euro unterschreibt der Kunde dem Unternehmer einen Wechsel, wonach das Geld in 60 Tagen im Betrieb des Unternehmers fällig wird. Eine Woche später braucht der Unternehmer aber den kreditierten Betrag selbst. Er verkauft den Wechsel an seine Hausbank, die dem Unternehmer sofort den Betrag von 20.000 Euro auszahlt. Somit hat die Hausbank einen Diskontkredit gewährt.

Beim Akzeptkredit verpflichtet sich ein Kreditinstitut einen Wechsel im Rahmen der vereinbarten Kreditsumme auszuzahlen. Der Kunde hat nun die Möglichkeit, gemäß der mit dem Kreditinstitut getroffenen Vereinbarung den Wechsel zu verkaufen und flüssige Mittel zu erlangen. Gleichzeitig ist er aber verpflichtet, zum Zeitpunkt der Wechselfälligkeit den eingeräumten Wechselkredit an die Bank zurückzuzahlen.

Beispiel: Der Unternehmer vereinbart mit seiner Hausbank einen Akzeptkredit über 30.000 Euro. Über diesen Betrag stellt die Bank einen Wechsel auf den Unternehmer aus. Nachdem er eine Rechnung über 30.000 Euro bezahlen muss, überreicht der Unternehmer seinem Lieferanten den Wechsel. Somit wendet sich der Lieferant nach Ablauf der Wechselfrist an die Hausbank. Diese fordert ihr Geld dann ihrerseits vom Unternehmer.

Leasing

Leasing ist eine besondere Form der entgeltlichen Nutzungsüberlassung. Wenn von Leasing gesprochen wird, meint man das Finanzierungsleasing als mittel- oder auch langfristiges Finanzierungsinstrument, bei dem der Vertrag über einen erheblichen Teil der Nutzungsdauer nicht gekündigt werden kann. In der Praxis sind meist zwei Varianten anzutreffen.

Vollamortisationsleasing
Bei dieser Vertragsform werden dem Leasinggeber in der Grundmietzeit über die Leasingraten alle Kosten zuzüglich einer Gewinnmarge erstattet. Erkennbar ist diese Art der Verträge daran, dass am Ende der Grundmietzeit der Leasingnehmer das Objekt ohne weitere Abschlagszahlung zurückgeben kann. Der Leasingnehmer hat regelmäßig auch das Optionsrecht, den Mietvertrag zu verlängern oder zu einem festgesetzten Preis das Leasingobjekt zu erwerben.

Teilamortisationsleasing
Die vertraglich vereinbarten Leasingraten decken nicht immer einen im Vertrag bestimmten Restwert. Am Ende der Laufzeit des Vertrags hat der Leasingnehmer für diesen Restwert einzustehen. Im Vertrag ist regelmäßig ein Andienungsrecht zum Verkauf oder ein Mehrerlösbeteiligungsrecht vereinbart.

Leasing für Existenzgründer
Im Rahmen von Existenzgründungen bieten sich über Kreditinstitute und diesen angeschlossenen Gesellschaften regelmäßig Möglichkeiten an, einen hohen Finanzbedarf in einem Kredit- und einen Leasingteil zu splitten. Da für die Kreditvergabe und den Abschluss des Leasingvertrages unterschiedliche Bedingungen gelten oder zwei verschiedene Institute maßgebend sind, können eigenkapitalschwachen Existenzgründern unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Finanzierungswege eröffnet werden.

Hypotheken- und Investitionsdarlehen

Hypotheken- und Investitionsdarlehen sind langfristige Darlehen. Es handelt sich um unverbriefte Kredite auf der Basis eines Darlehensvertrages.

Hypothekendarlehen
Beim Hypothekendarlehen ist die Rückzahlungsverpflichtung durch Eintragung einer Hypothek an einem Grundstück im Grundbuch abgesichert. Bei einem Grundschulddarlehen wird eine Grundschuld eingetragen. Die Laufzeit und damit die Zinsbindung kann bis zu fünfzehn Jahren betragen.

Investitionsdarlehen
Investitionsdarlehen dienen der Anschaffung von Anlagegütern, also Maschinen und Gegenständen der Betriebsausstattung. Hier wird die Laufzeit des Darlehensvertrags in der Regel mit der Lebensdauer des damit finanzierten Gegenstands gleichgeschaltet. Bezüglich ihrer Tilgungsform unterscheidet man das Annuitätendarlehen, das Tilgungs- oder Abzahlungsdarlehen sowie das endfällige Darlehen.

Annuitätendarlehen
Beim Annuitätendarlehen wird eine über die Laufzeit des Darlehensvertrags gleichbleibende Rückzahlungsrate - die Annuität - vereinbart. Die Annuität setzt sich aus einem Zinsbetrag und einem Tilgungsbetrag zusammen. Da die gezahlten Tilgungsbeträge die verbleibende Kreditsumme im Lauf der Zeit schmälern, die Annuität aber immer gleich bleibt, wird der in der Annuität enthaltene Zinsanteil ständig kleiner und der Tilgungsanteil ständig größer.

Tilgungs- und Abzahlungsdarlehen
Beim Tilgungs- oder auch Abzahlungsdarlehen, bleibt die Höhe der Tilgung während der Laufzeit konstant. Da auch hier die Zinsbelastung mit fortschreitender Zeit geringer wird, ist die Ratenhöhe insgesamt fallend. Es ergibt sich somit entweder eine wesentlich längere Darlehenslaufzeit als beim Annuitätendarlehen oder aber eine höhere Anfangsbelastung des Kreditnehmers.

Beispiel: Der Unternehmer nimmt einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro in Anspruch, mit acht Prozent Zinsen und zwei Prozent Tilgung. Zinsen und Tilgung sind jeweils am Jahresende zu zahlen. Bei annuitätischer Tilgung errechnet sich die Rückzahlungsrate aus acht Prozent Zinsen plus zwei Prozent Tilgung zu einem Betrag von 1.000 Euro.

Dieser ist am Ende des ersten Jahres fällig. Nach der ersten Annuitätenzahlung verringert sich die Darlehensschuld auf 9.000 Euro. Am Ende des zweiten Jahres sind wiederum 1.000 Euro fällig. Es entfallen aber nur acht Prozent von 9.000 Euro auf die Verzinsung, also 720 Euro, und 280 Euro entfallen auf die Tilgung.

Beim Abzahlungsdarlehen ist im ersten Jahr ebenfalls ein Betrag von 1.000 Euro fällig. Am Ende des zweiten Jahres allerdings sind für 9.000 Euro Zinsen in Höhe von 720 Euro zu zahlen. Die Tilgung bleibt mit 200 Euro (zwei Prozent des Darlehensbetrags) konstant. Somit fällt der Kapitaldienst des Unternehmer im zweiten Jahr auf 920 Euro.

Endfälliges Darlehen
Bei der endfälligen Tilgung wird der geschuldete Betrag am Ende der Darlehenslaufzeit in einer Summe zurückgezahlt. Somit fallen gleichbleibende Zinsbeträge an. Während der Darlehenslaufzeit ist die monatliche Belastung also vergleichsweise gering. Es ist so eventuell möglich, die für die endfällige Tilgung benötigten Beträge anzusparen.

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